
Gegen
11 Uhr fahren wir zum ADAC, um noch die passenden Reiseunterlagen zu holen,
Karten, Empfehlungen, Sehenswürdigkeiten. Nun ja, gut vorbereitet waren wir
nicht, zumal uns der Wetterbericht am Vorabend zu dieser Reiseroute verhalf. Wir
wollten möglichst wenig Regen, also entschieden wir uns zu dem Ziel Rumänien
über Österreich, Slowakei und Ungarn. Um schnell vorwärts zu kommen, sind die
ersten Kilometer Autobahn. Abends kommen wir am
Neusiedler See an und gönnen uns für den anstrengenden Tag Spaghetti
Bolognese mit 2 Knollen Knoblauch und einer viertel Flasche Tabasco. Dazu wird
ein Wein kredenzt.
Es schüttet in strömen, wie es der Wetterbericht versprochen hatte. Nix wie weg hier und ab in die Sonne. Mittags erholen wir uns von der Fahrerei am Donauufer der Slowakei und halten ein Mittagsschläfchen ab. Weiter in Ungarn, wollen wir mittels Fähre die Donau überqueren. Euros werden nicht akzeptiert, also sind wir auf einen Umweg durch Budapest gezwungen. Bei 38°C im Schatten wird die Fahrt wie gegen einen Heißluftföhn. Das ständige Stehen bleiben im Budapester Verkehr und die Hitze macht uns fast wahnsinnig. In Tiszafüred (Ungarn) finden wir einen Campingplatz mit Pool. Leider haben sich die Mücken auf unser Kommen vorbereitet und bereits die Rüssel gewetzt. In voller Motorradmontur stellen wir das Zelt auf, trotzdem sind die Stiche unzählig.

Es
geht weiter durch die öde Pusta-Landschaft Ungarns. Mit dem Pferd mag das ja
ganz nett sein, mit dem Moped ist die Fahrt nur langweilig. Die Langeweile wird
nur durch das Aufleuchten der Warnung "LAMPR!" meiner
GS1200 unterbrochen. Störche fliegen umher und ab und zu begegnet uns ein
Pferdewagen.
Der Grenzübergang nach Rumänien ist problemlos, allerdings die Straße nicht. Diese sind in erbärmlichem Zustand, dazuwischen noch Pferdewagen und Kühe, die den Verkehr behindern. Wir fahren ein Stück an der Ukrainischen Grenze in den Karpaten entlang. Es wird deutlich kühler. Auf der Suche nach einem Campingplatz finden wir eine Motorradgruppe. Einer von den Fahrern ist so freundlich und führt uns zu einem Campingplatz, den wir nie gefunden hätten. Richards GPS hat zudem eh nur die wichtigsten Straßen Rumäniens und entsprechend unserer kurzfristigen Planung sind wir auf solche Hilfe angewiesen. Wir beenden den Abend bei Bohnen mit Speck und wie gewohnt reichlich Knoblauch (2 Knollen) und den bewundernden Augen eines holländischen Bikers. In diesen Breiten ist zudem sinnvoll Knoblauch reichlich zu konsumieren, im Land der Vampire ... Es beginnt zu regnen.

Die Fahrt auf regennasser Fahrbahn macht nur bedingt Spaß. Jetzt kommen zu den reichlich großen und tiefen Schlaglöchern auch rutschiger Fahrbahnbelag dazu. Es ist kühl in den Wäldern der Karpaten, ab und zu darf die Griffheizung herhalten. Weiter unten wird es hingegen wieder so heiß, dass eine Ganzkörperkühlung ganz angemessen wäre. Wir treffen unterwegs so allerlei Gefährte, so z.B. transportiert einer ein verrostetes Schrottauto auf seiner Pferdekutsche, während woanders einer den Motor seiner Pferdekutsche einfach am Straßenrand liegen ließ (das Pferd ist verendet). Hier sind Pferd einfach Nutztiere und werden gequält, bis sie tot umfallen. Was einerseits auch wieder erstaunlich ist, denn sonderlich wohlhabend scheint hier keiner, um sich mal schnell beim Pferdehändler an der nächsten Ecke einen neuen Antrieb zu besorgen. Wir übernachten in den Bergen bei ca. 1100 m Höhe. Es wird recht frisch und so verziehen wir uns bald in die Schlafsäcke. Den Toiletten nähert man sich nur ungern auf 20 Meter, es stinkt. Ich ziehe es vor ein unbeobachtetes Plätzchen zu finden ...
Nachts
regnet es wieder. Wir machen uns auf, die Karpaten zu durchfahren. Wir genießen
die
schöne Landschaft, das brillante Wetter und die
Pässe. Leider sind die Rumänen um ihre schöne Landschaft nicht bemüht,
beinahe bei jedem Schritt in den Wald tritt man auf Müll. Wir beobachten sogar
einen Autofahrer, anhält und seine auf der Rücksitzbank gelagerten
Müllsäcke in die Waldböschung verabschiedet. An der
Stolzenburg genehmigen wir uns die Mittagsbrotzeit und einen herrlichen
Blick runter auf den Ort. Hier spricht man zum Teil deutsch. Nach einem
kleinen Schläfchen fahren wir auf der tiefen Schotterstrecke wieder herunter in
den Ort und Richtung Fagaras-Passroute. Dort suchen wir abseits der Strecke auf
einer Schotterpiste unseren nächsten
Schlafplatz. Bei
Lagerfeuer, Spaghetti mit, wie soll es anders sein, 2 Knollen Knoblauch und
einer Flasche Rotwein genießen wir die laue Luft und den sternenklaren Himmel.

Wir
genießen die Sonne,
waschen Wäsche und uns. Nach unserer gründlichen Morgentoilette fahren wir
die wunderschöne Fagaras-Route zu ende und gelangen wieder ins heiße Tiefland.
An der Donau und der serbischen Grenze entlang fahren wir hinter Trucks der
schönen Donaulandschaft entlang. Wir sind spät dran, erledigen noch einen
schnellen Einkauf und machen uns im Dunklen auf Schlafplatzsuche. Bei diesen
Straßen kein Vergnügen. Trotzdem war das Vergnügen heute, bei voller Fahrt eine
Wespe in meinem Visier rumklettern zu sehen, noch geringer. Wir schlagen uns
etwas Abseits in die Büsche und leuchten mit der Festtagsbeleuchtung der zwei
GS1200 das Gelände aus, bis wir endlich unsere Bleibe finden. Ein
sandiges Fleckchen mit ordentlich Straßenlärm und erstaunlich wenig Mücken.
Nach dem Frühstück wir zügig gepackt und es geht weiter Richtung Szeged/Ungarn. Wir fahren eine ganz nette Strecke durchs Innenland und brauchen unsere restlichen Zwiebeln und Knoblauch (3 Zwiebeln und 2 Knollen) für eine Zwiebelsuppe in einem schattigen aber lichten Wäldchen auf. Bei 36°C heizt uns der restliche Tabasco auch nicht mehr ein. In nur drei Gerichten war die volle Flasche Tabasco leer - komisch, das Zeug. Ich dachte immer es wäre scharf ;-)
Auf dem Campingplatz in Szeged - den wir ohne GPS vermutlich nie gefunden hätten - kühlen wir uns im Pool ab, nachdem uns zuvor ein begeisterter ungarischer Biker mit einem Willkommensbierchen begrüßt hatte. Den heutigen Nationalfeiertag in Ungarn lassen wir uns nicht entgehen und schlappen in die Stadt hinein. Das üppige Treiben lassen wir uns bei einem Latte Macchiato in einem Straßencafé gut gefallen.
Wir fahren weiter nach Kroatien.
Unterweg führt uns das GPS - auf kürzestem Weg - einen
Hohlweg entlang, der
so bewachsen war, dass keine Fahrspur mehr zu sehen war. Leider waren sie aber
zu fühlen, denn der Weg war dermaßen ausgefahren, dass unsere Boxer
wahrscheinlich aufgesetzt hätten, wären wir in die Spurrillen gerutscht. Kurz:
es war ein ziemlicher Eiertanz auf der sandigen und stark bewachsenden Strecke,
wobei ständig Äste und Sträucher unsere Hände und Visiere attackierten. Heute werden mal wieder Kilometer geschrubbt
und da wir in Kroatien keinen Campingplatz auf der Strecke finden, geht's weiter
nach Slowenien. Erst im Dunklen kommen wir am Campingplatz (Camping Therme in Ptuj) an und schlagen unser Zelt auf. Heute war ein anstrengender Tag.
Auf der Weiterreise sticht mich eine Biene in den Hals. Bis ich zum Stehen komme hat der verbliebene Giftsack sich bereits komplett in mich entleer und hängt immer noch pulsierend am Stachel. Allergische Reaktionen wie Sodbrennen und jucken im Rachen verübeln die Fahrt, so dass ich erstmal mein Sodbrennen mit 2 Litern Wasser ersäufe. In Bled fahren wir an den uns bereits bekannten Campingplatz und lassen den Nachmittag gemütlich ausklingen. Ein kleiner Ausflug in den Ort und ein Käffchen, dann gibt' Abendessen.
Der Bienenstich juckt ganz ordentlich. Auf der Fahr in die Dolomiten fängt es das Regnen an. Auf den Pässen hat es nur noch 10 °C und so macht es überhaupt keinen Spaß mehr auf den regennassen Straßen und klammen Händen die Kurven zu nehmen. Zudem sind die Autofahrer ebenso vorsichtig und behindern permanent den Verkehrsfluss. Gegen zwei Uhr nachmittags entschließen wir uns bei einem Kaffee zur Heimreise. Es pisst fast die ganze Strecke, bis ich endlich gegen viertel neun bei meinen Eltern ankomme. Richard hat sich bereits in Österreich noch von mir getrennt, er hatte es noch eiliger nach Hause zu kommen.
