Saharadurchquerung 1990/91
von
Michael Pophal
Zuerst möchte ich kurz ein paar Worte über meine Reisepartner
verlieren: Michael S. studiert Informatik und ist zu Hause in Hof. Er
ist der älteste von uns und mit seinem Studium bald fertig. Matthias M.
studiert Physik und kommt aus Eschwege/Bad Soden Allendorf. Eigentlich
war es auch seine Idee nach Afrika, genauer in den Kongo zu fahren, um
dort seinen Freund Patrik zu besuchen. Mike und Matti wohnen zusammen in
einer Wohngemeinschaft, in die ich aus etwas unglücklichen Umständen
mit eingezogen bin. Die Planung bedurfte gut ein halbes Jahr, wobei
Fahrzeuge, Ersatzteile, Wüsten- und Urwaldausrüstung, Medikamente,
Werkzeuge, Lebensmittel und alle notwendigen Papiere und Impfungen
beschafft werden mussten. Da wir alle "Wüstenneulinge" sind,
versuchten wir auch Informationen von alten "Wüstenfüchsen"
zu bekommen. Unser Toyota Landcruiser ist ein erbärmlicher
Schrotthaufen, der uns für DM 1800,- überlassen wurde. Der Hanomag
AL-28, von vielen Seiten als das Wüstenauto empfohlen, sollte unser
zweites Fahrzeug sein. Ein Feuerwehr-Hanomag diente als
Ersatzteillieferant, wobei wir das Schaltgetriebe unseres
Rotkreuz-Hanomags sofort wechseln mussten. Ahnung von Kfz-Technik hatten
wir alle drei ein wenig und ergänzten uns so recht gut. Also, los
geht's ins ungewisse!!!
Montag 05.November 1990 Erlangen Richtung Stuttgart
Kilometerstand: 48948km
Um 11.00 Uhr geht es endlich los, "Cruiser" ist mit
Lebensmitteln vollgestopft bis unters Dach, auf dem Dach sind noch 3
Matratzen und 4 Holzstangen, die als Zeltstangen Verwendung finden
sollen. Der "Hano'" ist überladen mit Wasser- und
Spritkanistern, Dieselfässern, Ersatzteilen (Federblätter, defektes
Schaltgetriebe, Ausgleichsgetriebe, Steckachsen, Reifen mit Felgen ...),
mehreren Kartons Altkleider, Werkzeug und einem grünen Schrank. Die
Altreifen, Altkleider, Autoradios Marke Uralt und das Mercedes-Getriebe
sollen uns noch Geld einbringen. Wir sind gut ausgerüstet, also auf
geht's ... Den ersten Abschnitt fahre ich mit "Hano", bis wir
auf halber Strecke in Richtung Stuttgart einen Feldweg zum übernachten
ansteuern. Es gibt Ravioli. Die Nächte im November scheinen recht
frisch zu sein.
Dienstag 06.November 1990 kurz vor Baden-Baden
Wir fahren nach Stuttgart, um noch einige Medikamente zu besorgen,
wie Paludrine zur Malaria-Prophylaxe. Mattis Typhus-Tabletten müssen
kühl lagern, deshalb gibt es für ihn keine Typhus-Impfung mehr. Bei
frostiger Kälte machen wir uns Pasta Asciutta und schlafen am
Lagerfeuer auf einem Parkplatz.
Mittwoch 07.November 1990 Lilienhof
Als ich das erste Mal aufwachte, dachte ich der weiße Belag auf den
Schlafsäcken und den Autos währe die Asche vom Lagerfeuer, bis ich
dann am gefrorenen Wasser feststellte, dass jener Belag Reif ist. Wir
"cruisern" zu dritt nach Baden-Baden und lassen den Hanomag
zurück. Um unsere Urwaldausrüstung zu vervollständigen, versuchten
wir beim Bühler Hans (Versandhaus) Macheten zu kaufen, leider
ausverkauft. Nachdem wir einen Ölwechsel von etwas weniger
umweltbewussten ausländischen Mitbürgern ins Grundwasser verhindern
konnten, setzten wir uns in Richtung Freiburg in Bewegung. Nach
längerer Suche fanden wir in einem Wald einen Schlafplatz mit
Feuerstelle. Diese war auch dringend notwendig, es ist wieder brechend
kalt.
Donnerstag 08.November 1990 Courdes - Mouhlhouse - St.Etienne
Frühmorgens stoppt ein Suzi-Jeep. Oberförster Putlich checkt die Lage
und fährt weiter. Etwas später weckt mich die Polizei. Es ist ihnen
unverständlich, wie man bei einer solchen Kälte draußen pennen kann,
deshalb überprüften sie unsere Personalien. Sie wünschten noch eine
gute Reise und fuhren wieder ab. In Freiburg erledigen wir noch ein paar
Sachen (internationaler Studentenausweis für Mike, Keilriemen für
"Hano", Radkreuz, Expander, ADAC). Nach einem kurzen Anruf zu
Hause setzten wir uns nach Frankreich ab. Wir sind die Nacht
durchgefahren und kochten uns unterwegs einen Milchreis.
Freitag 09.November 1990 unweit von St. Etienne
Das Ausgleichsgetriebe vom "Hano" ist kaputt! Wir
errichten uns erst mal aus unseren "Zeltstangen" und einer
großen Lastwagenplane ein Zelt und pennen ein paar Stunden. Nachdem
Mike und ich das Ausgleichsgetriebe mit Seilen und Wagenhebern
demontiert hatten, stand die Diagnose fest, Lagerschaden. Matti war
unterdessen beim Geld wechseln und einkaufen. Die abendliche Idylle,
Feuertopf bei Lagerfeuer, wurde von zwei Bauern gestört, die
offensichtlich eine Gefahr für den angrenzenden Wald gesehen haben.
Naja, das Lagerfeuer war wohl auch mehr ein Höllenfeuer und der
Funkenflug ging wirklich bis in den Wald hinein. Mit Wasser und
Schaufeln löschten wir also das Feuer.
Samstag 10.November 1990 Standort wie gestern
Der Einbau des etwa 50kg schweren Ersatz-Getriebes dauerte bis in
den Nachmittag hinein. Mit meinen hervorragenden Französischkenntnissen
ging ich noch einkaufen. Die Nacht verbrachten wir wieder hinter dem
Steuer. Das Schaltgetriebe von "Hano" macht uns Sorgen. Der 3.
Gang kracht wie ein Presslufthammer, weshalb wir auch vermeiden ihn zu
benützen.
Sonntag 11.November 1990 Toulouse - Gardouch/Nailloux
Völlig übermüdet erreichen wir Toulouse und wollen nichts anderes
als schlafen. Bei der Schlafplatzsuche kippt unser "Hano" vor
einer Privatklinik fast um. Wir schlagen uns in einen Wald und pennen
dort, aber nicht lange ... der Waldbesitzer verjagt uns. Zu dritt im
"Cruiser" suchen wir nach einem Hallenbad zum Waschen und
Pennen. Da das Bad erst um 15 Uhr öffnet, machen Matti und ich erst
mal, ziemlich pennermäßig, am Straßenrand vor einer Veranstaltung
Brotzeit. Mike ist dieses Schauspiel zu peinlich und verschwindet im
Hintergrund. Wir haben ziemlich gutes Wetter. Zwischen Gardouch und
Nailloux schlagen wir, auf einer Wiese, unser Lager auf und beschließen
am nächsten Tag das Schaltgetriebe zu untersuchen (100km vor Spanien).
Es gibt Pfannkuchen.
Montag 12.November 1990 Standort wie gestern
Das Wetter ist sehr gut und so beginnen wir mit der Arbeit. Das
Schaltgetriebe wird ausgebaut und der "Cruiser" wird um seine
Anhängekupplung erleichtert. Nach der Zerlegung des Getriebes stellten
wir fest, dass vom 3. Gangrad 2 Zähne fehlen. Auch ist ein Senkniet
abgebrochen. Die allgemeine Stimmung geht in den Keller. Ist die Reise
zu Ende?
Nach einer langen Diskussion mussten wir uns entscheiden; das Getriebe
reparieren war unmöglich. Entweder müssen wir für den Hanomag ein
Ersatzauto finden oder ein Ersatzgetriebe besorgen.
Dienstag 13.November 1990 Standort wie gestern
Wir zerlegen das andere kaputte Schaltgetriebe, können aber nichts
reparieren. Wir telefonieren mit sämtlichen Hanomag-Händlern in
Deutschland, aber keiner kann uns helfen. Es stellt sich heraus, dass
bei allen Hanomag-Getrieben, die zur Verfügung stünden, der 3. Gang
den Abgang gemacht hat; offensichtlich eine Schwachstelle auf die uns
nie einer aufmerksam gemacht hat.
Mittwoch 14.November 1990 Standort wie gestern
Wir fahren nach Toulouse und klappern einen Kfz-Händler nach dem
Anderen ab, die Peuguot-Busse oder Pickups sind alle viel zu teuer. Wir
müssen also doch ein Getriebe besorgen, oder die Afrika-Reise ist zu
Ende bevor wir afrikanischen Boden betreten haben. Wir nutzen unsere
letzte Chance und rufen bei einem Hobby-Hanomag-Bastler in Dormagen bei
Köln an. Herr Beyen hat ein Getriebe, muss allerdings noch überholt
werden. Dieses Getriebe kostet "sage und schreibe" nur DM
800,-. Es wird sehr stürmisch und unsere Zeltkonstruktion hält nicht
stand. Wir bitten den Bauern unser Zelt im Windschatten des angrenzenden
Waldes zu legen.
Donnerstag 15.November 1990 Auf dem Weg nach Köln
Es regnet ständig, die Wiese ist durch das ständige hin und
herfahren zu einer einzigen Schlammpiste geworden, Allrad ist
mittlerweile nötig. Um das Getriebe zu beschaffen haben wir zwar ein
paar Möglichkeiten, jedoch scheiden die meisten aus finanziellen
Gründen aus. Mit dem "Cruiser" nach Köln fahren, kostet
ungefähr DM 600,- Sprit, mit der Bahn kostet die Fracht 700 Francs und
dauert eine Woche oder 1000 Francs und dauert 3 Tage. Eine
Personenbeförderung kostet auch 700 Francs. Wir haben also nur noch
zwei Möglichkeiten, entweder wir trampen oder versuchen einen
ADAC-Schutzbrief nachträglich abzuschließen und lassen uns das
Getriebe durch den ADAC liefern. Matti und ich trampen nachts los und
schaffen ca.100km. 1400km liegen noch etwa vor uns. Wir laufen Kilometer
weit, sind müde, können aber wegen der Kälte nicht schlafen, also
weiterlaufen. Kein Auto hält und wir sind mittlerweile so fertig, das
wir trotz Kälte an einem Parkplatz anhalten und schlafen. Die Stimmung
ist absolut mies.
Freitag 16.November 1990 Auf dem Weg nach Köln
Wir sind früh aufgestanden und laufen wieder. Der Weg über Paris
nach Köln ist noch weit. Wir werden nach Cahors mitgenommen, von dort
aus prügelt ein Trucker mit uns und seiner 500PS Maschine nach Brive.
Nach 3 stündigem Warten an einer Autobahneinfahrt und einsetzendem
Nieselregen mit Schnee vermischt, gehen wir völlig frustriert zur Post.
Ali, ein weiterer WG-Mitbewohner, muss für uns den ADAC-Schutzbrief
organisieren. Er muss mit meiner Mitgliedskarte und meiner gefälschten
Unterschrift den Schutzbrief abschließen und uns zuschicken. Wir fahren
per Zug, natürlich ohne Ticket, nach Toulouse. Hoffentlich ruft Mike
bei Ali an, damit er uns am Bahnhof abholen kann. Auf ihn ist Verlass,
gegen Mitternacht
holt er uns ab. Endlich wieder schlafen! Mike hat Wartungsarbeiten am
"Cruiser" durchgeführt.<
Samstag 17.November 1990 Standort wie gestern
Wir schlafen uns aus (bis 14 Uhr) und essen etwas, dabei schütte ich
mir noch Matti's heißen Kaffee über die saubere Hose. Daraufhin wird
meine gesamte Dreckwäsche einer gründlichen Reinigung unterzogen,
danach war ich dran. Im November draußen duschen ist ziemlich
erfrischend. Hoffentlich wird die Wäsche trocken! Ali hat noch keine
Post bekommen.
Sonntag 18.November 1990] Wieder beim kaputten Hanomag
Der Bauer, auf dessen Acker wir unsere Pension errichtet haben, ist
recht nett, er schenkt uns Eier und Kartoffeln. Wir kochen eine Suppe
und spät abends gibt es noch Braterpfel. Ein Feuersalamander hat es
sich unter Mike's Isomatte gemütlich gemacht und wäre von ihm beinahe
geplättet worden. Von den 13500km zum Kongo haben bis jetzt ungefähr
1500km zurückgelegt.
Montag 19.November 1990 Standort wie gestern
Ali hat noch keine Post bekommen. Das Wetter ist ziemlich
deprimierend. Der "Cruiser" zerlegt sich allmählich, die
Karosserieaufhängung vorne links ist ab, der Kühlergrill zerfällt,
durch den Radkasten vorne links spritzt das Regenwasser an die Füße
und die Türen klemmen. Das Getriebe klingt auch etwas merkwürdig. Es
wird doch nichts ernstes sein? Bratkartoffeln beschließen den Tag.
Dienstag 20.November 1990 Standort wie gestern
Das Wetter ist ausnahmsweise mal schön und meine Wäsche kann
endlich trocknen. Von Ali nichts Neues!
Mittwoch 21.November 1990 Standort wie gestern
Ali ist nicht da! Wir versuchen unsere Kochkünste in Zwiebelsuppe.
Donnerstag 22.November 1990 Standort wie gestern
Unser täglicher Anruf an Ali, er hat alles erledigt! Jetzt müssen
wir auf das Eintreffen der Unterlagen warten. Es regnet ständig und
unsere Auffahrt zum Lager wird immer mehr "niedergecruisert".
Wir sammeln das ablaufende Regenwasser, um unsere erschöpften
Trinkwasserreserven wieder aufzufüllen. In der Holzkiste, welche
sämtliche Koch-Utensilien beinhaltet, kurz "Hundesarg"
genannt, hat sich eine Maus eingerichtet. Die Feuertopf-Konserven werden
um eine vermindert.
Freitag 23.November 1990 Standort wie gestern
Meine zwei Schlafsäcke halten der klirrenden Kälte stand. Die Tage
des Wartens vergehen sehr langsam und werden mit essen oder jonglieren
vertrieben. Unsere Maus ist über Nacht ins Spülwasser gefallen und
ertrank. Im Supermarkt von Villefranche spricht uns der Metzger an; ja,
man kennt uns eben! Ich ersetze mein verlorenen Ohrstecker durch einen
Ohrring beim Juwelier. Am Abend gab es Curry-Geschnetzeltes, wobei unser
Benzinbrenner (Marke Juwel) mit einer 1m hohen Stichflamme unsere
Zeltplane versengte. Am 01.Dezember. 1990 müssen wir in Algerien
eingereist sein, ansonsten ist das Visum abgelaufen.
Samstag 24.November 1990 Standort wie gestern
Die Polizei hat uns mit vorgehaltener Pistole geweckt, unsere Pässe
ins Funkgerät buchstabiert und sind ohne irgendwelche Androhungen
wieder verschwunden. War's der Bauer?
Ein Monat noch bis Heilig Abend und es regnet natürlich wieder. Wir
sind am Lac de Nailloux spazieren gegangen. Der ADAC besorgt uns das
Getriebe aus Köln, allerdings erst bis Mittwoch. Wir rufen noch mal in
Dormagen/Köln an, um alles zu klären, doch oh' Schreck, das Getriebe
ist weg!
Das nächste Getriebe ist erst am Mittwoch fertig, d.h. wir haben es
frühestens am Freitag. Wir beschließen einstimmig, das alte Getriebe
einzubauen und erst mal weiter zu fahren.
Gekocht wird wie immer, auf dem Bauch liegend im Schlafsack, sonst ist
es zu kalt. Die Finger werden schön langsam klamm, der Winter lässt
grüßen. Der Kartoffelstampf mit Erbsen und Würstchen war zum Kotzen,
würg!
Sonntag 25.November 1990 Standort wie gestern
Matti streikt, er will jetzt doch auf das Getriebe warten. Mike und
ich montieren Kupplung und Getriebe. Die Finger verlieren vor Kälte
langsam das Gefühl.
Montag 26.November 1990 Narbonne - Barcelona - südlich von
Tarragona
Kilometerstand: 51013km
Der ADAC-Schutzbrief ist da. Beim rückwärts Einparken vor dem Postamt
hatte ich, um nach hinten sehen zu können, die Türe geöffnet. Leider
blieb die Tür dabei an einem Geländer hängen und verlor, unter lautem
Krachen, seine ursprüngliche Form. Zum Schließen bedarf es von nun an
ziemlich viel Kraft, dafür öffnet sie sich wie eine gespannte Feder.
Matti streikt immer noch. Das Lager wird abgebrochen und der Hanomag
wieder vollgeschlichtet. Gegen 16 Uhr sind wir aufgebrochen und um 6 Uhr
suchten wir einen Schlafplatz.
Dienstag 27.November 1990 Torreblanca - Valencia - Altea
Ich hatte mit Matti eine Aussprache, jetzt ist er wieder Alte. Die
Fahrt ohne 3. Gang ist eine Quälerei für Mensch und Maschine. Die
Leistung von "Hano" reicht nicht aus um vom 2. Gang in den 4.
zu beschleunigen, d.h. fahren im 2. Gang ist angesagt. Bei einem Tempo
von 23km/h ist ein Geschwindigkeitsrausch noch fern. Doch manchmal,
nämlich Berg ab, konnte man die Höchstgeschwindigkeit von 76km/h durch
zuschalten des 4. Ganges erreichen. Die Fahrt mit dem Toyota war
allerdings auch kein Vergnügen mehr, denn es entwickelten sich
mittlerweile einige Defekte an Lenkung, Bremsen, Karosserie und
Instrumentierung. Die Straßen sind gesäumt von Orangen-Plantagen. Nach
einer merkwürdigen Umleitung über extrem schmale
Serpentinen-Schlaglochpiste kommen wir an unseren Schlafplatz, ein
Strand unter sternenklarem Himmel. Beim Meeresrauschen genießen wir
unseren x-ten Feuertopf und schlummern langsam ein.
Mittwoch 28.November 1990 Alicante - Elche - Murcia -
Almerie - Adra
Kilometerstand: 51747km
In der Früh wird mit Köln und dem ADAC telefoniert. Die DM 60,- haben
sich gelohnt, das Getriebe wird nach Malaga geflogen und kommt dort am
Freitag oder Samstag an. Matti und ich haben uns nach einer Woche
endlich mal wieder gewaschen und zwar im Meer. Es war zwar kalt, hat
sich aber gelohnt. Nach dem Abdichten der Hanomag-Einspritzpumpe und
diversen Einkäufen, u.a. eine Saftpresse, machten wir uns wieder auf
den Weg (21 Uhr). Ein Seesack voll Orangen wird nebenbei noch geerntet,
das gibt frisch gepressten Valensina! Um 7 Uhr finden wir einen
Schlafplatz am Strand, oder war es eine Müllhalde? Egal, wir sind
müde.
Donnerstag 29.November 1990 Malaga
Während ich meine Jongliertechniken trainiere, pennen Mike und
Matti seelenruhig in ihren Mountains. Doch die Ruhe wird bald gestört.
Eine Polizeistreife kommt vorbei und erkundigt sich nach dem großen
Haufen Orangen. Eine Quittung hatten wir natürlich nicht und deshalb
wurden unsere Fahrzeuge gründlich gefilzt. Die Palette Koks in Alutüten verpackt
versetzte die Bullen in dann ware Verzückung. Als sich das Koks dann doch nur
als Milchpulver entpuppte trotteten sie enttäuscht von dannen. Sorry Jungs!
Tagsüber ist es ziemlich
heiß, dafür wird es Nachts auch ziemlich kalt. Das Getriebe können
wir am Samstag abholen. Nach dem Pfeffersteak sind wir mal wieder die
Nacht durchgefahren.
Freitag 30.November 1990 Standort wie gestern
An einem versteckten Platz in Malaga errichten wir unser Lager. Dort
lernten wir auch Pierre und Chef kennen, zwei herrenlose Hunde. Wir
überlegten ernsthaft, ob nicht einer von ihnen in Afrika uns gute
Dienste als Wachhund leisten könnte. Chef meldete uns sofort, wenn sich
Spaziergänger näherten, Pierre dagegen war eine richtige Schlafmütze.
Die Namen bekamen die Hunde übrigens von uns, "Chef"
deswegen, weil er der stärkere, dominante war und "Pierre"
bekam seinen Namen, weil er uns immer mit einem Stein (frz. Pierre) im
Maul begrüßte. Schlafen durften die Hunde mit uns auf den Matratzen,
was sie sehr zu schätzen wussten. Das Getriebe können wir erst am
Montag holen, weil der Zoll übers Wochenende geschlossen hat.
Samstag 01.Dezember 1990 Standort wie gestern
Heute läuft unser Algerien-Visum aus. Matti, Chef und ich "cruisen"
zum Flughafen, in der Hoffnung das Getriebe doch zu bekommen. Der Zoll
hat wirklich übers Wochenende geschlossen, das bedeutet wieder warten.
Chef kann sich an das Autofahren und die Leine nicht gewöhnen und
führt sich auf als würde zur Schlachtbank geführt. Nach den
Pfannkuchen hielten wir erst mal Siesta, die Hunde mit. Die Sonne brennt
heiß auf unsere Bäuche. Mit Keksen versuchten wir die Hunde zu
dressieren. Da sich die beiden auf unseren Matratzen zu wohl fühlten
und für uns keinen Platz mehr übrig ließen, mussten wir sie von
unserem Schlafplatz mit Gewalt entfernen.
Sonntag 02.Dezember 1990 Standort wie gestern
Mit dem Einstellen der Hanomag-Ventile und dem Dressieren der Hunde
vertreiben wir unsere Langeweile.
Montag 03.Dezember 1990 Algeciras - Ceuta - Tetouan (Riff
Gebirge)
Endlich konnten wir das Getriebe vom Zoll abholen, es ergab sich
jedoch ein kleines Problem; ich hab' den "Hano"-Schlüssel
hinten im Koffer eingesperrt. Direkt vor dem Zollgebäude mussten wir
also mit Hebeln und Werkzeug im Koffer einbrechen. Interessierte Beamten
beobachteten uns, schienen aber in keinster Weise über den Einbruch
beunruhigt zu sein. An einem Autobahnparkplatz tauschten wir die
Getriebe aus, der defekte Hanomag-Standgasseilzug wurde erneuert und
anschließend gönnten wir uns noch ein Duschbad, natürlich im Freien.
Der obligatorische Getriebeölwechsel nach 150km brachte Späne ans
Tageslicht; das neue Getriebe wird sich doch nicht schon wieder
auflösen!
In Algeciras erreichen wir die Fähre gerade noch vor dem Ablegen. Der
Grenzübergang nach Marokko war einigermaßen problemlos. Wie
gewöhnlich fuhren wir die Nacht wieder durch, unterbrochen von einem
kleinen überfall eines bewaffneten Marokkaners. Dieser öffnete an
einer geschlossenen Tankstelle die Hanomag-Tür und bedrohte Matti mit
vorgehaltenem Messer. Ziemlich erschrocken stieß Matti den Eindringling
aus dem Auto, schloss die Tür und fuhr weg. Noch mal gut ausgegangen!
Im strömenden Regen suchten wir einen Schlafplatz im Wald. Das wir hier
im Riff-Gebirge sind, die verrufenste Gegend in ganz Nordafrika, lässt
uns nicht gerade in wohlbehagen einschlafen. Matti hat sicherheitshalber
die Hacke in seinem Schlafsack und ich mein Bowie-Messer.
Dienstag 04.Dezember 1990 Chefchauoen - Ketama - Fes -
alg. Grenze
Prompt werden wir am Morgen von Kindern geweckt, die uns zuerst
Waldfrüchte und kurz darauf Haschisch andrehen wollen. Nach Matti's
gestrigem Erlebnis wollten wir eine Konfrontation mit erwachsenen
Haschisch-Dealern vermeiden. Die Kinder im Auge behaltend, versuchten
wir möglichst schnell die Fahrzeuge zu beladen und diesen Platz zu
verlassen. In der Hektik ist uns der Türgriff der hinteren "Hano"-Tür
abgebrochen. Marokko nahmen wir im Schnelldurchlauf. Die marokkanischen
Haschisch-Dealer versuchen mit allen Mitteln einen aufzuhalten, mit
gezückten Messern mitten auf der Straße stehend versuchen sie ihre
Ware an den Mann zu bringen. Da hilft nur Gas geben. Von 11 bis 6 Uhr
sind wir bis zur algerischen Grenze durchgeheizt, nur unterbrochen von
kurzen Pausen und fünf Polizeikontrollen.
Mittwoch 05.Dezember 1990 in der Nähe von Oujda
An der Grenze angekommen, wurde uns nach einstündigem Warten
erklärt, dass unsere Visa ungültig sind und eine Einreise nach
Algerien deshalb nicht möglich ist. Wir fahren, natürlich erst nach
den marokkanischen Grenzformalitäten, wieder nach Oujda zur algerischen
Botschaft, um die Visa verlängern zu lassen. Nach langem Warten wurde
uns mitgeteilt, dass diese Botschaft dazu nicht kompetent sei.
Allerdings kann die Botschaft in Rabat unser Anliegen bearbeiten.
Völlig frustriert versuchten wir, nach dem erneuten überschreiten der
"Marok"-Grenze, die Zöllner mit Geschenken zu erweichen, was
allerdings mit einem Rauschmiss endete. Mittlerweile können wir die
marokkanische Grenze schon ohne weiteres passieren, man kennt uns eben!
Einer von uns muss also mit dem Zug nach Rabat fahren (nur 550km). Mike
fährt freiwillig. Matti und ich nutzen die Zeit und verhandeln mit
einem Schwarzhändler über Travellerschecks, Getriebe, Altkleider und
Radios bis wir schwarz sind. Gepennt haben wir auf einem Acker.
Donnerstag 06.Dezember 1990 Rabat
Am Morgen stellte sich heraus, dass der Bauer nur 100m von entfernt
in einer Lehmhütte geschlafen hatte. Er lud uns zum Frühstück in sein
Haus ein. Die Hütte war wohl die Wohnung der Familie, keine Fenster,
eine selbstgemauerter Herd, die Erde ist der Fußboden, die Betten waren
Bretter mit Decken. Diese armen Leute boten uns ein Frühstück (Eier,
Butter, Zucker verrührt und Brot) an, obwohl unsere Autos gerammelt
voll mit Fressalien sind. Diese Situation war etwas beschämend, hinzu
kam noch, dass der Bauer kein Wort französisch verstand. Am Vortag
vereinbarten wir mit Mike, dass er sich auf jeden Fall am Nachmittag
telefonisch im Cafe "MCO" melden soll, und so warteten wir 4
Stunden auf den Anruf. Die einheimischen Marroks gesellten sich zu uns
und wir plauderten die ganze Zeit in englisch, französisch, mit Händen
und Füßen. Die gute Laune war plötzlich verschwunden, als Mike seinen
Funkspruch absetzte: "Ich sitze im Hotel 'Safir' fest, kann nicht
raus, weil ca.10 Gangster auf mich draußen warten und ausrauben wollen.
Kommt sofort nach Rabat und holt mich da raus!" In voller Panik
suchten Matti und ich Hilfe bei den Marokks, doch auf einmal wittern sie
Kohle und wollten uns ausnehmen. Nach langem hin und her vertrauten wir
unseren Hanomag einem Händler an der Grenze an. Gegen 22 Uhr prügelten
wir mit dem "Cruiser" in nur 6 Stunden, statt den uns gesagten
8 Stunden, nach Rabat. Unterwegs verloren wir noch bei einem waghalsigen
Manöver einen Fernscheinwerfer. Auch mussten wir feststellen, dass die
Bremsen so gut wie nicht mehr funktionierten. Mit einem
Durchschnittsverbrauch von 15l/100km konnten wir voll zufrieden sein.
Freitag 07.Dezember 1990 Kenitra
Um 4.30 Uhr angekommen, läuft Matti mit der Hacke bewaffnet ins
Hotel, während ich mit laufendem Motor und Bowie-Messer auf dem Schoß
wartete. Es ist kein Mensch zu sehen und Matti kommt auch unverrichteter
Dinge wieder zurück. Es ist und war kein Michael S. im Gästebuch
eingetragen. Jedoch einen Vorfall wusste der Portier zu berichten,
angeblich soll ein verrückter Deutscher von der Polizei aus dem Hotel
abgeführt worden sein. Ein kurzes lächeln, Mike kann das nicht gewesen
sein. Wir klappern alle Hotels ab, kein Mike. Auf dem Polizeirevier
werden wir von einem Beamten zum anderen geschickt, bis endlich einer
sich an das Gesicht auf dem von dem uns gezeigten Passbild erinnert.
"Den haben wir eingesperrt. Ihr könnt ihn um 8.30 Uhr
abholen." Wir pennen eine Stunde im Auto und gehen wieder aufs
Polizeirevier. Mike ist nicht da. Unsere letzte Chance ihn wieder zu
finden sehen wir nur noch in der deutschen Botschaft. Wir haben Glück,
völlig aufgelöst und scheinbar dem Tode nahe kauert er in einem
Sessel. "Schön, dass ich euch noch lebend sehe, ich dachte ihr
seid schon tot", war seine erste Bemerkung. Die
Botschaftsangestellten wussten scheinbar nichts besseres zu tun als
unseren Eltern erst mal mitzuteilen, dass wir höchstwahrscheinlich
nicht mehr am Leben seien. Ebenso fanden sie es nicht für nötig uns
ihre Hilfe anzubieten, es kam lediglich der Rat, wir sollen uns duschen
und nach Hause fahren. Mike hat 3 Tage lang nicht geschlafen und für
uns stand fest, er ist völlig durchgedreht, er halunziniert. Eine
Mütze voll Schlaf würde ihn wieder zum Alten machen. In Kenitra, bzw.
im Hotel 'La Poste' ließen wir ihn schlafen, einen Tag und eine Nacht
lang.
Samstag 08.Dezember 1990 Hotel 'La Poste'
Wir haben ziemlich lange gepennt, jedoch hat sich Mike noch nicht
erholt, er erzählte uns seine ganze Leidensgeschichte:
Die Zugfahrt war mir schon nicht geheuer, da ich ständig Wortfetzen
wie 'ausrauben' oder 'deutsche Pässe' auffing, natürlich in
französisch. Ich beschloss deshalb den Zug eine Station vor Rabat den
Zug heimlich zu verlassen und von dort aus mit einem Taxi zur
algerischen Botschaft zu gelangen. Allerdings fuhren mich die ersten
zwei Taxis nicht dort hin, mein Misstrauen wurde größer. Hat es eine
große Organisation auf mich abgesehen, nur weil ich drei Pässe bei mir
habe. Das nächste Taxi brachte mich endlich zur Botschaft, wo ich
sofort die Anträge ausfüllen wollte. Ich muss dabei eingeschlafen
sein, denn als der Botschafter kam sagte er das dauere ihm zu lange, ich
solle Morgen noch mal kommen. Ich beharrte jedoch darauf, die Anträge
heute noch fertig stellen zu dürfen. Völlig übermüdet schlenderte
ich dann in Rabat umher und sah immer wieder bekannte Gesichter, jetzt
war mir sicher, ich wurde verfolgt. Ich versuchte mich im Hotel 'Safir'
zu verschanzen, in dem zufällig ein Ärztekongress stattfand. Von dort
aus rief euch an. Meine verzweifelten Versuche die Ärzte auf mein
Problem aufmerksam zu machen, fanden wenig gefallen, bis schließlich
die Polizei mich aus dem Hotel zerrte und mich aufs Revier brachte.
Eigentlich sollte ich mich hier ja sicher fühlen, doch es stellte sich
sehr bald heraus, dass die Polizisten korrupt sind und mich an die Mafia
ausliefern wollten. Ich bat um Schutzhaft, doch nichts half.
Schließlich brachte mich ein Beamter auf die deutsche Botschaft. Da war
mir klar, die gehören auch zur Organisation. Voller Misstrauen befragte
ich die Beamten nach ihren Waffen. Gegen Feierabend wollten mich die
Jungs abschieben, mit bitten und betteln konnte ich doch noch einen
überreden mit mir ins Hotel 'Central' zu gehen, anstatt in die
dämliche Botschafts-Party. Mir blieb nichts anderes übrig, als diesem
Mann zu vertrauen. Im Hotel 'Central' bekamen wir unsere Handtücher.
Das diese unterschiedlich waren machte mich stutzig, vermutlich wollte
man dadurch erkennen wer welches Zimmer bewohnt. Um das zu vermeiden
vertauschten wir erst mal unsere Handtücher. Dann bat ich meinen
Begleiter mit mir im Kreis zu laufen und auf mein Zeichen hin in
irgendeinem Zimmer zu verschwinden. Er tat alles wie ich es ihm sagte.
Zuerst inspizierte ich mein Zimmer und machte sämtliche 'Wanzen' und
'Abhöranlagen' unschädlich, indem ich sie mit Zeitungspapier
einwickelte. Das Fenster im Bad, durch welches man den Flur beobachten
konnte, verschmierte ich mit Seife und klebte dann Zeitung darüber.
Leider ging mir bei dieser Aktion der Sessel kaputt, da ich den Stuhl
darauf stellen musste um an die Sprinkleranlage zu gelangen. Dieser
durchbohrte seine Sitzfläche. Als ich feststellte, dass sich mit einer
gewissen Regelmäßigkeit die Jalousien öffnen und wieder nicht öffnen
ließen, versuchte ich mit meinem Taschenmesser diese etwas anzuheben.
Das Schauspiel, dass sich auf der Straße abspielte ließ es mir kalt
den Rücken runter laufen. Ein Kran mit bewaffneten Männern darauf
bewegte sich auf mein Zimmerfenster zu. Doch jedes Mal, wenn ich die
Jalousien wieder öffnen konnte, war der Kran spurlos verschwunden.
Dieses Spiel wiederholte sich und ich zeigte dem Botschaftsangestellten
meine Entdeckungen. Dieser konnte nichts erkennen außer verschmierten
Scheiben und Zeitungsfetzen. Ich bat ihn mich in seinem Zimmer
übernachten zu lassen, wenn es sein muss auch im Schrank. Doch dieser
drohte, völlig entnervt, das Hotel zu verlassen, wenn ich ihn nicht in
Ruhe schlafen ließe. Bevor jeder wieder in seinem Zimmer verschwand
machte ich noch eine Parole mit ihm aus. 'Der Käse rollt zum Bahnhof'
sollte sicherstellen, dass kein Fremder an der Türe klopft. Nachdem ich
mich vor seine Zimmertüre setzte und ihn noch ein paar mal belästigte,
packte er seine Sachen und ging zur Rezeption. Ich folgte ihm,
allerdings ohne Schuhe. Die Rezeption war nicht besetzt, das Hotel
zugesperrt. Mit den Nerven völlig am Ende, wenn auch die Gründe
verschieden waren, gingen wir wieder nach oben und beendeten die
Horrornacht. Am nächsten Tag habt ihr mich wieder aufgelesen.
Mike ist immer noch der festen Überzeugung, dass wir verfolgt werden.
Wir wollten die
Reise abbrechen, zuvor allerdings noch mal das Hotel 'Central'
Zimmernr.25 aufsuchen,
vielleicht hilft es Mike wieder umzudrehen. Wir gehen früh zu Bett.
Sonntag 09.Dezember 1990 Rabat
Der "Cruiser"-Wächter will auf einmal mehr als vereinbart,
jeder will uns löffeln. Im Hotel 'Central' versuchen wir Mike mit
plausiblen Erklärungen wieder zurechtzurücken. Die angeblichen
'Wanzen' waren entweder nur Löcher oder Steckdosen. Der imaginäre Kran
entpuppte sich als die Teerassenfassade des Hauses gegenüber. Die
dubiose Jalousienverriegelung existiert nicht. Die Jalousie wurde mit
einer Kurbel betätigt und nur wenn man diese richtig rum dreht öffnet,
bzw. schließt sie. Ich denke Mike ist geheilt, die Reise kann
fortgesetzt werden. Jedoch regnet es täglich.
Montag 10.Dezember 1990 Casablanca
Die Visa werden angeblich erst bis Donnerstag oder Samstag fertig.
Daraufhin bummeln wir erst mal in einem Supermarkt, wo ich meine total
zerfetzte Hose durch eine neue Jeans austausche. Am Strand genießen wir
die erstandenen Lebensmittel, bis uns ein Alter anfängt zu pesten. Wir
packen unser Geraffel zusammen und ich starte den Wagen. Erst nachdem
ich ein paar Meter gefahren bin, bemerkte ich, dass der Penner am
Dachgepäckträger hängt. Warum auch immer, ich gebe Vollgas und
versuch ihn durch heftige Lenkbewegungen abzuschütteln. Nach einer
Vollbremsung stürzt Matti aus dem Wagen und brüllt den Alten an, der
dann von dannen trottet, als wäre nichts gewesen. Der Regen zwingt uns
zu einer Hotelsuche, die vergeblich bleibt. Mitten im Verkehr, oder wie
man dieses Chaos auch immer bezeichnen möchte, mit den Nerven völlig
am Ende, weigere ich mich weiterzufahren. Das unaufhörliche Tropfen des
Toyotadaches und der Verkehrstote am Straßenrand war wohl der
Auslöser. Uns bleibt nur der Campingplatz, auf dem wir unsere Plane als
Regenschutz aufbauen und darunter pennen.
Dienstag 11.Dezember 1990 Campingplatz in Casablanca
Der ständige Regen gibt uns genügend Zeit zum Postkarten schreiben
und langweilen.
Mittwoch 12.Dezember 1990 Temara
Mit Informationen von einem französischen Wüstenfuchs wollen wir
den Campingplatzaufenthalt beenden, doch wie sollte es auch anders sein,
die Batterie hat durch das ständige Musikhören den Geist aufgeben. Im
eigenen Saft stehend schieben wir den Cruiser kreuz und quer durch den
Campingplatz, bis er läuft. Auf der algerischen Botschaft hören wir
immer den gleichen Spruch "Not yet, try it tomorrow!". Ein
Lehrer, der uns zufällig trifft, lädt uns zu sich zum Schlafen ein.
Die Polizei muss das erfahren haben, besucht uns spät abends noch und
macht dem Lehrer Druck, so dass er die Einladung zurücknehmen musste.
Gepäck wieder einsammeln und ab zum nächsten Campingplatz. Jedenfalls
erfuhren wir noch von unserem Gastgeber, dass am Freitag in Marokko
Generalstreik sei. Polizei und Militär sind bereits in Bereitschaft und
wir sollten, unserer eigenen Sicherheit willen, den Campingplatz an
diesem Tage besser nicht verlassen.
Donnerstag 13.Dezember 1990 Campingplatz in Temara
Aus Algerien gibt's nichts Neues. Wir fahren an den Sandstrand und
testen den Cruiser auf Wüstentauglichkeit. Er gräbt sich sofort ein,
was aber mit Sicherheit nicht am Fahrzeug sondern am Fahrer lag. Auf
alle Fälle ist sofort eine handvoll Einheimischer da, die sich auch am
Fahren und Graben beteiligen. Da unsere Wüstenausrüstung, wie
Sandbleche, Schaufeln und Kompressor alles im Hanomag ist, wird jeder
Meter im Sand mit Brettern abgerungen. Ein Holländer Pärchen gibt uns
den Rat die Luft aus den Reifen zu lassen. Diese Idee kam uns auch
schon, jedoch haben wir nicht die Möglichkeit die Luft wieder
reinzulassen. Graben und Bretter unterlegen führte nicht zu dem
gewünschten Erfolg, also mussten wir den Luftdruck absenken und so
unglaublich es klingen mag, der Cruiser fuhr ohne weitere Hilfe von
alleine aus dem Sand. Wir geben den Helfern etwas Geld und trinken mit
den Holländern (Jan, Patricia) Kaffee. Melud, einer der Helfer, kann
sich nicht von uns trennen und begleitet uns auf Schritt und Tritt,
trinkt Kaffee mit, geht mit uns zum Essen, natürlich alles auf unsere
Kosten. Nachdem wir und von Jan und Patricia getrennt haben, führt uns
Melud zu dem uns bereits bekannten Lehrer, wo wir den ganzen Abend Tee
trinken, Essen und über Geschichte, Religion und Politik diskutieren.
Die marokkanische Gastfreundlichkeit ist noch nicht zu Ende, Melud lädt
uns zu sich nach Hause zu Schlafen ein. In einem fensterlosen,
stockdunklem, kleinem Zimmer schlichten wir uns auf den Boden, so dass
jeder einigermaßen Platz zum Schlafen hat. Das ist also Meluds Haus!
Freitag 14.Dezember 1990 Campingplatz in Sale
Morgentoilette unter einer nahegelegenen Brücke, Frühstück, wir
machen noch Fotos von Meluds Familie und seinen Viechern und
verabschieden uns. Der Botschafter hat einen neuen Spruch "Try it
on monday!". Die Warterei geht auf den Keks und so machen wir
eine Krisenbesprechung. Das Problem ist der verlassene Hano, der
möglicherweise schon ohne uns weitergefahren ist. Aufgrund unserer
Erfahrungen ziehen wir es jedoch vor, zusammen zu bleiben und nicht
einen nach Oujda zurückzuschicken um nach dem Rechten zu sehen. Von
Deutschen, die bereits seit 5 Wochen auf ein Visum warten, erfahren wir,
dass die algerische Botschaft in Madrid das Visum an einem Tag erstellt.
Wir erkundigen uns, doch die Flugpreise nach Madrid sind zu hoch und zum
anderen müssten wir uns wieder trennen, also bleiben wir und warten
weiter. Mit Larry, ein Holländer der in Alaska lebt, und seiner
japanischen Freundin verbringen wir den sonnigen Tag.
Samstag 15.Dezember 1990 Sale
Einem Münchner Hanomag-Team, die unterwegs nach Oujda sind, geben
wir eine Nachricht für unseren Hanomag und dessen Wächter mit. Der
wunderschöne Sonnentag wird mit Wartungsarbeiten und sonnen verbracht.
Die Scheinwerfer werden repariert, es funktionierte nämlich keiner
mehr, nachdem wir den Nebelscheinwerfer abgeschüttelt hatten. Die
Leckage des rechten Bremskreises kann nicht behoben werden, da uns der
behämmerte Peugeot-Händler keine Bremsleitung verkaufen wollte. Spät
Abends genießen wir die laue Nacht bei Lagerfeuer und Sternenhimmel.
Sonntag 16.Dezember 1990 Sale
Die Deutschen, die in Madrid das Algerienvisum beantragen wollten,
müssen über Nacht auf dem Campingplatz angekommen sein. Der VW-Bus ist
völlig zertrümmert. In Fes herrscht angeblich Bürgenkrieg, in den sie
mitten rein gefahren sind. Hubschrauber, Panzer, MG-Nester, brennende
Häuser und Tote prägten das Stadtbild. Eine schlechte Nachricht jagt
die andere, wir müssen nämlich auch durch Fes um nach Oujda zu kommen.
Ich wasche meine Wäsche, die es schon lange nötig hatte und lasse sie
von der marokkanischen Dezembersonne trocknen. Beinahe hätte das
marokkanische Dezembergewitter meine Wäsche wieder nass gemacht.
Montag 17.Dezember 1990 Sale
"Not yet, try it tomorrow!", wer sagte das wohl? Aus
Verzweiflung versuchen wir unsere Pässe zu fälschen. Aus 01.12 wird
31.12, sieht aber nicht sehr gelungen aus und außerdem soll auf
Fälschen mindestens 3 Jahre Knast stehen. Da keiner von uns 3 Jahre
Zeit hat warten wir weiter. Heute wird auf alle Fälle Mattis Geburtstag
gefeiert und zwar mit Kaffee und Kuchen.
Dienstag 18.Dezember 1990 Oujda
Endlich, unser Visum ist da! Jetzt müssen wir unsere Pässe wieder
zurückfälschen, hoffentlich bemerkt keiner, das am Pass eine
Kleinigkeit manipuliert wurde. Am Nachmittag setzen wir uns in Richtung
Oujda in Bewegung, doch unterwegs fängt der Cruiser an zu spucken. Drei
Köpfe verschwinden unter der Motorhaube und der Fehler ist entdeckt, nicht die
Benzinpumpe, sondern nur der Benzinfilter ist hinüber.
Benzinfilterwechsel und weiter geht's. Unterwegs hat der Cruiser seine
Front endlich komplett abgeschüttelt. Unser Hano steht Gottseidank
noch unversehrt an der Grenze, nur der Wächter ist nicht da! Er kommt
erst morgen Mittag, d.h. für uns wieder warten.
Mittwoch
19.Dezember 1990 Wüste zwischen Oujda und Figuig
Der Wächter des Hanos (Cafebesitzer) ist gegen Mittag endlich
eingetrudelt. An unserem Ramsch wäre er schon interessiert, doch wir
nicht an dem Preis, den er ausgehandelt hat. So fahren wir eben ohne
Business in die Wüste. Der eisige Wind kühlt unsere Spaghettis, die
wir uns zum Abendessen bereitet haben, im Nu wieder ab. Die Finger
werden klamm und der Mountain kann den Wind auch nicht mehr abhalten;
ich friere. Irgendwann Nachts beginnt es auch noch zu regnen, wir
springen aus den Schlafsäcken und rennen in Unterhosen in der
Eiseskälte umher, um unsere Plane aufzuspannen.
Donnerstag 20.Dezember 1990 Algerische Grenze (die Zweite)
Wir stoßen auf und brechen ins Horn weiter Richtung Figuig, auf dem
Atlas liegt Schnee, die Straßen sind überflutet und unterspült. Kurz
vor der Grenze erledigen wir noch ein paar kleine Formalitäten:
Autoradios werden in den Türverkleidungen, Karten, Bücher und
Bowie-Messer werden im Ersatzrad versteckt. Kleine Präsente an der
marokkanischen Grenze beschleunigen den übertritt, doch an der
algerischen Grenze werden wir und die Autos gründlich gefilzt. Der
Cruiser ist sauber und darf rüber, aber Hano ist mit zu viel Reifen
beladen. Wir müssen bis morgen warten, bis der Chef kommt und so pennen
Matti und ich im Niemandsland zwischen Marokko und Algerien.
Freitag
21.Dezember 1990 Oase Nach Beni Ounif
Heute ist Freitag, bzw. Sonntag für die Araber, das heißt der Chef
kommt heute auch nicht. Die Reifen und Altkleiderkisten werden von einem
Plombierneger verplombt und deklariert. Nach Zwangsumtausch und
Kfz-Versicherung wird der Hano auf dem Zollgelände abgestellt. Auch
hier kann man sich mit kleinen Geschenken viele Unannehmlichkeiten
ersparen, so z.B. sollten wir eine Kaution für die verplombten
Gegenstände hinterlegen, die wir mit Sicherheit nie mehr wieder zu
sehen bekommen hätten. Wir dürfen nach Beni Ounif reinfahren und
fahren gleich zu der nächst gelegenen Oase. Dieses idyllische
Plätzchen entspricht genau dem Bild einer Bilderbuchoase. Viele Palmen,
ein kleiner Bach, Sand und Echsen prägen das Bild unseres heutigen
Schlafplatzes.
Samstag 22.Dezember 1990 Beni Ounif - Bechar -
Taghit - Ksabi
Heute dürfen wir unseren Hano nach einigen Formalitäten abholen.
In Beni Ounif handeln wir für nur einen abgefahren Cruiserreifen vom
Sperrmüll 600l !! Sprit heraus. Es geht weiter in die Wüste und bei
Ksabi stoßen wir zum ersten Mal auf den großen Erg, der sofort die
Reifen beider Fahrzeuge verschlingt. Der Cruiser hängt in einer
Begrabposition fest. Luftablassen und die Zwei fahren wieder.
Sonntag 23.Dezember 1990 100km vor Adrar
Morgens werden wir von Mädchen geweckt, mitten in der Wüste! Für
Seife, Kulis und Bonbons bekommen wir einige Sandrosen. Heute wird ein
neuer Rekord aufgestellt, wir verdrücken zehn Konservendosen. Nach dem
Verdauungsschläfchen fahren wir noch mal zum Erg, gigantische Sandberge
so weit das Auge reicht. Der Sonnenuntergang ist grandios. Matti will
unbedingt noch einmal sein Können im Gelände zur Schau stellen und
wirft den Cruiser dabei beinahe um. Jedenfalls hat er sich so
eingegraben, dass wir eine Stunde mit graben, Sandbleche legen und
vorsichtigen Anfahrversuchen beschäftigt sind. Gegen Abend bemerken
wir, dass ein Hanoreifen undicht ist, morgen werden wir ihn wechseln.
Beim Lagerfeuer genießen wir unsere Nudeln mit Käsesauce.
Montag 24.Dezember 1990 Adrar - Reggane - Aoulef
Heute ist Heilig Abend, doch bei diesem Wetter will einfach keine
Weihnachtsstimmung aufkommen. Der Hanoreifen wird gewechselt und weiter
geht's nach Adrar. Sprit und Wasser tanken, Brot und Weihnachtskuchen
kaufen, Abschmierfett für den Hano organisieren und Weihnachtstelegramm
für die Zurückgebliebenen absetzen nimmt einige Zeit in Anspruch. In
einer Oase zwischen Adrar und Reggane machen wir Pause und verdrücken
den Kuchen. Auch wenn das Wasser kalt ist, dusch ich nach reichlich Tagen mal wieder.
Der überwältigende Sonnenuntergang wird noch auf
Zelluloid festgehalten und im Dunklen brechen wir auf Richtung Aoulef.
Abseits der Strecke feiern wir den Heiligen Abend, es ist ein
frustrierender Abend, das Feuer raucht ständig ins Gesicht, es ist
bitter kalt und die Stimmung ist nicht sehr feierlich.
Dienstag
25.Dezember 1990 Piste zwischen Aoulef und In Salah
Gegen Mittag haben wir gefrühstückt und dann im Sturm unser Lager
abgebrochen. Wir besuchen Aoulef mit der Absicht im Reiseführer
beschriebenen Sehenswürdigkeiten anzugucken. Angeblich soll es hier
viele Sandrosen und einen versteinerten Wald geben, außerdem soll das
dortige Bewässerungssystem sehenswert sein. Die Einheimischen wussten
nichts davon.
Bald nach Aoulef gibt's Piste, überall Wellblech unterbrochen von
Sandfeldern. Der Cruiser gräbt sich ein paar mal ein, der Hano muss mit
rausziehen helfen. Luftablassen, Sandbleche und Schaufeln begleiten uns
durch den Tag. Vor Sonnenuntergang suchen wir einen Schlafplatz. Der
Sturm läßt alles in kürzester Zeit alles versanden, auch unseren
indischen Reistopf.
Mittwoch
26.Dezember 1990 25 km vor In Salah
Im Pistenverlauf passieren wir einige Oasen. In InGhar verfahren wir
uns etwas und Kinder laufen uns schreiend hinterher und wollen
Kugelschreiber. Nach weiterer Pistenfahrt holen Matti und Michael mich
im Hanomag ein und halten mich an. Der Aufbau vom Hanomag sitzt schief
auf dem Rahmen. Alle sechs Halterungen sind abgerissen und der Aufbau
liegt nur noch auf dem Rahmen und wird von den Radkästen einigermaßen
in Position gehalten. Mit vorsichtiger Fahrt suchen wir einen Platz,
räumen den Aufbau leer und stützen ihn ab. Im Aufbau heizen wir mit
der Standheizung ein, die wir allerdings erst noch in Gang setzen
mussten. Bei Standheizungsdieselqualm essen und schlafen
wir.
Donnerstag
27.Dezember 1990 wie gestern
Der Aufbau wird mit Wagenhebern und Stützen stabil gehalten,
während der Cruiser das Hanomag-Heck mit einem Stahlseil und
Allradantrieb wieder in die Richtige Position zum Aufbau zieht. Mit viel
Rangierarbeit und langen Hebeln können wir die vorher präparierten
Lager wieder einbauen. Wartungsarbeiten wie Luftfilter reinigen,
Ölfilter wechseln, Lager abschmieren, voll tanken und Schlauch wechseln
eines platten Hanomagreifens erledigen wir nebenbei. Unser mitgenommenes
Werkzeug scheint komplett zu sein, was wir nicht haben wird
improvisiert. Selbst der Handbohrer kommt zum Einsatz. Abend wird wieder
im warmen Hanomag gegessen, es gibt Milchreis. Unsere Valencia
Spätapfelsinen sind heute zu ende gegangen.
Freitag
28.Dezember 1990 In Salah
Kilometerstand: 54462km
Der Cruiser wird von seinem defekten Heckstabilisator und von einiger
Ladung befreit. Hanomagräder und Kanister kommen auf das
Hanomagdach, der Hano wird neu eingeräumt. Mit Duschen und essen wird
es halb sechs, nach ca. 150 km Piste erreichen wir in der
Abenddämmerung In Salah. Es gibt kein Brot in In Salah, also gibt's den
Feuertopf ohne. Das Knirschen zwischen den Zähnen stört mittlerweile
nicht mehr, wir sind es gewohnt. Unsere Matratzen erregen wie immer
Aufsehen, tja man gönnt sich ja sonst nix.
Samstag
29.Dezember 1990 Strecke nach Tamanrasset
Zum Frühstück gibt es Omelett, danach werden 200 Liter Wasser
getankt. Michael friemelt an den Blomben und kann sie öffnen. Auf diese
Weise können wir ein ppar Reifen verkaufen und unsere Ersatzreifen
verblomben. Für Altkleider und 2 Reifen bekommen wir 3100 DN vom
Campingplatzbesitzer. Im Sandsturm füllen wir unsere Benzinfässer und
Kanister und werden nochmals zwei Reifen für 1200 DN los. Das
mitgenommene Merzedesgetriebe und die Anhängekupplung werden wir wider
Erwartens nicht los. Wir setzen uns Richtung Tam in Bewegung. Während
der 350 km mussten wir einmal Reifen wechseln am Hanomag. Abend konnten
wir in der Arak-Schlucht noch einen Bundeswehrparka und 2 Autoradios
für 1300 DN verscherbeln. Der Urlaub finanziert sich bald selbst.
Sonntag
30.Dezember 1990 Tamanrasset
Auf der Weiterfahrt nach Tamanrasset schenkten wir einem
Bedürftigen einen Kanister Wasser. Außer der Ventilwartung am Hanomag
hat sich heute nichts weiters ergeben und so treffen wir um 1 Uhr
morgens in Tam an. Der hiesige Campingplatzwärter verschwindet
mit unseren Reisepässen und läßt uns eine Stunde warten. Den Tag
beenden wir mit Nudeln und Käsesauce.
Montag
31.Dezember 1990 Tamanrasset
Heute ist Sylvester. Wir besuchen Tam und lassen Reifen und
Schläuche richten. Die Reifen wurden genäht, währenddessen wir einen
Teil unserer Kanister und Altkleider für 1600 DN verkaufen. Leider
finden wir keine Möglichkeit all unsere Dinare in Valuta umzusetzen,
die einzige Möglichkeit wäre das Tauschen in Gold. Wir genießen
Kuchen, Couscous und Limonade. Die Limonade ist allen möglichen
giftfarbenen Varianten erhältlich.
Morgen wollen wir die Hoggarpiste wagen, dafür ent- und beladen wir den
Toyota mit dem Nötigsten.
Die Sylvesterfeier blieb aus, hier ist nicht viel los.
Dienstag
01.Januar 1991 Tamanrasset
Michael hat die Rache der Wüste erwischt, er hat Diarrhoe. Aus
diesem Grund warten wir auf seine Genesung und können erst gegen
Nachmittag den Westzugang zur Hoggarpiste suchen. Trotz stundenlagem
Umherirren können wir nicht den Einstieg in die Piste finden und kehren
unverrichteter Dinge zurück. Wir essen je zwei Portionen Hähnchen in
Tam, außerdem habe ich mir noch einen Chech gekauft. Am Campingplatz
sind fast ausschließlich Deutsche oder Schweizer, man kommt sich vor
wie in Italien.
Jeder versucht sein Glück im Autohandel. Aufeinander gestapelte Lastwagen oder eine
Kolonne ehemaliger Postomnibusse werden wie eine Karawane durch die Sahara in den Niger getrieben.
Mittwoch
02.Januar 1991 Berg Assekrem im Hoggar
Gegen elf Uhr kommen wir los und befahren die Hoggarpiste aus Osten.
Unterwegs fällt uns auf, dass keiner von uns Geld dabei hat. Die
Natiolparkwache hat Mitleid mit unserer misslichen Situation und läßt
uns ohne Eintrittsgeld passieren. Die üble Piste kann uns den Anblick
dieser wunderschönen Landschaft nicht vergällen. Unterwegs stellten
wir bei einem Stopp fest, dass der Kotflügel des Cruiser am abfallen
ist. Mit einer Schnur konnten wir des schlimmste verhindern. Den Abend
verbringen wir auf dem Assekrem und genießen einen grandiosen
Sonnenuntergang. Das Panorama wird von vielen Besuchern fotografiert.
Alle verschwinden beim Einbruch der Kälte in der etwas tiefer liegenden
Unterkunft. Aufgrund unseres Geldmangels müssen wir die Kälte im
Freien ertragen und schlafen im Gelände.
Donnerstag
03.Januar 1991 Tamanrasset
Kilometerstand: 55171
Wie gestern kommen wir gegen elf Uhr weiter. Auf übelster Piste
verlassen wir das Bergmassiv, der Cruiser schlägt sich wacker.
Unterwegs mussten wir zwischen kindskopfgroßen Steinen feststellen,
dass wir unseren Weg verloren haben. Auf dem Rückweg zum Campingplatz
konnten wir noch zwei Autoradios gegn Souvenirs eintauschen. Um 19 Uhr
erreichen wir wieder den Campingplatz, anschließend gibt's noch
Hähnchen in Tam. Beim essen lernen wir Studenten aus Algier kennen.
Diskussionen bringen deren Ansichten zum Thema Juden, heiliger Krieg und
Husseins Politik zu Tage. Adolf hätte seine Freude an den Jungs,
absolut haarsträuben!
Freitag
04.Januar 1991 Tamanrasset
Heute wollten wir eigentlich weiterfahren, aber das faulenzen hat
gesiegt. Matti versucht sich in einem internationalen Fußballspiel,
während ich die Wäsche checke. Unsere Pistenwaschmaschine, ein Kübel
Wasser mit Wäsche, hat versagt. Trotz mehrtägigem Waschgang ist die
Wäsche nicht sauber gworden.
Gegen abend wollen Mike und Matti Wasser von einer entferntenn Quelle
holen, da das Wasser auf dem Campingplatz rationiert wird. Sie kommen im
Dunkeln erfolglos zurück, das Licht am Landcruiser ist aus. Die
Lichtmaschine lädt mal wieder nicht. Währenddessen habe ich Kehlheimer
und Ingolstädter kennengelernt und Spaghetti gekocht. Unser
Kaffeeüberschuß beschert uns 2 Dosen Rindfleisch, Pepperoni und
Knoblauch durch regen Tausch mit anderen Saharafreaks.
Samstag
05.Januar 1991 Pistenkilometer 70, südlich von Tamanrasset
Wir verlassen den Campingplatz ohne zu zahlen. Wir müssen unsere
Sprit und Wasservorräte auffüllen. Ich verbringe meine Zeit an der
Tanke, ein Truck füllt 2500 Liter in seine Tanks, auch mehere andere
Autofahrer drängen sich vor. Irgenwann komme ich endlich auch zum Zug,
340 Liter Super und 200 Liter Diesel. Mike und Matti holen Wasser von
der Quelle. Drei Stunden später kommen sie zurück. Sie mussten einem
Motorradfahren helfen und um an das Wasser zu kommen, wurden sie noch
zum Essen genötigt. Jetzt noch schnell zur Polizeistation und ab nach
Ain Guezzam. Unterwegs kochen wir noch indisches Reisgericht mit
Rindfleisch, Peperoni und Knoblauch. Eine Polizeistreife unterbricht
kurz unsere Idylle, sie vermuteten einen Unfall. Die 70 km Asphalt sind
in sehr schlechtem Zustand, wir schlafen etwas abseits.
Sonntag
06.Januar 1991 Pistenkilometer 140
Matti ist es schlecht, war es der Salat von gestern?
Wir durchqueren die unendliche Wüste, Wellblech und Sandfelder sind
unsere ständigen Begleiter, die Sandbleche und Schaufeln unser
wichtigstes Werkzeug. Hier auf der Piste geht es trotz dere
vermeindlichen Einsamkeit zu wie auf der Autobahn, wir werden ständig
überholt.
Gegen Abend kotzt sich Matti so richtig frei. Mike und ich genießen
noch den restlichen indischen Reis von gestern. Wie jeden Abend gibt's
wieder Tee und Sonnenuntergang.
Montag
07.Januar 1991 Pistenkilometer 270
Matti geht's wieder besser, jedoch unser Cuiser scheint krank zu
sein. Der Kühler tropft. Bei dieser Gelegenheit prüfen wir den Kühler
der Hanomag, er ist leer! Bei sengender Hitze durchqueren wir die Wüste.
Wellblech und Sandfelder wechseln sich ab. Wir kommen von der Piste ab,
verlieren die Markierungen und begegenen anderen Geländewägen. Wir
haben uns verfahren, 10 Geländewägen, unser Cruiser und Hano suchen
die Piste. Beim Durchqueren eines rießigen Sandfeldes bleiben zwei
Wägen stecken, kein Problem für Hano, er zieht sie raus. Die ersten
Pistenmarkierungen kommen wirder in Sicht, wir trennen uns von unseren
Begleitern und fahren alleine weiter Richtung Ain Guezzam. Bei einem
Bremsmanöver rumpelt es plötzlich gewaltig und die auf dem Dach
befestigten Sandbleche rutschen nach vorne ab und krachen auf die
Motorhaube. Die Expander sind gerissen, aber außer ein paar Dellen in
der Motorhaube und unerem Schreck ist weiter nichts passiert. Zwischen
bizzarem Gebirge und einer Dünenlandschaft finden wir unseren
Schlafplatz gezwungenermaßen. Beide Fahrzeuge haben sich eingebuddelt
und auf ausgraben haben wir heute keine Lust mehr. Beim Anzünden
unseres Juwelkochers fängt zuerst die Bezinflasche in meiner Hand an zu
brennen und dann wirft auch noch der Juwel mit Flammen um sich. Beides
löschen wir mit dem Wüstensand.
Dienstag
08.Januar 1991 Pistenkilometer 300
Der Cruiserkühler verliert immer noch Wasser. Ein Sandsturm macht
das Weiterfahren unmöglich. Matti und ich besteigen das Gebirge und
genießen den Ausblick, den der Sandsturm noch zulässt. Überall ist
Sand, in den Augen, im Mund, im Auto ... Wir köpfen unseren
Sylvestersekt im Koffer des Hanomag und gönnen uns etwas Ruhe vor dem
Sandsturm. Beim anschließenden Beladen fliegen die Matratzen durch die
Luft, es ist zeimlich stürmisch. Der Hundsarg ist total versandet. Mit
Schaufeln, Luftablassen und Sandblechen können wir beide Fahrzeuge
befreien. Gegen 14 Uhr, nach dem Sandtee, brechen wir auf. Bei einem
kurzen Stopp, um das Dachgepäck nochmals nachzuzurren, weht der Wind
unsere Landkarte durch die Luft. Erst nach 200m Sprint und einem
beherzten Hechtsprung hole ich die Karte wieder ein. Der Cruiser braucht
bald mehr Wasser als wir. Einheimische Trucker versuchen unseren Kühler
mit einem Gemisch aus zerkauten Datteln und Sand zu flicken. Wir geben
ihnen dafür Reifenflickzeug, das sie offensichtlich dringend für ihren
Platten benötigen.
Wir fahren weiter bis zu unserem Schlafplatz, ein aus 1 Meter hohen
Wänden bestehender Rohbau inmitten der Wüste. Beim Feuertopf kochen
machen die Juwels Schwierigkeiten.
Mittwoch
09.Januar 1991 Ain Guezzam
Über Nacht sind wir in unserem Rohbau komplett eingesandet. Beim
Beladen des Cruiser fällt auf, dass das Dach eingedrückt ist. Grund:
Matti schläft ziemlich oft darauf, offensichtlich ist das Dach dafür
nicht ausgelegt. Das Motorhaubenschloß vom Hanomag ist abgerissen, ein
Expander wird es schon halten.
Diverse Konserven gehen zur Neigung, nur nicht der Feuertopf.
Der Sandsturm ist so stark, das wir fast ohne Sicht auf der Piste
unterwegs sind. Das Freischaufeln des Toyotas ist ohne Taucherbrille
nicht möglich, der Sand peitscht gegen die nackte Haut an den Beinen
und Armen. So muß sich ein Sandstrahler anfühlen. Der Cruiser säuft
mehr Wasser als Sprit.
Auf der Suche nach einer Werkstatt in Ain Guezzam stoßen wir schon auf
die ersten Cruiser-Interessenten. Das Höchstegebot war 1 Mill CFA (~
6000 DM). Die billigste Werkstatt repariert unseren Kühler und die
Cruiserfront für zwei Billig-Ratschenkästen, die wir zum Tauschen
mitgenommen hatten. Für 350 DN konnten wir noch einen Radio verhöckern.
Heute Tanken ist nicht, die Tanke ist defekt. Wir pennen in den Gassen
von Ain Guezzam.
Donnerstag
10.Januar 1991 Zwischen algerischer und nigerischer Grenze
Frühstück, Volltanken und Wasservorräte auffüllen. Für einen
Spanier muss Hano noch Ladegerät machen, denen ist der Saft
ausgegangen, aber Hilfe in Afrika ist ein ungeschriebenes Gesetz.
Wir treffen noch die letzten Vorbereitungen für den algerischen
Grenzübertritt, Reifen verblomben und diverse Sachen verstecken. Die
Grenze ins Niemendsland konnten wir problemlos passieren, nur der Sprit
musste verzollt werden, Kosten: 140 franz. Franc, eine Stoppuhr, ein
Reisewecker und ein Taschenrechner.
Ein Weiterkommen ist nich möglich, die nigerische Grenze hat für heute
geschlossen. Wir kauften Souvenirs, aßen Hammelkeule und trafen noch
Mopedfahrer Esslingen. Auch Benno, den wir schon in Tamanrasset
kennengelernt hatten, treffen wir heir wieder. Afrika ist doch klein.
Freitag
11.Januar 1991 Arlit
Wir müssen unsere Fahrzeuge versichern und passieren die Grenze.
Nach 200 km Piste erreichen wir Arlit. Lästige Kinder hängen sich an
den Hanomag und fahren ein Stück mit. Bei einem Bummel durch die
staubigen Gassen verlieren wir Matti. Auf der Suche nach ihm sind wir
verssehentlich in einem Puff gelandet. Cola und Majok gibt's zu futtern.
Für 25000 CFA konnten wir unser Benz-Getriebe, Reifen, Schuhe und
Kanister verkaufen.
Wir schlafen im Campingplatz, die Preise im Niger sind ganz schön hoch.
Samstag
12.Januar 1991 Arlit
Als ich vom Duschen zurückkommem, werden Mike und Matti von
Souvenirverkäufern umlagert, sie sind lästiger als die Kinder. Reine
Verhandlungssache, Schlangenhäute, Anhänger, Ohrenschmuck ... alles
möglich wollen sie einem andrehen.
Mike hat mal wieder Diarrhoe bei 40 Grad Fieber. Wir hängen den ganzen
Tag rum.
Sonntag
13.Januar 1991 Agadez
Mike hat immer noch Diarrhoe, er hat die ganze Nacht durchgesch...
Der Campingplatz ist schweineteuer, wir fahren weiter nach Agadez.
Unterwegs hält uns eine Polizeikontrolle an und da iwr keine
Feuerlöscher dabei haben müssen wir Strafe zahlen. So bessern sich die
hiesigen Bullen ihr Gehalt auf. Mit Quittung kostet es 16000 CFA, ohne
Quittung zahlen wir nur die Hälfte. Auf dem weiteren Weg schleppen wir
noch einen Liegengebliebenen 40 km mit, die Benzinpumpe ist defekt. Der
Campingplatz in Agadez ist ebenfalls sauteuer. Hier treffen wir noch
Deutsche, die ebenfalls von der Polizeikontrolle aufgehelten wurden. Sie
hatten zwar Feuerlöscher, aber leider keine Gasmasken ... kostet 16000
CFA mit Quittung und 8000 ...
Montag
14.Januar 1991 Agadez
Bis jetzt haben wir schon 5 Hanomag AL-28 getroffen.
Wir haben Ruhe, die Souvenirverkäufer dürfen nicht auf den
Campingplatz. Wir müssen bei der Polizeistation 3000 CFA abdrücken.
Wir verbringen den Tag damit Käufer zu finden und eine Werkstatt zu
suchen, die den Cruiser wieder aufpolieren soll. Für 100000 CFA werden
wir fündig. Eine andere Garage ließ sich auch noch von 350000 auf
100000 CFA herunterhandeln. Ohne Handeln geht hier echt nix.
Wir räumen den Cruiser aus und bringen ihn zum schweißen, spachteln
und lackieren. Morgen soll er fertig sein.
Dienstag
15.Januar 1991 Agadez
Der Cruiser ist noch nicht fertig. Allerdings bekommen wir ein sehr
interessantes Angebot für unsere zwei Fahrzeuge. Ein
Campingplatzbesitzer namens Sidi Mohamed aus Niamey bietet uns 6,2 Mio
CFA, ist das eine Abzocke?
Wir besuchen den rießigen Markt in Agadez. Kinder verkaufen Cola aus
eisgekühlten Boxen, Fleischverkäufer lagern ihre Ware in der prallen
Sonne und ein Schwarzer nascht von seinem Haufen gerösteter
Heuschrecken.
Wir erfuhren heute, dass das Ultimatum zur Golfkrise abgelaufen ist.
Den Abend verbringen wir mit Bamberger Motorradfahrern bei einem
Nudelgericht.
Mittwoch
16.Januar 1991 Agadez
Unser Cruiser ist immer noch nicht fertig, aber fast! Das Angebot
über 6,2 Mio CFA steht immer noch, allerdings müssen die Fahrzeuge bis
Samstag in Tahoua stehen.
Donnerstag
17.Januar 1991 Agadez
Wir holen unseren Cruiser ab, mit seiner hellgrünen Farbe sieht er
aus wie ein Grashüpfer. Die Renovierung ist nicht schlecht gelungen.
Wir hoffen den Preis damit in die Höhe treiben zu können.
Die Golfkrise eskaliert, die Amerikaner bombardieren Baghdad. Algerien
schließt seine Grenzen. Gut das wir das Land bereits verlassen haben,
sonst säßen wir jetzt fest.
Matti und Mike haben schon wieder Diarhoee, war wohl mal wieder der
Salat. Da ich nach jeder Mahlzeit Kohlekompretten schlucke bleibe ich
offensichtlich verschont.
Freitag
18.Januar 1991 Zwischen Agadez und Tahoua
Mike geht's nicht gut, er hat wieder Brechdurchfall.
Am Campingplatz treffen wir Hanomagfahrer aus Berlin. Sie fluchen auch
über ihr Auto, die Lichtmaschine ist im Eimer. Wir versuchen die
Lichtmaschine der Berliner zu reparieren, dabei stellen wir fest, dass
eine Blattfeder gebrochen ist. Da wir unsere Autos verkaufen wollen
verschenken wir Ersatzteile und Werkzeuge an die Berliner.
In der Dämmerung betten wir Mike im Toyota auf flachgelegte Kanister,
Sandbleche und Matratzen. Da ich im Gegensatz zu Mike und Matti,
tagsüber nicht in der Brütenhitze schlafen konnte, wurde ich sehr
schnell hinter dem Steuer des Toyota müde. Plötzlich wirbeln wir mit
einer Längsschraube durch die Luft. Mike ruft nur vor: 'Hey, was
machst'n da!'. Dabei erwachte ich auch wieder aus meinem Schlummer. Der
Cruiser kommt wieder auf allen vier Rädern zu stehen. Die Frontscheibe
ist raus, das Dach und die Motorhaube etwas eingedrückt, aber der Motor
läuft noch. Uns ist nichts passiert, aber der Schreck steckt noch in den
Knochen. Eine Weiterfahrt ist erstmal ausgeschlossen, zumal der
Kühlerventilator klemmt. Wir pennen an der Unfallstelle.
Samstag
19.Januar 1991 Tahoua
Eine Spurenanalyse bei Tageslicht ergab, dass wir mehrere Meter
durch dir Luft geflogen sein müssen, bevor wir mit der Motorhaub und
Dachkante wieder Bodenkontakt hatten.
Aufgrund des defekten Kühlerventilators entschließen wir uns, den
Toyota ab zuschleppen. 200 km ohne Windschutzscheibe auf einer
Staubpistge ist kein Vergnügen. Selbstredend, dass ich die Ehre hatte.
Mit Taucherbrille und Chech verhüllt lenke ich bei 70 km/h den Toyota
in der Staubwolke des Hanomag.
In Tahoua angekommen erfahren wir, dass es keinen Sidi Mohamed gibt. Das
6,2 Mio CFA Angebot ist geplatzt, die Summe hatte uns aber schon so
etwas vermuten lassen. Wir bekommen Angebote über 300000 CFA, welche
uns aber viel zu niedrig sind. Abwarten und Teetrinken ist hier die
richtige Devise. Wir treffen wieder alte Bekannte. Gegen Abend steigen
die Angebote für den Toyota.
Sonntag
20.Januar 1991 Nach Birmi N'koni
Der Käufer mit dem Gebot für 500000 CFA bekommt den Zuschlag, wir
sind unseren Toyota für 3000 DM los. Die Zollangelegenheiten erledigt
der Käufer. Die Jungs mit dem weißen Toyota müssen ihren Wagen auch
verzollen, obwohl er nicht verkauft wurde, abzocke!
Eine Zollpolizeikolonne eskortiert uns bis 30 km hinter Birmi N'Koni,
einer Grenzstadt zu Nigeria. Da die Zollangelegenheiten in Tahoua
stattfinden, wollen die Behörden damit sichergehen, dass auch alles so
gemacht wird wie es beim Zoll angegeben wurde. Neben einer Straße
schlagen wir mit den Jungs des weißen Cruiser unser Lager auf und
braten Pfannkuchen.
Montag
21.Januar 1991 Niamey
Wir fahren weiter nach Niamey. Meine bevorstehenden
Vordiplomsprüfungen zwingen mich hier die Reise abzubrechen. Am
Flughafen buche ich meinen Rückflug über Paris. Abflug ist morgen um
14 Uhr.
Dienstag
22.Januar 1991 Paris - München - Ingolstadt
Heute ist Abreise, über Paris und München komme ich nach
Ingolstadt. Meine Mutter holt mich mit einer Rose vom Bahnhof in
Ingolstadt ab. Trotz meines Gammellocks, meines unrasierten und
ungekämmten Aussehens hat sie mich wieder erkannt :-)
Ein spannender Trip durch die Wüste ist zu Ende.
© 1991 Michael Pophal, Letzte Überarbeitung: 21.07.04