mit Volker und Robert
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Ich verabrede mich mit Robert an der Tankstelle in Tennenlohe und warte und warte. Robert kommt nicht und so suche ich ihn zu Hause. Dort packt er noch in aller Ruhe und scheint um seine Unpünktlichkeit nicht gerade verlegen zu sein. Endlich Abfahrt in Erlangen und Übernachtung im Acker in Italien. Es ist ziemlich kalt, Frost auf den Schlafsäcken.
Am Hafen von Genua wechseln wir die Reifen. Roberts Maschine macht nicht gerade einen fitten Eindruck. Beim Reifenwechseln klingen die Speichen in allen Tönen. Ob sie das durchhalten.
Auf der Fähre lernen wir Volker kennen. Er ist alleine unterwegs und möchte sich uns anschließen. Nichts dagegen, zumal er ein alter Wüstenfuchs ist und schon mal in Libyen war. Die Zollformalitäten haben gerade mal 15 Minuten gedauert. Wir fahren nach Nabeul auf den Campingplatz Jasmin. Dort deponieren wir unsere Winterklamotten, Thermokombi, etc. Das werden wir in der Wüste nicht benötigen und nimmt unnötig viel Platz weg. Wir kommen in der Dämmerung an.
Wir fahren spät morgens von Nabeul weiter nach Hammamet über die Autobahn Richtung Enfida. Landstraße Richtung Kairouan weiter nach Gabes. Zwischen Gabes und Medenine wird libysches Geld zum Schwarzmarktpreis angeboten. Übernachtung am Lagerfeuer bei einem keinen Berg bei N33° 24'56,7", E10° 24'31,4".
Wir wechseln Geld schwarz (100DM = 100LD), Grenzübertritt dauert auf libyscher Seite ca. 3h. Zwangsumtausch von 350 DM in 150 Libyscher Dinare. Um 16 Uhr geht es schnell weiter, kurz getankt, dann bei Zuara noch ein paar Lebensmittel eingekauft. Wir fahren in Zuara Richtung Süden und nach ein paar Kilometern einen Weg rein (einem Stacheldrahtzaun entlang) und schlafen im Zelt auf dem feucht, sandigen Boden. Wir machen Spaghetti und kein Feuer, da alles zu feucht ist.
Reparatur von meinem Motorrad, kurzes Frühstück und die nassen Schlafsäcke
eingepackt. Es geht Richtung Süden nach Nabul. Dort besorgen wir uns den
Dreiecksstempel, der kostet 5LD pro Nase und noch mal 3LD für irgendwas. Der Weg
dorthin wurde uns von Motorradpolizisten gezeigt. Danach ging's auf den Markt
einkaufen und ein paar Fotos schießen. Nach endlos langweiliger Fahrt erreichen
wir Ghadames und gehen dort auf den Campingplatz. Alles bekannte Gesichter von
der Fähre. Wir mieten uns ein 2 Bett Zelt zu dritt für 25LD pro Tag. Abends
gehen wir in den Ort und essen in einer Kneipe. Es gibt Cous Cous und dauert
leider sehr lange.
Wir bleiben einen Tag in Ghadames, Karten schreiben, einkaufen, Tee trinken. Volkers GPS in nun endgültig tot, nachdem es am vorigen Tag schon immer wieder Funktionsstörungen hatte. Leider schaffen wir es nicht in die Altstadt. Wir entscheiden uns die A9 zu fahren (Libyen Führer, Reise KnowHow). Die Strecke geht am Erg entlang von Darj nach Idri. Abends gibt es Gemüseeintopf.
Wir frühstücken und fahren in den Ort um Brot zu besorgen. Nachdem wir schon recht lange angestanden sind und nichts weiterging fahren wir weiter. Volker kauft sich noch in Darj einen 5l-Kanister für Sprit. Wir tanken auf, bekommen natürlich kein Brot beim Bäcker, kaufen noch ein paar Sachen ein und fahren los. Robert Benzinfaß ist echt einmalig und entsprechend lässt es sich auf der Piste fahren. Wir fahren der deutlichen Piste nach unds toßen auf die Punpstation. Danach verfahren wir uns etwas. Beim Erklimmen eines Hügels, der mit großen Steinen und kelinen Felsblöcken gesäumt ist macht meine Twin einen Satz und die erste Tanktasche reißt ab. Volker kommt hoch zu mir, stellt seine Kiste ab und versucht mir zu helfen, dabei fällt seine Kati um. Das gibt hässliche Kratzer im Tank. Wir fahren um die Hügel herum und auf ca. 100° treffen wir irgendwann auf die geschobene Trasse. Hügel hoch, Hügel runter, teilweise recht steil. Bei einem Hügel stürze ich, die Twin wollte die Piste verlassen, als ich mit Gas die Twin an einem großen Stein zum Steigen bringe. Die Motivation geht gegen Null. Wir entschließen uns die A8 zu fahren. Wir fahren bei Bir Rimit nach Bir Ghazeil und übernachten dort.
Nach dem Frühstück geht es los. Die Piste wird bald ziemlich schnell und wir verlassen sie und kommen an den Plateaurand. Wir haben Schwierigkeiten uns zu orientieren und schauen uns die Lage auf der ONC Karte an und bestimmen unsere Position. Wir beschließen dem Platreaurand zu folgen, bis wir wieder auf die Piste stoßen. Wir kreuzen die Piplinepiste und durchqueren mehrer Queds. Wir übernachten in Schutzmauern am Rand des Plateaus mit Blick auf das Tal und der Polizeistation im Tal. Es gibt klasse Spaghetti mit Käsesauce.
Volker versucht sein GPS zu löten, doch ohne Fließmittel gelingt es nicht. Die Abschirmung der Antenne ist abgebrochen. Wir fahren zur Polizeistation und zügig weiter nach Idri. Dort kaufen wir noch was ein und fahren irgendeine Piste raus. Dort suchen wir uns einen Schlafplatz, bei dem es zum Abendessen Bohnen und Reis, aber wieder kein Brot gibt.
Am Morgen repariert Volker den Koffer, der sich langsam von seiner Kati trennen will mit einem Ringschlüssel als Halterung. Dann geht's nach Idri einkaufen und tanken. Dort treffen wir die 4 Landsberger Geländewägen. Sie fahren auch durch den Erg, also schließen wir uns an. Wir fahren noch 11km Richtung Brak. Wir folgen der Piste bis zum Anfang vom Erg. Wir übernachten unter Palmen und haben das erste mal richtig Zeit. Wir gehen fotografieren. Am Abend stoße ich mir noch ein Palmenblatt 1-2cm tief in meinem Oberschenkel.
Die Ergdurchquerung beginnt, doch ich bekomme leider schon ganz am Anfang
massive Probleme mit meiner schweren Twin. Die Entscheidung fällt schwer, doch
ich werde den Erg umfahren. Mittlerweile völlig erschöpft vom vielen Rödeln und
Aufheben der Maschine, begleitet Volker mich zum Rand der Dünen. Dort trennen
sich unsere Wege bis zum Abend. Ich fahre los und sehe sehr schnell, dass wir
nicht am Rande der Dünen waren. Ich musste noch einen hohen Dünenkamm
überqueren. Hupen und schreien hört Volker nicht mehr und ich bin alleine unter
brennender Sonne. Ich versuche mein Glück und steige mit Anlauf die Dünen hoch.
Doch meine Kräfte verlassen mich schnell und meine Twin begräbt mich unter sich.
Schreien hilft immer noch nicht. Ich muss mich zusammenreißen und versuche mich
mit graben aus der misslichen Situation zu befreien. Leider habe ich auch kein
Gepäck dabei, das ist in den Geländewägen. D.h. ein Liter Wasser und der
Schlafsack von Robert, den er mir geliehen hat ist mein Reisegepäck. Ich
entschließe mich in meiner Verzweiflung und nach langem Überlegen, meine
Maschine zurückzulassen und zu Fuß Idri zu erreichen. Aber mit jedem Schritt
gewinne ich wieder Zuversicht und sehe die Strecke vor mir. Ich gehe den Weg ab,
überlege mir, in welchen Kurven ich wieder Schwung holen kann um den nächsten
Hügel zu nehmen usw. Tatsächlich schaffe ich es dann, nach etwas Pause,
Konzentration und mentalem Aufbauen, den Weg ins nächste Dünental. Ich bin
überzeugt, der Weg ist frei bis Idri. Doch leider habe ich mich getäuscht. Ein
weitere Dünenkamm bäumt sich vor mir auf. Langsam kommt Panik auf, ich fahre das
Tal auf und ab wie ein Löwe im Käfig. Ich traue meinen Augen kaum, als ich einen
Jungen sehe, der gerade seine Kamele spazieren führt. Mit Händen und Füßen
erkläre ich ihm, dass es mich hier rausführen soll und auf dem Motorrad Platz
nehmen soll. Schließlich begreift er meine Andeutungen und führt mich
tatsächlich durch - nicht über - die Dünen. Völlig erleichtert möchte ich mich
bedanken und dränge ihm etwas Geld auf, das er gar nicht nehmen möchte. Der Weg
nach Idri geht noch durch zerfurchtes Gelände aber bereitet keine Probleme mehr.
An der Tankstelle gönne ich mir erst mal eine Pause und Cola und erhole mich von
dem Schrecken. Ich musste feststellen, dass ich auf meinem Horrortrip in den
Dünen irgendwo den Schlafsack verloren haben muss, aber suchen werde ich ihn
sicher nicht. Die Fahrt geht weiter nach Brak und Sebha. Unterwegs bleibt meine
Kiste noch stehen. Ohne Werkzeug natürlich beliebig schwierig, das Problem zu
beheben. Mit meinem Schweizer Taschenmesser gelingt es mit letztlich das Problem
zu orten und zu beheben. Die Benzinpumpe hat seinen Geist aufgegeben. Da der
Tank voll genug ist, genügt es die Pumpe zu umgehen und die Schwerkraft wirken
zu lassen. Die Fahrt geht weiter und in Ubari warte ich auf die Ergdurchquerer.
Doch es kommt niemand, es wird dunkel. Ich fahre die Straße zurück und plötzlich
sehe ich einen einzelnen Scheinwerferkegel, der sich von den Auto abhebt. Es ist
Robert, der mich auch sucht. Wir fahren ins Africa und trinken Kaffee. Ich
erzähle meine Story, aber es ging ja alles noch mal gut. Wir essen am
Campingplatz.
Heute ist Ruhetag und wir bleiben auf dem Campingplatz. Wir schrauben etwas rum, schreiben Tagebuch und verabschieden uns von den Landsbergern, die heute schon zu den Seen weiterfahren.
Wir wollen heute zu den Seen fahren, doch leider geht es nicht, bei Roberts Tenere sind 3 Speichen gebrochen. Er versucht sie sich von zu Hause schicken zu lassen. Wir hängen am Campingplatz rum, gehen die Dünen hoch. Robert versucht zu telefonieren und klärt ab, dass seine Speichen nach Tripoli geflogen werden und dort von Africa Tours dort abgeholt werden. Volker und ich fahren noch etwas in den Erg rein und erreichen den ersten See.
Am Nachmittag fahren Volker und ich wieder zu den Seen. Am Anfang ist es etwas schweißtreibend, aber dann läuft es recht flüssig. Wir fahren zum Um el Ma und gehen baden, zwischen tausenden von kleinen Tierchen. Aber es ist phantastisch, das Wasser ist oben und kalt und so heiß, dass man nicht die Füße ausstrecken kann. Der Salzgehalt ist sehr hoch und so kommt es, dass der Auftrieb einen oben hält ohne schwimmen zu müssen. Wir sammeln Holz und schleppen dann eine halbe Palme mit dem Moped zum "Camp am See". Es hat zwar recht wenig Mücken und Fliegen, die wenigen schwirren aber nach Dunkelheit ständig um uns herum. Mit Sturmhaube und warm angezogen gibt's aber keine Probleme. Lagerfeuerromantik mitten in der Wüste an einem mit Palmen gesäumten Salzsee.
Wir fahren weiter zum Gabroon See über den Fredra und Maflu See. Am Maflu See treffen wir Engländer, mit denen wir weiter zum Gabroon fahren. Einer kommt auf mich zugestürmt und meinte 'you must be a hero', eine Anspielung auf meine ca. 300 kg schwere AfricaTwin mit 45l Tank. Am See stauben wir uns eine Tasse Kaffe von den Engländern ab. Am Nachmittag fahren wir auf den Campingplatz zurück.
Den ganzen Tag rumhängen, einkaufen gehen, Fliegen totschlagen. Abends fahren wir mit Keksen und Cola bewaffnet in die Dünen und warten den Sonnenuntergang ab. Robert fährt bei Volker mit und es scheint ganz gut zu klappen. Libyen2000 und Brumm und so 'nen Käse in den Sand geschrieben.
Wir fahren zusammen zum Um el Ma, Robert fährt wieder bei Volker mit. Das zu zweit fahren klappt ganz gut. Abends treffen wir eine Rosenheimer Reisegruppe, die leider einen toten Mopedfahren zu beklagen haben. Er ist im Erg verunglückt und hat sich das Genick gebrochen. Wir verbrennen unsere halbe Palme vom letzten mal.
Wir fahren die einfache Strecke wieder raus und gehen in Germa einkaufen und tanken. Unterweg überfahren wir beinahe einen Fenek (Wüstenfuchs), der sich entscheiden konnte, ob er von seinem Bau fliehen soll, um uns wegzulocken oder ob er lieber den Bau als Schutz aufsucht. Ein Museumsbesuch für 3 LD zeigt uns die Gravuren und Höhlenmalereien. Hier bekommen wir auch die Genehmigung für das Wadi Mathendous für 3 LD. Die Orientierung ist einfach. Vor dem Berg bei der Rübenstation geht es einfach nach rechts, immer den weißen Reifen nach. Teilweise sandige und tiefe Spurrillen. Nach dem Kontrollposten geht es direkt nach Süden. Immer am Berg entlang kommen wir zu dem Schild Wadi Mathendous. Die Fahrt ins Wadi ist sehr grob und steinig, die Mopeds ächzen. Die Landschaft ist recht schön, die Gravuren zum Teil sehr gut zu erkennen und beeindruckend. Alles in allem ist das ein sehr friedlicher Platz, wir sind alleine.
Am nächsten Morgen entscheiden wir uns, mit dem Rucksack ein paar Kilometer das Wadi herunter zu laufen. Der Versuch brechen wir aber vorzeitig wegen Mangel an, ich weiß nicht genau was, ab. Wir fahren ungefähr die gleiche Strecke wieder zurück und treffen noch ein paar Franzosen unterwegs. Wir fahren am Erg Murzuq entlang und an der Rübenstation auf die Piste zurück. Ich habe ziemlich Hunger und die Reisegeschwindigkeit steigt auf über 100 km/h. In Germa tanken wir auf und kehren im Tassili Tourist für 10 LD ein. Abends kommt dann der Hammer. Wir sitzen bei Kaffee im Campingplatzrestaurant, da stellt uns der Campingplatzchief 3 Becher mit Dattelschnaps hin. Wie er uns dann erzählt, bekommt er jede Woche 5 Liter davon. Er wird immer betrunkener und unverständlicher. Er labert uns voll und keiner versteht was. "Klar, ja ja, is really good". Etwas betrüblich das ganze. Wir diskutieren noch eine ganze Weile vor den Zelten rum. Man merkt doch die Wirkung des Alkohols. Die Nächte sind etwas frisch für Robert, der seit dem Schlafsackverlust keinen mehr hat.
Die Speichen sind noch nicht da. Wir ruhen uns aus und machen etwas Waschtag.
Zwei Münchener Fahrzeuge kommen an und sie wollen morgen zum Um el Ma fahren. Es
bricht ein Sandsturm aus und legt das Stromnetz und Leben auf dem Campingplatz
lahm. Wir sitzen im Campingrestaurant bei Gaslicht und essen.
Volker wird mit den Münchenern weiterfahren. Wir fahren nochmal gemeinsam nach Germa zum "Tassili Terrorist". Die Stimmung ist nicht besonders, die Speichen sind immer noch nicht da und vermutlich noch nicht mal in Sebha.
Anmerkung zum Tagebuch:
Auf der Rückfahrt vom Wadi Mathendous habe ich leider meinen Tankrucksack offen gelassen und mein Tagebuch mit all meinen detaillierten Aufzeichnungen ging verloren. Mit Hilfe von Volkers Aufzeichnungen und meiner Erinnerung habe ich versucht die Tage zu rekonstruieren.
© 2007 Michael Pophal, Letzte Überarbeitung: 06.04.2007