
Donnerstag 14.Dezember 1995 Von
Erlangen nach Almeria/Spanien
Mit Tränen in den Augen verabschiedet sich Sigrid von mir, wir werden
uns jetzt vier Wochen nicht sehen und auch nur sehr wenig voneinander
hören. Um sieben Uhr mache ich auf den Weg nach Hockenheim, wo ich Phil,
Rainer und den
Anhänger mit den drei Twins abhole. Wir beladen den Bus,
tanken voll und machen uns auf die uns bevorstehenden 2500 km nach
Almeria. Dort können wir den Bus bei Gary, einem deutschen Ingenieur,
abstellen. Er ist dort in einem thermosolaren Forschungsinstitut angestellt,
wir kennen ihn auch nur übers Internet.
Freitag 15.Dezember 1995 Ankunft in
Almeria
Bei anfänglichem Schneegestöber und endlichem Regen sind wir bei Gary
in Tabernas gegen elf Uhr angekommen. Der strömende Regen bescherte uns
noch Unannehmlichkeiten, denn wir mussten wegen einem brennenden
Öllämpchen raus und den Ölstand überprüfen. Wie sich später
herausstellte glimmte das Lämpchen nur wegen einem Massefehler, der auf die
Feuchtigkeit zurückzuführen war. Jedenfalls wurden wir schön nass
gemacht. In Tabernas machen wir uns daran die Motorräder abzuladen. Dabei
stellte sich heraus, das bei meiner Kiste bereits eine Schraube am
Sturzbügel abgebrochen ist, eine weitere an der Frontverkleidung fehlt und
der extra gekaufte Tankrucksack doch nicht so gut passt wie gehofft. Gegen
fünf kommen wir mit den voll beladenen Motorrädern bei Garys Wohnung in
Almeria an. Nach Duschen und Essen legen wir uns erst mal in die
Schlafsäcke, wir wollen nämlich um 22 Uhr wieder fit sein, denn wir sind
noch auf eine Party eingeladen. Gary hat es aufgegeben uns zu wecken und ist
ohne uns auf die Party.
Samstag 16.Dezember 1995 Von Almeria nach Mellila
Nach einer wundervoll durchpennten Nacht spazieren wir durch Almeria, und
frühstücken an der Strandpromenade. Ich versuche zu Hause anzurufen, kann
mich aber nur mit Sigrids Anrufbeantworter unterhalten. Es ist Winter und
wir laufen im T-Shirt herum. Beim Einkaufen in einem großen Einkaufzentrum
fahren Mädchen als Nikoläuse mit kurzen Hosen und Hemden umher und
draußen stehen die Weihnachtsbäume unter strahlend blauem Himmel und
warten auf den Schnee, der hier nie zu fallen scheint.
Wir besorgen Lebensmittel und Batterien fürs GPS. Nach dem Mittagessen
packen wir zusammen und verabschieden uns von Gary. Am liebsten würde er
seine DR Big einpacken und mit uns mit verschwinden.
Gegen fünf Uhr geht unsere Fähre, auf der wir dann die nächsten sieben,
bzw. sechs Stunden, wegen der Zeitverschiebung, verbringen werden.
29 km / 29 km
Sonntag 17.Dezember 1995 Die Nächte hier sind frisch
Der Grenzübergang nach Mellila ist relativ problemlos, dauert jedoch
trotzdem zwei Stunden. Rainer und Philip wurden in den Computer als Frauen
eintragen. Wir sind aber noch froh, dass wir überhaupt eingetragen wurden,
richtige Hacker sind die Grenzer hier nicht. Gegen zwei Uhr machen wir uns
auf Schlafplatzsuche und kurz vor Nador in einem mit riesigen Schlaglöchern
übersäten Acker finden wir unsere letzte Ruhe, jedenfalls für diese
Nacht. Wir stehen mit der Sonne auf, frühstücken, lassen die Sonne unsere
Schlafsäcke trocknen und fahren nach Nador zum Geld tauschen. Für 700
Deutsche bekommen wir 4083 Marokkanische Dirham. Der Geldbeutel ist voll,
also auf in die Wüste. Zum Mittagessen machen wir in Guercif halt und
genießen bei 25°C die afrikanische Wintersonne. Für knapp 20 Mark
schlagen wir uns die Mägen mit Schaf und Pommes voll, besser wir stillen
unseren Hunger. Die marokkanischen Essensportionen entsprechen nicht dem
deutschen Maßstab, aber für marokkanische Verhältnisse haben wir wohl
geföllert. Auf dem Weg nach Outat-Oulad-El-Haj stoppen wir noch auf eine
Fotosession an einem wunderschönen Oued. Wir fühlen uns wie im Small
Canjon, dem kleinen Bruder vom Grand. Der Sprit wird langsam knapp und wir
fahren deshalb schon langsamer und ohne Licht. Es könnte knapp werden,
zumal ich einen Liter weniger Tankvolumen habe, als meine zwei Gefährten.
Es reicht aber und zu unser aller Erstaunen hat meine Maschine noch am
meisten im Tank, obwohl sie doch angeblich Phils Meinung nach unheimlich
viel schluckt.
Der Weg führt uns weiter nach Missour und aufgrund der fortgeschritten Zeit
schlagen wir uns ca. 18 km nach Missour in die Pampas (33°14'24''N,
3°48'55''W, wir haben schließlich GPS) zum Pennen. Wir sammeln Holz, denn
die Nächte hier sind arschkalt. Wir machen Spaghetti Karbonara und
genießen nach dem Sonnenuntergang beim prasseln des Lagerfeuers den
einmaligen Sternenhimmel. Beim Mondaufgang fangen die Hähne der umliegenden
Höfe an zu krähen, irgendwas läuft doch hier schief.
306 km / 335 km
Montag 18.Dezember 1995 Die Blaue Quelle von Meski
Heute stehen wir schon vor der Sonne auf, es ist nämlich so kalt, dass
unsere Schlafsäcke mit Eis überzogen sind. Erst ein Lagerfeuer bringt
wieder Leben in unsere erfrorenen Knochen. Phil macht Sonnenaufgangsfotos,
während der Tee kocht und das Brot auf dem Feuer geröstet wird. Die
nächsten vier Wochen wird uns jeden Morgen die selbe Prozedur erwarten:
Schlafsäcke trocknen, abspülen und aufrödeln. Bei unserer Weiterfahrt tut
sich vor uns eine wunderschöne Kulisse mit Dromedaren vor verschneiten
Atlas-Gipfeln und wolkenfreien, strahlendblauem Himmel auf. Wir begegnen
vielen winkenden Menschen, passieren Berberdörfer mit kreischenden Kindern
hinauf zum Col de Tagalm (1907 m). Die kurvenreiche Strecke schmeckt meinen
Sandreifen leider nicht so gut, die Kurven müssen vorsichtig angefahren
werden, aber ich bin ja auch wegen der Wüste hier. Obwohl die Bergspitzen
mit Schnee bedeckt sind ist es nicht sonderlich kalt, die Sonne wärmt uns
selbst hier noch gut auf.
bereit hingelegten Motorrad einen Zirkel in den Asphalt,
heute ist nicht sein Tag. Wir proviantieren Brot, Wasser, frische Minze für
den abendlichen Tee und erstehen sogar noch zwei Holzprügel fürs
Lagerfeuer. Der Weg führt und zu ersten Sehenswürdigkeit, die Blaue Quelle
de Meski. Dort warten auch schon die Schlepper auf uns, sie führen uns kurz
herum und lotsen uns sofort in deren Teppichläden. Jeder verschwindet in
einem anderen Teppichladen und muss sich die Geschichten von Tuareq, Berbern
und besten Teppichen auf der Welt anhören. Es dauerte etwa 1001 Teppiche
lange, bis ich Ali, mein Schlepper, klar machen konnte, dass ich nicht an
Teppichen interessiert sei. Weiter geht's mit Halsketten und nach heftigen
und zähen Verhandlungen konnte ich zwei Ketten von umgerechnet 220 DM auf
25 DM herunterfeilschen. Rainer hat zwei Ringe und zwei Schals (Chech)
erstanden. Am Spätnachmittag gelangen wir endlich ins Tafilalet, einer
fruchtbaren Oasensenke, und suchen in der Abenddämmerung einen Schlafplatz.
Etwa 20 km vor Erfoud errichten wir unweit von der Straße unser Nachtlager.
Heute entschließen wir uns für das Zelt, die Kälte der letzten Nacht hat
uns überzeugt. Leider sind die Holzscheite aus Er Rachidia noch so grün,
das wir trotz des angefachten Strohfeuers kein vernünftiges Lagerfeuer in
Gang bringen. Die Glut reicht gerade für einen Tee und nach den Versuchen
den
grandiosen Himmel auf Zelluloid zu bannen gehen wir schlafen.Dienstag
19.Dezember 1995 Ankunft am Erg Chebbi
Für den morgendlichen Tee musste erst mal der Brenner repariert werden, die
Düsennadel war gebrochen. Die Nacht im Zelt war schon wesentlich
angenehmer, allerdings hat der Tau wieder alles nass gemacht, sogar im Zelt
tropft es. Kinder vom nahegelegenen Dorf haben uns aufgespürt und wollen
ihre fossilen Funde durch unser Geld eintauschen. Wir sind nicht
interessiert und beginnen mit unserer bereits erwähnten Morgenprozedur. Auf
dem Weg nach Erfoud sind schon die ersten Sanddünen in Sicht. Der Herz
schlägt schon etwas höher. In Erfoud werden erst noch alle Tanks und
Kanister vollgemacht, den in den nächsten Tagen werden wir keinen Sprit
mehr bekommen können. Die Koffer werden noch mit Brot, Wasser, Milchpulver
und Marmelade vollgestopft. Ich habe noch einen kurzen Funkspruch nach Hause
abgesetzt und auf geht's nach Merzouga. Unterwegs machen wir noch einen
Off-Road-Abstecher zu einem Fossilienfundort. Ich merke richtig, wie meine
Maschine sich auf dem weichen, sandigen Untergrund wohlfühlt. Der Puls
steigt, die Aufregung wächst, die erste Düne in diesem Urlaub wird
genommen. Dafür sind wir hergekommen, grenzenlose Freiheit und fahren wie
es einem beliebt. Wir stehen nicht lange auf der Sanddüne und es kommen
schon die ersten Versteinerungen mit ihren Besitzern an. Nach langem
Feilschen erstehen wir sechs Teile für fünf Mark und einen Kuli. Es geht
weiter mit Sand- und Geröllpiste. Mit teilweise 130 km/h stauben wir durch
die Wüste. Inmitten dieser taucht das
Cafe de Sud auf, wo wir Mittagessen
wollen. Kurz davor entgleitet mir meine Maschine an einem sandigen Hang und
kann sie nur noch sanft ablegen. Rainer macht es mir nach und macht sich
gleich nach dem Essen auf der hauseigenen Düne flach. Während dem Essen
konnte man beobachten wie Phil von einer Minute auf die andere immer
kränker wurde, bis seine Niesattacken gar nicht mehr aufzuhören schienen.
Es hat in ziemlich böse erwischt, die nächsten Pistenkilometer fahren wir
langsamer und mit vielen Schnäuzpausen. Trotz der moderaten Fahrweise
bekommt mein Vorderrad einiges zu schlucken, scheint die Twin aber nicht
weiter zu beeindrucken. Mit all der Ladung ist das Fahren immer noch eine
Riesengaudi, ein dickes Lob an Honda. Mein Reiseführer empfiehlt den
Campingplatz Ksar Sania (31°05'32''N, 4°00'42''W) und nach einer kleinen
Inspektion der sanitären Anlagen kommen wir der Empfehlung nach. Wir bauen
die Zelte auf, dieser Campingplatz wird für die nächsten Tage unser zu
Hause sein. Direkt hinter uns ist der Erg Chebbi, der große Sandhaufen, in
dem sich Enduristen wie wir, so richtig die Kante geben können. Wir checken
unsere Maschinen und basteln einen elektrischen Anschluss fürs GPS an meine
Kiste. Es ist schon lange dunkel und das Schrauben wird zum Tasten, bis es
endlich geschafft ist. Zum Lohn gönnen wir uns Spaghetti mit Käsesauce und
der Camping-Dobermann scheint der Geruch auch gut zu gefallen, jedenfalls
versucht er es regelmäßig mit schnorren. Phil wird wohl morgen seine
Thermarest-Matte hüten, die Erkältung scheint ihn sehr zu schlauchen.
78 km / 923 km
Mittwoch 20.Dezember 1995 Der Daytsii-See und der Drift
Als erstes habe ich mich heute Morgen geduscht, rasiert und bin wieder
in die dreckigen Klamotten gestiegen. Phil liegt flach und kuriert seine
Krankheit aus. Nach dem Frühstück wird Wäsche gewaschen und gegen Mittag,
wenn die Sonne am heißesten brennt wagen Rainer und ich einen Trip in den
Erg. Der Reifendruck wird auf 1.2 Bar abgesenkt und das Gepäck auf ein
Minimum reduziert. Die meiste Zeit haben wir mit buddeln oder Kiste aufheben
verbracht. Es ist ganz schön knifflig die Dünenkämme rauf zufahren ohne
dabei ins Nirwana zu springen. Etwas Mut und eine beherzte Fahrweise sind da
schon angebracht, wenn man vorwärtskommen will, aber nobody is perfect.
Jedenfalls hat es riesigen Spaß gemacht, auch wenn wir die ganze Zeit im
eigen Saft schmorten. Immerhin haben wir in eineinhalb Stunden ganze acht
Kilometer gemacht. Leider ist mir mein rechter Außenspiegel zu Bruch
gegangen, als ich nach einem waghalsigen Sprung ins Unbekannte die Maschine
fast kopfüber in den Sand steckte. Aber nicht dabei ist der Spiegel kaputt
gegangen, sondern erst als ich ihn wieder richtig einstellen wollte. Im
Kugelgelenk hat sich Sand versteckt und dieses blockiert, dabei ist mit das
Gelenk ausgerissen. Es ist aber, Allah sei Dank, weiter nichts
passiert.
Nach einer längeren Siesta und dem Reifenaufpumpen mit einem geliehenen
12V-Kompressor machen wir uns auf die Suche nach dem nahegelegenen Daytsii-See, den wir von den Dünen aus schon anpeilen konnten. Dort soll es
Flamingos geben, doch deren Vertretung übernahm heute ein
badendes
Dromedar. Beim Rumheizen erwischte ich zwei Bodenwellen so ungünstig,
dass
das Ausfedern meiner Maschine beinahe zu einem Überschlag geführt hätte.
Bei dieser Aktion hat sich jedenfalls mein Tankrucksack verabschiedet und
hängt nur flatternd mit einem großen Loch an der Seite irgendwie an der
Maschine. Mit Spangurten und Expandern versuche ich dieses Mistding wieder
auf dem Tank zu fixieren. Auf der Strecke zur anderen Seeseite überraschte
uns noch ein
Wasser-/Schlammloch, dass wir mit voller Geschwindigkeit
durchquerten, da sich das Dreckloch erst im letzten Augenblick als solches
zeigte.
Nach einer Drift-Foto-Session warten wir noch den Sonnenuntergang ab,
natürlich nicht alleine, Kids
haben sich mal wieder dazugesellt. Auf dem Rückweg kaufen wir noch ein
wenig ein und lassen uns
schließlich im Camping-Restaurant nieder, wo wir feudal essen. Danach
fallen wir ohne viel Wort zu
verlieren in die Schlafsäcke.
32 km / 955 km
Donnerstag 21.Dezember 1995 Immer noch Erg Chebbi
Nach dem Frühstück wird erst mal der Tankrucksack genäht und neu verzurrt
und danach zum Einkaufen gefahren. Phil hat über Nacht vier Klopapierrollen
niedergeschnäuzt, entsprechend sieht es auf dem Campingplatz aus. Rainer
und ich entschließen uns den 27 km südlich gelegenen marokkanischen
Außenposten Taouz anzufahren. Dort soll es Gravuren im Fels geben, die wir
gerne besichtigen möchten. Phil bewacht derweilen die Wüste und
vergewaltigt weitere Klopapierrollen. Immer der Sonne entgegen erreichen wir
bald den Ort, registrieren uns in der Polizeistation, sammeln noch einen
Jungen als Führer auf und begeben uns auf den Weg zu den alten
Felsgravuren. Eine Schlammpassage bescherte uns auf dem Hinweg noch kräftig
Kopfzerbrechen. Die Stollenreifen setzten sich sofort mit dem Dreck zu und
das umherrutschen begann. Schmierseife hat mehr Grip als diese Pampe, ich
konnte nur noch stehen wenn ich mich an der Maschine stützte, andersrum war
es natürlich genauso. Mit Reisig versucht unser kleiner Führer das
Schlammloch für die Maschinen passierbar zu machen. Diese Aktion wird aber
belohnt, die
Gravuren sind schrecklich und dazu noch falsch. Jedenfalls
scheinen mir die eingravierten Autos nicht sehr antik zu sein. Die
Rückfahrt ging mit unserer nun gesammelten Erfahrung problemloser und da
uns in Taouz kein Restaurant zur Einkehr geboten war, lud uns unsere kleiner
Führer
zu sich nach Hause ein
und tischte Tee, Rühreier und Brot auf. Als
Dank dafür kauften wir ihm noch ein paar Fossilien ab, gaben ihm 15 Dirham
und ein
Feuerzeug, doch das schien ihm zu wenig zu sein. Nichtsdestotrotz
machen wir uns auf den Rückweg und durchqueren dabei an einer schmalen
Stelle den Erg. Die Fahrt im Sand klappte heute schon wesentlich besser.
Unterwegs habe ich noch ein paar Namen in eine Düne geritzt und
fotografiert, ein paar Souvenirs. Phil hat die Nase gestrichen voll, im
wahrsten Sinne des Wortes, er will jetzt auch dünensurfen. Rainer und Phil
machen sich auf und nach einer guten Stunde sind sie zurück. Rainers Kombi
sieht etwas angeschürft aus, er hat sich zwischen den Dünen im weichen
Sand eine harte Lehmplatte ausgesucht und dort breit gemacht. Sein
Sturzbügel hat ganze Arbeit geleistet und ist jetzt verbogen. Mit Duschen
und Wäsche waschen wird es Abend. Der Hunger treibt uns auf den
benachbarten Campingplatz Tuareq. Wir müssen dort original Berbermusik
genießen, bis wir endlich zum langersehnten Mal kommen. Es gibt Tashine,
ein Gemüseeintopf mit etwas Fleischbeilage und marokkanischen Gewürzen.
Ein maltesischer Weltenbummler gesellt sich zu uns und wir quatschen bis uns
irgendwann die Augen fast zufallen.
70 km / 1025 km
Freitag 22.Dezember 1995 Die
Umrundung des Erg Chebbi
Heute wollen wir den Erg Chebbi umrunden. Auf der Ostseite des Ergs soll
eine kleine Oase sein, die wir mit Hilfe der Beschreibung von Einheimischen
finden wollen. Zuvor kaufen wir noch Brot und Wasser ein und beginnen die
Umrundung in Richtung Süden. An einem Militärposten vorbei versuchen wir
bald darauf unser Glück in den Dünen. Keine Oase, wir folgen Autospuren,
die immer wieder in die Dünen führen, aber dann wieder vom Sande verweht
unterbrochen sind. Der Erfolg, die Oase zu finden bleibt aus, jedoch finden
wir auch so genügend Spaß am Dünenheizen. Wir machen unseren Weg weiter
über steiniges Terrain (arab. Hammada, Steinwüste) und gelangen nach ein
paar Pausen an einen Militärposten, der die algerische Grenze überwacht.
Wir werden auf einen Tee eingeladen, während die Pässe kontrolliert
werden, wobei ich bezweifle, dass sie das wurden. Die Jungs wollten nur mal
wieder Gesellschaft und haben uns so auf freundliche Weise dazu gezwungen
ihnen diese zu geben. Wir durchqueren weiter die Ausläufer des Ergs, wobei
Phil einen ungewollten aber geglückten Sprung über eine Düne macht. Diese
Düne hatte aus irgendeinem Grunde keine windabgewandte Seite, jedenfalls
ging sie genauso steil hinauf wie wieder herunter. Mit teilweise 120 km/h
überqueren wir die Geröllwüste und machen an einem von Dünen umgebenen
Restaurant halt. Ich parke meine Maschine durch kräftiges Gasgeben, Phils
Kiste bleibt so stehen, ohne Ständer und eingraben. Wir bestellen drei
Salate und Tee, quatschen ein wenig und plötzlich fällt Phils Maschine
doch noch um und zwar auf Rainers Gerät. Ein Rückspiegel macht die
Krätsche. Nach dem Essen fahren wir wieder zurück zum Campingplatz. Wir
können dem Zauber der Dünen nicht widerstehen und surfen noch ein wenig
in dem großen Sandhaufen herum. Geschafft von den Anstrengungen des Tages
gönnen wir uns am Abend Couscous im Camping-Restaurant.
100 km / 1125 km
Samstag
23.Dezember 1995 Phil macht den Weg frei



Mit dem Sonnenaufgang machen wir Frühstück mit Rührei, rödeln auf
und spannen die Ketten. Der Sand fordert
seinen Tribut, die Ketten werden zusehends länger. Nach ca. 40
Pistenkilometern erreichen wir Rissani. Vor der Ortschaft gönnt sich Phil
mit seiner Maschine noch ein Schlammbad. Trotz des großen Vergnügens
musste er feststellen, dass sein selbstkonstruierter Kofferträger für
solche Aktionen nicht geeignet ist. Sonst ist weiter nichts passiert, außer
das im Nu ein duzend Kinder im Weg rum stehen, so tun als würden sie helfen
und anschließen die Hände aufhalten. Phils Prophezeiungen, dass Rissani
eine absolute Touristenfalle sei, hat sich jetzt schon gezeigt. Aber nach
dem proviantieren geht's gleich weiter mit dem Nepp. Wir essen die
homöopathischen Mengen die uns in einem Restaurant vorgesetzt werden und
sollen dafür auch noch 200 DH abdrücken. Wir handeln und feilschen, dass
ganze läuft bereits in keinem freundschaftlichen Rahmen mehr ab und nachdem
wir den Preis um 50 DH drücken konnten machten wir und auf dem schnellsten
Weg davon und verschwinden auf asphaltierter Strecke nach Mecissi, wo wir
Sprit kaufen und auf die Piste nach Zagora abbiegen. Mit einer
Wegbeschreibung im Reiseführer, GPS und Tactical Chart (1:500000)
schaffen wir heute noch 60 km. Bei einem falschen Abbieger hinter Fezzou
kommt Phil in einer hart gebackenen Lastwagenspur ins Trudeln und
mäht eine
Lehmmauer um. Es sah böse aus, ist aber weiter nix passiert. Die Gabel
scheint OK zu sein, die linke Seitentasche am Tank ist abgerissen. Die
Mauer hat wesentlich mehr Schaden genommen, die Abrissbirne hat ein ganzes
Eck aus der Mauer geschlagen. Nach dem Ausrichten der linken Lenkerarmaturen
begeben wir uns zurück auf die richtige Piste. Die Kreuzung bei km 44 (laut
Reiseführer) sind wir falsch abgebogen. Die Dämmerung hat sich
angekündigt, wir errichten unser Lager in einem trockenen, sandigen
Flussbett, sammeln Holz fürs Lagerfeuer und kochen Spaghetti mit Hammel-Bolognese. Schmeckt wirklich köstlich. Der am Feuer bereitete
Minzetee rundet den glücklich überstandenen Tag ab.
160 km / 1285 km
Sonntag
24.Dezember 1995 Heiliger Abend
Heute sind wir früher als die Sonnen aufgestanden. Das gestrige Lagerfeuer
ist sofort wieder entfacht und der obligatorische Tee wird zubereitet.
Gefrühstückt wird geröstetes Brot. Vor dem aufrödeln entfernen wir noch
die widerspenstigen Akazienstacheln, die wir uns im Laufe der Pistenfahrt
alle in die Pneus eingefahren haben. Es geht zurück zur Kreuzung bei Km 44
und versuchen das laut Reiseführer bei Km 69 auftauchende Bergwerk zu
finden. Leider bleiben wir erfolglos und die Piste wird im kleiner, bis sie
für uns an einem Wadi endet. Dieses Schlammloch wollten wir beim besten
Willen nicht durchqueren, außerdem ist das nach unserer Karte auch nicht
nötig. Mittels GPS-Navigation fahren wir nach Oum-Jrane und finden wieder
die Piste, die uns nach Zagora führen soll. Die Piste wird immer
schlechter, Kies und Schotter, große Steine bis Felsbrocken machen die
Fahrt zum Eiertanz. Kaum vorstellbar, dass diese Piste von den uns entgegen
kommenden Lastwägen passiert wurde. Mit 50-70 km/h bewegen wir uns Zagora
entgegen und erreichen gegen 14 Uhr den Campingplatz Sindibad. Nach einer
äußerlichen Erfrischung kam der Durst dran, neun frisch gepresste O-Säfte
und der Campingvorrat war erschöpft. Wir treffen einen Deutschen, der mit
seinem 710er Benz-Wohnmobil und seiner MZ schon seit 1978 jedes Jahr ein
halbes Jahr in Marokko verbringt. Leben tut er vom Verkauf mitgebrachter
Westwaren, die er durch den Zoll schmuggelt oder die er sich beim Zoll
freikauft, mit einer Flasche Pennerglück.
Beim Bummel durch die Stadt versuche ich eine Wasserpfeife für Thomas, der
uns freundlicherweise sein GPS zur Verfügung gestellt hatte, zu ergattern,
ist aber hoffnungslos, die Jungs hier scheinen solche Dinger nicht zu
benützen. In Ägypten hießen die Dinger Schischa und hier heißen sie
Rgilla, bis ich das begriffen hatte, war der Abend auch schon bald vorüber.
Ich versuchte Sigrid anzurufen, musste aber zwecks fehlender Telefonnummer
aufgeben. Jedenfalls konnte ich meine Eltern erreichen und ihnen ein
fröhliches Fest wünschen. Kaum zu glauben, dass bei dieser
Badehosentemperatur zu Hause Schnee liegen soll. Wir kaufen noch Datteln
(1kg = 30DH) und Erdnüsse (400g = 10DH) und gehen zurück zum
Campingrestaurant. Das Steak, welches wir bestellt hatten, war auf dem
Teller kaum auffindbar, dafür sind die Preise entsprechend hoch.
140 km / 1425 km
Montag 25.12.1995
Zagora
Heute ist faulenzen angesagt. Wir frühstücken, gehen in die Stadt und
verbringen die erste Stunde in einer Schlange vor der Bank. Danach hab ich
die Sigrid angerufen. Ein Händler wollte uns eine Wasserpfeife andrehen,
die nicht einmal funktionierten kann. Wesentliche Löcher waren in der
Wasserpfeife nicht vorhanden. Nachdem wir dem guten Mann die Funktionsweise
einer Wasserpfeife erklärt hatten, ließ er von seinem Vorhaben ab.
Wir suchen einen Schlosser auf, um Phils Kofferträger auszurichten und um
eine Platte an meinen Seitenständer anbringen zu lassen. Für diese kleine
Hilfe wollte der Raffgeier nur schlappe 3000DH (ca. DM 500,-), dann ließ er
sich auf 1500DH und schließlich 400DH runterhandeln. Mit DM 50,- haben wir
in schließlich abgespeist. Auf unserem Rückweg springt meine Twin nicht
mehr an ... schieben zum Campingplatz. Dort stellt sich heraus, dass nur der
Massekontakt zur Batterie lose war.
Wir planen die weitere Reisetour um: Zweitägiger Pistenritt nach Foum Zguid
und zurück. Ein Tag relaxen, Agadir wird gestrichen. Dann die zwei Schluchten Todra und Dades, Marakesch,
Fes, Gibraltar, Malaga und zurück zum Bus und zu Geri in Almeria. Nach dem
einprogrammieren der Wegpunkte unserer zweitägigen Pistentour ins GPS setzen wir uns wieder ins Straßencafé. Phils
Telefonierversuche sind immer noch erfolglos. Ein weiterer Versuch eine
Wasserpfeife zu kaufen endet in der ‚Boutique des Nomades‘. Die
Räumlichkeiten ähneln mehr einem Museum, als einem Souvenirshop. Mohammed
hatte auch entsprechende Preise, jedoch keine Wasserpfeife. Die Versuche von
Phil und Rainer Tuareg-Halsschmuck (Croix de Sud) zu ersteigern scheitern an
Mohammeds zu hohen Preisvorstellungen, vermutlich wollte er an uns gar
nichts verkaufen. Auf dem Rückweg begegnen wir Mr. Harley, der gerade auf
seine versilberte Blinkerverzierungen wartet, die von den ortsansässigen
Silberschmieden für ihn kostenlos angefertigt werden. Seine MZ soll mal wie
eine blinkende Bordelltüre aussehen, so scheint es. Er bestätigt uns
jedenfalls, dass Mohammed der teuerste Souvenirhändler ist und am liebsten
Kreditkarten nimmt. Wir werden in einem anderen Souvenirladen eingeladen. Es
gibt Tee und harte Verhandlungen um 6 Croix de Sud von 2000DH auf 300DH. Wir
haben seine Verhandlungstaktik sofort erkannt und der Händler musste klein
bei geben, da wir bereit waren mehr zu geben. Die anschließende
Unterhaltung mit Mr. Harley klärte unsere Unwissenheit über die
marokkanische Bevölkerung. Laut Mr. Harley, verbergen sich hinter den
extrem vermummten und verhüllten Frauen sogar Nutten. Dreiviertel der
Jugendlichen seien bisexuell und Zagora ist das Bangkok der Schwulen. „Selbst
die Mädchen lassen sich erst mal von hinten schnaxeln und wenn sie mal
geknackt sind, ist alles kein Problem mehr“. Vor 2 Jahren habe er wohl
auch schon Bekanntschaft mit den marokkanischen Sackratten gemacht.
Jedenfalls scheint er schon zum Dorf mitzugehören, heute ist er auf eine
Hochzeit eingeladen.
Wir gehen ins Camping-Restaurant und bestellen Steak, das diesmal schon
etwas größer ausgefallen ist.
Dienstag 26.12.99
Wir stehen noch vor Sonnenaufgang auf und gehen einkaufen. Trotz
Taschenrechner hat der Händler Probleme mit dem Ermitteln des Gesamtpreises
für unseren Einkauf. Es gibt Rührei und Tee. Wir rödeln auf und starten
Richtung Tagounite. Nach 67 km Asphalt erreichen wir Tagounite und finden
eine
Hinterhof-Tanke, bestehend aus Benzinfass und Schöpfbehältnisse. Wir
Verlassen Tagounite durchs Hintertürchen und kommen auf die Piste nach Foum
Zguid. Die ersten 40km konnten wir mit teilweise 100km/h blasen, aber dann
kam das üble Erwachen. Steine über Steine, Geröllpisten, das Arbeiten der
Federung wird zermürbend, die Gabel schlägt trotz Luftdruckunterstützung
mehrere Male durch. Enge Passagen machen die Fahrt zum Rodeo. Aber trotz der
schlechten Piste und dem mörderischen Tempo ist nichts passiert. Nur einmal
mussten Phil und ich auf Rainer warten, er hatte sich in einem sandigen Oued
flach gemacht. Die Piste führt an der algerischen Grenze entlang, wir sehen
den riesigen Erg Occidental. Dieser riesige Sandhaufen benötigt ein
vielfaches mehr an Fläche als die gute alte BRD. Nach einer längeren Fahrt
in einem flachen, ebenem, ausgetrockneten Wasserbecken, gelangen wir an
einen Militärposten. Die Männer sind, wie immer, extrem freundlich. Wollen
nur unsere Pässe, fragen nach Zigaretten oder Wein und schicken uns weiter,
nur leider einen Umweg von ca. 10km. Anstatt auf direktem Weg nach Foum
Zgiud, geht nun unser Weg im Zickzack dorthin. Diesen Umweg hatten wir uns
vermutlich verdient, weil wir weder Raucher noch Weintrinker sind. Den
ganzen Tag ziehen schon Wolken auf und die Dämmerung beginnt einzusetzen.
Wir haben zwar Ausrüstung für eine Wüstenübernachtung dabei, ziehen es
aber vor in einem Hotel o. ä. zu übernachten, nicht zuletzt wegen der
klirrenden Kälte und der Wolken, welche sich möglicherweise Nachts über
uns entladen könnten. Die Piste wird wieder besser, mit 120 Sachen heizen
und springen wir Foum Zguid entgegen. Wenige Kilometer davor ist noch eine
Polizeistation. In Foum Zguid suchen wir das im Reiseführer erwähnte
Hotel, es hat geschlossen. Zu unserem Glück gibt es noch eine weitere
Herberge. Wir quartieren uns ein, bestellen Essen und nach nur
zweistündigen Magenknurren stehen auch schon das Essen auf dem Tisch. Im
Hintergrund hören wir das laute, monotone Lärmen des Dieselgenerators, der
den Strom für die ganze Ortschaft liefert. Bevor wir dann endlich schlafen
gehen können, müssen wir uns noch bei der Polizei melden. Wir stellen
unsere Maschinen ins Hotelrestaurant, sicher ist sicher! Phil verschwindet
in seinem Einzelzimmer, Rainer und ich haben ein Doppelzimmer mit zwei
franz. Doppelbetten, oder sollte ich besser sagen französische
Hängematten. Im Zelt schlafen ist jedenfalls komfortabler. Es ist noch
lange Lärm vom treiben in der Stadt zu hören.
240km
Mittwoch 27.12.1995 Ortsurchfahrt
Wir stehen zeitig auf, beladen die Motorräder und versuchen zu
proviantieren. Jedoch in keinem Laden gibt es Brot oder Wasser. Erst in
einem Restaurant finden wir, was wir benötigen. Nach dem morgendlichen Tee
machen wir uns auf zum Tanken. Diese Tanke war schon etwas besser als in
Tagounite, die Zapfsäule war immerhin mit Handpumpe. Wir beschließen,
unterwegs zu frühstücken. Wir finden die weiterführende Piste zwar bald,
verfahren uns jedoch in der nächsten Ortschaft gewaltig. Durch enge und
engste Gassen, die Lenker kratzen schon fast an den Hauswänden,
manövrieren wir unsere Maschinen mit lautem Geknatter über Stock und Stein
und Sackgassen durch den Ort. Das Schmankerl dieser Ortsdurchquerung dürfte
die
Schikane mit der extrem engen Gasse und der sofort anschließenden 180°
Wendung an einer 3m tiefen Böschung entlang gewesen sein. Für solche Faxen
ist die Twin nicht konzipiert, trotzdem, wir schaffen es ohne größere
Zwischenfälle. Wir begeben uns nach mehrmaligem Fragen auf die Piste nach
Zagora. An einem gemütlichen Platz verzehren wir unser wohlverdientes
Frühstück. Allerdings verdirbt mir der Kampf mit meiner Fischdose und auch
der Geschmack des Inhalts den Appetit. Es geht weiter, bald hat die Piste
auch wieder den Schwierigkeitsgrad von gestern erreicht, Steine über
Steine, es ist zum Kotzen, der Eiertanz beginnt von neuem. Unterweg halten
wir mehrere Male an, um Gepäck und Räder zu überprüfen. Nach unserem
letzten Halt auf der Schotterpiste hat sich ein Stein zwischen mein
Vorderrad und Kotflügel geklemmt. Der Kotflügel ist im Eimer. Als ich
notdürftig reparieren wollte ist mir auch noch eine Schraube abgerissen,
die u. a. den Gabelstabilisator befestigt. Die restliche Piste fahre ich
wegen der fehlenden Stabilisierung etwas vorsichtiger, geht aber problemlos.
Gegen 15 Uhr erreichen wir Zagora, jeder ist fertig wie ein Schnitzel. Ohne
unnötige Worte zu verlieren, verschwinden wir unter der Dusche und pumpen
3 Liter O-Saft ab. In der Stadt holen wir unseren Tuareg-Halsschmuck ab, trinken
Tee, Phil versucht sich erneut am Telefon und gehen dann einkaufen. Von
seiner Mutter erfährt Phil, das Bettina sich wegen Zoff mit ihrer Mutter
bei ihm einquartiert hat. Phil braucht erst mal Schnaps, aber woher? Wie’s
der Zufall will, setzt sich Hartmut, alias Mr. Harley, zu uns an den Tisch
im Camping-Restaurant und hat eine Flasche Whiskey in der Hand. Phil und
Rainer gönnen sich mehrere Whiskey-Cola und ziehen sich sogar noch einen
Joint rein. Hartmut, auch bereits angeheitert, erzählt und erzählt. Es
gesellen sich noch ein paar Einheimische dazu und es wird noch ganz lustig.
Wir erfahren einiges über Zagora, Marokko und Hartmut.
130km
Donnerstag 28.12.1995 Zagora
Heute ist Motorradwartung und faulenzen angesagt. Ich versuche die
abgerissene Schraube auszubohren, aber mit dem spärlichen Werkzeug ist das
vergebens. Phil lässt seinen Seitenständer schweißen. Mein Hauptständer
weicht auch schon gewaltig von seiner ursprünglichen Form ab, die Sprünge
und Aufsetzer auf der Piste waren wohl zu heftig. Hartmut gibt mir den Tipp,
meinen demolierten Kotflügel mit marokkanischen Silberblechverzierungen zu
versehen. Da wir ein Führung durch die Silberschmieden geplant hatten,
entschließe ich mich dazu, den
Kotflügel auf marokkanisch reparieren zu
lassen. Mit dem Führer Abdul als Sozius auf Rainers Maschine machen wir uns
auf. Rainers Kotflügel soll auch verziert werden. Uns wird die Fertigung
der Silbergüsse in Amezrou gezeigt, die in jedem Souvenirladen
wiederzufinden sind und handeln schließlich einen Preis für die Kotflügelarbeiten aus. DM 50 pro Kotflügel, sie werden heute noch fertig,
da wir morgen zeitig los wollen. Wir sitzen noch lange bei Tee im Nebenraum
und plaudern mit Hartmut. Wir machen noch eine kleine Führung durch die
jüdische Khasba (Burg), essen zu Nachmittag und gondeln durch Zagora. Wir
erfahren von Hartmut, das heute Abend eine kleine Party bei seinem Wohnmobil
steigt und mit einem kleinen Unkostenbeitrag könnten wir auch teilnehmen.
Es gibt Fleischspieße, Pommes, Bier, Whiskey-Cola und angeblich 70%igen
Dattelschnaps. Die Party begann mit Bier und Whiskey-Cola. Zwischendurch gab’s
mal wieder Fleischspieße und Pommes. Später an Abend wurde dann noch der
Dattelschnaps (Mahya) in einer Plastiktüte serviert. Nachdem jeder
abgefüllt war, begannen die Jungs mit Tam-Tam, Cola-Flasche und Klatschen
Musik zu machen. Die Stimmung war am Höhepunkt angekommen, als sich der
Campingplatzbesitzer über den Lärm beschwert. Um dessen Unmut zu dämpfen,
wurde
er abgefüllt und hinter uns zum schlafen gelegt. Ähnlich machte es
Phil, nur dass er vorher noch
kotzte wie ein Reiher und nicht mehr geradeaus
laufen konnte. Zu dritt brachten wir ihn zum Zelt, zogen ihn aus und legten
ihn ab. Er war sofort weggetreten. Wir beschließen die Silvesterfeier hier
zu verbringen, d.h. wir fahren zu den zwei Schluchten und kommen zum 31.12.
wieder rechtzeitig zurück. Nachdem sich der Campingbesitzer ein wenig
erholt hatte und uns zu leisem musizieren anhielt, laufen unsere zwei
Kotflügel ein. Wir sind zufrieden mit der Arbeit. Die Party geht zu Ende.
Rainer bezahlt noch seinen Chech, den er sich besorgen ließ und ich meine
Musikkassette (30DH) aus Abduls Berbersortiment. Rainer pennt aus
Sicherheitsgründen in meinem Zelt, neben Phil ist es ihm zu gewagt.
10km
Freitag 29.12.1995 Zagora
Rainer und ich stehen früh auf, in der Hoffnung, den gestern geschmiedeten
Plan einhalten zu können und packen den größten Teil zusammen. Wir lassen
Phil noch schlafen, gehen einkaufen und frühstücken. Phil ist
auferstanden, sieht aber ziemlich tot aus. Jedoch seiner Meinung nach
können wir heute noch losfahren, er brauche nur noch etwas Zeit. Mit einer
Gewalttour könnten wir es heute noch zur ersten Schlucht schaffen, das wir
aber anstrengend, zumal noch 50km Piste dabei sind. Die Entscheidung wird
uns aber abgenommen, Phil schafft es doch nicht. Anstatt Motorrad zu fahren,
geht er kotzen. Mit quatschen und palavern, verbringen wir mit Hartmut den
Nachmittag. Gegen vier satteln Rainer und ich die Maschinen und fahren dem
Sonnenuntergang auf dem Jebel Zagora entgegen. Am Gipfel auf ca. 800müNN
finden sich mehrere Touristen ein, um den Sonnenuntergang auf Zelluloid zu
bannen. Zwei Kurze betteln noch um Bakschisch. Die Abfahrt auf der steinigen
Piste lässt in der fortgeschritten Dämmerung macht wenig Spaß. Die langen
Schatten, von den Scheinwerferkegeln erzeugt, verbergen die Tücken der
Piste. Zum Abend gibt es Spaghetti mit Hammelfleisch-Soße. Ich schlafe im
Freien, der Blick zum Sternenhimmel fehlt mir.
10km
Samstag 30.12.1995 Tinerhir
Heute ist Strecke angesagt, weshalb wir schon früh aufstehen. Mit
Frühstück und aufrödeln wird es halb elf bis wir uns Richtung Tazarine
aufmachen. In N’kob tanken wir unsere Kisten voll. Nach ca. 30 km stoppen
wir, Phils Maschine stinkt und raucht aus dem Auspuff. Der Luftfilter und
Ölstand wird gecheckt. Ratlosigkeit, bis Rainer die glorreiche Idee hat die
Abgase seiner Maschine auch mal zu checken. Die Idioten der letzten
Tankstelle haben Diesel in unsere Tanks gefüllt, natürlich für den Preis
von Super Benzin. In wenigen Kilometern erreichen wir Tazarine und lassen
uns vom hiesigen Tankwart die Tanks leer saugen. Zuerst wollte er die
Brühe einfach in den Sand ablassen, bis wir dazu ermahnten einen Kanister
unterzustellen. Missbilligend ging er von dannen und holten selbigen. Ich
bin mir sicher, dass er nach dieser Aktion den Kanister hinter dem Haus
wieder geleert hat. Umweltschutz o. ä. wird hierzulande nicht weiter
beachtet. Während dieser Aktion kam noch ein Bus deutscher Touristen dazu,
die uns bzw. unser waghalsiges Unternehmen bewunderten. Ich frage mich
welches waghalsige Unternehmen sie wohl meinten. Nach ca. 1 Stunde
Tankstellenaufenthalt konnten wir mit vollgetankten Maschinen und um DM 80,-
erleichtertem Geldbeutel weiter nach Alnif. Von dort aus zweigt eine 50km
lange Piste Richtung Norden ab, auf der wir zu Mittag essen und die wir
bereits nach eineinhalb Stunden wieder verlassen und auf die nach Tinerhir
führende Asphaltstraße abzweigen. Nach ca. 30km erreichen wir den Atlas
Campingplatz, nahe Tinerhir, auf dem wir uns einnisten. Als erstes ist Zelt
aufbauen und duschen angesagt, danach wir Wäsche gewaschen und Rainer und
ich kochen uns einen Milchreis. Nebenan versucht sich einer im Spielen der
Tonleiter auf einer Klarinette. Das Gedudel treibt uns ins Camping Café.
Morgen wollen wir die Rundfahrt von der Dades Schlucht zur Todra
Schlucht wagen. Die Piste führt über einen 2800m hohen Pass und soll
absolut steinig und übel sein. Wir wollen soweit fahren und ggf. umdrehen.
Wir gehen früh zu Bett.
282km
Sonntag 31.12.1995 Sylvester
Wir stehen früh auf, frühstücken, packen warme Klamotten ein und fahren
auf Asphalt zur Dades Schlucht. Auf Schotterpiste geht es weiter bis zur
Verbindungspiste zur Todra Schlucht. Hier wird’s richtig haarig und wir
entschließen uns nicht als Helden zu sterben und drehen um. Auf einer Wiese
in der Hochebene essen wir und werden in kürzester Zeit von einem Dutzend
Kinder umlagert. In Boumalne Dades, am Fuße der Schlucht, gönnen wir uns
Tee und schreiben noch Postkarten. In Tinerhir gehen wir erst mal auf den
Markt und kaufen für das abendliche Hammel-Bolognese ein. Aus welchem Grund
auch immer war mein Magen verstimmt. Ich lege mich etwas hin und als ich
wieder aufstehen wollte, war totenstille auf dem Campingplatz. Habe ich
Sylvester verpennt?!
166km
Montag 1.1.1996 Dades und Todra Schlucht



Heute wird ein gemütlicher Tag, wir wollen mal in die Todra Schlucht
reinschauen, unsere letzen Pistenkilometer in diesem Urlaub. Rainer ist vor
mir aufgestanden und macht sich Benzinkocher zu schaffen. Die Düsennadel
ist mal wieder abgebrochen. Reparaturkit numero-2 wird verbraten. Der
nächste Gau: Phil will in die Stadt fahren, aber seine Twin läuft nur noch
auf einem Topf. Die CDI-Einheit spinnt, aber nach mehrmaligem Rütteln an
den Kontakten geht’s wieder. Wir frühstücken und fahren mit kleinem
Gepäck in die Todra Schlucht. Beim Eingang mussten wir pro Nase 2DH
abdrücken und schon erwartet uns die erste Wasserfurt. Die Landschaft ist
sehr abwechslungsreich, die Piste gut zu fahren. Unterweg treffen wir zwei
deutsche Kamikazee-Mopedfahrer mit einer BMW K100 und Kawasaki GPZ 1100,
echte Enduros halt. Ohne Motorradbekleidung und Sturzhelm auf dem
Gepäckträger kriechen sie die Schlucht entlang und wollen den 2800m Paß
nehmen, vor dem wir resignierten. Am Ende der Schlucht, in TamTattouche,
kehren wir um und schießen jede Menge Fotos. Die letzte/erste Furt wird
fotografisch ausgebeutet, wir machen uns auf den Heimweg. Wenige Kilometer
vor dem Campingplatz passiert’s: Phil hat einen Platten, auf dem letzten
Pistenkilometer dieses Urlaubes. Wir rollen weiter Richtung Campingplatz.
Eine Stunde später ist der Schaden behoben, währenddessen dusche ich. Die
Stoßdämpfer werden wieder weicher eingestellt und die Kette soll zum
ersten mal im Urlaub gefettet werden, nachdem sie mit Diesel gereinigt
wurde. Bis heute ist noch kein einziger Regentropfen gefallen, es bleibt nur
zu hoffen, dass es jenseits des Atlas in Marakesch auch so bleibt.
In Tinerhir trinken wir erst mal Tee, dann schicke ich telefonisch
Neujahrsgrüße nach Hause und wir bummeln durch den Souk. Dabei
lernen wir einen Lehrer kennen, der uns etwas rumführt. An Ständen vorbei
zum heimischen Medizinmann und dann zu
Teppichknüpferinnen. Dort gibt es
wieder Tee und eine kleine handwerkliche Vorführung. Den Versuch uns
Teppiche zu verkaufen, geben die Gastgeber bald auf. Wir werden in gutes und
günstiges Restaurant geführt. Nach dem Essen sind die Ketten dran und ab
in die Falle, morgen wird ein harter Fahrtag. 370k bis Marakesch, dabei geht’s
durch und über den Atlas.
70km
Dienstag 2.1.1996 Marakesch
Gegen 10 Uhr kommen wir endlich vom Campingplatz weg und tauschen im Ort
noch Geld. Nach ca. 150km, in Ouarzazate, gehen wir im Supermarkt vom
Griechen Dimitris Müsli, Chips und Chappi (Frühstücksfleisch) einkaufen.
Der Dieselgestank der Pkws und Lkws beschert mir unterwegs Kopfschmerzen.
Aspirin hilft vielleicht weiter, wir fahren ein paar Kilometer und machen
Mittag. Die Sonne prügelt auf uns ein, in ca. 1100m Höhe halten wir sogar
im T-Shirt nicht mehr aus. Die Atlasdurchquerung macht wieder richtig Spaß.
Viele Kurven, Serpentinen und schöne Landschaften bescheren uns schönstes
Fahrerleben. Unterwegs halten wir an einem kleinen Ort, kaufen Souvenirs und
trinken O-Saft. Überall an den Straßenrändern stehen Jungs und halten
Kristalle bzw. Kristalleinschlüsse in die Luft.
Bevor wir uns weiter auf den Weg machen, inspiziere ich meinen Vorderreifen.
Wie in Ägypten lösen sich die äußersten Stollen ab, Scheiße! Ich muss
die Kurven langsamen nehmen und das bei diesen geilen Kurven. Es begegnen
uns 4 BMW R100 GS. Gegen 18 Uhr wagen wir uns ins Verkehrsgetümmel von
Marakesch. Hier stinkt es nach Abgasen, Verkehrsanarchie, Augen am
Hinterkopf wären angebracht. Wir suchen das Hotel Islane und sind nach
einer relativ kurzweiligen Irrfahrt fündig. Für 361DH quartieren wir uns
hier ein. Die Mopeds stehen auf einem bewachten Parkplatz. Die Dusche auf
dem Zimmer wartet bereits, der Fernseher läuft. Wir gehen zum naheliegenden
Djemaa el Fua (Platz der Geköpften), trinken frisch gepressten O-Saft und
bummeln durch einen Teil des Souks.
380km
Mittwoch 3.1.1996 Marakesch
Heute ist ein großer Souk Besuch am Djemaa el Fua geplant. Dieser
Souk ist
so groß, verwinkelt und unübersichtlich, dass man sich dort ohne Führer
verläuft. Der erste Führer, der sich anbot verschwand irgendwann beim
Gürtelhändler, bei dem Rainer und ich vier Kamelleder Gürtel für 350DH
erfeilschten. Der Gürtelverkäufer ist von nun ab unser neuer Führer und
zeigt Rainer und Phil haben einen Barbier, bei dem sie sich den
Gesichtspullover wegoperieren lassen. Wir suchen immer noch eine
Wasserpfeife und werden von einem Laden in den nächsten geschleift. Die
erste Wasserpfeife stand für 600DH im Angebot, die nächste konnten wir
schon 300DH haben und auf 150DH runterhandeln. Auf der Suche nach einem
schönen Backgammon-Spiel lernten wir den Rest des Souks kennen. Die
Qualität der Spiele ist allgemeinen die selbe, sie ist schlecht. Eines der
letzten mit vielen Verzierungen und Einlegearbeiten weckte mein Interesse.
Erstaunlich, dass ein hässlich Spiel beim einen Händler 1400DH und dieses
Prunkstück hier nur 600DH kostet und schließlich auf 320DH gedrückt
werden konnte. Ich habe mich aber trotzdem noch nicht entschieden,
vielleicht morgen, Insalah. Das meiste Geld haben wir bei einem
Lederwarenhändler gelassen. Bis morgen 17 Uhr hat er für jeden von uns
eine maßgeschneiderte Lederjeans für ca. DM 105 pro Jeans angefertigt.
Alle heute geschossenen Fotos lassen wir sofort entwickeln und verschicken
sie als Postkarten. Auf diesem Souk gibt es wirklich alles, was so der
Orient zu bieten hat, vom Wasserverkäufer, über den Bettler und Eselkarren
zum Mofa, Leder-, Metall-, Messing-, Schmiede-, Näh-, Webearbeiten,
Lebensmittel und was man sonst noch so zum Leben und Überleben braucht.
Gegen Abend ziehen wir uns auf eine Dachterrasse zurück, schreiben
Postkarten und beobachten das bunte Treiben auf dem Djemaa el Fua. Mit einer
kleinen Runde durch die Souks schließen wir den Tag ab.
Donnerstag 4.1.1996 Marakesch
Heute ist Kulturtag. Wir haben uns zuerst die Saadiener-Gräber (eine alte
Königsfamilie), einen Palast, dessen Grundmauern nur noch bestehen,
angesehen und wollten anschließend einen sehr gut erhaltenen Palast
angucken, um einen Einblick ins Leben der Noblen um die Jahrhundertwende zu
bekommen. Doch offensichtlich ist das Gebäude auch heute noch recht nobel,
Hassan II hat sich für heute dort eingenistet.
Wir schlendern durch die Gassen, essen, gehen zurück ins Hotel und treffen
uns gegen 16 Uhr mit dem Lederhändler im Souk. Wir probieren die Hosen
solange an, bis die Änderungen unseren Wünschen entsprechen. Wir sind alle
zufrieden. Ich erfeilsche mir noch eine Lederjacke von DM 400 auf DM 200.
Rainer besorgt mir währenddessen das Backgammon-Spiel für 300DH, der
Händler muss ziemlich ungehalten gewesen sein, wegen dieses Preises. Auf
dem Djemaa el Fua essen wir an einem der vielen Stände und werden
regelmäßig von Bettlern um Essen angemacht.
Freitag 5.1.1996
Heute werden Kilometer gefressen. Wir kaufen ein, wechseln noch Geld und
verlassen Marakesch. Wir steuern den Pont du Naturell, eine natürliche
Brücke, an und machen dort Mittag. Es geht weiter zu den
Cascades de Quzoud.
Mein Vorderreifen ist bereits so fertig, dass ich die Maschine um jede Kurve
herum hebe. Die äußere Stollenreihe wird sich bald verabschieden und
passiert das in einer Kurve, dann will die Kiste bestimmt nicht dorthin wo
ich will. Nun das Problem ergibt sich schon früher: in einer Linkskurve bei
110 km/h fängt das Vorderrad an zu schlagen und will nicht mit in die
Kurve. Da hilft nur noch eins stark bremsen ...
ich hab einen Plattfuß. Wir
versuchen unser Glück mit Pannenspray. Reifen füllen und sofort Abfahrt.
Das Zeug hält ein paar hundert Meter, flicken ist angesagt. Es haben sich
auch bald schon Neugierige eingefunden.
Es geht weiter zu den Wasserfällen. Eine lange Wanderung von der
Wasserkante nach unten, vorbei an
wildlebenden Affen und
barfuss durch den
Fluss ist das am gegenüberliegende Ufer-Café erreicht. Ziemlich nass gespritzt und nass geschwitzt erreichen wir die Mopeds. Der
Parkplatzwächter hat uns eine Abkürzung nach Fes erklärt, die uns noch
mal 6km Piste beschert. Wir fahren in die Dunkelheit hinein und stoppen an
einem kleinen Hotel in Beni Mellal. Wir laden ab und fahren noch in die
Stadt. In einem kleinen Straßenladen hauen wir uns dann so richtig den
Ranzen voll. Mit vollen Bäuchen verschwinden wir in unseren Betten.
175km
Samstag 6.1.1996
Es geht weiter nach Fes und wie es der Teufel will, halten die Flickstellen
von gestern nicht dicht und natürlich wieder in einer Kurve. Es ist wieder
flicken angesagt, es schwimmt die Brühe vom Pannenspray im Schlauch herum.
Deshalb halten die Flicken auch nicht mehr gut. Es sind wieder in kürzester
Zeit Schaulustige da. Die Angelegenheit geht schnell vonstatten und weiter
geht’s. Die kurvigen Strecken an den Atlasausläufern würden richtig
Spaß machen, wenn der Vorderreifen mitspielen würde, aber die Flicken und
die Stollen bescheren mir Kopfzerbrechen. Nur noch 30km bis Fes und wieder
einen Platten. Die alten Flicken haben sich wieder gelöst. Wir versuchen es
noch mal mit Pannenspray, hält aber wieder nicht lange. Da wir fast alle
Flicken verbraucht haben und diese sowieso nicht halten versuchen wir es mit
pumpen. Hilft auch nix, ich fahre mit dem Plattfuß weiter. 30km bis Fes,
Höchstgeschwindigkeit 50 km/h und das Vorderrad eiert und schlägt. Meine
Nerven liegen blank, zumal ich mich gestern beim Wasserfall erkältet habe.
Phil fährt vor und sucht den Campingplatz. Ein besorgter Marokkaner machte
mich darauf aufmerksam, nachdem ich ca. 2 Stunden mit eierndem Vorderrad
unterwegs war, dass ich vorne ein Platten habe.
Endlich am Campingplatz angekommen, wird schnell das Zelt aufgebaut und ein
Reifenhändler gesucht. Wir haben Glück, es gibt eine kleine
Mopedwerkstatt. Der Mechaniker kann sogar noch einen Reifen Marke unbekannt
auftreiben. Währenddessen sitzen wir im Café, ich rufe noch Sigrid an.
Meine Erkältung macht mir ziemlich zuschaffen, mir tun sämtliche Gräten
weh. Für den Reifen drücke 700DH ab. Am Campingplatz lege ich mich in den
Schlafsack, dass einzige was noch hilft, später bekomme ich noch ein paar
Nudeln zum futtern.
180km
Sonntag 7.1.1996 Fes
Heute Nacht hat es geregnet, unser erster Regen in Marokko. Nachdem ich
mir die Chemiekeule verabreicht habe, geht’s mir eigentlich recht gut. Ich
gehe duschen, Phil und Rainer wechseln den Reifen. Mein Gesundheitszustand
lässt einen Besuch in Fes zu und so
besichtigen wir diverse
Gerbereien und
Färbereien, wofür Fes sehr bekannt ist. Nach einer kleinen Irrfahrt finden
wir einer Einfahrt zur Medina. Wir werden schon von zahlreichen Führern und
Schleppern erwartet. Wir entscheiden uns für einen Führer, aber nachdem
wir ihm erklärten, dass wir an keinerlei Souvenirs Interesses haben, hatten
wir schon unseren nächsten Führer. Dieser wollte uns auch nur
Souvenirläden zeigen und als ihm unser Desinteresse auffiel, standen wir
wieder alleine inmitten der Medina. Wir irrten ein bisschen umher und hatten
schon den nächsten Führer. Der scheint verstanden zu haben, was wir
wollten und geht auf unsere Wünsche ein. Wir sehen Gerber, Färber und das
Leben in Fes Medina. Ein langer Marsch bringt uns zu einer Keramikfabrik.
Mein Gesundheitszustand lässt mittlerweile sehr zu wünschen übrig, mir
tun wieder alle Knochen weh. Kinderarbeit scheint hier nichts verbotenes zu
sein, jedenfalls sitzen überall Kinder, jünger als 10 Jahre herum und
arbeiten. Jeder Arbeitsgang wird uns gezeigt und erklärt. Wir fahren mit
dem Bus zurück und gehen durch enge und engste Gassen zu einem kleinen
Imbiss, wo wir, bzw. Phil und Rainer essen. Ich kann das Zeug nicht mehr
sehen und begnüge mich mit einer Fanta. Auf direktem Wege gehen wir zu
unseren Mopeds, wo uns auch schon unser erster Führer erwartet und seinen
Lohn einfordert. Phil rastet aus und damit ist dieses Kapitel erledigt.
Jedoch an Rainers Maschine fehlt ein Gummiteil, obwohl der Parkplatz bewacht
ist. Wir bekommen die Parkgebühr zurück, ein schwacher Trost. Rainer nimmt
unseren Führer noch ein paar hundert Meter auf dem Moped mit, wir entlohnen
ihn begeben uns zum Zelt. Alles in allem war dieser Tag heute für mich nur
eine Tortour, ich lege mich sofort wieder in den Schlafsack. Es gibt wieder
Nudeln mit Tomatensauce.
35km
Montag 8.1.1996 Ceuta
Heute geht’s weiter Richtung Heimat, wir fahren nach Ceuta (Sebta), von wo
aus wir die Fähre nehmen werden. Die Strecke ist sehr kurvenreich, geht
durch Ausläufer des Riff-Gebirges. Leider erlaubt mir mein angeschlagener
Gesundheitszustand kein genüssliches Kurven fahren, meine Konzentration
lässt nach. Das einzige Highlight des Tages geschah in Tetouan, als Phil
sich auf einer Ölspur lang machte. Nix, passiert, der Asphalt hat ein paar
Schrammen, die Twin tauch halt was! Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen
wir Ceuta, der Grenzübertritt in die spanischen Enklave ist problemlos. An
der nächsten Tanke lassen wir erst mal die Luft aus den Tanks und machen
uns auf Schlafplatzsuche. Wir erfahren, dass der Campingplatz geschlossen
hat, also müssen wir auf eine Pension ausweichen. Eine Irrfahrt im
Einbahnstraßengewirr Ceutas beginnt. Kurz nachdem Phil ein Auto mit seinem
Alukoffer abgestempelt, hat fanden wir auch schon eine Herberge. Wir
quartieren uns in einem 4-Bett Zimmer ein und stellen die Maschinen in eine
bewachte Tiefgarage. Das ganze kostet uns 6800 Peseten, ungefähr 80
Deutsche Märker. Nicht billig für dieses Loch, aber besser als nix und mir
ist mittlerweile alles Wurst. Mein Magen bereitet mir schon seit Stunden
erhebliche Schwierigkeiten. Wir gehen je zwei Pizzas essen und dann fallen
wir tot ins Bett.
384km
Dienstag 9.1.1996
Die Nacht war grauenvoll, hab vor lauter Bauchschmerzen die ganz Nacht
kein Auge zugetan. Am Morgen fahren wir erst mal mit dem Taxi ins
Krankenhaus. Der Arzt ist auch gleich mit mir fertig, Spritze und
Tschüs. Ich leg mich wieder hin, während Rainer und Phil einen
Schaufensterbummel machen. Da in Ceuta alles zollfrei eingekauft werden
kann, ist es eine gute Gelegenheit Schnäppchen zu machen. Gegen Abend
rappel ich mich auf, um in der Stadt nach einer Sonnenbrille zu suchen. Für
schlappe DM 75 bekomme ich eine Ray Ban. Dieser Bummel reichte mir auch
schon wieder und ab in die Federn. Hoffentlich bin ich morgen wieder fit,
wir wollen das Stück zu Geri ohne die geplante Übernachtung in Malaga auf
einmal runterreißen.
Mittwoch 10.1.1996 Gibraltar
Mittlerweile haben wir unsere normale Zeitzone erreicht. Die 11 Uhr
Fähre
bringt uns aufs gegenüberliegende Festland. Der Grenzübertritt verläuft
wieder absolut reibungslos. Gibraltar ist eine englische Stadt, mit
englischen Straßennamen und Kindern in Schuluniform. Wir fahren auf den
Felsen von Gibraltar, drücken ordentlich Kohle für dieses
Naturschutzgebiet ab und genießen die Aussicht auf die Meerenge. Wir
spaßen noch mit den Affen rum. Nach dem feudalen Salamibrot–Cola
Mittagessen begeben wir uns in Richtung Almeria. Es werden Kilometer
gefressen, der starke Seitenwind tut sein übriges. Vor Einbruch der
Dunkelheit gönnen wir uns noch Omelettes. Gegen 20 Uhr treffen wir bei Geri
ein. Er und Sigrid, seine Freundin, erwarten uns schon, wir hatten ihnen am
Morgen telefonisch Bescheid gegeben. Wir duschen der Reihe nach, erzählen
von unseren Erlebnissen und gehen noch in eine Kneipe zum Tappas essen. Hier
bekommt man zu jedem Getränk einen kleinen Happen zum Essen mit. So
schlagen wir uns unsere hungrigen Mägen voll und werden auch nicht mehr alt
an diesem Abend.
Donnerstag 11.1.1996
Rainer fährt mit Geri in der Früh in die Arbeit und holt den Bus samt
Anhänger. Am Nachmittag wir der Bus beladen und startklar gemacht. Der Tag
verläuft ruhig, wir warten auf den morgigen Kilometermarathon.
Freitag 12.1.1996
Wir stehen mit Geri auf, verabschieden uns und machen uns gegen 8 Uhr auf
die bevorstehenden 2500km Autobahn.
Der Bus wir unterwegs immer lauter, der Auspuff löst sich. Mit 18l/100km
dürfte der maximale Verbrauch erreicht sein. Wir treten den Bus mit Vollgas
und erreichen Hockenheim am nächsten Tag um 7 Uhr. Wir frühstücken, laden
ab und die letzten 250 km für mich beenden diesen ereignisreichen Urlaub.
Gesamtstrecke:
Bus: ca. 5000km
Motorrad: 2525km Asphalt + 1158km Piste = 3683km