8500 Kilometer durchs Outback
Nach dem wir in Thilos Apartment angekommen waren und erstmal eine Dusche nach dem langen Flug und dem Hitze/Feuchtigkeitsschock in Singapur genommen hatten, machen wir uns auf, etwas von Singapur zu sehen. Aufgrund vieler Empfehlungen für die Night Safari im Singapur Zoo nehmen wir uns ein Taxi und starten in die Nacht. Die Night Safari ist in der Tat sehenswert, man bekommt sehr viele Tiere, die nachtaktiv sind, sehr gut zu sehen, die Fütterungszeiten sind entsprechend gelegt. Ein Flughund, fliegt uns buchstäblich um die Ohren, Wolfe leuchten uns mit Ihren Augen an, Fledermäuse hängen wie reife Früchte an dünnen Ästen, ...
Nach der Night Safari sind wir nun langsam etwas hungrig und wollen außerdem etwas von der Stadt sehen, deshalb nehmen wir den Bus nach Little India. Dort angekommen, streunen wir etwas durch die Gegend, nehmen die Atmosphäre auf, die verschiedenen Gerüche an den Verkaufsständen, stellen fest, das Singapur nicht überall so blitzsauber ist, wie es auf den ersten Blick aussah. Wir sind ziemlich spät dran, deshalb sind schon viele Läden geschlossen. Nach einer Weile finden wir aber doch noch ein indisches Straßenrestaurant. Ein freundlicher Inder empfängt uns und stellt eine sehr leckere, aber auch scharfe Zusammenstellung indischer Gerichte zusammen. Wir essen mit den Händen, was nicht so gekonnt wie bei den Einheimischen aussieht. Vom Essen verschmiert trotten wir zurück zu unserm Apartment.
Wir sitzen gerade in Singapur am Flughafen und nutzen die Wartezeit, um ein wenig über unseren Aufenthalt in Singapur zu berichten. Den Tag begonnen haben wir mit dem Besuch des Singapur Flyers - dem größten Riesenrad der Welt (für den Moment zumindest, es gibt schon ein paar Städte die wieder ein noch größeres bauen wollen, z.B. Berlin …). Das Riesenrad ist 165m hoch und bietet einen fantastischen Ausblick über den Hafen und die Skyline der Stadt! Leider war es etwas zu diesig um bis nach Malaysia schauen zu können.
Im Starbuck gönnen wir uns einen Kaffee, um den weiteren Tag zu planen. Der Mariamman Temple, ein Hindu-Tempel, der viele farbenfrohe und interessante Gestalten beherbergt, ist unser erstes Ziel. Von dort aus erkunden wir die Stadt ein wenig zu Fuß und laufen durch einen der Straßenmärkte Chinatowns. Leider müssen wir einige fantastische Gelegenheiten, einen maßgeschneiderten Anzug zu bekommen, ablehnen. Dieses einmalige Angebot bekommen wir circa 200 mal unterbreitet, ein Jammer, dass die Zeit nicht reicht. Auch von den anderen Spezialitäten (getrocknete Seepferdchen oder gekreuzigte Echsen) konnten uns die Händler nur mit Mühe abhalten …
Als nächstes besichtigen wir den Thian Hock Keng Tempel, diesmal chinesischer Buddhismus. Wir begleiten unauffällig eine deutsche Reisegruppe, so dass wir einiges von den Erläuterungen mitbekommen. Soweit wie die russischen Touristen, dort auch gleich ein Opfer zu bringen, gingen wir jedoch nicht. Zum Abschluss unseres Singapur-Aufenthaltes schlendern wir noch ein wenig durch die Shopping-Malls und essen in der Orchard Road ein paar Kleinigkeiten.
Damit war unser Tag Singapur auch schon mehr oder weniger zu Ende und wir machten uns nach einer wohltuenden aber angesichts der schwülen Hitze relativ sinnlosen Dusche in Thilos Apartment (An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön, Thilo!) auf den Weg zum Flughafen.
Und jetzt geht es weiter nach Sydney…Australien, wir kommen!
Die Chinatowns dieser Welt sind schon alle ziemlich ähnlich, allerdings immer wieder ein Erlebnis. Das rege Treiben in den Gassen, die ungewöhnlichen Gerüche und Düfte und das exotische Essen versetzt einen schnell in Urlaubsstimmung. Getrocknete Seepferdchen liegen neben gekreuzigten Trockenechsen, überhaupt scheint alles getrocknet zu werden. Selbst Fisch, Stängel und Kräuter, alles was man nicht kennt, liegt hier rum und wartet darauf in den Kochtopf zu fliegen. Trotz der merkwürdigen Ingredienzien schmeckt uns die Küche immer wieder.
Das Wetter hier macht wahrlich zu schaffen. Kaum verlässt man einen klimatisierten Raum, steht man wieder mitten in der Schwüle und seinem eignen Saft. Klimatisiert wird hier alles und scheinbar versucht man die Temperatur Singapurs zu senken in dem die Türen der Läden offen bleiben. Betritt man jedenfalls nass geschwitzt wieder eine Mall oder Taxi, stehen die Haare zu Berg, weil’s halt einfach zu kalt ist. Die Häuserfronten sind mit Klimaanlagen zugepflastert, ein Hoch der globalen Erwärmung! Autos laufen ständig, damit die Klimaanlage mitlaufen kann. Energie scheint hier auch nur aus der Steckdose zu kommen …
Sydney ist die größte Stadt Australiens, wenn auch nicht Hauptstadt. Sie hat jede Menge zu bieten, was wir in zwei Tagen selbstverständlich nicht annäherungsweise erfassen können. Deshalb müssen wir Prioritäten setzen.
Mit dem Taxi fahren wir vom Flughafen zu unserer Unterkunft, dem Cambridge Quality Hotel. Zu unserer Überraschung ist die Quality viel besser als wir es befürchteten. Wir machen unsere ersten Schritte in Sydney zur Touristinfo am Darling Harbour und buchen den CityExplorer, eine Buslinie, die Touristen an die Sehenswürdigkeiten bringt. An jeder Station kann der Bus gewechselt werden und so steigen wir gleich am Aquarium mit seiner größten Great Barrier Reef Abteilung der Welt aus. Wir laufen in Glastunneln unter riesigen Haien durch, erfreuen uns an den lustigen Seals (Robben) und bewundern die vielen Fluss- und Meerwasserbecken. Eine riesige Horde australischer, mit großen Sonnenhüten uniformierter Schulkinder begleitet kreischend unseren Weg. Es ist sehr witzig die Zwerge bei Ihrem Schulausflug zu beobachten … lange ist’s schon her …
Es geht weiter mit dem CityExplorer zum Sydney Harbour mit seiner Harbour Bridge und natürlich der einmalig gestalteten Opera. Vorerst versuchen wir unsere einbrechende Müdigkeit in einem Café zu verscheuchen, was uns temporär auch gelingt. Eine Aborigine Didgeridoo Band lässt uns kurz am Pier verweilen, ein sehr schöner Einklang für unsere bevorstehende Tour durch Australien. Schon ganz schön beeindruckend, vor wenigen Tagen nach in good cold germany und heute in down under mit seinen Sehenswürdigkeiten. Bei der Weiterfahrt im CityExplorer überkommt uns schließlich doch die Müdigkeit, nur noch benommen nehmen wir die Erläuterungen unserer Führung wahr. Nach einem kurzen Nap im Hotel laufen wir zum Sydney Tower und besichtigen Sydney aus der Luft. Aus 304 m Höhe haben wir einen beeindruckenden Überblick über die Stadt. Mit einen Thai-Imbiss im Bauch schlendern wir zurück durch den Hyde-Park ins Hotel. Gegen sieben Uhr überfällt uns solche Müdigkeit, dass zwischen jedem gesprochenen Satz eine viertel Stündchen geratzt wird. Es dauert sicher über eine Stunde, bis wir uns endlich entschließen ins Bett zu gehen.
Viel Zeit haben wir an unserem zweiten Tag in Sydney nicht mehr, aber dennoch wollen wir zwischendrin mal unser Erlebtes ins Blog stellen. Also dachten wir uns, dass ein Frühstück im Starbucks mit kostenlosem Wireless Internet-Zugang genau das Richtige ist. Naja - Frühstück gab es schon, nur kostenlosen Internetzugang gibt es bei Starbucks Australia im Gegensatz zu Starbucks Singapur leider nicht. So ziehen wir nach dem Frühstück unverrichteter Dinge davon, dafür nun aber mit dem Laptop im Rucksack weiter ins Australian Museum. Wir sehen uns Ausstellungen an über Vögel und Käfer, Dinosaurier und Skelette, Mineralien, Papua Neuguinea und Aborigine Kultur. Das Museum ist durchaus sehenswert, vor allem die Ausstellung zu den australischen Ureinwohnern hat beeindruckt.
Zurück im Hotel klären wir die morgige Fahrzeugübergabe in Adelaide mit Chris vom Travel Car Center (TCC). Mit einem Shuttle-Bus werden wir zum Flughafen gebracht und finden die erste Gelegenheit unseren Blog online zustellen.
Sydney hat uns zwei Tage mit Sonne und warmen Temperaturen verwöhnt, Adelaide empfängt uns bei 15°C mit Regen. Der abendliche Ausflug in Adelaide zur Restaurantsuche enttäuscht, da ab 22 Uhr die Gehsteige hochgeklappt werden. Kurzer Imbiss und ab ins Hotel. Morgen um 9 Uhr holen wir das Auto ab …
Wir checken aus und lassen uns mit dem Taxi in die Marionstreet kutschieren, wo uns Chris von TCC schon erwartet. Ein sympathischer Schweizer empfängt uns und geht mit uns alle Formalitäten durch. Er erklärt alle Einzelheiten am Auto und verrät noch ein paar Outback Tipps. Für eine kleine Probefahrt mit dem Landcruiser im Linksverkehr begleitet uns Chris noch kurz, dann verabschiedet er uns.
Die Schaltung ist links, was mich die ersten Schaltversuche ins Leere greifen lies. Der Blinker ist natürlich auch nicht da, wo er hingehört. So müssen die Verkehrsteilnehmer an meinem Scheibenwischer Spur- oder Richtungswechsel ablesen. Ansonsten habe ich mich erstaunlich schnelle an den Linksverkehr gewöhnt. Mal sehen, wie ich mich zu Hause mit dem “normalen” Verkehr wieder anstelle.
Wir gehen einkaufen. Zwei Einkaufswägen voll mit Lebensmittel, Wasser und diversen anderen Sachen für schlappe 370 AUS$ werden im Auto verstaut. Chris hat uns im Einkaufzentrum noch mal gesucht, da meine Kreditkarte wohl Schwierigkeiten machte. Mit 180 Litern Biodiesel, dass wir gerade noch geschöpft haben, begeben wir uns in Richtung Port Augusta. Bei einem kleinen Zwischenstopp an einem Rasthof nehmen wir unsere erste Mahlzeit für heute ein, während Sittiche, Kakadus u. ä. über den Köpfen rumflattert. Bereits in Sydney und Adelaide waren wir über die exotische Tierwelt überrascht. Rote, grüne oder besser, bunte Sittiche flattern zwischen den Bäumen rum, während Ibise im Hydepark rumspazieren und mit ihren langen Schnäbeln nach Würmern im Erdreich rumstochern.
Wir fahren Richtung Hawker bei den Flinders Ranges. Die Bewölkung ist gänzlich verschwunden und der Himmel ist stahlblau. Die rote Erde und Hügel bieten einen beeindruckenden Kontrast zum Himmel. Dieser Teil Australiens wurde wohl von einer großen Dürre heimgesucht, jedenfalls ist alles staubtrocken und verdörrt. Unsere Blicke schweifen immer wieder suchend übers Land, um unser erstes Känguru nicht zu verpassen. Die zuvor noch schnurgerade Straße schlängelt sich nun durch die Southern Flinder Ranges. Ich sehe was hüpfen … sofort halte ich am Seitenstreifen, damit wir den nachschauen können. Und tatsächlich, unser erstes Känguru. Wenige Kilometer nach Quorn beschließen wir unser Nachtlage aufzuschlagen. Wenige Meter vom Straßenrand, die Straßen sind durch Viehzäune begrenzt, stellen wir das Auto ab, bauen das Dachzelt bereits in der aufziehenden Dämmerung auf. Es wird schnell kälter und der Wind treibt die letzte Tageswärme aus den Knochen. Bei unter 10 °C kochen wir und genießen den unglaublichen Sternenhimmel. Es gibt leckeren Salat mit Putenbruststreifen. Unsere erste Nacht im Outback …
Wir wollen früh los, also packen wir unseren Krempel und bewegen uns Richtung Wilpena Pound, unserem ersten Ziel in den Flinders Ranges. Die Sonne scheint und wir genießen die Landschaft. Unterwegs stoßen wir immer wieder auf Schilder, die Sehenswürdigkeiten markieren. Als wir auf einem Schild etwas von Aboriginal Site sehen, konnten wir nicht widerstehen. Eine kleine Wanderung soll uns zu Höhlenmalereien der Aborigines bringen. Auf der Fahrt dahin kreuzt doch glatt ein Emu unseren Weg. Wir laufen los und was sehen wir - Kängurus. Eins nach dem anderen hüpft über unseren Weg und langsam ist es nichts mehr ungewöhnliches. Die Höhlen sind bemalt, nichts überwältigendes, aber in Kombination mit dieser einmaligen Landschaft ein beeindruckendes Erlebnis. Ich genieße es, endlich in Australien zu sein, dem Reiseland meiner Träume. Am Parkplatz bauen wir unsere Campingausrüstung auf und frühstücken gemütlich. Die ersten Touristen kommen.
In Hawker kaufen wir erneut einen Steckdosenadapter. Den ersten in Sydney gekauften haben wir nach dem erstmaligen Benutzen am Flughafen liegen lassen. Der Adapter, den ich mitbrachte, war leider wertlos, er passte nicht. Michas Laptopakku, mit dem wir diesen Blog auf dem Laufenden halten wollen, ist leer. Sein 12V Laptop Netzteil passt nicht zum Laptop, das 220V Kfz-Umspannnetzteil wird ebenfalls vom Laptop verschmäht. Der Akku bleibt also erstmal leer, solange wir keine vernünftige Stromversorgung finden.
Am Wilena Pound angekommen, entschließen wir uns zu einer dreistündigen Wanderung zum Wangarra Lookout. Unterwegs treffen wir selbstverständlich wieder auf Kängurus. Wilpena Pound ist eine von einer Bergkette umschlossen Ebene, welche für die Aborigines eine wichtige spirituelle Landschaft darstellt. Tatsächlich sind dort Fossilien gefunden worden, welche eine neue Epoche in der Erdgeschichte eröffnete. Es sind die ältesten Fossilien der Welt.
Um dem Stromproblem zu begegnen, nehmen wir eine ‘powered campsite’. Wir duschen, waschen Wäsche und kochen. Es gibt Kängurusteaks. Witzigerweise steifen ständig diese drolligen Gesellen um unseren Campingplatz. Am Abend werden sie sogar so furchtlos, dass mir eines davon beim Lesen von Bill Brysons “Frühstück mit Kängurus” Gesellschaft leistet. Es ist so nah herangekommen, dass ich es einfach streicheln kann. Sicherlich war es nicht der Bedarf an Streicheleinheiten, als vielmehr der Duft meiner Kekse, der es anlockte. Jedenfalls kam es zu einem kleinen Gerangel mit dem Känguru, als ich ihm keinen Keks geben wollte. Vor lauter Frust hat es dann mein Buch angeknabbert. Das Vorwort von Bill Brysons “Frühstück mit Kangurus” ist also von einem frustrierten Känguru zu Abend gegessen worden.
Noch was zum Kängurusteak: es schmeckt sehr lecker, etwas nach Leber. Das Fleisch ist sehr dunkel und zart. Für alle aufgebrachten Leser: angeblich ist es ökologischer, Kängurus zu essen, da sie wesentlich weniger fressen und damit die Umwelt weniger belasten, als das z.B. Schafe oder Rinder machen. Sie sind optimal an die Umweltbedingungen angepasst und entsprechend sorgsam gehen sie mit den vorhandenen Ressourcen um. Außerdem erzeugen sie kein Methan, das eines der schädlichsten Treibhausgase ist.
Wir haben total verschlafen und stehen erst gegen 10 Uhr auf. Nach einem gemütlichen Frühstück, das von den anwohnenden Kängurus wohlwollend beobachtet wird, setzen wir uns auf dem Scenic Drive in Richtung Blinman in Bewegung. Hervorragende Aussichten auf die Flinders Ranges, als auch traumvolle Fahrten durch Gorges machen diese Naturstraße zum wahrhaften Erlebnis. Mehrmals sehen wir Emus nahe der Straße. Diese riesigen Vögel sind zwar ziemlich scheu, aber dennoch bleiben Sie nahe genug, um eine paar ganz brauchbare Fotos schießen zu können. Unterwegs machen wir abseits der Strecke Mittagspause, während ein Stockman auf seiner Enduro vorbeituckert und seine Schafe vor sich hertreibt. Die Schotterstrecken enden hinter Parachilna, von wo aus es weiter nach Leigh Creek geht. Leider haben wir total vergessen, dass es mittlerweile Wochenende ist. Darauf werden wir erst wieder aufmerksam gemacht, als wir in Leigh Creek einkaufen gehen wollen. In dieser paarhundert Seelen Gemeinde sind natürlich Samstag Nachmittag keine Läden mehr offen. Wir können jedoch unsere Dieseltanks füllen und erstehen an der Tankstelle noch ein paar Lammsteaks und Grillwürstchen. In der Nähe von Ocre Cliffs, eine Aborigine Kultstätte, von der die Naturfarben gewonnen wurden, übernachten wir. Abseits der Straße errichten wir unser Nachtlager. Wir sammeln Holz für unser Lagerfeuer, in dem wir heute unser erstes Sandbrot backen werden. Die Rezeptur dafür habe ich von Beduinen in der Sahara gelernt. Da die Büsche zu wenig Holz für eine ordentliche Glut liefern, reißen wir mit der Stahlseilwinde am Toyota noch einen vertrockneten Baum aus. Zuerst war der Baum stärker und bewegt den 2,5 Tonnen schweren Toyota, doch dann gewinnt der Stärkere. Der Baum hängt am Stahlseil und gibt nach. Das Feuer ist schnell entfacht, die Würstchen auf dem Rost und die dazugehörenden Bohnen im Topf. Das Brot wird in der Glut zubereitet und schmeckt, wie alles andere auch, köstlich. Am Lagerfeuer lassen wir den Abend ausklingen.
Unseren Morgen versüßen wir uns mit Pfannkuchen. Bereits zum Sonnenaufgang stehen wir auf und sind damit recht früh zu gange. Mittlerweile hat sich schon etwas System in unser Verstauen der Gegenstände eingearbeitet, so dass wir ohne viel Worte alles zügig und effizient verstauen, abspülen und einräumen. Wir machen eine kurzen Stopp bei den Ocre Cliffs, fahren an einer Kohletagebaustätte vorbei und begeben uns Richtung Marree, dem Startpunkt des Oodadatta Tracks. Marree eine 65 Seelen Gemeinde, trotzt allen Widrigkeiten der australischen Hitze und hält die Stellung als Vorposten ins Outback. Unterwegs überholen wir noch zwei Motorradfahrer aus Deutschland, die wir in Marree wieder sehen. Die beiden machen eine 2jährige Weltreise, wer mag, Ihre Webseite ist www.2aufreisen.de.
Wir machen ein kurzes Pläuschchen und kaufen noch ein. Nebenan im Hotel besorgen wir uns noch für schlappe 60 AUS$ drei Flaschen Rotwein. Man will sich die Abende bei sternenklarem Himmel im Outback ja auch etwas versüßen. Wie überall in Australien erfahren wir auch in diesem Hotel eine herzliches Willkommen. Wir bekommen all unsere Fragen beantwortet und einen hervorragenden Wein.
Wir befahren den Oodnadatta Track, der einer mittlerweile stillgelegten Bahnstrecke folgt, eine Autobahn auf Naturgrund. Die Piste kann teilweise mit 100 km/h und mehr befahren werden. Das ist jedenfalls keine 4WD Herausforderung. Wir treffen unsere deutschen Motorradfahrerfreunde mehrmals unterwegs unter anderem auch am Blanche Cup. An diesem Aussichtspunkt bekommt man einen kleinen Überblick über den Lake Eyre, der eigentlich eher eine Salzwüste darstellt. Alle paar Jahre steht etwas Wasser im See, dass allerdings durch die hohe Verdunstungsrate von 2m/Jahr schnell wieder verschwindet. Der Lake Eyre liegt auf einem riesigen Wasserreservoir, welches an manchen Stellen das Wasser durch kartesische Brunnen zu Tage fördert. Der Lake selbst bleibt durch die Wasserundurchlässige Schicht trocken. Einen dieser kartesischen Brunnen besuchen wir. Coward Springs ist eine Campsite mit einem 2×2 m großen Becken. In dieses Becken strömt permanent wohltemperiertes Wasser und lädt zum kurzen Bad ein. Auf dem Rückweg kreuzt eine “Tannenzapfenechse” unseren Weg.
Auf dem weiteren Weg sammeln wir noch etwas Holz für unser abendliches Lagerfeuer. Die Bohlen der stillgelegten Eisenbahnlinie bieten sich an. Wir beladen unseren Dachgepäckträger, was leider den ohnehin schon hohen Schwerpunkt des Autos weiter negativ beeinflusst. Sicherlich würden heftige Lenkmanöver das Fahrzeug zum Kippen bringen, übermäßige Schräglagen werden wir vermeiden.
Unsere Absicht, den ca. 60 km Abstecher in den Lake Eyre National Park kurz vor William Creek zu fahren, wird durch eine Inschrift an der Selfregistration kurz in Frage gestellt: “Don’t drive that way, it’s bloody rough”. Jetzt wissen wir was gemeint war, die Strecke ist quasi eine einzige Wellblechpiste. Alles wird durchgeschüttelt, dass das Gepäck und Auto dieses Piste schadlos überstanden hat, grenzt für uns schon an ein großes Glück. Auf halber Strecke zum Lake entschließen wir uns, unser Camp aufzuschlagen, denn im Dunklen diese Mörderpiste zu fahren, bereitet sicherlich noch weniger Vergnügen. Bei einem zarten Steak, Salat und Reis und einer vorzüglichen Flasche australischen Weines genießen wir die laue Wüstenluft und den unübertrefflichen Sternenhimmel, während Grillen uns Ständchen zirpen.
Die Weiterfahrt auf der Wellblechpiste schüttelt uns richtig wach. Am Lake Eyre angekommen, sind wir etwas von der Aussicht enttäuscht, aber was soll’s, der Weg ist das Ziel. Also geht’s den gleichen Weg wieder zurück. Kurzzeitig zweifeln wir an der Korrektheit unserer Navigation, manche Landschaften kommen uns gänzlich unbekannt vor, falsch fahren geht aber eigentlich auch nicht so richtig, denn es ist alles ausgeschildert. Schließlich werden alle Zweifel aufgelöst, wir treffen am Ausgangpunkt wieder ein und biegen auf den Ooodadatta Track Richtung William Creek ein. Die 50km vom Salzsee zum Eingang in den National Park haben uns eineinhalb Stunden Fahrtzeit abverlangt. William Creek ist ein ca. 20 Seelen Nest, das ausschließlich von Sightseeing Flügen zu leben scheint. Jedenfalls sieht man dort nicht viel mehr als ein paar Cesna-Flugzeuge und ein paar Hütten/Häuser. Der Flug ist uns zu teuer, also geht es gleich weiter Richtung Coober Pedy. Dazu verlassen wir den Oodadatta Track und biegen auf die William Creek Road ab. Track, Road, Highway, etc. mag immer einen falschen Eindruck vermitteln. Jedenfalls kann anhand dieser Begriffe nicht die Qualität der Strecke fest gemacht werden.
Die Strecke nach Coober Pedy ist in der ersten Hälfte landschaftlich sehr schön. Wir fahren durch einen Teil Sandwüste mit flachen, bewachsenen und knallroten Sanddünen. Flache Pfannen unterbrechen diese Landschaft ab und zu. Die Temperatur im Auto erreicht langsam wieder die 40 °C und wir durchqueren die endlos lange, fast gerade, zweite Hälfte der Strecke durch trostlose Geröllwüste. Irgendwann am Horizont erscheinen dann die Abbruchhalden der Opalschürfer in Coober Pedy, der Opal-Hauptstadt der Welt. Die Landschaft ist durchsetzt von Höhlen und Gängen und gleicht einem Schweizer Käse. Immer wieder weisen Warnschilder darauf hin, dass tiefe, ungesicherte Schächte schwere Unfälle verursachen können und man deshalb hier nur sehr bedacht oder gar nicht herumwandert.
Coober Pedy ist mit seinen 3500 Einwohnern eine wahre Metropole im Vergleich zu den anderen Orten, die wir bis dahin im Outback gesehen haben. Ein Opal-Shop neben dem anderen, mehrere Tankstellen, Supermarkt und Campingplätze ohne Ende. Die Attraktion hier sind natürlich die Minen. Manche Campingplätze haben Minen zu Underground Campsites umfunktioniert. Und so fahren wir auch zu einer dieser Underground Campsites. In Coober Pedy decken wir uns mit Souvenirs ein und trinken einen gemütlichen Café. Hier in “The middle of nowhere” fällt so gut wie kein Regen, das Wasser hier wird auch aus dem riesigen kartesischen Wasserreservoir gewonnen. Es ist hier so trocken, dass nur alle paar Jahre mal Regen fällt. Ein kostenlose Besichtigung im Cave Hotel beschert uns noch ein paar Kenntnisse über Opale und deren Abbau, welche bei einer Nachtführung in einen Stollen, der natürlich auf unserem Campingplatz ist, noch weiter vertieft werden.
Davor versuchen wir noch selbst unser Glück beim Noodling, dem mehr oder weniger (eher weniger) zielgerichteten Durchsuchen der Abraumhügel nach vergessenen Opalstücken. Leider sind wir im Aufspüren von Gips-Nadeln wesentlich erfolgreicher als im Finden von Opal - der Traum vom schnellen Reichtum ist unmittelbar ausgeträumt ;-)
Gegen Abend verquatschen wir uns noch mit ein paar deutschen Touristen und kochen erst ziemlich spät unsere Steaks mit Salat.
Die Attraktionen Australiens, die uns bis jetzt in vielen Broschüren empfohlen wurden, sind recht durchwachsen - vieles ist tatsächlich sensationell: die Landschaften, die Natur, das Wetter. Attraktionen, auf die jedoch explizit hingewiesen wird kommen uns dann doch oft etwas weit hergeholt her.
Ein rostiges ca. 90 Jahre altes Postauto kann man sich noch eingehen lassen, die Windturbine oder der Pub in Coober Pedy sind schon wesentlich weniger spektakuläre “Attraktionen”. Und auch die aufgegebenen Bahnstationen entlang des Old Ghan Railway-Tracks sind halt im Wesentlichen etwas zerfallene Backsteinhäuschen oder rostige Tanks. Alles was älter als 50 Jahre ist, wir ehrwürdig mit einer Gedenktafel und etwas Erläuterung auf einer Tafel versehen.
Die Attraktion ergibt sich erst wenn man die Geschichte dazu kennt - und die ist dafür wieder ziemlich beeindruckend. Die Leistung der Pioniere, die zum ersten Mal den Norden und den Süden mit für uns so selbstverständlichen Leistungen wie Post versorgt haben, sind schon herausragend. Wenn man durch die Wüstengebiete fährt und sich vor Augen führt, dass es zu dieser Zeit hier keine einzige Straße gab, dann bekommt man schon eine gehörige Portion Respekt.
In Coober Pedy bekommen wir einen Einblick in die Integration der einheimischen Aborigines in die “weiße” Gemeinde. Von der Aborigine-Ausstellung im Australien Museum in Sydney wissen wir z.B. dass früher Aborigine-Kinder von Ihren Familien getrennt wurden, um sie nach unseren Maßstäben auszubilden und christlich zu erziehen. Diese brutalen Machenschaften wurden lange Zeit von den weißen Australiern verschwiegen und erst der letzte Premierminister hat sich dazu öffentlich bekannt und offiziell bei den Aborigines entschuldigt. Dennoch blieb es bei dieser Entschuldigung, was den Frust bei den Aborigines entsprechend erhöht hat. Eine Entschädigung wäre wohl angemessener gewesen. Diese erzogenen Aborigine-Kinder wurden dann völlig entwurzelt in die Gesellschaft entlassen, keine Familie, keinen Stamm, keine Anerkennung.
In Coober Pedy ist es jedenfalls offensichtlich, dass viele der Aborigines an der Flasche hängen und überall rumlungern. Ein trauriges Bild, das hier dargeboten wird. Einst zogen sie selbstständig durch die Wüsten Australiens und waren Künstler im Überleben in dieser unwirtlichen Gegend und jetzt sind sie so degeneriert, dass nur noch der Alkohol für sie der Ausweg zu sein scheint. Das ist nichts worauf Australien Stolz sein kann.
Man stelle sich mal vor, man würde aus seiner Großstadt rausgerissen und in den Busch gesetzt. Man kümmere sich um die wichtigsten Bedürfnisse, wie Essen, Trinken, Dach überm Kopf und das war’s. Man sitzt also im Busch und hat alles, um überleben zu können. Alles andere, das im gewohnten Umfeld zur Verfügung stand - Waschmaschine, Küche, Bad, Kühlschrank, TV, Arbeit, Vereine, etc. - ist alles weg … Keine schönen Aussichten, oder?
Wir haben aber auch schon Australier getroffen, die besorgt sind, ob des für viele offensichtlichen Rassismus in der australischen Gesellschaft und die uns berichtet haben, dass es durchaus gut funktionierende Communities (z.B. in Arnhem Land) gibt, in der die Aborigines in Einklang mit Ihrer Kultur leben können. Es scheint jedenfalls, als wäre Weißaustralien Ausländern offener gegenüber als seinen Einheimischen, die bereits seit 40.000 Jahren diesen Kontinent besiedeln.
... , wird Australien lieben! Diese putzigen Tierchen begleiten uns bei Schritt und Tritt - wieder eine echte Attraktion! Man ist gewillt zu glauben, dass die Fliegen es als ihre Aufgabe sehen, einen permanent zu betreuen. Es vergeht kein Augenblick, in dem nicht eine Fliege versucht ihren Weg in die Nase, Ohren oder Mund zu bahnen. Selbstbewusst laufen Sie übers offene Auge. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn beim Atmen eine Fliege Achterbahn durch den Nasen-Rauchenraum nimmt, bevor sie wieder ausgehustet wird. Schlechter für die Fliege, wenn sie dabei verschluckt wird. Jedenfalls sind sie allgegenwärtig und immer emsig am rumsurren und rumkrabbeln. Drum: Wer Fliegen mag, wird Australien lieben! Nichtsdestotrotz, wer es vermag diese Plagegeister nicht in den Kopf - im geistigen Sinne - gelangen zu lassen und deren permanentes und penetrantes Kitzeln an allen empfindlichen Hautpartien ignoriert, der wird Australien auf alle Fälle lieben lernen. Die Landschaften, die Leute und die Orte sind einmalig und können einen süchtig machen.
Den Campingplatzaufenthalt nutzen wir selbstverständlich auch, um einer vernünftigen Morgentoilette zu frönen. Duschen, Rasieren, Frühstücken und ab in die Innenstadt von Coober Pedy. Dort wollen wir Emails checken und noch ein paar Sachen erledigen. Das Sachen erledigen zieht sich etwas länger hin und so kommen wir erst gegen halb zwei in Fahrt Richtung Ayers Rock.
Wir fahren noch auf Naturstraße/Wellblech zu den Breakaways, einer natur- und erosionsgeschaffenen farbenprächtigen Hügellandschaft. Etwa 35 km nördlich von Coober Pedy gelangen wir dann auf den Stuart Highway. Eine asphaltierte, endlos lange Strecke, die den Süden mit dem Norden Australiens verbindet. Gesäumt ist der Highway von Känguru- und Rinderkadavern. Bleichende Skelette liegen am Straßenrand. Von frischeren Kadavern steigen Adler und Krähen in die Lüfte. Einige Kilometer nach Marla schlagen wir uns in die Büsche und legen den Vierradantrieb ein.
Über Stock und Stein winden wir uns an einem Hügel entlang, um ein schönes Buschcamp einrichten zu können. Ohne Hunger bleibt heute die Küche kalt. Wir köpfen eine Flasche Cabernet Merlon und genießen, wie meist, die Ruhe, das Lagerfeuer und den aufgehenden Sternenhimmel. Auf einer kleinen Nachtexkursion versuchen wir exotische Insekten zu finden, allerdings beschränkt sich die Ausbeute auf eine Spinne und Stabheuschrecke.
Am Morgen gibt es noch Toasts von der Glut des gestrigen Lagerfeuers, dann hat uns der Stuart Highway wieder zurück. Wir schrubben weiter Kilometer und nähern uns langsam aber stetig dem heutigen Ziel - Ayers Rock oder Uluru, wie die Aborigines ihn nennen. Unseren Essensstopp machen wir nahe eines frischen Känguru-Kadavers. Nicht weil es so lecker aussieht oder weil wir mittlerweile Kängurusteaks lieben gelernt haben, sondern weil Adler davon naschen und wir uns noch ein paar schöne Aufnahmen erhoffen. Micha pirscht sich mit seiner Kamera nahe genug heran, um ein paar wirklich passable Fotos schießen zu können. An der Abzweigung zum Lesseter Highway Richtung Uluru, füllen wir unsere Diesel- und Koffeintanks auf, damit das Auto und wir schön wach bleiben. Das Diesel wird Richtung Outback immer teurer. In Adelaide zahlten wir noch 1,56 AUS$, hier in Erldander sind es bereits 1,89 AUS$.
Lange bevor wir am National Park ankommen, sehen wir bereits den gigantischen Monolithen aus der Ebene ragen. Im Abstand von etwa 30 km steht Kata Tjuta (The Olgas). Kein Wunder, dass diese erhabenen Formationen für die Aborigines eine besondere Bedeutung haben. Mit eigenen Augen dieses Monument zu sehen, hat etwas besonderes. Kennen wird dieses australische Wahrzeichen jeder, doch sehen werden es nur wenige, auch wenn hunderte dort täglich vorbeituckern oder mit Bussen hingekarrt werden.
Am frühen Nachmittag erreichen wir den Eingang zum Uluru und Kata Tjuta National Park, um dort unsere 25 AUS$ pro Nase abzugeben. Im Visitor Center gibt es reichlich Informationen über die Aborigines, wie sie hier überleben können und die spirituellen Hintergründe zum Uluru. Schon erstaunlich wo überall Essen rumliegt und wir Langnasen einfach daran vorbeilaufen und verhungern. Vermutlich wäre ein solcher Aborigine in einer Großstadt ebenso verloren.
Wir fahren zum Sunset Viewpoint, ein Ereignis, das man am Uluru nicht verpassen sollte. Leider gibt es im National Park ziemlich viele Restriktionen, so ist es nicht möglich hier im Busch zu campen und auch die Viewpoints sind definiert. Woanders halten ist nicht erlaubt. So treten sich natürlich die Touristen irgendwann gegenseitig auf die Füsse. Wir umgehen dieses Gerangel um die besten Plätze einfach, indem wir uns auf unserem Toyota platzieren. Micha positioniert sein Stativ auf dem Ersatzrad und wir sitzen beide mit einem Gläschen Wein in der Hand dem Sunset entgegen. Wir bleiben solange, bis die Sterne über dem Uluru stehen. Der Parkplatz ist schon längst leer, außer zwei weiteren Fahrzeugen. Einer davon ist aus Würzburg.
Es ist schon längst dunkel, als wir uns zum Campingplatz aufmachen. Zufällig liegen wir genau neben Heidi und Volker, zwei Weltreisende, die wir bereits in Coober Pedy getroffen haben. Selbstverständlich ist der morgige Sonnenaufgang am Uluru ebenfalls auf den Programm. Wir müssen um 5:30 aufstehen, frühes zu Bett gehen ist also angesagt.
Wir legen einen mittlerweile gut organisierten Blitzstart hin. Innerhalb von 30 Minuten haben wir das Zelt eingeklappt, alles verräumt und uns sogar noch schön gemacht (Zähneputzen und Waschen). Obwohl wir so früh loskommen, sehen wir schon die Dämmerung aufkommen. Am Sunrisepoint angekommen, herrscht schon geschäftiges Treiben. Viele sitzen mit Ihren Klappstühlen und Kameras schon bereit, um das Ereignis auf Celluloid oder Speicherkarte zu bannen. In bekannter Manier nehmen wir auf unserem Geländewagen wieder die Poleposition ein. Um 8 Uhr startet der von einem Ranger geführte Mala-Walk, bei dem einiges über Aborigine Nahrung und Zeremonien erzählt wurde. Uns wurde ein kleiner Einblick in die lokale Dreamstory gewährt, indem verschieden Orte am Uluru mit den zugehörigen Geschichten erläutert wurden. Im Anschluss des Mala Walks beenden wir die Umrundung des Uluru. Aus der Nähe betrachtet ist der Monolith doch sehr zerklüftet mit Höhlen, Schluchten und Überhängen. Plötzlich wird es vorstellbar, dass auch in der so unwirtlich scheinenden Gegend Menschen überleben und leben können. Trotz der Bitte der lokalen Aborigine Community, den Uluru nicht zu besteigen, da er ja eines der wichtigsten Heiligtümer ist, können viele Touristen dem nicht widerstehen - schade! Die Hitze ist inzwischen kurz vor dem Punkt, ab dem die Walks geschlossen werden, und deshalb beschließen wir, nur Walpa Gorge zu besichtigen, ein kurzer Abstecher in eine fantastische Schlucht in Kata Tjuta. Auf der Weiterfahrt in Richtung Kings Canyon schlagen wir unser Bush Camp abseits des Lasseter Highways auf. Der Abend wird wie mittlerweile gewohnt bei Kochen (Milchreis), Lagerfeuer und genialem Sternenhimmel mit einer Flasche Rotwein begossen. Bald wird uns der aufgehende Mond helle Abende bescheren. Nachts fängt es gewaltig zu pfeifen an, unser Dachzelt knattert im Wind.
Nach dem aufstehen, mussten wir gleich mal nachsehen, ob noch alles was wir draußen stehen hatten an seinem Platz ist. Zum Glück stelle sich heraus, dass das was sich im Dachzelt wie ein fürchterlicher Sturm angehört hatte in Wirklichkeit wohl doch eher harmlos war - alles war noch an seinem Platz und nichts vom Winde verweht. Wir essen den übrigen Milchreis zum Frühstück, kämpfen wie immer mit einer der großen Attraktionen Australiens, den Fliegen, und machen uns wieder auf den Weg. An der Station am Kings Creek machen wir Pause für einen im Outback doch eher seltenen Eiskaffee - und siehe da, wen treffen wir wieder… Heidi und Volker. Wir nutzen die Zeit für ein nettes Pläuschchen beim Kaffee und tanken noch für schlappe $1,98, bevor wieder jeder seines Weges geht. Später sehen wir an der Straße das erste mal auf unserer Reise freilebende Kamele und halten für ein Foto an.
Angekommen am Kings Canyon machen wir uns an die Umwanderung, die, wie mit vielen Warnungen versehen, sehr trocken und heiß ist. Zum Glück haben wir uns ausreichend mit Wasser sowohl inwendig, als auch in Flaschen, versorgt! Auf dem Parkplatz läuft uns ein Dingo über den Weg, der durch die Gegend streunt. Die Wanderung selbst bot grandiose Aussichten auf die Schlucht, die sich nach einem kurzen steilen Aufstieg vor einem auftun. Der Canyon ist sehr vielseitig, man sieht glatte Wandabbrüche, kleine Schluchten, Stellen bei denen nach Regen wunderschöne Wasserfälle auftauchen dürften und die Struktur des Sandsteins verrät an einigen Stellen, das der Stein ursprünglich mal aus Sanddünen bestanden hat. Leider hat Micha ich zwischendrin seine Kamera versehentlich auf den Schwarzweiß-Modus verstellt, … Ganz hinten im Canyon befindet sich Wasser im Canyon, der sogenannte garden eden. Die Wanderung dauere ca. 3h, die aufgrund der Sonne und den lauschigen 36 Grad im Schatten durchaus spürbar waren. Danach fahren wir zum Kings Canyon Ressort weiter, um auf dem Campingplatz als erstes den Swimmingpool in Anspruch zu nehmen, ein Vergnügen, mit dem wir auf dieser Reise nicht gerechnet hätten, und das so schnell wahrscheinlich nicht mehr vorkommen wird… Wir waschen unsere Wäsche und lassen unsere bisherigen Bilder am Laptop auf uns wirken. Am Abend bereiten wir uns dann ein leckeres Massaman Curry zu.
Die Dingos am Campingplatz sind richtig frech und versuchen, unsere Lebensmittel zu klauen.
Nachts fällt dann das erste mal auf unserer Australientour etwas Regen, von dem am Morgen allerdings schon nichts mehr zu sehen war. Leider ist kein drahtloser Internetzugang zum hochladen unserer Blogartikel vorhanden, dafür tanken wir unser erstes australisches Bier.
Alles in allem also ein Tag voller Premieren!
Wir sind heute einigermaßen zeitig losgekommen und haben an der Rezeption des Kings Canyon Resorts noch den Permit für die Mereenie Loop Road gekauft. Der Permit ist erforderlich, weil die Strecke durch Aborigine-Land führt und die Piste nur mit einem 4WD befahren darf. So richtig wild ist es aber eigentlich nicht. Es findet sich ziemlich viel corrugation, also Wellblechpiste, zur Not könnte man die Strecke aber wohl auch mit einem normalen PKW befahren. Unterwegs macht uns ein Schild auf eine der zahlreichen Attraktionen Australiens aufmerksam: Das Haus von Albert Namatjira. Die Lebensgeschichte Albert Namatjiras steht in vielerlei Hinsicht beispielhaft für den Umgang Australiens mit den Aborigines. Das Grundstück gleicht mehr einem Autofriedhof, und obwohl im Reiseführer steht, dass das Haus erst renoviert wurde, ist auf dem Infoschild absolut nichts mehr lesbar. Eigentlich ein unwürdiger Umgang mit der Geschichte.
Im Anschluss an die Mereenie Loop Road fahren wir nach Palm Valley, und am Anfang des Tracks heißt es schon “4WD strictly”. Und es ist tatsächlich so, dass wir den Vierradantrieb das erste mal so wirklich brauchen. Es sind richtig große Löcher und Risse im Weg und es geht auch oft durch ein ausgetrocknetes Flussbett. Wir werden ganz gut durchgeschüttelt, aber es macht auch Spaß und es zeigt sich, dass wir mit dem Toyota Landcruiser überall hinkommen und keinerlei Probleme im Gelände haben. Im Palm Valley angekommen, machen wir die kleine Rundwanderung und genießen den Anblick von Palmen in der Wüste. Die Palmen dort sind Überreste einer üppigen Regenwaldvegetation, die noch aus Zeiten stammt, als Australien Teil des Urkontinents Gondwana war. Die Umgebung hat sich ziemlich stark verändert, fast alles außenrum ist zur Wüste geworden, aber hier waren die Bedingungen gegeben, dass die Palmen überleben konnten. Ein Kuriosum in der Wüste.
Nach der Wanderung fahren wir weiter in Richtung Alice Springs. Kurz vor Alice biegen wir in die Owen Springs Reserve ein und übernachten stilgerecht mit Bushcamping und Lagerfeuer.
Nach der Übernachtung in der Owen Spring Reserve dauert es nicht mehr lange bis wir Alice Springs erreichen. Beim Durchfahren der Straßen stellen wir sehr bald fest, dass heute Sonntag ist und somit fast alles geschlossen hat. Wir nutzen die Zeit und setzen uns in ein nettes Cafe und schreiben Postkarten. Das Einkaufszentrum hat wider Erwarten doch offen und so vervollständigen wir unsere Vorräte noch. In einem kleinen Souvenirladen in der Fußgängerzone bummeln wir ein wenig und kaufen auch ein paar Kleinigkeiten. Nachdem wir unsere Postkarten eingeworfen haben und einen Laden gefunden haben, wo wir mit unserem Laptop ins Internet kommen, buchen wir dort unseren Inlandsflug von Darwin nach Cairns und laden die inzwischen aufgelaufenen Blogartikel hoch.
Im Anschluss besuchen wir den Royal Flying Doctor Service in Alice Springs. Der RFDS ist eine tolle Einrichtung in Australien - und für viele abgelegene Orte im Outback die einzige Möglichkeit, qualifizierte medizinische Hilfe zu bekommen. Meist kann innerhalb (verhältnismäßig) kurzer Zeit ein Arzt oder eine Krankenschwester - je nach Schwere des Notfalls vor Ort sein. Ist das nicht möglich oder nicht notwendig, wird per Funk diagnostiziert und Ratschläge erteilt.
Nach dem interessanten Besuch beim RFDS tanken wir unsere zwei Tanks wieder voll, versuchen, unsere Lieben daheim telefonisch zu erreichen und fahren dann noch bis in die Dunkelheit auf der Tanami Road bis Tillmouth Well, alles asphaltiert. Dort verdrücken wir unsere Reste von den Essen der letzten Tagen, duschen und rasieren uns und gehen früh ins Bett, denn morgen stehen die restlichen 850km der 1000km Tanami Road an.
Heute steht Strecke an, deshalb sind wir bereits um sieben Uhr auf den Beinen und machen uns auf den Weg. Außerdem sorgten bereits eine Schar Rosakakadus und andere Papageien mit Ihrem Geschrei dafür, dass wir nicht verschlafen. Es liegen noch etwa achthundertfünfzig Kilometer Piste vor uns, den Asphalt haben wir gestern hinter uns gebracht. Die Piste beginnt noch recht harmlos, doch schon bald fangen die Wellen an (Wellblech), unterbrochen von Weichsand, manchmal auch beides zusammen. Die Pistenränder laufen wie zwei Schnüre von uns weg und treffen sich am Horizont. Egal wie lange wir fahren, der Punkt am Horizont kommt nicht näher. Die Strecke fordert höchste Aufmerksamkeit. Auf Piste fahren bedeutet, es rumpelt und rüttelt unaufhörlich. Sämtliche Gepäckteile tragen Ihren Beitrag im Orchester dieses Konzertes bei. Knarren, scheppern, klingeln, kratzen, alle denkbaren Geräusche hält die Wellblechsymphonie für uns bereit. Es ist sowohl eine psychische Belastung für die Insassen, als auch eine physische Belastung für das Material, das Fahrzeug und die Ladung. Der Lärm ist so gigantisch, dass es die MP3-Musik nur ab und zu schafft mit ein paar Tönen die Symphonie zu vervollkommnen. Der Pistenrand ist gesäumt von Känguru-Leichen. Es wird langsam klar, wozu das riesige Gestell vor dem Toyota, das Roobar, dient. Die Unfälle passieren überwiegend Nachts, da die Roos vom Scheinwerferlicht geblendet nicht zur Seite hüpfen und damit ein Opfer des zu schnell herannahenden Roobars werden. Eine farblich ständig wechselnde Staubfahne hinter unserem Toyota ist unser ständiger Begleiter. Entgegenkommende Roadtrains salutieren wir mit einem kompletten Stillstand des Fahrzeuges, eine Weiterfahrt in der im Schlepp des Roadtrains hängenden Staubfahne ist ohnehin nicht möglich. Eine Zugmaschine und vier Anhänger brettern an uns vorbei. Ein lässiger Gruß des Trucker und wir stehen hustend in einer weißen Staubwolke.
Gegen Mittag erreichen wir Rabbit Flat, “The most remote Roadhouse of the world”. Dieses Roadhouse ist in der Karte verzeichnet, denn dort kann getankt, ein wenig eingekauft und sogar gecampt werden und ist wahrlich sehr abgelegen. Die nächsten Orte sind im Norden Halls Creek - unser Ziel - 400 km und im Süden Alice Springs - von da kommen wir - 600 km. Die Einwohner von Rabit Flat sind in der Anzahl exakt zwei! Ein älterer Herr mit gewaltiger Gesichtsbehaarung empfängt uns in seinem kleinen Laden hinter einer vergitterten Durchreiche. Er schaltet seine Dieselzapfsäule frei und befüllt unseren Tank mit dem bisher teuersten Sprit ($2,34), dazu trinken wir noch Kaffee. Rabbit Flat ist eine Oase in der Tanami Wüste. Bäume, blühende Sträucher und grüne Wiese erfreuen sich dem künstlichen Regen, der dem Grundwasser entspringt. Nach dieser kurzen Erholung geht es wieder auf die Piste. Sie wird mit der Zeit immer enger, das Wellblech wird durch fiese Bodenwellen unterbrochen. Fahrtechnisch eine wahre Herausforderung, denn Wellblech fährt man am Besten in etwas höherer Geschwindigkeit, die Bodenwellen jedoch können solche höheren Geschwindigkeiten rasch mit einem Ausbrechen des Fahrzeuges oder schlimmstenfalls mit einem Überschlag enden. Gekonnt fängt Micha einen dieser Ausbruchversuche ab, wir schlendern von einem Pistenrand zum anderen, bis das Fahrzeug wieder stabil fährt. Noch mal gut gegangen. Termitenfelder, soweit das Auge reicht säumen die Piste ab Western Australia. Soldatenfriedhöfen gleich, dokumentieren sie die Schlacht der Termiten gegen die Bäume, die einst dort standen. Der Sieger ist klar - die Termiten. Am Horizont erblicken wir ab und zu gewaltige Rauchfahnen, bis sich herausstellt, dass es sich um Buschbrände handelt. Wir fahren an abgebrannter Erde vorbei und sehen die gewaltige Feuersbrunst bei Ihrer Arbeit. Vom Dach des Toyota aus, erblicken wir das Feuer aus den meterhohen Sträuchern und Gräser schlagen. Einer Feuerwalze gleich bahnt sich die Front vorwärts.
Alles in allem haben wir den heutigen Tag auf der Piste ganz gut überstanden. Geringe Verluste sind trotzdem zu verzeichnen. Ein Ei hat sich im Kühlschrank selbstständig gemacht und mit der ausgelaufen Milch vermengt. Der rechte, seitliche Blinker hängt nur noch am Kabel aus der Karosse.
Wir nehmen die Abzweigung zum Wolfe Creek Meteorite Crater, an dem wir unser Lager aufschlagen werden. Eine echte Attraktion, kaum ausgeschildert und wenig bekannt. Man kann den Kraterrand hoch laufen und blickt in den 850 m breiten Einschlagskrater. Ein gigantischer Anblick! Nebendran präsentiert uns eine bunte Echse ihre Jagdkünste beim Ameisenernten. Blitzschnell schnappt sie zu und wieder ist eine Ameise weg. Wir treffen an unserem Schlafplatz ein paar Australier, die die Canning Stock Route gefahren sind. Wir sind die ersten Menschen, die sie seit 12 Tagen sehen. Gemeinsam verbringen wir einen lustigen Abend, genügend Wein bekommen wir von unseren trinkfesten Gastgebern spendiert.
Mittlerweile haben wir wieder eine neue Zeitzone erreicht, die Zeit wird wieder mal um eine halbe Stunde verstellt. Langsam stimmt keine Uhr mehr, jede zeigt was anderes an.
Am Morgen verabschieden wir uns von den Australiern, mit denen wir gestern einen wirklich lustigen Abend verbracht haben und machen uns wieder auf den Weg, diesmal auf einem deutlich besseren Pistenabschnitt als gestern. Nach einer Weile sehen wir einen liegengebliebenen Toyota und 4 Aborigines. Wir halten an und fragen durchs Fenster, ob sie Hilfe benötigen. Das bejahen sie, ihr Englisch ist aber ziemlich schlecht und wir haben Mühe sie zu verstehen. Offensichtlich ist Ihr Reifen geplatzt. Einer der Männer fragt uns nach Wasser. Mit einem Griff hinter die Sitze haben wir einen 10 Liter Wasserpack parat und reichen ihn durchs Fenster nach außen. Die Situation ist trotzdem ein wenig undurchsichtig. Auf der Ladefläche des Toyotas liegt ein intakter Reservereifen. Der Mann dem wir das Wasser gegeben haben mustert aufmerksam das Innere unseres Fahrzeugs und die nächste Frage ist, ob wir Brot haben. Nachdem wir das verneinen und somit wieder kein Grund für uns besteht aus dem Wagen auszusteigen fragt er uns, ob wir einen von Ihnen mitnehmen können. Langsam kommt uns die Sache etwas Spanisch vor und wir beenden die Diskussion. Wir versprechen, aus Halls Creek Hilfe zu schicken, was wir dann auch tun und fahren weiter.
Die Landschaft wird immer grüner, es ist ein deutlicher Unterschied zu den bisherigen Strecken feststellbar. Als wir in Halls Creek ankommen, suchen wir als erstes die Polizeistation und setzen eine nette, aber nicht besonders enthusiastisch wirkende Polizistin von der Autopanne in Kenntnis. Wir gehen einkaufen und sehen im Tiefkühlfach etwas, was auf den ersten Blick wie der Griff eines Regenschirms aussieht. Bei näherem Hinsehen entpuppt es sich als ein Bündel tiefgekühlter Känguruschwänze mit Fell. Vermutlich gibt das ein leckere Känguruschwanz-Suppe.
Da der Geldautomat beim Supermarkt kaputt ist und der zweite Geldautomat im Ort kein Geld mehr beinhaltet gehen wir zur Post und heben dort etwas Bargeld ab. Wir tanken noch und fahren weiter zum Bungle Bungle National Park (Purnululu NP). Allein die Piste zum Nationalpark ist die Reise schon wert. Wir fahren eine wunderschöne 4WD-Strecke inmitten von fantastischer Landschaft. Wie wahllos aufgestellte Hinkelsteine stehen große Termitenhügel herum. Man kommt hier zwar definitiv nur mit einem Geländewagen weiter und obwohl es ab und zu etwas rumpelt, ist die Strecke nicht schwer zu fahren. Wir haben ein paar Mini-Furten und müssen einige Bäche durchqueren. In den Bäumen am Wegrand sehen wir die ersten Wellensittiche. Der NP ist komplett mit Rauch verhangen, die Ranger machen kontrollierte Buschbrände, wie wir später in der Info des Parks erfahren. Am südlichen Aussichtspunkt angekommen müssen wir feststellen, dass im Kühlschrank wieder eine Milch ausgelaufen ist. Außerdem leckt einer der 15L Wasser-Kanister im Fußraum der Hinterbank und wir haben eine kleine Pfütze im Auto. Vor dem Panorama der Bungle Bungle Formationen, wie sie aus Reiseprospekten bekannt sind, schreiben wir Blog, bzw. genießen die Umgebung und lesen. Mittlerweile ist alles ist in Rauch gehüllt und riecht auch entsprechend.
Gegen Sonnenuntergang fahren wir Richtung Campsite, müssen aber immer wieder anhalten, um die gigantischen Feuer, die in der Dunkelheit noch viel beeindruckender wirken, zu fotografieren. Am Besten geht das natürlich wieder vom Dach des Autos aus. Der Sonnenuntergang im Westen konkurriert mit dem Buschbrand im Osten um Farbenpracht. Das Abendessen fällt wegen mangelndem Hungers aus. Stattdessen verbringen wir den Abend mit Bücher lesen und gehen früh zu Bett.
Nach dem Frühstück geht es in den Nordteil des Bungle Bungle National Parks. Die Fahrt über das Kiesbett des Flusses führt zur Minipalm Gorge. Es ist mittlerweile schon wieder ziemlich heiß, deshalb entschließen wir uns die Zweistundenwanderung etwas abzukürzen. Noch ein kurzer Abstecher in die Echidna Chasm gibt uns den Rest. Die Wanderung durch das lockere Kiesbett und die sengende Sonne reichen uns für heute.
Wir machen an der Picnic Site noch Brotzeit und fahren die 53 km Piste wieder aus dem Bungle Bungle National Park heraus. Hatte ich schon erwähnt, dass diese Piste umgeben von der wunderschönen Landschaft alleine schon eine Fahrt zu diesen Nationalpark rechtfertigt? Wir sehen noch ein paar scheue Kängurus in den Felsen rumklettern. Irgendwie macht es nicht den Anschein, als wäre das Hüpfen auf zwei Beinen die optimale Fortbewegungsvariante in felsigem Terrain. Trotzdem gibt es ja auch Rock-Wallabies, was offensichtlich wieder dafür spricht. Wie auch immer, wir sehen ebenso wieder ein paar der netten Wellensittiche, die von Baum zu Baum flattern.
In Halls Creek belohnen wir uns mit einem 2-Liter Tetrapack und einer Flasche Wein. Mal sehen, ob das Pennerglück schmeckt, mittlerweile sind wir durch unseren Nobeleinkauf in Marree schon sehr verwöhnt und wissen, dass australischer Wein vorzüglich munden kann. Um dem latenten Festplattenplatzmangel Herr zu werden sind externe Medien gefragt. In der Post werden wir mit CDs fündig. Um der hereinbrechenden Nachmittagsmüdigkeit Paroli bieten zu können, wagen wir es ein Café anzusteuern. Doch wie verwegen, zu erwarten, um 15 Uhr in Halls Creek noch einen Cappuccino zu bekommen. Selbstverständlich wird um 15 Uhr die Kaffeemaschine geputzt und der Laden geschlossen. Wer würde denn auch noch zu so später Stunde Kaffee und Kuchen haben wollen.
Bis Fitzroy Crossing schaffen wir es vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr und um einer Känguru-Kollision in unser beider Interesse - unserem und den des Kängurus - aus dem Weg zu fahren, halten wir in einer Parkbucht für unser Nachtlager. Der Platz ist zwar nicht so lauschig, wie die vielen anderen Plätze, die wir Offroad schon hatten, aber bei der Verkehrsdichte, die wir mittlerweile in Australien gewohnt sind, ist mit nicht viel Störung zu rechnen. Der Name Great Northern Highway mag einen falschen Eindruck vermitteln. Im Vergleich zu vielen anderen Straßen passt zwar das “Great”, allerdings Highway ist für unsere gewohnten Verhältnisse wahrlich übertrieben. Auf der langen Strecke sehen wir vielleicht alle zehn Minuten ein entgegenkommendes Fahrzeug. Die Frequenz geht nach Einbruch der Dunkelheit fast gegen Null.
Die etwas schlechtere Lage des Platzes lassen wir uns nicht weiter vermiesen und gönnen uns das bisher beste Kängurusteak der Reise. Das Fleisch ist sehr zart und schmackhaft. Dazu gibt es das Pennerglück aus dem Tetrapack. Der Wein rangiert zwar auf unserer bisherigen Erfahrungsliste weiter unten ist aber durchaus akzeptabel. Die Mücken vertreiben unsere Langeweile und später in das Zelt. Abgespült wird morgen früh.
Den Morgen beginnen wir mit Pfannkuchen, bevor wir in Fitzroy Crossing einlaufen. Die Geiki Gorge ist unser Ziel. In der Touristinfo erfahren wir, dass es leider noch keine Bootstouren gibt, dafür sind wir jahreszeitlich noch zu früh dran. Um unseren Tatendrang nachzugeben machen wir zumindest eine kleine Wanderung, in der Hoffnung ein paar der exotischen hier ansässigen Tiere zu finden. Angeblich gibt es hier Freshies (Süsswasserkrokodile), Sägefische und Stachelrochen (alles im Süßwasser!), doch leider bleibt das alles unseren Augen verborgen. Trotzdem sehen wir zumindest ein paar Schützenfische am Ufer des Fitzroy River nach Futter patrouillieren. Das viele Geraschel im Gestrüpp entpuppt sich sehr schnell als Heuschreckenarmada. Mit jeden Schritt springen etwa fünf Heuschrecken in allen Farben und Größen auf und flattern aufgeregt davon. Die Schlucht hat außer Hitze weiter nichts aufregendes zu bieten und so machen wir uns weiter auf den Weg nach Derby, dem Startpunkt der Gibb River Road. Mit der Zeit sehen wir immer häufiger die Boabtrees (Flaschenbäume), für die diese Gegend bekannt ist. Diese Bäume können offensichtlich, wie wir es mit eigenen Augen zu sehen bekommen, so groß werden, dass locker ein paar Personen darin Platz finden. Die Bäume können innen ausgehöhlt sein, was deren Vitalität aber scheinbar keinen Abbruch tut. Jedenfalls hat der Prisontree kurz vor Derby genau diesen Zweck erfüllt. Gefangene wurden darin temporär eingesperrt. In Derby begeben wir uns auf einen Campingplatz und gönnen uns mal wieder einen ausgiebige Dusche. Die mehreren Lagen aus Sonnencreme, Schweiß, Staub und Mückenmittel haben uns mittlerweile schon gut imprägniert. Die Seife kann die Kruste aber dann doch aufweichen und entfernen.
Die schlimmste zu befürchtende Nachricht für unsere Reise hören wir von unserem Campsite-Besitzer, die Gibb River Road ist gesperrt. Unser ganzer Plan platzt auf einmal und wir sind ratlos, was wir nun tun sollen. Ein erster vernünftiger Ansatz ist, ins Hafenrestaurant zu gehen und einen gegrillten Barramundi zu verspeisen. Der anschließende Besuch im Internet-Café verschafft etwas Licht in unserer Situation. Es ist nicht die ganze Strecke gesperrt. Wir schöpfen die Hoffnung, dass wir zumindest einen Teil der Strecke fahren können. Trotzdem wird es uns nicht erspart bleiben, die gleiche Strecke anschließend wieder zurückzufahren und leider auch die 900 km Great Northern Highway nach Kununurra. Unsere bereits gebuchten Flüge nach Cairns können wir offensichtlich nicht mehr stornieren, ohne Totalverlust der Ausgaben zu erleiden. Deshalb entfällt die Option, ggf. das Auto direkt nach Cairns zu fahren, vorausgesetzt Chris von TCC hätte dem zugestimmt.
Zunächst müssen wir einkaufen, denn auch wenn die Gibb River Road gesperrt ist, werden wir einen Teil davon befahren können. Wir betanken also das Auto, stopfen den Kühlschrank mit Lebensmitteln voll und erkundigen uns nochmals nach den Road Conditions der ‘Gibb’. Die Polizei verweist uns an ‘Main Road’, ein staatliches Unternehmen, welches den Status der Straßen kennt und offensichtlich auch festlegt, ob die Straße befahren werden darf oder nicht. Dort werden wir auf den gleichen Stand gebracht, auf den wir bei unserer gestrigen Internetrecherche ebenso schon gestoßen sind. Wir können bis Mt. Barnett fahren und müssen dann umkehren. Also machen wir uns auf die Socken, bzw. Pneus und schrubben die ersten Kilometer Asphalt in die ‘Gibb’. Zwischendurch ist Brunch angesagt. Wir spannen unser Sonnensegel und tischen auf, was unser Kühlschrank so hergibt. Im Anschluss verdauen wir bei mitgebrachter Lektüre unser Mahl. Ab und zu rattern Roadtrains oder 4WDs vorbei, viel ist jedenfalls nicht los. Irgendwann wird es auch unter dem Sonnensegel unerträglich heiß. Bei 38°C im Schatten bauen wir ab und flüchten in unser klimatisiertes Auto. Die Piste zur Windjana Gorge und Tunnel Creek sind wie angekündigt gesperrt, deshalb nehmen wir mit der angeblich etwas weniger spektakulären Lennard Gorge vorlieb. Im 4WD Gang kriechen wir dorthin. Den letzten Kilometer müssen wir laufen, während bereits auf nicht markierte Wege und Absturzgefahr an der Schlucht hingewiesen wurde. Wir nehmen sicherheitshalber das GPS mal mit, damit wir durch das unwegsame Gelände wieder zum Auto zurückfinden. Dass der Weg nicht markiert ist, war nicht übertrieben. Zuerst ging es noch auf einem Ziehweg entlang, der aber bald in einer Wendeschleife endete. Ab da ging’s nur noch durch mannshohes Gras und extrem hartes, stacheliges Spinifex. Das Spinifex scheint das einzige Gras zu sein, das nicht gefressen werden kann. Die harten Spitzen des Grases sind so spröde, dass sie sich zuerst tief in die Haut bohren und dann abbrechen. Äußerst unangenehm und kann natürlich auch zu Entzündungen führen. Jedenfalls müssen wir da zum Teil durch. Nachdem sich bei jedem Pieksen auch etwas noch gefährlicheres hätte ereignen können, inspiziere ich regelmäßig meine Beine nach Bisswunden. Wie erwähnt, Australien hat die giftigsten Schlangen und Spinnen weltweit. Manche Schlangen sind so giftig, da wäre ich zum inspizieren gar nicht mehr gekommen. Man kann sich aber relativ sicher darauf verlassen, dass die Schlangen das Weite suchen, wenn sich Menschen nähern. Darauf haben wir uns einfach auch mal verlassen. Und da ich diese Zeilen schreiben kann, scheint es auch geklappt zu haben ;-). Den Weg konnte man nur am Geräusch eines Wasserfalles erahnen. Das Geräusch wurde immer lauter, die Socken immer voller mit stechenden Stängeln, pieksenden Kletten und Gräsersamen. Wenn man vorher noch keine Idee gehabt haben sollte, wie das Speargrass zu seinem Namen kam - nun spätestens jetzt wissen wir es. Irgendwann stehen wir an der steil abfallenden Klippe, Wasser ist jedoch nur zu hören, nicht zu sehen. Wir kraxeln runter, bis ein Wasserfall zu Tage tritt. Wir kraxeln weiter und sind schließlich am Grund der Schlucht. Wie auf einer Bratpfanne fühle ich mich, der Schweiß tropft nur so die Hutkrempe herunter. Da ist das Wasser des Lennart River eine willkommene Abfrischung. Micha springt in die Fluten, ich begnüge mich mit nassmachen und Füße ins Wasser hängen lassen. Irgendeiner muss das Auto ja auch wieder zurückbringen, wenn der andere von einem Krokodil gefressen wird. Der Rückweg ist noch etwas abenteuerlicher. Das GPS funktioniert nicht (Batterien sind leer) und wir wissen nur vage, wo das Auto steht. Das Gras scheint hier noch höher zu sein, jedenfalls sehe ich nur noch Michas Kopf herausragen, darüber sengende Sonne. Grobe Felsbrocken am völlig von Sträuchern, Büschen und diesem verdammt hohen Gras bedeckten Boden machten das Durchkommen noch schwieriger. Trotzdem erreichen wir schließlich den uns bekannten Ziehweg. Schweißgebadet und vom gepiekse in den Stiefeln genervt ziehen wir uns in das Auto zurück. Wir fahren zurück zur ‘Gibb’.
Einer der Reize der Gibb River Road sollte der 4WD Charakter der Strecke sein. Jedoch davon ist keine Spur. Die Strecke ist besser in Schuss gehalten, wie die häufiger frequentierte Hauptverbindungsstrecke vom Zentrum in die Kimberley Region - die Tanami Road. Pech gehabt, den 4WD müssen wir hier jedenfalls nicht einschalten. Hoffentlich entschädigt uns die Landschaft ein wenig für die Aufwände, die wir in Kauf genommen haben, um in die Kimberleys zu kommen. Und das tut sie. Ganz anders als im heißen, trockenen Süden, sind hier weite Grasflächen, Wälder und ab und zu River oder Creeks. Ein völlig anderes Australien, als wir es bisher zu sehen bekamen. Glückliche Kühe weiden am Straßenrand, die Kängurus sind hier sicherlich auch glücklicher, da kaum welche am Straßenrand rumliegen. An einer Parkbucht halten wir für die Nacht. Es gibt sehr reichhaltige Gemüsesuppe, die zu schnibbeln schon eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nahm. Etwas später kommt noch der Grader dazu, den wir zuvor beim begradigen der Gibb River Road überholt hatten. Ein Grader ist letztendlich nichts anderes als ein großer Räumer, der den losen Untergrund wieder glattzieht und die Furchen und Löcher damit wieder füllt. So wird die ‘Gibb’ viermal im Jahr bearbeitet, wie wir von unserem neuen Nachbarn später erfahren. 4WD - ade! Er gesellt sich zu uns und erfreut uns mit seinem sehr schlecht bis nichtverständlichem Australisch.
Unser Zeitplan gibt uns acht Tage Zeit für die Gibb River Road, die leider weder 4WD-mäßig anspruchsvoll, noch durchgehend befahrbar ist. Außerdem sind alle nennenswerten Sehenswürdigkeiten, wie Windjana oder Bell Gorge gesperrt. Sprich, wir haben sehr viel Zeit. Und so beginnen wir den Morgen auch mit Lesen. Später gibt es noch übrig gebliebene Gemüsesuppe vom Vorabend und dann lesen wir weiter. Irgendwann, als es zu heiß wird, brechen wir unser Lager ab und fahren gemütlich weiter bis zum Imimtji-Roadhouse. Dort machen wir Rast, wie gesagt, wir haben Zeit. Es gibt Kaffee, Eis und im Anschluss noch einen Milch-Shake. Wir lesen und lesen. Die Weiterfahrt bleibt fahrtechnisch weiterhin unspektakulär, selbst die Flussfurten sind lächerlich klein, es werden gerade mal die Reifen benetzt. Wo ist die Gibb River Road, die uns bei der Planung etwas Respekt einflößte? Sie ist im Reiseführer von vor 10 Jahren, selbst in Australien bleibt die Zeit nicht stehen…
Naja ganz ohne scheint sie doch nicht zu sein, zumindest wenn man zur falschen Zeit hier reist. Ein Geländewagen war wohl noch während der Regenfälle unterwegs und zu der Zeit können die Creeks einen noch so richtig mitreißen… Zur falschen Zeit am falschen Ort!
Wir biegen in die Adcock Gorge ab, die - oh Wunder - nicht gesperrt zu sein scheint. Es war auch nicht explizit nötig die Straße zu sperren, am Ende ging es dann eh nicht mehr weiter. Ein etwas größerer Creek mit einem darin liegenden Baum versperrt uns den Weg. Doch draufgängerisch nehmen wir beide Hindernisse mit unserem Toyota-Zugpferd. Der Baum verhängt sich am Unterboden und wird ein Stück mit durch den Creek geschleift. Schlussendendlich erreichen wir das andere Ufer und stellen fest, dass es hier definitiv nicht mehr weitergeht. Der Wagen gräbt sich im Weichsand und Schlamm ein. Mit Mühe schaffen wir es, auf dem eng von Bäumen begrenzten Areal zu wenden. Wir machen erstmal Brotzeit, Micha läuft noch zur Adcock Gorge, während ich Vorort die heimische Flora und Fauna inspiziere. Knallgrüne Ameisen überfallen mich, eine beißt mir sogar in die rechte Schulter. Nachdem hier ja alles giftig zu sein scheint, bekommt man selbst vor so kleinen Biestern Respekt. Im Wasser tummeln sich Gelbrandkäfer und viele kleine Fische. Nach unserem kurzen 4WD Abenteuer schlagen wir an einem Fotopunkt an der ‘Gibb’ unser Nachtlager auf.
Nach gemütlichem Aufstehen, Frühstücken und Lesen, treibt uns der Backofen Sonne wieder ins Auto. Den Rest der Strecke nach Mt. Barnett haben wir ziemlich schnell geschafft. Die Hoffnung, dort einen Cappuccino zu ergattern, wurde durch den Vermerk an der Türe des Roadhouse ‘Closed’ schnell zerschlagen. Tja, es ist ‘wet season’ und Sonntag, also quasi touristenfreie Zeit. Unentschlossen und mit der Kimberley Karte bewaffnet, nehmen wir auf einer der Bänke Platz, um zu planen. Kurz darauf gesellt sich John, der Wirt des Roadhouse zu uns und wir quatschen über dies und das. Vor allem gibt er uns aber ein paar ganz hilfreiche Tipps für unsere weitere Tour. Wenn wir schon keine Krokodile in the wild zu sehen bekommen, so sollten wir doch wenigstens in einer Crocodilefarm in Broome welche zu sehen bekommen. Außerdem soll die Peninsula nördlich von Broome sehr sehenswert sein. Krokodilfleisch werden wir vermutlich in Kununurra bekommen können. Die Tipps sprudeln gerade zu aus ihm heraus.
Zu allererst sollten wir aber die Galvans Gorge besuchen, die unweit von hier ist und nicht gesperrt ist. Prompt machen wir das und vor uns tut sich nach einer kurzen Wanderung eine Oase auf, die ebenso im Amazonas hätte sein können. Ein Wasserfall stürzt über zwei Kanten in glasklares Wasser. Der Pool darunter lädt geradezu zum Schwimmen ein. Wir genießen die Idylle und das kühle Nass. Am Ufer hängen überall große Spinnennetze mit den dazugehörigen Spinnen. Von klein bis groß ist alles dabei. Micha sucht wieder die Herausforderung im Gestrüpp und möchte die erste Terrasse des Wasserfalls erreichen. Obwohl es in der Gegend die Freshies geben soll, was uns auch am Roadhouse bestätigt wurde, sind wir bisher immer noch nicht fündig geworden. Muss doch die Krokodilfarm in Broome dafür herhalten. Die Fahrt nach Derby wird nur noch durch eine kleine Pause in einer kleinen Parkbucht, wir nennen sie ‘tropical oasis’, weil so idyllisch, unterbrochen. Nach Einbruch der Dämmerung scheinen die Vögel gefallen daran zu finden, in Scharen vor dem Auto aufzuschrecken und in letzter Sekunde dann abzudrehen. Papageien, Elstern und anderes Fluggetier gönnt sich diesen Adrinalinstoß. Einer dieser Gesellen hat es mit dem Spaß etwas übertrieben und die Kollision mit dem Roobar vermutlich nicht schadlos überstanden. Die Rindviecher sind ähnlich drauf, zuerst beobachten sie das Auto lange auf sich zufahren, bis sie dann kurz vor unserer Ankunft auf die Straße laufen. Haben die Tiere das Leben auf diesem wundervollen Kontinent satt? Zugegeben, es ist sehr heiß!
Roadtrains präsentieren wieder ihr Schauspiel mit der Staubwolke. Wie zornige Monster wälzen sie sich über die Straße und nehmen mit der riesigen Staubfahne weit mehr als die Straßenbreite ein. Da man in diesen Augenblicken überhaupt nichts mehr sieht, bleiben wir sicherheitshalber jedes Mal stehen und warten eine Weile ab, bis der Staub sich gelegt hat. Die Sonne macht einen grandiosen Abgang, ein Farbspiel von lila, gelb bis rot ergießt sich in den türkisblauen Himmel. Das Farbspiel am Horizont reflektiert sich noch mal in den spärlichen Wolken. Wir fahren exakt nach Westen, das heißt direkt in die Sonne hinein. Macher Kilometer wurde so im buchstäblichen Blindflug gemacht. Nach Einbruch der Dunkelheit - eigentlich sollte man da überhaupt nicht mehr fahren, aber wir haben nur noch ca. 100 km - lösen Eulen die Dämmerungsvögel ab. Nun sitzen Eulen am Straßenrand oder auf der Straße und warten auf uns, um dann im letzten Augenblick aufzuschrecken.
Wir sind nicht alleine unterwegs - einige andere Autos sind ebenfalls noch auf der Straße. Einem Geländewagenfahrer scheint unser Reisetempo zu gering zu sein und überholt uns in einem waghalsigen Manöver. Er schießt an der Böschung an uns vorbei und mäht einen Seitenpfosten dabei um. Wohlbehalten erreichen wir schließlich Derby und quartieren uns bei dem bereits bekannten Caravan Park ein. Unser Tetrapack-Wein geht zur Neige.
Unser Entschluss steht fest, wir fahren nach Broome. Doch zuvor wollen wir die ansässige Infrastruktur nutzen, kaufen ein und nutzen das Internet ausgiebig. Bis Nachmittags sitzen wir im Boab Inn, während Micha Briefe schreibt und ich Fotos auf CD brenne und an den Blogartikeln feile. Ein recht ereignisloser Tag, selbst die anschließende Fahrt ist reichlich unspektakulär. Wir nisten uns in einem Caravan Park ein, kochen, lesen, füttern Moskitos und gehen schlafen. The same procedure as every day!
Broome als Großstadt nach unseren Maßstäben zu bezeichnen, wäre verwegen. Für Australien ist das wahrscheinlich eine. Immerhin ist Broome schon so groß, dass man sich verfahren kann und mindestens fünf Minuten braucht, um wieder an einer bekannten Stelle herauszukommen. Wir schlendern ein wenig durch die Einkaufsmeile, unterbrochen von einem Besuch in einem Café. Was Broome allerdings im Gegensatz zu allen anderen bisher besuchten Orten zu bieten hat, ist eine hohe Luftfeuchtigkeit. Das üppige Schwitzen ist hier also nicht nur lästig, sondern auch noch unnütz. Die Luft nimmt keinen Schweiß mehr auf, was letztendlich etwas Kühlung verschaffen könnte. Trotzdem möchte ich Broome nicht schlechter machen, als es ist. Das Freizeitangebot ist deutlich üppiger als z.B. in Derby. Es gibt sogar ein Museum, die drei Stunden Öffnungszeit am Tag haben wir aber leider verpasst. Wir trösten uns bei einem weiteren Cappucchino mit Blick aufs Meer. Heute Abend wollen wir zwei Dinge unternehmen. Erstens am Cable Beach das Eintauchen der roten Sonne ins Meer beobachten und dann an der Ostküste den “Staircase to Moon” fotografieren. Der Staircase ist eine Erscheinung, die nur wenige Tage im Monat zu beobachten ist. Wenn sich die gigantische Flut, die den Meeresspiegel bis zu zehn Meter steigen lässt, zurückgezogen hat und die Mud Flat zu Tage, bzw. Nachte tritt, spiegelt sich der Mond in der glänzenden Oberfläche des “Watt” und erweckt den Eindruck, man könne die Treppen zum Mond hinaufsteigen.
Bis dahin vertreiben wir uns noch die Zeit am Leuchtturm, wo versteinerte Dinosaurierspuren zu Tage treten, wenn die Ebbe eine gewisse Marke unterschritten hat. Auch dafür sind wir leider zum falschen Zeitpunkt dort, doch in Beton gegossene Abbilder trösten darüber hinweg. Barfuss laufen wir über den benachbarten Strand, immer gefasst darauf, dem tödlichsten aller Tiere zu begegnen - der Würfelqualle. Eine Berührung mit dieser todbringenden Kreatur verschafft einem erstmal unbeschreibliche Qualen (daher vermutlich der Name Qualle, ein Tippfehler), um dann selbst in der Ohnmacht noch gotterbärmlich zu schreien und dann endlich zu sterben. Das Wasser ist schön warm, Krabben und Einsiedlerkrebse wuseln am Strand herum, Kegelschnecken suchen das Feuchte.
Der Sonnenuntergang ruft, also rüber zum Cable Beach. Es haben sich schon einige Geländewagen am kilometerlangen, weißen Strand postiert. Wir gesellen uns dazu und nehmen wieder unsere erhabene Position auf dem Dach ein. Bei Käse, Salami und natürlich dem vorzüglichen Shiraz genießen wir das Schauspiel. Alle Farben, die der Horizont so hergibt, spiegeln sich im Meer und auf dem von der Ebbe freigegeben, glänzenden Strand. In tatsächlich rasender Geschwindigkeit erreicht die Sonne den Horizont und verschwindet kurz darauf ganz. Aber um das Geheimnis des Sonnenunterganges nun endlich zu lüften: die Sonne geht nicht unter. Wir drehen uns mit der Erde von der Sonne weg ;-)
Der Stairway to the Moon erwartet uns auf der anderen Seite der Stadt, also los. Wir fädeln uns im Dunkeln durch den Verkehr und platzieren uns auf einer Landzuge. Dort soll das Ereignis stattfinden, doch die Wolken versprechen nichts Gutes. Wir warten eine Stunde, bis zum Mondaufgang - hier ist es wiederum richtig, denn der Mond dreht sich um die Erde. Die Wolken lassen sich selbst mit Pusten nicht bewegen und die versammelte Menschenmasse strömt etwas enttäuscht zum neben gelegenen wöchentlichen Markt. Ein Event, dass sich vermutlich kein Broomer entgehen lässt, mehr Highlights gibt es nicht.
Tatsächlich hatte heute Nachmittag in der Touristinfo die nette Frau hinterm Tresen keine weiteren Tipps mehr für uns, außer dem bereits Gesehenen, Geschlossenen oder Gebuchten. Für morgen buchten wir eine Exkursion auf eine der Perlenfarmen, für die Broom weltbekannt ist. Außerdem schließt unser Plan noch einen Besuch bei Malcolm Douglas’ Crocodile Farm und die abendliche Astro-Show von Greg Quicke ein. Wegen der Astro-Show sind übrigens die obigen schlauen Kommentare bezüglich Sonnenuntergang und Mondaufgang eingeflossen. Malcolm Douglas ist eine meiner persönlichen Helden. Ich habe vor Jahren seine in den Kimberleys gedrehte Serie im deutschen Fernsehen mit Spannung verfolgt. Er war stets im Outback unterwegs, zeigte, wie man dort über die Runden kommt und hat mich letztendlich auch dazu inspiriert, ähnliches auszuprobieren. Ein Grund, warum ich hier bin.
Heute stehen die gestern gebuchten Events an. Zuerst suchen wir die Willie Creek Pearl Farm auf. Kompetente Mitarbeiter erläutern mit viel Witz und Sachverstand die Zucht und Pflege der Austern und selbstverständlich der Perlen. Ein Boot bringt uns auf die Farm raus, es werden ein paar Dinge gezeigt. Die Suche nach Salties in den Mangroven bleibt aber leider erfolglos. Zufrieden fahren wir zurück nach Broome, um etwas einzukaufen und vollzutanken. Dazu kredenzen wir uns noch einen Cappuccino und starten durch zu Malcolms Croc Farm. Um 3 Uhr ist Fütterung, die wollen wir uns nicht entgehen lassen. Sehr beeindruckend wird präsentiert, wie blitzschnell diese Tiere der Urzeit, seither haben sie sich nämlich nicht mehr verändert, aus dem Wasser schießen, die Beute schnappen und wieder im Wasser verschwinden. So sind schon Menschen im Outback spurlos verschwunden. Geschirrspülen am Creek und einen Wimpernschlag später steht das ungespülte Geschirr da und der Typ wurde/hat sich verdrückt. Kein Spaß, dass ist jedenfalls klar geworden. Die Warnschilder sollten ernst genommen werden. Malcolm selbst war heute Vormittag da und hat eine Führung gemacht. Es wäre ja zu schön gewesen, ihn persönlich zu treffen. Der mittlerweile 67 Jährige ist immer noch sehr aktiv und engagiert sich für die Crocs. Böse Crocs fängt er ein und bringt sie in den Park, in dem auch noch andere seltene und verbreitete Tiere zu sehen sind.
Es geht weiter zu Gregs Astro-Show. Wir sind etwas zu früh und können Greg beim Aufbau seiner Apparaturen im Outback zusehen. Greg sieht mit seinem Gesichtspullover und geflochtenen Pferdeschwanz aus, als wäre er ein begeisterter ZZ-Top Fan. Seiner Beschreibung nach sind wir ein kleines Stück Piste gefahren, um an den Treffpunkt zu gelangen. Dabei fuhren wir an einer Baugrube sehr großen Ausmaßes vorbei. Auf die Frage, was dort gemacht würde, bekamen wir die typisch australische Antwort: “They’re digging a hole” (Sie graben ein Loch). Sehr witzig! Später erfahren wir, was unsere Vermutung bestätigte, dass aus dem Loch der Belag für die Naturstraßen abgebaut wird, welche immer wieder mit den Gradern glattgezogen werden. Die Show beginnt, Greg erzählt und erzählt und langsam werden Zusammenhänge am Sternenhimmel klar, über die ich stets zu faul war, auch nur mal darüber nachzudenken. Warum bewegen sich die Sternzeichen, wie bewegt sich die Erde im Sonnensystem und um seine eigene Achse, welche Gestirnbewegungen werden dadurch hervorgerufen. Es wird ein bisschen mit Lichtjahren herumgespielt, um Größen, Helligkeiten und Entfernungen zu verdeutlichen. Obwohl der Himmel weitestgehend Wolken verhangen ist, holt Greg mit seinem Teleskop den Saturn mit seinem Ring und diversen Monden in greifbare Nähe.
Sehr zufrieden über den heutigen Tag gehen wir an einem Parkplatz Richtung Derby zu Bett.
Sehr unzufrieden über die Nacht stehen wir wieder auf, es haben sich noch zwei weitere Fahrzeuge zu uns auf den Parkplatz gesellt, die neben den vorbei bretternden Road Trains immer wieder für Schlafstörungen sorgten. Es stehen über 1000 Kilometer Fahrt nach Kununurra an. Auch wenn es keinen Spaß macht, da müssen wir jetzt durch und begeben uns auf den Great Northern Highway Richtung Derby. An der Picnic Area “The Boab”, ein ähnlicher Baum, wie der Prisontree vor Derby, holen wir unser Frühstück nach. Mit gebackenen Bohnen, Speck und Rührei starten wir gestärkt in den Tag. Auf dem Weg nach Fitzroy Crossing kommen wir wieder an der Fairfield Leopold Downs Road vorbei, die uns bei der Herfahrt schon die ungute Nachricht, dass Windjana Gorge und Tunnel Creek geschlossen sei, verkündete. Wir werfen ein flüchtigen Blick in die Abfahrt und was steht da - Road open! Wir sehen uns beide wenige Sekunden an und drehen um, selbstverständlich nehmen wir die beiden Highlights der Gibb River Road mit. Kununurra muss warten, jetzt sind erst mal über hundert Kilometer Piste auf dem Plan.
Mit Taschenlampe und Sandalen bewaffnet wagen wir uns in das Dunkel des Tunnels (des Creeks). Zuerst erwartet uns eine hüfttiefe Furt durch den kühlen Creek, die wir offensichtlich auch hätten umgehen können, denn die uns entgegenkommenden Asiaten waren deutlich trockener. Wie auch immer, es war eine willkommenen Erfrischung zu den weit über 30 °C draußen. Sand in den Sandalen formt ein neues Fußbett. Angeblich gibt es ab und zu Freshies im Creek, wir sehen keines. Jedoch gibt es allerhand anderes Getier im Tunnel. Im Wasser tauchen Welse, Krebse und Frösche auf, an der Decke baumeln große Flying Foxes (Fledermäuse mit ca. 50 cm Flügelspannweite). Am Ende des Tunnels langweilt sich ein sonnenbadender Goanna und straft uns mit Desinteresse. Hingegen ist die Schule junger Enten etwas aufgeregter und verabschiedet sich creekabwärts.
Windjana Gorge ist eine Schlucht, die der Lennard River durch die Napier Range gefräst hat. Landschaftliche ist sie sehr schön, doch das Aufregendste daran sind die Freshies, die am gegenüberliegenden Ufer mit aufgerissenem Maul sonnend dösen. Ein ungewollter Tritt veranlasst dann allerdings die Krokodile alle gleichzeitig ins Wasser zu stürmen. Ein Spektakel, das in in einer Sekunde zu ende ist. Die Viecher sind verdammt schnell, was wir ja auf Malcolms Croc-Farm schon live miterleben durften. Eines von Ihnen ist nur etwa zwei Meter von uns entfernt im Wasser und lauert auf die vorbeiziehenden Schützenfische. Einen davon erwischt er in unserem Beisein, sehr spannend! Die angekündigten Pythons haben sich leider nicht blicken lassen, trotzdem ein sehr gelungenes Event. Höchst zufrieden über unsere kurzfristige Planänderung machen wir uns auf Schlafplatzsuche. Abseits der Fairfield Leopold Downs Road belohnen wir uns mit Massaman Curry und Cabernet Sauvignon. Wir freuen uns, nun doch noch die Windjana Gorge und den Tunnel Creek gesehen zu haben.
Leider haben sich an der Lennard Gorge vor einigen Tagen meine Meindl Trekkingstiefel verabschiedet. Sie haben mich treu und sicher auf den meisten meiner Fernreisen einige hundert Kilometer durch Sand- und Eiswüsten, über Berge und durch Flüsse und Sümpfe, durch Dschungel und Steppe getragen, nun müssen wir uns leider trennen. Meinen Dank an dieser Stelle an Meindl für dieses exzellente Schuhwerk. Mal sehen, wie weit ich mit meinen Trekkingsandalen komme. Im Land der giftigsten Bodenbewohner der Erde kein prickelnder Gedanke!
Der Rest der üppigen Massaman-Portion vom gestrigen Abend wird noch niedergemacht, bevor wir uns auf die Piste zurück zum Great Northern Highway machen. Bald darauf und nach ein paar Flussfurten hat uns der Highway auch wieder. Ich beginne am Laptop die vergangenen Tage ins Blog zu hacken und rechne unsere bisher gefahrenen Kilometer zusammen. Die geplanten 6500 Kilometer sind erreicht, wir können also aufhören mit fahren ;-). Diverse Umwege und Zusatztouren verschafften uns die zusätzlichen Kilometer - Bungle Bungle National Park, Broome, Abstecher in die Gibb, Abstecher in die Windjana Gorge. Schätzungsweise 1500 km liegen noch vor uns - Katherine, danach Darwin.
Ein kurzer Zwischenstopp in Fitzroy Crossing nutzen wir um den Durst unseres bisher treuen Gefährtes zu stillen, der sich später in Halls Creek als überdurchschnittlich hoch erweist. Bisher sind wir mit 15 Litern pro 100 Kilometer ausgekommen, nun sind es zwischen 20 und 30 Litern! Etwas beunruhigt inspizieren wir das Auto, ist der Luftfilter dicht, das Allrad angeschaltet, die Freilaufnaben in der Free-Stellung, steht der Kühlschrank auf gefrieren, statt auf kühlen? Nichts davon. Etwas beiläufig erwähnt Micha noch, dass es die letzten 300 Kilometer stetig bergauf ging. Wir vermuten den Grund darin und fahren erst mal mit einem plausiblen Grund für den erhöhten Spritverbrauch beruhigt weiter. Und tatsächlich, der Verbrauch fällt wieder, allerdings scheint er immer noch zu hoch.
Die Strecke des Great Northern Highways ist zwar landschaftlich sehr reizvoll, insbesondere ab Halls Creek, doch soviel Landschaft kann hier gar nicht sein, als dass man nicht irgendwann ins Dösen und Träumen kommt. Wir haben vereinbart, dass nur der Beifahrer auch ein Nickerchen halten darf, der Fahrer solle das unterlassen - wir halten uns beide daran. Aufregend wird es auf der Strecke nur immer dann, wenn ein Road Train entgegenkommt und sein Luftschwall das Auto so taumeln lässt, dass es auf der Straße zu halten schon einiger Lenkmanöver bedarf. Sofern im Dösen Schilder nicht übersehen werden, besteht auch eine gute Chance, nicht etwa falsch, bzw. gar nicht abzubiegen und an einem 500 Kilometer vom Ziel entfernten Ort herauszukommen. Auch wenn es etwas makaber klingt, selbst tote Tiere am Straßenrand sind mittlerweile eine willkommene Abwechslung. Meist sind es Kängurus, manche sind allerdings schon so platt, dass es auch ein Nasenbär oder Belugawal hätte sein können. Kühe verfolgen uns mit interessierten Blicken, während sie überlegen, auf die Straße zu stürzen. Immer wieder sind Buschbrände in der Ferne und auch Nähe zu sehen. Teilweise gehen sie bis an die Straße heran und neben uns züngeln die Flammen hoch, während sie das Gestrüpp verspeisen. Flammenfronten wälzen sich die Hänge hinauf und sind noch aus vielen Kilometern Entfernung zu sehen. Ein todbringendes, aber auch lebenspendendes Spektakel, dass die Natur meist durch Blitzschlag initiiert. All diese Ereignisse spenden Gesprächsmaterial, das, wenn wir verbissen daran festhalten, für etwa fünf Minuten Konversation herhalten kann, dann ist wieder Stille. Der Beifahrer macht ein Nickerchen, der Fahrer döst.
Zwei geplante Höhepunkte halten uns heute bei besonders guter Laune, ein Cappuccino in dem uns bereits bekannten Café in Halls Creek, das ja bereits ab 3 Uhr Nachmittags schließt und ein Dinner mit einem Krokodil in Kununurra. Wir erreichen Halls Creek gegen Mittag und freuen uns darauf, uns den Kaffee ins Gesicht zu schütten. Es ist nicht Wochenende und alle uns bekannten Rahmenbedingungen stehen gut, so dass wir eine realistische Chance haben, einen Kaffee ergattern zu können. Wir staunen nicht schlecht, als der Laden völlig verrammelt dasteht, als wolle er sagen, was wollt Ihr denn hier, heute ist Feiertag. Und in der Tat, heute ist ANZAC-Day, an dem den australischen und neuseeländischen Truppen im Ersten Weltkrieg gedacht wird. Es wäre zu verwegen, zu denken, an einem Feiertag hätte auch nur irgendetwas offen. Wer einen Kaffee will, muss sich einen selber machen, nur wo und womit? Das lässt unsere Hoffnung auch drastisch schwinden, was das Krokodilschnitzel angeht, welches wir für heute Abend avisiert hatten. Und tatsächlich, in Kununurra angekommen herrscht ebensolche Stille, wie in Halls Creek. Ein paar Aborigines lungern im Schatten unter den Bäumen rum, ansonsten tote Hose. Was allerdings sehr verwundert, die Touristinfo hat offen. Dort wird uns leider ebenso bestätigt, dass Croc-Schnitzel heute kalt bleiben.
Na dann satteln wir halt um und braten Känguru in Knoblauch eingelegt. Wir sind beide so hungrig, dass es auch kaum vieler Worte und Taten bedarf, das Gericht in wenigen Minuten fertig zu stellen. Unser Cabernet Sauvignon rundet das vorzügliche Mal erstklassig ab. Der Sternenhimmel lädt zum Schlafen darunter ein, entsprechend platzieren wir unsere Schlafsäcke unter das Kreuz des Südens.
Bereits in Sydney sind wir ganz aus dem Häuschen, als wir die ersten Papageien frei herumfliegen sehen. Ibise stochern im Hyde Park nach Würmern. In Adelaide geht es weiter mit noch bunteren Papageien. Als wir unser erstes Känguru in den Flinders Ranges zu sehen bekommen, wird uns so richtig bewusst; wir sind in Australien. Doch damit nicht genug, im Laufe der Reise bekommen wir noch reichlich anderes zu sehen. Adler, Bussarde und Falken, die sich zum Teil an Kadavern von Verkehrsopfern zu schaffen machen. Ein Bussard transportiert eine Schlange ab, im Übrigen die einzige Schlange, die wir bisher zu sehen bekamen. Kreischende Kakadus hängen bald überall herum und nerven mit Ihrem markerweichenden Geschrei, vorzugsweise, wenn der Morgenschlaf noch nicht beendet ist. Woher deren Name kommt, wird mir bei einer Lektüre unter einem von diesen Schreihälsen belagerten Bäume bald bewusst. Ich bekomme zwei Treffer ab und schreie aufgebracht - Kacker Du! Andere bunte Papageien und Kakadus, die es zu benennen erst noch ein Nachschlagewerk bedarf, gesellen sich stets dazu oder kreuzen unseren Weg. Der uns allen so bekannte Wellensittich hält sich hingegen sehr bedeckt, den sahen wir bisher nur im Bungle Bungle National Park.
Eingeführtes Getier, wie der Wildhund oder Dingo streunen im Watarrka National Park herum. Ein etwa 6000 Kilometer langer Zaun trennt das Sheep-Country vom Dingo-Country. Die zum Eisenbahnbau eingeführten Kamele, in Wirklichkeit sind das Dromedare aus Afghanistan, hatten irgendwann ausgedient und wurden sich selbst überlassen. Zwei der Nachfahren bekamen wir nahe Alice Springs zu Gesicht. Ausgebüchste Pferde streuen herum und stehen in kleinen Gruppen unter Bäumen Schatten suchend. Die frei herumlaufenden Kühe gehören sicherlich Farmern, das deuten jedenfalls die Brandzeichen an. Wie die übers ganze Land verteilten Viecher allerdings je wieder ihrem Eigentümer zugeführt werden sollen, ist uns beiden ein Rätsel. Im 19 Jahrhundert hatte ein begnadeter Jäger offensichtlich nichts besseres zu tun, als 24 Kaninchen einzuführen, um seiner Leidenschaft frönen zu können. Bekanntlich sind Kaninchen in ihrer Reproduktion äußerst effizient und so wurde schnell die Region und später ganz Australien von dieser Landplage überrollt. Der dadurch entstandene ökologische Schaden ist nicht mehr gut zu machen, einige spezialisierte Pflanzen fielen dem Kaninchenfras zum Opfer und ganze Landstriche sind für immer verändert. Mit einer Virusinfektion konnten später 99,9% der Kaninchen ausgerottet werden. Die 0,1% sind nun immun und vermehren sich wieder fleißig. Einige kleinere Känguruarten und andere Nager fallen den eingeführten Katzen zum Opfer und stehen kurz vor der endgültigen Ausrottung. Andererseits weiß man auch, dass noch lange nicht alle Tier- und Pflanzenarten Australiens entdeckt und katalogisiert wurden, so dass man von deren Verschwinden nie etwas erfahren wird. Traurig, nicht wahr!
Obwohl, wie ja schon mehrfach erwähnt, Australien die fiesesten, giftigsten und tödlichsten Tiere auf unserem Heimatplaneten beheimatet, bleiben wir vor deren Angriffen verschont. Weder Schlangen, noch recht giftig aussehende Spinnen laufen uns über den Weg. Trotzdem gibt es hier reichlich Spinnen. Beim Baden in der Galvans Gorge hängen große, bewohnte Netze über unseren Köpfen. Wie gefährlich die Spinnen sind, wollten wir nicht ausprobieren. An unserer Übernachtungsstelle unweit von Derby leuchten uns bläulich-silbern hunderte Spinnenaugen an, als wir mit unseren Stirnlampen in den Busch strahlten. Diese Spezies scheint etwas unangenehmer zu sein, wie sich später beim Durchblättern eines Büchleins “Hazardous Animals in Western Australia” herausstellte. Diese possierlichen Tierchen sind nachtaktiv und aggressiv, was ich durch Testen mit meinem linken Zeigefinger am eigenen Leibe erfahren durfte. Eigentlich wollte ich die Spinne nur anschubsen, was sie aber mit einem blitzschnellen Angriff parierte. Meiner noch schnelleren Reaktion verdanke ich möglicherweise, den nicht platzierten schmerzhaften Biss. Ich schüttelte die Spinne im selben Augenblick ab, als sie sich auf meinen Finger setzte. Der Schreck manifestierte sich durch eine minutenlange Gänsehaut auf meinem Arm und jetzt gleich noch mal beim Schreiben.
Wie erwähnt, sind Schlangen nicht über unseren Weg gelaufen - nur eine an einem Bussard hängend vorbeigeflogen -, noch haben sie sich in unseren Waden verbissen. Gewöhnlich sind sie schneller weg, als sie gesichtet werden können. Echsen hingegen lassen sich lieber ablichten und noch dazu gibt es schön bunte, große oder exotische. Wir beobachteten zum Beispiel eine bunt schillernde Echse am Wolfe Creek Crater beim Naschen an einer Ameisenstraße. In Derby am Campingplatz läuft eine Kragenechse einer Heuschrecke hinterher und verdrückt sie genüsslich. Das ganze passiert wenige Meter neben mir, als ich mich gerade wieder Bill Brysons humorvoller Beschreibung seiner Australienerfahrungen widmete. Ein großer Goanna faulenzt auf einem Felsen, als wir das Ende des Tunnels des Tunnel Creek erreichen. Ein Tannenzapfenskink kreuzt unseren Weg zur Erfrischung im Coward Spring. An der Piste zur Willie Creek Pearl Farm rennt uns ein Goanna und später noch ein uns unbekannter Skink über den Weg. In Malcolm Douglas Crocodile Farm bekommen wir natürlich noch viel mehr zu sehen, was ich aber hier nicht unserem Expeditionserfolg zuschreiben möchte und deshalb hier unerwähnt lasse. Trotzdem seien die Freshies - Süsswasserkrokodile - in der Windjana Gorge noch erwähnt, die sich in großer Anzahl dort zuerst an Land dösend, dann im Wasser den Schützenfischen auflauernd präsentierten. Geckos hängen an den immer beleuchteten Facilities der Campingplätze an den Wänden und fangen die vom Licht angezogenen Schwärmer. Nachts ist oft das Fipsen der Geckos zu hören. Am Campingplatz in Derby klettert ein Laubfrosch die Wasserleitung hoch, ein anderer - mit meinen begrenzten Kenntnissen nicht klassifizierter Frosch - hüpft über den Weg.
Der bereits erwähnte Tunnel Creek erweist sich neben dem bereits erwähnten Goanna noch als weitere Quelle heimischer Tierwelt. Welse und andere Fische tummeln sich im stockfinsteren Wasser ebenso wie Krebse und Frösche. Von der Decke baumeln Flying Foxes - Fledermäuse mit einer Spannweite von größer als fünfzig Zentimeter.
Natürlich seien auch die Emus erwähnt, die, wandernden Strohhütten gleich, unseren Weg mehrfach kreuzten. Wir sind erpicht darauf, sowohl Emu- als auch Krokodilfleisch einmal zu kosten. Mal sehen, ob das bei dem eingeschränkten Restaurantangebot, beziehungsweise Öffnungszeiten in Australien gelingt. Am Kings Canyon tummeln sich Zebrafinken an den Trinkwasserhähnen für die Touristen. Raben, Elstern und die etwas kleineren Peewees sind allgegenwärtig und schrecken erst immer in letzte Sekunde vor dem anrollenden Auto auf.
Die ganze Tierwelt wäre allerdings nichts, würde sie nicht von den allgegenwärtigen Fliegen im Outback und den im feuchteren Norden lebenden Moskitos begleitet. Trotz deren überwältigender Anzahl hält die australische Natur noch weitere Insekten bereit. Grüne und rote Ameisen, Stabheuschrecken, Gottesanbeterinnen, große Hundertfüßler, bunte Schmetterlinge und die dazugehörenden Raupennester, Käfer, Wanzen, Wespen und Bienen und so weiter. Termiten fräsen ganze Buschstriche entlang der Tanami Road mit Ihren Hügeln nieder. Ja sogar meterlange Würmer soll es hier geben, die die Stärke eines Unterarmes einnehmen können. Eine unvorstellbare Varianz an Form, Größe und Farbe bietet die hiesige Insektenwelt. Der Kontinent hatte ja auch geraume Zeit, diese außergewöhnliche Tier- und Pflanzenwelt hervorzubringen. Australien ist ein Quell an Ungewöhnlichem und noch Unbekanntem! Bei einer so gigantischen Ausdehnung, so erbarmungslosen Bedingungen im Outback und so wenigen Naturforschern auf diesem Kontinent wird das auch noch lange so bleiben.
Noch eine kleine Bemerkung zur unbekannten Tierwelt Australiens. Der Roadhousewirt von Mt. Barnett erzählt so beiläufig, dass nach dem Namen seines Nachbar, einem begnadeten Ornithologen, sogar ein Vogel benannt wurde. Das zeigt doch recht deutlich, es gibt noch viel zu entdecken dort.
Nach dem Frühstück fahren wir gleich weiter nach Katherine und kippen uns dort erst mal einen Kaffee ins Gesicht. Außerdem erfahren wir in einer Internet-Klitsche, dass es nebenan im Restaurant Krokodil zu essen gibt. Das ist genau das, was wir hören wollten. Bis dahin vertreiben wir uns die Zeit in der Tourist Info und informieren uns über die hiesigen Attraktionen. Für morgen buchen wir einen Breakfast Cruise durch die Katherine Gorge. Dort bekommen wir zum Frühstück auf dem Schiff die Schlucht in der aufgehenden Sonne gezeigt. Auf die Frage, ob es in Katherine irgendwo Krokodil zu essen gäbe, sind sich beide Kolleginnen einig - es gibt nirgendwo Krokodil zu essen. Wir wollten sie nicht weiter bloßstellen und lassen unsere Belehrung. Das Krokodil hat vorzüglich gemundet, etwas gummiartige Konsistenz wie Tintenfisch, aber sehr lecker. Mit dem halben Liter Wein, den ich mir zum Essen bestellte, habe ich mich etwas übernommen. Deshalb fährt Micha uns die etwa dreißig Kilometer zu dem Parkplatz, wo die Bootsfahrt morgen losgehen soll. Ich liege sehr schnell im Bett, doch irgendwann des Nächtens treibt mich mein Brand zum Wassertrinken.
Wir stechen mit dem Boot in den dampfenden Fluss der Katherine Gorge. Die Luft ist kühl, die Sonne beginnt so eben die oberen Kanten der Schlucht zu kitzeln. An den Bäumen hängen Fruit Bats (Fledermäuse) wie reife Früchte und kreischen, wenn sie sich gegenseitig zu nahe kommen. Flapp, flapp, wieder kommt eine angeflogen und lässt sich wie ein nasser Sack in das Geäst fallen. Das Frühstück ist gelinde gesagt grauenhaft. Sicherlich sind wir durch unsere Gourmet-Tour durch Australien etwas verwöhnt, zumal unsere Kochkünste sich fast täglich übertreffen. Dennoch sind wir sehr wohl noch in der Lage zu beurteilen, ob was gut oder schlecht
gekocht wurde. Es gibt Rührei, sollte es zumindest sein, Bohnen und Speck. Das Rührei ist dermaßen geschmacksneutral, dass die Korrelation zwischen dem auf der Gabel Gesehenem und im Mund Geschmecktem Unbehagen ausübt. Optisch ist es Rührei, geschmacklich keine Ahnung? Da mit Eiern nicht zu spaßen ist, belasse ich es bei dieser Portion und widme mich lieber dem vorbeiziehenden Panorama. Ein Freshie liegt im Schatten und hofft darauf, dass ihn die Sonne bald in Schwung bringen möge. Eine Wasserschlange kreuzt unseren Seeweg.
Im Kakadu National Park steuern wir zuerst den am Ende einer Piste liegenden Gunlom Wasserfall an. Es gibt Brotzeit. Mittlerweile sind wir darauf bedacht, unsere Essensvorräte zu dezimieren, in drei Tagen müssen wir unser Auto in Darwin abgeben. Der Wasserfall stürzt sich viele Meter in einen glasklaren See. Wir hoffen auf eine dort beheimatete Wasserschildkröte zu stoßen, doch der kleine Badebetrieb verhindert die geringsten Aussichten diesbezüglich.
In der Gagudju Cooinda Lodge suchen wir uns einen passenden Platz zum Campen und vertreiben uns die Zeit zuerst bei einem Cappuccino, dann beim Moskitoklatschen und später bei einem kühlen Bier mit grauenhafter Live-Musik. Unter der Motivation der Moskitos zaubern wir aus unseren Restbeständen in kurzer Zeit ein recht passables Bohnengericht mit Salat. Ich heimse mal wieder reichlich Stiche ein, trotz Moskitorepellent und Moskitocoils, die an jedem Eck qualmen. Dingos streifen herum und heulen, Fruit Bats hängen in den Bäumen und stimmen ebenso zum Konzert ein.
Spontan buchten wir heute noch eine Angeltour mit unserem persönlichen Fischer-Guide im Kakadu National Park. Wir denken, das es eine gute Alternative zu den überfüllten Touristenbooten ist und bereitet außerdem den Angelspaß und bei Petriglück noch ein Abendessen.
Wir haben am Kakadu National Park selbstverständlich Mücken erwartet, es gibt hier ziemlich viele Überschwemmungsflächen und die Flüsse sind das ganze Jahr über mit Wasser gefüllt. Aber das, was uns am Morgen erwartete, sprengte meine Vorstellungskraft. Die Moskitogaze war voll dieser Blutsauger, die nur darauf warteten, dass wir einen Fuß vor das Zelt setzten. Ständig drangen welche in das Zelt ein, es gibt leider genügend Öffnungen, die das zulassen. Mit diesem Mückenstrom konnten wir fertig werden, doch was tun mit der Mückenbelagerung außerhalb des Zeltes? Micha fasst den mutigen Entschluss und stürmt nach unten, um das Insektengift zu holen, dann begann die Schlacht. Ein Gemetzel, das selbst mir einen gewaltigen Hustenreiz abverlangte, gereizt durch die Giftgaswolke, die langsam in das Zelt eindringt. Die Schlacht war kurz aber heftig. Die Dose ist leer, überall liegen Mückenleichen herum, genug Zeit um sich mit Mückenmittel einzusprühen. Allerdings scheint das die Moskitos hier nicht sonderlich zu beeindrucken. Die Sonne wird heißer, die Mücken weniger. Deutlich entspannter können wir uns dem Frühstück widmen, dem übrig gebliebenen Bohnengericht.
In der “Beautyfarm”, den hiesigen Facilities, gönnen wir uns eine ausgiebige Dusche, Rasur, Zahn- und Hautpflege. Doch trotz all dieser Pflege ist gleich wieder Mückenrepellent angesagt, die Biester lassen einfach nicht locker. In der Rezeption schlürfen wir in mückenfreier Atmosphäre entspannt unseren Cappuccino und surfen etwas im Internet.
Gegen Ein Uhr holt uns Dean zum Fischen ab. Sein Boot im Schlepp fahren wir durch Überschwemmungsgebiet zur Bootsrampe. Mit dem Boot fahren wir in eine grüne, von Schwimmpflanzen übersäte Flusslandschaft hinein. Er erzählt recht viel über die hiesige Tier- und Pflanzenwelt, anfänglich in Idiotenenglisch, bis er offensichtlich überreisst, dass wir auch “normales” Englisch durchaus in der Lage sind zu verstehen. Bei einem in der Sonne dösenden Saltie erzählt er uns, dass die größeren Exemplare auch schon mal einen Namen bekommen. So gibt es Tripod, das dreibeinige Croc; Blacky, der Tripod das Bein abgebissen hat und seine schwarze Farbe daher hat, da er sich nur in Süßwasser aufhält. Und Pluto gibt es auch noch. Einst war ein Aborigine mit seinem Hund Pluto in den Sümpfen unterwegs. Und als Pluto von einem Croc gefressen wurde, nannte er das Krokodil Pluto. Eine etwas merkwürdige, wenn auch interessante Variante eines Grabsteines. Des Weiteren bekommen wir den einzigen heimischen Storch Australiens, den Jabaru zu sehen. Außerdem scheinen es diverse andere Vögel ebenso mit uns gut zu meinen, so jedenfalls Dean, der bisher nie so erfolgreich auf Fotosafari mit seinem Boot war. Der Rufus Night Heron lässt sich quasi von Auge zu Auge ablichten, der Forest Kingfisher macht nicht mal Anstalten zu fliehen, als wir ihn dazu aufforderten, um auch ein paar Flugbilder zu erhaschen. Eine beliebte Aborigine-Speise scheinen die Magpie Geese zu sein, die hier in Scharen vorkommen oder auch deren Eier. Die sehr farbenfrohen Rainbow Bee Eater stürzen sich vor uns ins Wasser, um fliegende Insekten zu fangen. Elegant landet ein White Bellied Seaeagle auf einem Baum, der zweitgrößte Greifvogel Australiens, und präsentiert sich majestätisch zum Fotoshooting. Der Whisteling Kite, ebenfalls ein Raubvogel, begleitet uns schon durch ganz Australien. Zweimal konnten wir ihn als erfolgreichen Jäger mit einer Schlange in den Fängen davonfliegen sehen. Immer wieder belustigen uns die Kakadus mit ihren merkwürdigen Akrobatiken im Baum. Manchmal scheint es, sie hingen in einer aussichtlosen Lage, entweder kopfüber an einem Ast oder gar nur noch am Schnabel mit Ihren Krallen nach einem rettenden Ast angelnd. Ein markerweichendes, aufgeregtes Geschrei kündigt einen Whisteling Kite an, der sogar noch die Dreistigkeit besitzt, auf dem kakadubesetzten Baum zu landen. Unter Protest wechseln die Kakadus zum Nachbarbaum. Lautes Schmatzen im Wasser, so Dean, bedeutet, dass der Barramundi wieder einen Fisch an der Wasseroberfläche eingesaugt hat. Die Jagdmethode ist nämlich ebenso einfach wie effizient. Der Barramundi reißt seine riesiges Maul auf und saugt durch den Unterdruck seine Beute einfach ein.
Es geht ans Angeln. Dean erklärt uns, dass der Wobbler (mit Haken besetzter Fischdummy) ruckartig durch das Wasser gezogen werden sollte. Dahinter vermutet der Barramundi einen kranken Fisch und stürzt sich auf ihn, so die Theorie. Er demonstriert die Praxis kurz und sehr beeindruckend, denn der erste Barrumundi hängt bereits am Haken. Dean drückt mir die Rute in die Hand und ich ziehe den 53 cm langen Barramundi an Deck. Leider liegt er mit dieser, für mich trotzdem beeindruckenden Größe, noch unter dem Fangmaß. Er wird wieder in die Freiheit entlassen. Micha und ich versuchen unser Glück und irgendwann fange ich einen, der leider mit seinen 54 cm immer noch unter den 55cm Fangmaß liegt, also zurück ins Wasser. Wir fangen weitere noch kleinere Barramundis, bis Micha unser Abendessen sichert. Mit knapp über dem Fangmaß, hat dieser Fisch leider nicht so viel Glück und wird von Dean fachmännisch getötet. Später filetiert er ihn noch für uns, wir freuen uns auf etwa ein Kilogramm Barramundi-Filet zum Dinner. Um Deans Office, wie er diesen Teil des Kakadu National Parks nennt, beneide ich ihn. Überflutete Wiesen, Seerosen, überall kreischende und gackernde Vögel, gegenüber von uns taucht ein Saltie auf und geht wieder unter. Kanufahren ist hier im Übrigen zur Sicherheit der Kanufahrer verboten, denn diese scheinen von Salties manchmal attackiert zu werden, während ein Motorboot von der Form wohl weniger einem Konkurrenten ähnelt und in der Regel unbehelligt bleibt. Trotzdem scheint auch das Motorengeräusch vom machen Salties als Knurren eines Konkurrenten aufgefasst zu werden. Es gab auch schon solche Unfälle mit Motorbooten. Wir fühlen uns jedenfalls ziemlich sicher in Deans Boot und genießen den Ausflug in vollen Zügen. Gegend Abend sorgt die Sonne für eine besondere Stimmung. Die Landschaft reflektiert sich im stillen Wasser, die Vögel machen Lärm, die Fische springen und die Fliegen sind ebenso präsent.
Unser Barramundi-Filet wird zu einem unserer köstlichsten Gerichte dieser Reise verarbeitet. Wir sind von dem zarten Fleisch überwältigt und sind uns einig, dieser Tag war definitiv einer unserer Reisehöhepunkte. Leider zwingen mich die Mücken in lange Klamotten, was unwillkürlich zu permanentem Schwitzen führt. Tja, schwitzen oder von Mücken malträtiert werden, das sind die Optionen. Trotzdem finden sie natürlich verwundbare Stellen, schon lange habe ich das Zählen den Stiche aufgegeben.
Da wir noch etwas Zeit haben, bis wir das Auto in Darwin abgeben müssen, entschließen wir uns, das Museum and Art Gallery of the Northern Territory zu besuchen. Das Museum hat einen sehr gut aufbereiteten naturhistorischen Teil, sehr viel sehr schöne Aboriginal Art und einen interessanten Teil über den Zyklon Tracey. Letzter wird unter anderem recht eindrucksvoll von Bill Bryson in seinem Buch “Frühstück mit Kängurus” beschrieben. Es gibt beispielsweise einen winzigen Raum, der stockdunkel ist und in dem in heftiger Lautstärke Originalaufnahmen von dem Sturm abgespielt werden, der 1974 Darwin fast komplett dem Erdboden gleich machte. Da ist man dann doch froh, wenn man heil und unversehrt das Museum wieder verlassen kann.
In der wenigen verbleibenden Zeit fahren wir noch an den East Point, entschließen uns dann aber, das Militärmuseum auszulassen, da die Zeit etwas knapp wird und uns das Militärische auch nicht allzu sehr interessiert…
Wir fahren also weiter zum Partnergeschäft des TCC, das die Rückgabe des Autos abwickelt. Nach langen treuen Diensten war es dann so weit: Wir müssen unseren Toyota LandCruiser wieder abgeben. 8442km weit hat er uns durch Australien gebracht. Manchmal über geteerte Strassen, aber oft auch in unwegsamem Gelände - immer zuverlässig aber sehr durstig. Unter 15l/100km war nichts zu machen. Dennoch beschleicht uns ein wenig Wehmut, da nun der Hauptteil unserer Australienreise, endgültig zu Ende ist.
Der nette Mitarbeiter der Autofirma hat noch mal alles mit uns durchgecheckt und dann ging es im Taxi zum Flughafen. Der für die nächsten langen Stunden erstmal unser Zuhause ist, da unser Flug erst um 1:40 Uhr nachts weitergeht. Wir nutzen die Zeit, um einige unserer zahlreichen Fotos zu beschriften und ein paar ältere Blogartikel fertig zu stellen. Außerdem kann man sich, wenn man lange genug an einem Flughafen herumsitzt ja auch prächtig langweilen, was wir ausgiebig taten. Irgendwann war es dann so weit und unser “halte den Passagier eine ganze Nacht lang wach”-Flug über Brisbane nach Cairns konnte starten.
Ziemlich übermüdet kommen wir in Cairns an, erkundigen uns am Flughafen nach einem Shuttle Service und nach versprochenen 10-15 Minuten, die Michas Uhr nach dann doch eher einer halben bis dreiviertel Stunde glichen, kommt unser Shuttle Service, der uns in unser Hotel, das Bay Village Tropical Retreat, bringt.
Wir machen eine kleine Erholungspause und beschliessen, Cairns zu erkunden. Entlang der Esplanade machen wir uns auf den Weg ins City Center, und schon sehr bald stellen wir fest, dass Cairns ein Ort ist, in dem man es wirklich aushalten kann. Entlang der Esplanade sind überall kleine Rastplätzchen mit öffentlichen, kostenlosen Gasgrills, an denen man sich sein BBQ bereiten kann. Ein Weilchen weiter kommt ein öffentlichen Freibad, das ebenfalls für jedermann kostenlos ist.
Da wir doch schon recht hungrig sind, bestellen wir gleich beim ersten Restaurant, das auf unserem dem Weg liegt, etwas zu essen. Leider ist das erst Beste nicht immer Beste. Nachdem wir im Anschluss ein wesentlich gemütlicheres Cafè aufsuchen, merken wir, dass das erst beste Restaurant offensichtlich ein echter Griff in Klo. Naja, wenigstens wurden wir einigermaßen satt, das war aber auch schon alles, was man dem Gutes abgewinnen konnte.
Auf dem Nachhauseweg zum Hotel schlendern wir an einem Didgeridoo-Geschäft vorbei und da fällt uns ein, dass wir ja noch eine CD mit authentischer Aboriginal-Musik kaufen wollten. Wir beginnen also ein Gespräch mit dem Ladeninhaber, der übrigens mit einer Deutschen verheiratet ist und Nürnberg nicht kennt, wohl aber Erlangen, und wenige Minuten später stehen wir mitten drin in unserer ersten Didgeridoo-Übungsstunde. Nach einer Weile kommen die ersten Erfolge, Töne die tatsächlich nach Didgeridoo klingen. Nach wiederum einer etwas längeren Weile gelingt es uns dann auch, ansatzweise die komplizierte Zirkuläratmung zu meistern und wir entschliessen uns zum Kauf eines Didge, wie der Australier zu sagen pflegt.
Etwas später kommen wir noch in den Genuss eines echten Essens, 2mal Fish and Chips für den Preis von einem und diesmal wirklich lecker! Und weil der Abend noch jung ist, nehmen wir gleich noch mal Didgeridoo-Unterricht …
Relativ pünktlich um 8 steht der Abholservice vom Cairns Dive Center vor der Türe, um uns zu unserem 2tägigen Tauch/Schnorcheltrip abzuholen. Ein netter Fahrer mit unverkennbarem Schweizer Akzent brachte uns zum Büro von CDC, wo wir den Papierkram erledigen und unser erstes Briefing bezüglich der Überfahrt zur Kanguru Explorer, unserem Schiff für die nächsten zwei Tage, erhalten. Und diese Überfahrt hat es in sich. Trotz Mittelchen gegen Seekrankheit, geht es mir wirklich dreckig. Micha hat die bumpy sea relativ gut weggesteckt. Beneidenswert! Ich konnte mir schlussendlich nur damit behelfen, die Augen zu schließen und zu hoffen in ein paar Sekundenschläfchen zu fallen. Irgendwann hat bei den Engländern an Bord das lustige Wettkotzen in die freundlicherweise bereitgestellten Auffangtüten begonnen. Irgendwie konnte ich den Gedanken nicht verdrängen, dass das gleiche mir vermutlich auf der Rückfahrt wieder bevorsteht.
An Bord der Kanguru Explorer angekommen, werden wir von einer freundlichen Crew begrüßt und wenig später sind wir auch schon zu unserem ersten Schnorchelgang bzw. Tauchgang im Wasser.
| Tauchgang | Datum | Tiefe [m] | Dauer [min] | Ort | Bemerkungen |
| 172 | 01.05.2008 | 18,4 | 33 | GBR/Briggs | Wassertemperatur 24°C |
| 173 | 01.05.2008 | 7,7 | 32 | GBR/Fish Bowl | Stachelrochen, Schwarm Barrakudas, Weißspitzen-Riffhai |
| 174 | 01.05.2008 | 8 | 31 | GBR/Fish Bowl | Nachttauchgang: große Brassen jagen im Lichtkegel Kugelfisch, schlafender Papageifisch |
Und - die Welt ist klein - wir treffen auf dem Schiff Christina und Nils wieder, die wir schon in Coober Pedy getroffen hatten.
Der zweite Tag an Bord der Kanguru Explorer geht schon recht zeitig los: um 5:30 ertönt der Weckruf für den Morning Dive. Micha probiert die in Cairns ausgeliehene Unterwasser-Videokamera aus und geht schnorcheln.
| Tauchgang | Datum | Tiefe [m] | Dauer [min] | Ort | Bemerkungen |
| 175 | 02.05.2008 | 13,3 | 39 | GBR/Fish Bowl | Schildkröte gestreichelt, Stachelrochen |
| 176 | 02.05.2008 | 16,6 | 34 | GBR/Fish Bowl | Strömungstauchen: mit Boot raus gefahren und mit Strömung wieder zurück, Flötenfisch |
| 177 | 02.05.2008 | 13 | 36 | GBR/Turtle Bay | Schildkrötenfilm gedreht |
Leider war die Sicht die zwei Tage über nicht so überwältigend, weshalb ich etwas enttäuscht vom Great Barrier Reef bin. Nun ja, die raue See wühlt natürlich auch Sediment auf. Nur des Tauchens wegen, würde ich mir diese Reisestrapaze nicht mehr antun, allerdings wenn man schon mal in Australien ist, ist Tauchen am GBR natürlich ein Muss.
Vor der Überfahrt zum Hafen beschließen wir beide, prophylaktisch etwas gegen die Seekrankheit einzunehmen und tatsächlich wird die Fahrt recht rauh. Aber das Mittel wirkt, ich fühle mich bei der Ankunft immer noch topfit, nicht der Anflug von Übelkeit wollte sich einstellen, und das ist auch gut so! Nach dem die Videokamera zurück gegeben ist, schlendern wir mit einem Eis langsam zurück zum Hotel. Denn um 18 Uhr bereits rächt sich das Geschaukel der letzten Nacht - wir hatten deshalb kaum geschlafen - und fallen ins Bett und schlafen bis zum nächsten Morgen.
Viel Zeit bleibt uns in Cairns nicht mehr und so kehren wir nach einem kurzen Ausflug in ein Eiskaffee in der City wieder ins Hotel zurück, unsere Siebensachen hatten wir schon am Morgen gepackt, checken aus und lassen uns vom Shuttle Service zum Flughafen bringen.
Die Security in Cairns nimmt es besonders genau und so durfte Micha meine Zahnpastatube in der deutlich erkennbar nur noch ein kleiner Rest Zahnpasta enthalten war, nicht im Handgepäck lassen. Die Tube kann mehr als 100 ml fassen, auch wenn sie leer ist. Wir sind sehr erleichtert, dass denen das aufgefallen ist. Wir fühlen uns vor den bösen Zahnpasta-Terroristen doch gleich viel sicherer! Nach dem Durchleuchten der Tasche fängt die nette Dame wieder eine Diskussion an, denn Micha hat noch eine angebrochene 10g Tube Bepanthen Nasensalbe, die nicht in einer wiederverschließbaren Plastiktüte ist und Ihrer Definition nach fällt das unter Gel und Flüssigkeiten. Die Tatsache, dass Micha damit nach und auch innerhalb Australiens rum geflogen ist, zählt nicht und so muss er sich von weiteren Teilen seines Gepäcks trennen. Währenddessen werde ich wieder mal nach Sprengstoff untersucht, nun schon das zweite Mal. Reichlich genervt machen wir uns auf den Weg zum Gate, essen noch eine Kleinigkeit und wollen ins Flugzeug einsteigen. Micha war schon fast drinnen, da fällt dem Mitarbeiter von JetStar, die den Quantas-Flug übernommen hatten auf, dass seine Handgepäckstasche doch recht schwer aussieht. Er hebt sie hoch und sagt nur: “Viel zu schwer!” Netterweise darf Micha noch herausnehmen was er für den Flug braucht. Der Koffer muss eingecheckt werden.
Nach ein paar Stunden Flug erreichen wir dann Singapur und da wir genügend Wartezeit haben, wollen wir das kostenlose Internet am Flughafen nutzen. Das funktioniert ganz einfach, man meldet sich einmal an und bekommt dann ein Passwort per SMS zugesendet. Also greift Micha in seine Hosentasche um das Handy rauszunehmen und was stellt er fest? Ist das Handy mit der ganzen Aktion am Flughafen in Cairns irgendwo liegengeblieben?
Fazit: Ein super Urlaub, sehr schöne Eindrücke von Landschaft, Natur und Tierwelt. Nur leider sind 5 Wochen viel zu kurz, um nur auch annähernd entspannt reisen zu können. Ach ja, das Handy wurde tatsächlich in Cairns am Flughafen gefunden und zurückgeschickt - Happy End!