von
Michael Pophal
Freitag, 14. Oktober 2005, Nürnberg - Genua
Abfahrt Punkt 12 Uhr. Meike beendet die Arbeit vor Mittag, um in das bereits beladene Auto einzusteigen. Wir holen Holgi ab, in Behringersdorf wird die heute noch schnell organisierte „Grüne Versicherungskarte“ geholt, und ab auf die Autobahn Richtung Genua. Mein neu erworbenes GPS macht Schwierigkeiten und stürzt mehrmals ab – Windows CE. Boot tut gut. Beim vielen An- und Ausschalten des Lichtes wegen der Tunnel hat sich irgendwann vermutlich eine Sicherung verabschiedet. Jedenfalls bemerken wir bei Einbruch der Dunkelheit, dass nur noch das Standlicht und auch keine Lüftung mehr geht. Rumfummeln am Sicherungskasten löst das Problem temporär. Dafür fällt das Radio für die gesamte Reise aus. In Genua verabschiedet sich abermals das GPS. Die Navigation erfolgt freihändig. Die 23 Uhr-Fähre nach Palermo erreichen wir locker und schlendern auf der fast leeren Fähre umher [Nürnberg – Genua: ca. 760 km, Fahrzeit 8 ½ Stunden, Fährpreis für 3 Personen und 1 PKW: 880 €].
Samstag, 15. Oktober 2005, Palermo - Pozzallo
Nach 19 ½ Stunden erreichen wir gegen 18.30 Uhr Palermo. Das GPS bekommt seine nächste Chance. Catania ist das Ziel. Nach wenigen Ecken stecken wir im dicksten Verkehr der Innenstadt. Wenige Minuten später verschwinden wir in den schmalen Häuserschluchten Palermos. „Überprüfen Sie Ihre Antenne“ tönt es aus dem GPS. Wir stecken in einer engen Gasse, hinter uns beginnt es zu hupen. Meike verweigert die Weiterfahrt. Ich übernehme: Spiegel einklappen und ab durch´s Nadelöhr. Mit Rangieren kommen wir aus der Misere.
Wir entscheiden uns, Catania links liegen zu lassen und den Fährplan nach Malta in Sirakusa zu suchen. Unsere Irrfahrt in Sirakusa bleibt jedoch erfolglos. Es fährt gar keine Fähre mehr von Sirakusa nach Malta! Wir fahren daher weiter nach Pozzallo im Südosten Sizilens. Eine Baustelle wird dabei mit dem GPS elegant über Feld- und Baustellenwege umfahren.
In Pozzallo gibt es keine Informationen am Hafen. Es ist mittlerweile 2.00 Uhr morgens, und die Schlafplatzsuche gestaltet sich als extrem schwierig bis aussichtslos. Alle Hotels oder „Bed & Breakfast“ sind in der Nachsaison bereits zu. Erst der letzte Versuch am "Hotel Continental" ist erfolgreich. Wir schlafen erst gegen 3.30 Uhr ein, nachdem wir den aktuellen Fährplan im Hotel studiert haben. Entgegen unseren Erwartungen fahren die Fähren nicht mehrmals täglich, sondern nur dreimal die Woche, d.h. die nächste erst in zwei Tagen am Montag Abend. Frust macht sich breit.
Sonntag, 16.
Oktober 2005, Sirakusa - Nicolosi
Wunderbares Wetter erwartet uns. Gegen Mittag bekommen wir unser Frühstück. Zuvor waren Meike und Holgi noch am Hafen, um den Fährplan zu prüfen. Beim Auschecken erliegen wir einem Lachkrampf, nachdem wir die Hinweisschilder des Hotels lesen, die ausnehmend originell ins Deutsche übersetzt wurden. Wir fahren nach Sirakusa, schlendern durch die Altstadt „Ortigia“. Anschließend besuchen wir die Ausgrabungsstätten des „Parco archeologico della Neapoli“ mit griechischen und römischen Theatern. Bei ca. 27°C ist es fast zu heiß, und Schatten tut gut. Der morgige Tag wird dem Ätna gewidmet, also fahren wir weiter Richtung Norden hinter Catania. Von weitem erkennt man schon die Silhouette des einzig aktiven Vulkans Europas. Seine Ausdünstungen erzeugen die ständig anwesenden Schleier und Wolken. 2001 war der letzte große Ausbruch, der die Bergstation und die Seilbahn zum Opfer fielen! In Nicolosi im "Hotel Palace" mieten wir uns ein. Blick aufs Meer und auf den Ätna bei Vollmond. Holgi und ich gönnen uns die nicht ganz billige Sauna für 10 € pro Person. In einer Pizzeria lassen wir den Abend bei Rotwein und einer Riesenpizza ausklingen. Wir haben unsere Pässe im Hotel in Pozzallo vergessen und müssen diese morgen abholen.
Montag, 17.
Oktober 2005, Ätna - Pozzallo
Nach dem Frühstück fahren wir zur Bergstation am Ätna. Der Touristenauflauf weist den richtigen Weg. Auf Marienkäfern gebettet laufen wir zur Seilbahn und für sage und schreibe bescheidene 42.50 € dürfen wir uns nahe des Gipfels kutschieren lassen. Zuerst Seilbahn, dann Geländebus, und dann 500 m Trekking zu einem Nebenkrater. Etwas overdressed mit unseren Wanderklamotten folgen wir der Masse durch die Schwaden des Ätna. Relativ wenig spektakulär, was es zu sehen gibt. Allerdings vermittelt die schwarze öde Landschaft inmitten der Schwaden einen etwas unheimlichen Eindruck. Der Wind pfeift mit einer Kraft, dass wir uns richtig dagegenstemmen müssen. Die Kälte zieht schnell in alle Klamotten.
Auf dem Rückweg nach Pozzallo sammeln wir noch ein paar Ätna-Aquariensteine und fotografieren eine kleine Schlange, die sich etwas hilflos über den Asphalt quält. Wir besichtigen die Barockstädtchen Noto und Ispica. In Pozzallo verbringen wir den Abend am Hafen in der freudigen Erwartung der bevorstehenden Überfahrt. Die Laune sinkt gegen Null, als wir erfahren, dass die Fähre bis Ende der Woche ausgebucht ist. Außerdem scheint die Eigentümerschaft des Autos Probleme zu bereiten. Wir benötigen also noch von Meikes Mutter eine Bestätigung, dass das Auto in ein Land außerhalb des Schengener Abkommens ausgeführt werden darf. Morgen erfahren wir, ob es diese Woche noch eine Sonderfähre gibt. Wir übernachten wieder im „Continental“.
Dienstag, 18. Oktober 2005, Pozzallo – Marina di Ragusa
Es regnet immer wieder den ganzen Tag. Im Büro von VirtuFerries erfahren wir von Alberto von der morgigen Sonderfähre und löhnen 464 € für unsere Passage nach Malta. Im Internetcafé versorgen wir uns noch mit einigen Infos und machen eine Rundtour über Cava d´Ispica, Modica und Ragusa nach Marina di Ragusa. Dort übernachten wir bei Bed & Breakfast.
Mittwoch, 19. Oktober 2005, Marina di Ragusa – Pozzallo – Malta
Von Marina die Ragusa fahren wir an der Küstenstraße entlang nach Pozzallo. Ein kleiner Strandspaziergang unterbricht die Fahrerei kurz. Die Stimmung ist gespannt, da die Fahrzeugformalitäten heute Abend unserem Gozo-Aufenthalt einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Trotz aller Unkenrufe klappt das Einchecken ohne Schwierigkeiten. Jedoch bereitet die Weiterfahrt in Malta Probleme. Die Beschilderung verwirrt, und so sind wir im Nu am entgegengesetzten Ende der Insel. Die 24 Uhr-Fähre nach Gozo können wir knicken. Während Meike voll und ganz mit dem Linksverkehr beschäftigt ist, versuchen wir, anhand von Landkarte und Landmarken unsere Position zu bestimmen. Die Stoßdämpfer des Golf ächzen und krachen. Wir eiern im Schneckentempo über die schlechten Straßen Maltas. Eine Umleitung führt uns abermals in die Irre, aus der uns freundliche Malteser herauseskortieren. Um 01.45 Uhr nehmen wir die Fähre nach Gozo. In Marsalforn bekommen wir im Taucherhotel "Atlantis" ein großes Appartment, das ich glücklicherweise gestern noch gebucht hatte. Für die Planung der Tauchgänge auf Gozo können wir wärmstens den Tauchführer von Klaus Tegge empfehlen, der per Internet bestellt werden kann.
Donnerstag,
20. Oktober 2005, 1. Tauchgang (Blue Hole I)
Wir schlafen aus, frühstücken gemütlich und klären anschließend die Formalitäten. Mit unseren 12 l-Flaschen und komplett aufgerödelt wackeln wir völlig überhitzt über scharfkantige Felsen zum „Blue Hole“. Nach einer kurzen Erholungspause geht es in die Tiefe. Ein großer Torbogen gibt den weg ins offene Meer frei. Richtung NW folgend umkreisen wir das Azur Window und sind viel zu schnell am Blue Hole zurück. Die Sicht ist super, der Fischbestand karg. Lippfische, ein paar Barsche und Konsorten – das war´s. Das Blue Hole endet in einer großen Höhle, die wir uns noch genauer ansehen. Der Himmel ist nur von ein paar Wolken bedeckt, sodass genügend Licht das Blue Hole in schöne Blautöne tüncht.
Heute kämpfe ich mit dem Linksverkehr, und die eine oder andere Ermahnung von Meike erinnert mich daran. In Marsalforn genießen wir bei Cappuccino und Kuchen die laue Abendluft. Abends kochen wir noch Spaghetti mit Gemüse und Tomatensauce und ordentlich Knoblauch. Log- und Tagebuchschreiben lassen den Abend im Nu verstreichen.
Freitag, 21. Oktober 2005, 2. Tauchgang (Double Arches I)
Gemütliches Frühstück und Abtauchen am frühen Nachmittag. Die Tauchstrecke zu den Double Arches zieht sich, und leider ist der Luftvorrat bei den Bögen schon halbiert. Zwei übereinander liegende Brücken werden von uns durchtaucht. Riesige Fischschwärme bewegen sich in Wirbeln bei den Angriffen von Räubern. Auf Grund der ca. 30 m Tiefe und der Anstrengungen beim Antauchen verbleibt nicht viel Zeit bei den Bögen. Der Rückweg geht wieder über die Seegraswiesen in ca. 15 m Tiefe exakt Richtung Süden. Auf Grund der leichten Drift verfehlen wir den Einstieg und steigen am Steg aus, der von Tauchschulen häufig benutzt wird. Der Tauchgang hat vollends für die Anstrengungen entschädigt und wird voraussichtlich auch unser morgiges Ziel.
Bei einer Latte Macchiato besprechen wir den Tauchgang und das Abendessen: Es gibt Bohneneintopf mit 1 Knolle Knoblauch, Speck, Zwiebeln und Brot. Den Abend verbringen wir beim Skatspiel.
Leider versagt Holgis UW-Kamera oft den Dienst, sodass die Bilderausbeute zunächst sehr klein bleibt.
Samstag, 22.
Oktober 2005, 3. Tauchgang (Anchor Reef), 4.
Tauchgang (Gharsi Valley)
Der heute geplante Nitrox-Tauchgang fällt aus, da kein O2‑Messgerät zur Verfügung steht. Wir entscheiden uns stattdessen für das Anchor Reef. Wir tauchen an einem Steilhang Richtung Osten. Unterwegs macht sich eine Bleitasche von Holger selbständig und schlägt 10 m tiefer ein. Meike birgt das Blei, und ich montiere es wieder. Bei ca. 23°C Wassertemperatur kommt man selbst nach 65 Minuten noch völlig warm aus dem Wasser. Wir steigen in der Xwieni Bay am Betonsteg aus.
Zwischen diesem und dem nächsten Tauchgang machen wir Mittagspause mit den Bohnen von gestern und einem Schläfchen. Der Nachmittagstauchgang findet im Gharsi Valley statt. Dieser Einschnitt geht ins offene Meer. Leider ist die Sicht bis zum Meer ziemlich schlecht. Aber dann eröffnet es sich in tiefem Blau. Etwas rechts nach der Einmündung ist eine große Grotte, die zwar nur unter Wasser erreicht werden kann, im Inneren aber eine mit Luft gefüllte Kuppel hat. Durch den Torbogen kommt blaues Licht von außen, und die Wellen plätschern und hallen. Ein wunderschöner Platz mit eindrucksvoller Atmosphäre! Kurz nach dem Verlassen der Höhle verabschiedet sich die Bleitasche von Holger endgültig. Der Aufstieg zum Auto ist mit der kompletten Ausrüstung ziemlich anstrengend.
Nach dem Duschen lassen wir uns im Restaurant "Il Kartell" bei Fisch verwöhnen (22 LM).
Sonntag, 23. Oktober 2005, 5. Tauchgang (Double Arches II) bei Strömung mit Nitrox
Heute ist unser erster Nitrox-Tauchgang (EAN 32). Wir wollen abermals die wunderschöne UW‑Landschaft der Double Arches genießen. Da die Tiefe dort ca. 30 m beträgt, lässt Nitrox das Tauchen in dieser Tiefe länger zu. Der Einstieg erweist sich bei Wellengang als schwierig. Die ersten 100 m schnorcheln wir, damit für die Arches noch genügend Luft zur Verfügung steht. Auch das Schnorcheln ist ziemlich anstrengend wegen der Wellen. Ca. 100 m nach dem Abtauchen erscheinen die Bögen, und die vielen Fischschwärme faszinieren uns. Wir tauchen ein in riesige Schwärme von Mönchsfischen und durchtauchen den oberen Bogen. Hinter den Bögen an der Steilwand bemerke ich eine relativ starke Strömung und versuche deshalb, ihr durch Umtauchen der Felsen zu umgehen. Wir treten schließlich wegen der zunehmenden Strömung den Rückweg an. Unser Ausstieg liegt exakt Kurs Richtung Süd. Doch trotz 30° vorhaltens treibt uns die Drift vorbei an unserem Ziel, und die Xwieni Bay ist abermals unser Ausstieg.
Dieser anstrengende Tauchgang hat an den Luftreserven gezehrt. Trotz der Anstrengungen bleiben die Kopfschmerzen aus - dank Nitrox.
Die Sonne verwöhnt uns heute bei strahlend blauem Himmel. Am Hafen trinken wir Café Latte und essen eine Kleinigkeit. An der Tauchbasis „Atlantis“ reinigen wir unser Equipment und lagern es. Wir spielen bis 1 Uhr Karten.
Montag, 24.
Oktober 2005, 6. Tauchgang (Inland Sea I), 7.
Tauchgang (Blue Hole II)
Mit Frühstück, Flaschen holen und Sauerstoff messen und schließlich Tauchgerödel anziehen wird es 11.30 Uhr, bis wir ins Wasser kommen. Wir tauchen vom Inland Sea durch einen Tunnel, der auch von Touristenbooten benutzt wird, und gelangen ins offene Meer. Die blauen Schimmer deuten das Ende des dunklen Tunnels an. Danach haben wir eine super Sicht und tauchen links an der Steilwand. Die Fische sind sehr kooperativ und lassen sich fotografieren. Wir durchtauchen riesige Fischschwärme und werden gegen Ende des Tauchgangs noch durch den Anblick eines Barrakudas belohnt. Zurück geht es wieder durch den Tunnel in den Inland Sea. Die Sicht dort zwingt zum Auftauchen. Wir essen kurz etwas, tauschen die Flaschen und steigen kurz vor 16.00 Uhr nochmals ins Wasser.
Diesmal wählen wir am Dwejra Point einen Platz links vom Blue Hole. Coral Cave ist unser Ziel, jedoch werden wir nicht hineintauchen, da unsere Tauchlampen nicht geladen sind. Durch ein Labyrinth an Felsen und Klippen gelangen wir plötzlich über einen ca. 50 m tiefen Abbruch ins offene Meer. Auf dem Weg zur Coral Cave werden wir Zeugen von Makrelenangriffen auf riesige Fischschwärme. Wie von Magneten gelenkte Eisenspäne teilt und verwirbelt sich der Schwarm, um sich anschließend wieder blitzschnell zu vereinen. Diese Attacken finden mehrmals statt. Aus dem Nichts kommen kleinere Gruppen dieser Raubfische, stoßen in den Schwarm und verschwinden wieder in der blauen Tiefe. Auf dem Rückweg von der Coral Cave sehen wir noch einen ca. 1 m langen Zackenbarsch durch die Felsen streifen. Den Rückweg durchs Labyrinth finde ich leider nicht auf Anhieb, und so muss ich nach einem Dekostopp zur Orientierung kurz auftauchen. Wenige Meter zum Ausstieg fehlten nur.
In Victoria kehren wir nach Meikes sunset session noch für einen Snack in einer Bar ein. Trotz zweier Nitrox-Tauchgänge bin ich abends ziemlich müde, Postkartenschreiben wartet noch auf mich.
Dienstag, 25. Oktober 2005, 8. Tauchgang (Inland Sea II)
Wir gehen den Tag gemütlich an, es ist nur ein Tauchgang geplant. Erst um 13.30 Uhr kommen wir ins Wasser. Wegen heftigen Wellengangs ist heute keiner der Nord- und Südtauchplätze empfohlen. Wir weichen, wie wohl der Rest der Gozo-Taucher, auf den Inland Sea aus. Die Sicht im See ist gleich Null, erst im Tunnel wird es klarer. Wir biegen zuerst nach rechts ab, kehren zurück und betauchen anschließend die linke Steilwand. Der Tauchgang brachte nichts Neues, außer mir die Erkenntnis, dass auch meine Psyche mich im Stich lassen kann. Aus unerklärlichen Gründen bekam ich Beklemmungen und atmete wie ein Ross, deshalb sind wir auch umgekehrt. Erst auf dem Rückweg entspannte sich die Lage, und die linke Steilwand konnte betaucht werden.
In Victoria laufen wir noch durch die alte Festung „Citadel“ und schauen uns die Insel Gozo von weiter oben an. Viele kleine Läden sind in dieser Altstadt anzutreffen, aber nichts, was den Zeitgeist dieser alten Anlage stört.
Wir kaufen ein und machen Spaghetti mit Käsesauce. Der Versuch, den Malta/Gozo-Aufenthalt zu verlängern, scheitert. Die Fähre Malta-Sizilien ist bereits bis 5.11. ausgebucht.
Mittwoch, 26. Oktober 2005, 9. Tauchgang (Ta´Cenc), 10. Tauchgang (Xwieni Bay bei Nacht)
Zwei Tauchgänge
sind heute geplant. Ta´Cenc liegt im Süden der Insel und zieht sich wie ein
Fjord etwas ins Land hinein. Den Weg dorthin über Privatgelände müssen wir zum
Teil erraten. Anschließend Abstieg mit dem gesamten Tauchgerödel zum Wasser. Wir
treffen Deutsche dort, die bestätigen, dass außerhalb des Fjords an der
Steilwand keine Strömung herrscht. Die Steilwand gibt nicht viel her, und so
durchkämmen wir stattdessen den Sand- und Seegrasuntergrund und werden fündig.
Weitaugenbutts, optimal an den Sandboden angepasst, geben sich nur zu erkennen,
wenn sie sich bewegen. Danach verschmelzen sie sofort wieder mit ihrer Umgebung.
Eidechsenfische liegen ebenfalls regungslos auf dem Boden und verschwinden erst,
wenn man ihnen zu nahe kommt. Einsiedlerkrebse krabbeln mit ihrem geliehenen
Gehäuse über Felsen. Holger entdeckt noch einen Octopus, der zusammengekauert in
seiner Höhle sitzt und vermutlich das Schlimmste von uns erwartet. Beim Umdrehen
von Steinen tauchen noch Schlangensterne auf. Der Tauchgang ist mittlerweile so
spannend, dass wir dabei fast die Zeit und die Luft vergessen. Nach einer Stunde
und mit 40 bar kommen wir aus dem Wasser.
Zu unserem Nachttauchgang ist noch genügend Zeit. Die verbringen wir z. T. im Café und mit Lesen am Hotelpool. Ein Zeitvertreib außer Tauchen ist uns auf Gozo noch nicht aufgefallen.
Um halb sieben machen wir uns fertig für den Nachttauchgang. Im Norden scheint ein Unwetter zu toben. Blitze zucken und schlagen am Horizont ein. Donner ist nicht zu hören, also scheint das Gewitter weit genug entfernt, um gefahrlos zu tauchen. Das Meer ist etwas unruhiger als sonst, Wellen brechen sich vor der Xwieni-Bucht. Wir tauchen raus, und die Wellen schwappen uns selbst in fast 10 m Tiefe noch umher. Erst auf dem Rückweg tun sich Höhepunkte auf. In meinem Scheinwerferkegel findet sich ein Flughahn. Mit seinen weit gespreizten, flügelähnlichen Brustflossen sitzt er etwas träge auf dem Sandboden. Vermutlich vom Licht geblendet, bleibt er erst einmal regungslos sitzen, bis er sich wie ein Vogel durch´s Wasser gleitend davon macht. Wir verfolgen ihn noch ein Stück seines Weges. Meike entdeckt einen Octopus nach dem anderen. Einer lässt sich sogar zu einem Tintenspritzer provozieren. Auf die Hand möchte er sich jedoch nicht setzen. Nachttauchgänge werden leider meist durch die Akku-Kapazität der Lampen begrenzt, und so leuchtet meine Kontrollleuchte schon seit ein paar Minuten rot.
Wir beenden den Tauchgang, liefern die Nitrox-Flaschen ab, waschen unsere Ausrüstung und essen die restlichen Nudeln von gestern. Seitdem wir mit Nitrox tauchen, haben sich meine Après-Kopfschmerzen verabschiedet.
Donnerstag, 27. Oktober 2005, Faulenzen auf Gozo
Heute bleiben die Tauchsachen trocken. Morgen früh um 2.45 Uhr werden wir einen Teil der Rückreise antreten und deshalb das ohnehin schon überladene Auto nicht mit den nassen Klamotten noch mehr in die Federn drücken. Am Hafen gibt´s einen Cappuccino, den Nachmittag verbringen wir mit Lesen und Schauen am Pool. Die bis dato unbekannten Kosten von Hotel und Tauchbasis werden beglichen. Die rund 670 € erscheinen uns zwar etwas viel, aber der Service war sehr gut, und alles lief unkompliziert ab. Unbedingt empfehlenswert (Hotel und Tauchbasis "Atlantis", Marsalforn)!
Nach der Reinigung des Apartments geben wir uns am Abend direkt am Meer nochmals der Völlerei hin. Fischsuppe, Fisch, Lamm, Pizza, und zum Abschluss einen Cappuccino. Mit 55 € begleichen wir die Rechnung und sind zufrieden. Es steht eine kurze Nacht bevor, deshalb gehen wir früh zu Bett.
Freitag, 28. Oktober 2005, Reise nach Sizilien
Um die Fähre nach Sizilien rechtzeitig erreichen zu können, müssen wir um 3.45 Uhr die Fähre von Gozo nach Malta nehmen. Die Fahrt durch Malta nach Valetta entpuppt sich wieder als mittlere Katastrophe. Der direkte Weg ist wegen Baustellen gesperrt, und so sind wir wieder – wie auf der Hinfahrt – mitten auf Malta ohne Beschilderung im Dunkeln auf Wegsuche. Nach den Sternen navigierend, da kein Kompass griffbereit ist, und Passanten fragend erreichen wir schließlich den Hafen. Der Film „Johnny English“ verkürzt die Überfahrt nach Sizilien. Im Berufsverkehr quälen wir uns nach Taormina und suchen sowohl eine Tauchbasis als natürlich auch eine Unterkunft. Die Tauchbasis "Naxos Diving Center" in Taormina ist schnell gefunden. Um die Pension „Caudullo“ [Via L. Rizzo 37, 98037 Letojanni, Tel. 0942-36381] in Letojanni zu finden, mussten wir schon deutlich länger suchen. Zum einen, weil es absolute Nebensaison ist, und zu anderen die noch offenen Herbergen nicht unseren Preisvorstellungen entsprachen. Unsere Unterkunft entpuppt sich jedoch schließlich als Glücksgriff. Abends gehen wir in einem gemütlichen Strandrestaurant essen, bei dem wir vor ein paar Stunden noch Eisbecher an unseren Tisch bringen ließen. Im Internetcafé wurden noch die bisherigen Tauchbilder auf CD gebrannt, um auf der Speicherkarte Kapazität für die morgigen Tauchgänge zu schaffen. Der Preis von 11 € für diesen Service überrascht uns allerdings sehr.
Samstag, 29.
Oktober 2005, 11. Tauchgang (Grotta Azurra), 12.
Tauchgang (Isola Bella I)
Wir treffen uns um 9.30 Uhr an der Tauchbasis mit unserem Guide Angelo und fahren mit dem Boot zum ersten Tauchplatz. Wir betauchen eine Grotte und finden bald die erste Muräne, zuerst freischwimmend, doch dann, von unseren Tauchlampen erschreckt, in einer Spalte der Grotte verschwindend. Schnell ist von der ca. 100 cm langen Muräne nichts mehr zu sehen. Am Grund stehen große Muscheln. Wir verlassen die Grotte durch eine seitliche Öffnung und tauchen stetig ab bis auf 30 m. Währenddessen finden wir noch weitere Muränen und einen Octopus. Auf dem Rückweg ärgert unser Guide noch einen Octopus, in dem er ihn auf seine Hand setzt und ihn immer wieder an der Flucht hindert. Ständig steigen Wolken aus Tinte auf, was dem armen Kerl nur leider nicht viel hilft. Im Flachwasser wird noch ein Seeigel den plötzlich ausschwärmenden Lippfischen geopfert. Mit der Tauchlampe wir der Igel zertrümmert, und ein wilder Schwarm pickt den Igel in Sekundenschnelle leer. Ein buntes Gewimmel aus großen und kleinen Fischen wird aus dieser „Opfergabe“.
Nach einer Mittagspause geht es zum zweiten Tauchplatz. Durch ein Labyrinth aus Felsen, Löchern, Canyons und Tunnels führt uns unser Guide durch den Tauchgang. Gleich zu Anfang wartet ein riesiger Zackenbarsch regungslos auf einem Fels. Doch Fotografieren gefiel ihm leider nicht. Eine Seenadel liegt wie ein Seegrashalm regungslos auf dem Sandgrund. Das Octopus-Spiel wiederholt sich, jetzt allerdings unter Holgis Regie.
Mit der Seilbahn gelangen wir in die Altstadt von Taormina und lassen uns in einem Café mit einem 4 €-Cappu neppen. Wir schlendern durch die mit Souvenirläden gesäumten Gassen. Im Café „Ciao Ciao“ gehen wir zum Tagesabschluss essen.
Sonntag,
30.10.2005, 13. Tauchgang (Meermaid Rock), 14. Tauchgang (Roman Collums), 15. Tauchgang (Isola
Bella II)
Das Wetter hat uns tatsächlich den kompletten Urlaub hindurch mit Sonne verwöhnt, so auch heute. Lediglich in den ersten Tagen hatten wir einmal Regen. Jedenfalls wurden wir von den durchschnittlichen neun Regentagen im Oktober verschont. An den meisten Tagen war es eigentlich schon fast zu heiß. Der deutsche Sommer könnte sich ein Scheibchen abschneiden von diesem sizilianischen Herbst.
Unser erster Tauchgang am Mermaid Rock wurde scheinbar nur wegen der Tiefe ausgewählt. Angelo, unser Guide, erklärt uns, dass er diesen Tauchgang nur 3-4 mal im Jahr macht, weil das Niveau der Tauchgäste offensichtlich zu unterschiedlich ist. Er scheint unser Können an unserem Luftverbrauch zu messen, denn mehr kennt er nicht von uns. Es geht ziemlich rasch auf 25 m Tiefe. Der Fels steht im offenen Meer und wird entsprechend umströmt. Nach Durchtauchen einer Versturzhöhle erreichen wir 35 m. Es gibt außer ein paar Garnelen und einer Babymuräne nichts weiter zu sehen. Angelo verspeist noch unter Wasser den Rogen von Seesternen, und Meike macht mit.
Nach einer Mittagspause fahren wir nochmals
mit dem Boot raus, zu den Roman Collums. Auch hier herrscht Strömung. Auf 25 m
Tiefe liegen römische Säulen, die per Schiffsfracht nach Sizilien gebracht
werden sollten. Das Schiff sank, übrig blieben über die Zeit nur noch die stark
verwucherten Säulen. Erst nach Angelos Hinweis wurde mir klar, dass das vor mir
Liegende die Säulen sein mussten. Neben den allgegenwärtigen Drachenköpfen gibt
es noch Eidechsenfische, Muränen und einen Octopus.
Im Zodiac wartet ein Tauchschüler, der noch ins Wasser möchte. Wegen der Strömung und Tiefe wechseln wir zum Tauchplatz Isola Bella. Meike hatte beim letzten Tauchgang offenbar Probleme mit der Strömung, stieß sich den Kopf an und verlor uns aus den Augen. Sie hadert mit sich, entschließt sich aber trotzdem zum dritten Tauchgang, bei dem wir unsere übrigen 100 bar aufbrauchen. Im Flachwasser untersuchen wir die niedere Tierwelt und entdecken so allerlei beim Umdrehen der Steine.
Wir reinigen unser Equipment und dürfen es bis morgen zum Abtropfen in der Tauchbasis hängen lassen. Wir drücken unsere 80 € pro Nase ab und gehen nach dem Duschen und kurzer Pause ins Restaurant in Letojanni.
Montag, 31. Oktober 2005, Taormina - Palermo
Heute Abend um 22.00 Uhr geht unsere Fähre zurück nach Genua. Wir sammeln unsere Tauchsachen an der Basis ein und klemmen uns gegen 10.00 Uhr auf die Autobahn. Über Messina gelangen wir nach Cefalú - ein kleines, aber sehr touristisches Nest, zwischen Meer und Berg an den Hang geschmiegt. Wir picknicken am Strand und genießen am Dom einen Cappu.
Gegen 18.00 Uhr erreichen wir Palermo. Trotz der enttäuschenden Zuverlässigkeit aktiviere ich wieder das GPS. Die Piazza San Domenico ist unser Ziel, da wir noch genügend Zeit zum Bummeln haben. Von hier erstreckt sich, fast wie der Chinamarkt in Bangkok, ein Markt über zig Gassen. Es gibt alles zu kaufen, von Lebensmitteln, Haushaltswaren, Kleidung bis zu Spielsachen und vieles mehr. Die Gebäude, welche die Gassen bilden, sind so baufällig, dass man nicht einmal zu niesen wagt. Bretterverschläge sind die Türen, durch die geschlossenen Fenster kann man die Hand durch die Fugen strecken, und die Verkabelung ist mehr als abenteuerlich. Zwischendrin steht dann mal wieder ein pikfeines offizielles Gebäude. Der Weg zum Fährhafen ist schnell gefunden. Die nächsten Stunden auf der Fähre werden wohl mit Lesen und Schlafen totgeschlagen.
Der Straßenverkehr in Palermo oder vielmehr
auf Sizilien oder besser in Italien ist eine wahre Herausforderung an den
kultivierten mitteleuropäischen Autofahrer. Dreistigkeit siegt, ist hier das
Motto. Wir sich nicht beherzt Vorfahrt verschafft, versauert in seiner
Warteposition. Roller und Mopeds schießen durch den Verkehr, als wäre deren
Piloten das Leben egal. Verkehrszeichen, Ampeln oder Fahrbahnmarkierungen sind
bestenfalls als Hinweis zu sehen, deren Verbindlichkeit scheint sich nicht
durchgesetzt zu haben. Unter den Abgasduft mengt sich das ständig währende
Hupkonzert der kommunikationsfreundlichen Autofahrer. Nur wer das alles
ausfiltern kann, kommt (hoffentlich) sicher an sein Ziel. Das ist Palermo
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Dienstag, 1. November 2005, Genua – Nürnberg
Im Schiffscafé schreibe ich Tagebuch und verbringe die Zeit mit Lesen. Voraussichtliche Ankunft in Genua ist 18.00 Uhr. Gegen 19.00 Uhr sind wir erst auf der Straße, Ankunft um 4.00 Uhr morgens in Nürnberg, zur Freude derjenigen, die am nächsten Tag arbeiten muss…
© 2005 Michael Pophal, Letzte Überarbeitung: 11.12.2005