>> Landkarte oder Google Maps, siehe auch Clip Schildkroete <<
Nach dem Frühstück werden wir bereits um 8 Uhr mit dem
Boot nach Mabul gebracht, wo wir bereits erwartet
werden. Mittlerweile hat es zu regnen begonnen und so holen uns die
Ressortangestellten mit Regenschirm bewaffnet vom Kai ab und geleiten uns mit
dem Gepäck im Schlepp über den weißen Sand ins Sipadan
Mabul Ressort (SMART). Unser Tauchguide
Alex nimmt uns gleich in Empfang. Bereits um 11 Uhr ist unser erster Tauchgang
geplant. Wir werden einquartiert, in Neopren gestopft
und nach kurzer Bootsfahrt werfen wir unseren ersten Blick auf die
Unterwasserwelt Malaysias. Direkt an einer auf Stelzen errichteten Wohnanlage,
mit einer in ein Ressort umfunktionierten Bohrplattform im Rücken, geht es in
die Tiefe von ca. 20m. In den künstlich angelegten Riffs, eigentlich sind es erstmal nur Bretterverschläge, tummeln sich in
riesigen Schwärmen Makrelen. Zwei Barsche von ca. 1,5 bis 2 Metern Länge stehen
ungerührt von unserer Anwesenheit in den Verschlägen. Der Makrelenschwarm
bewegt sich wie ein Wirbel über dem künstlichen Riff. Die Sicht ist gut aber
nicht umwerfend. Eine Muräne, ein Krokodilfisch und meine erste Seeschildkröte
säumen unserer Tauchpfad. Wir essen im Ressort und
nach einer kurzen Pause geht es gegen 2 Uhr wieder raus. Das Wetter hat sich
schon längst beruhigt und aus dem Regen wurde strahlender Sonnenschein.
Mittlerweile ist es Ebbe und nur eine kleine Schneise ermöglicht dem Boot den
Weg an die Riffkante ins offene Meer. Die Einheimischen nutzen die Ebbe, um
Muscheln und Kleingetier zum Essen zu sammeln. Seesterne, die sich einen zu
hohen Platz ausgesucht haben, wurde durch die Ebbe ins
Trockene gesetzt und werden von der sengenden Sonne verbrannt. Hunderte dieser
Unglücksterne liegen auf den Sandbänken. Der Blick auf unsere kleine Insel lässt
endlich Urlaubsgefühle aufkommen. Die Insel, aus weißem Sand bestehend, ist gesäumt
von hohen Kokospalmen und kristallklarem Wasser. Die Menschen sind freundlich
und grüßen.
An der Lobsterwall
tauchen wir einer Steilwand entlang und kommen in Bezug auf Makrophotographie
voll auf unsere Kosten. Viele in allen bunten Farben schillernde Schnecken,
kleine Krebschen, aber auch Muräne, Schildkröten, Blaupunktrochen und einen
kleinen Blue Ribbon Eel
gibt es zu sehen. Bei Tee und Kuchen fügen wir unsere
Tauchgänge dem Logbuch hinzu, ich mache den 150sten Tauchgang voll. Eine
dreiviertelstündige Umwanderung der Insel gewährt Einblicke in das wenige Meter
entfernte Dorfleben. Einfachste auf Pfählen stehende Holzhütten sind die
Behausungen. Heerscharen von Kindern rufen uns immer wieder ein freundliches
„hello“ zu. Es ist bedrückend diese Armut
zu sehen.
Nach dem Abendbuffet treffen wir noch zwei Deutsche aus unserer morgigen Tauchgruppe, Sonja und Jochen.
Das Frühstück hätten wir fast verschlafen, doch die
Putztruppe weckt uns rechtzeitig für ein Fastfood-Frühstück.
Mandarin Valley bei Kapalai ist unser erster
Tauchplatz heute. Kapalai ist eine bei Ebbe
freiliegende Sandbank mit einem auf Stelzen stehenden Ressort darauf, that’s it. Aber wir wollen ja die Unterwasserwelt
ansehen und nicht diesen Haufen Sand. Ein Schwarm junger Barrakudas lässt sich
blicken, ein gigantischer Anblick! Trotzdem ist der darauf folgende Tauchgang am
Barrakuda Point
bei Sipdan kaum noch zu Toppen.
Der erste Blick in die 600m reichende Tiefe zeigt einen Weißspitzen-Riffhai,
ein 3m großer Grauer Riffhai verschwindet in der Tiefe. Schildkröten, wohin man
sieht, gleiten majestätisch durch das Wasser. Ein buntes Treiben großer Fische
begleitet uns durch die Strömung direkt zu einem riesigen Schwarm großer
Barrakudas. In gemächlichem Tempo gleitet der Schwarm über uns hinweg, während
wir uns am Boden festgeklammert der Strömung trotzend, dem Schauspiel andächtig
beiwohnen. Dieser Tauchgang wird nur schwer zu übertreffen sein.
Wir machen 1h Pause auf der mittlerweile unbewohnten
Insel Sipadan. Ein Waran vertreibt
uns die Wartezeit auf der Insel. Er wird von den Tauchern mit Weißbrot
gefüttert. Seit Anfang 2005 ist das dortige Ressort geschlossen und musste den
Naturschutzbestimmungen weichen. Es sind nur noch ein kleiner Militär- und Polizeiposten
dort stationiert. Grundsätzlich sind diese Naturschutzbestimmungen sehr zu
begrüßen, ob allerdings das Militär und die Polizei die Umwelt auf dieser
kleinen Insel so schonen bleibt offen. Nach unserer Pause fahren wir mit dem
Boot sage und schreibe 20m vom Strand weg und springen am Drop Off ins Wasser. Ein
gigantischer Schwarm Fische türmt sich an unserem Einstiegsplatz zu einem
Wirbel auf. Wir tauchen der Steilwand entlang und
treffen auf schlafende Schildkröten. Hinter uns, im offenen Meer streift ab und
an ein Hai vorbei und verschwindet wieder im Nichts. Zwei Riesenbarrakudas
und Tunfische geben uns die Ehre.
Zurück am Ressort schreiben wir Emails, Postkarten und
schlagen uns die Zeit bei Kaffee und malaysischem Tee
um die Ohren.
Nach der obligatorischen Stunden Tauchpause auf Sipadan lassen wir uns von der Strömung am Barrakuda Point
an der grandiosen Unterwasserlandschaft vorbei treiben. Haie, Schildkröten und
viele bunte Fische ziehen an uns vorüber. Auch der Schwarm mit den großen
Barrakudas ist wieder da. Alle klammern sich am Boden fest, um nicht von der
Strömung weg gezogen zu werden.
Wir schlagen uns die Mittagszeit um die Ohren. Der letzte
Tauchgang des Tages findet in der Crocodile Avenue
statt. Wir beobachten einen Schwarm Sepias bei der
Eiablage, einen Blaupunktrochen, Krokodilfisch und Sandaale.
Wir schreiben Tee und Gebäck die letzten Karten, ich dieses Tagebuch und warten auf das heutige Barbecue. Morgen geht es bereits um 6 Uhr zum Tauchen, deshalb haben wir am Abend nicht so viel Zeit zum Totschlagen.
Um
5:30 Uhr reißt uns der Wecker aus dem Schlaf, um 6:15 Uhr sind wir bereits im
Wasser. Die Hanging Garden bei Spidan empfangen uns mit einer heftigen
Strömung, die uns einen Schwarm mächtiger Bumpheads entgegen treibt. Die
rieseigen Papageienschnäbel der Fische sind Furcht einflößend. Der Tauchgang
endet in einem traumhaft schönen Korallengarten von grün, rot, blau bis grau und
brau. Dazwischen natürlich reichlich bunte Fische. In der obligatorischen
Tauchpause auf Sipdan kommt Regen auf. Ich vertreibe mir die Zeit bei einem
Dartspiel mit unserer Bootsbesatzung.
Am Midreef bei Sipadan zeigt sich wieder ein gigantischer Barrakudaschwarm, der mit der Strömung an uns vorbeitreibt. Der Schwarm trennt und verbindet sich wieder, als wäre das choreographisch eintrainiert. In gut 40m Tiefe tauchen plötzlich zwei Leopardhaie auf. Die völlig ungefährlichen Tiere sind wunderschön anzuschauen und gleiten elegant durchs Wasser.
Jetzt erst gibt es Frühstück und bereits kurz nach 12 Uhr beginnen wir unseren dritten Tauchgang am Eelgarden bei Mabul. Wir entdecken ein paar Tarnungskünstler, die auf den Fotos vermutlich überhaupt nicht zu erkennen sind. Froschfisch, Steinfisch und Skorpionfisch.
Zurück am Ressort verbringen wir unsere Zeit mit Mittagessen, blöd schauen und E-Mails schreiben. Erst als die Sonne sich deutlich aus dem Zenit bewegt hat, wagen wir die Inselumrundung zu Wasser mit Seekajaks. Trotz anfänglicher Befürchtungen schaffen wir die Umrundung in weniger als einer Stunde. Abendessen und Labern vertreiben die Zeit. Einen Plan für den weiteren Urlaubsverlauf wollen wir morgen schmieden.
Ein Farbenspiel aller Blau- bis Schwarztöne am Himmel lässt die kommende Wetterlage vermuten. Nach dem Frühstück fahren wir los und geraten und geraten in ein Unwetter. Weder Abfahrts- noch Zielhafen sind zu erkennen, so dicht ist der Regen. Die Gischt peitscht über das Boot, wir sind patschnass und es wird deutlich kühler. Die zwei Bootsjungs schlottern vor Kälte. Das übers Boot peitschende Meerwasser ist angenehm warm. Holgi hat die geniale Idee, seine Maske in der Gischt zu spülen. Jetzt ruht sie vermutlich in 600m Tiefe. Eine Ersatzmaske kann glücklicherweise von einem anderen Tauchboot organisiert werden. Aufgrund des Wetters hat sich die Sicht unter Wasser etwas verschlechtert. Außerdem ist nicht außergewöhnliches von dem heutigen Tauchgang zu berichten.
Beim letzten Tauchgang am Hausriff der Wasserbungalows konnten wir wieder einen der ca. 2m großen Barsche sehen. Zwei Sepias zum Abschied und unser letzter Tauchgang auf Malaysia ist vorüber. Alles in Allem ist sowohl das Tauchrevier als auch das Ressort sehr zu empfehlen, trotz der für Süd-Ost-Asien hohen Preise.
Wir bereiten unsere Abreise vor, packen, zahlen, trocknen die Tauchsachen und verbringen den Abend mit Sonja und Jochen bei einem dekadenten Bier.
Nach einem kurzen Tee bringt uns unser Boot nach Semporna, von wo wir den Bus nach Sandakan nehmen wollen. Mit unseren schweren Tauchtaschen, den voll gestopften Trekking- und Tagesrucksäcken stehen wir am Busterminal und müssen erfahren, dass der 8 Uhr Bus bereits vor 8 Uhr losgefahren ist. Der nächste kommt erst morgen wieder. Mit all unserem Gerödel wackeln wir zu dem Minibus Terminal, wo angeblich Fahrten nach Lahad Datu angeboten werden. Ein Privatmann fängt uns vorher schon ab und reduziert sein Angebot für eine Fahrt nach Lahad Datu nach kurzem Handeln um die Hälfte auf 100 Ringgit. Wir nehmen das Angebot an, obwohl wir uns überhaupt nicht sicher sind, ob der Preis OK ist. Die Not mit dem schweren Gepäck macht uns diesbezüglich sehr flexibel. Die Fahrt ist natürlich auch deutlich komfortabler in einem Privatauto. In Lahad Datu angekommen versuchen wir ein Reisebüro aus dem Reiseführer anzusteuern, doch erst nach langem Suchen stehen wir vor dem geschlossenen Geschäft. Dort wollten wir unsere weitere Reiseroute organisieren. Jetzt müssen wir wieder umdisponieren und fahren mit dem Minibus nach Sanadakan, in der Hoffnung, dort ein Programm für die nächsten Tage buchen zu können. Wegen unseren reichlichen Gepäcks kostet die Fuhre im Minibus das Doppelte. Erst nachdem der Bus voll beladen ist, startet der Bus. Trotzdem werden unterwegs noch drei weitere Personen eingeladen, die ebenfalls reichlich Gepäck und Hühner bei sich haben. Jeder bekommt was auf den Schoß oder die Füße gestellt und weiter geht's. Am Sandankan Bus Terminal stehen wir erstmal reichlich planlos rum, während geschäftstüchtige Malaien versuchen uns Okel Tans Expedition anzudrehen. Leider steht gerade zu Onkel Tans Expedition nur schlechtes drin. Deshalb beschließen wir erstmal zu einem besseren Veranstalter zu kommen und lassen uns mit dem Taxi zu Wildlife Expeditions fahren. Unsere Ziele sind die Orang Utan Aufzuchtstation, eine Bootsfahrt durch den Dschungel, um Tiere zu sehen und natürlich der Mount Kinabalu. Wir jonglieren mit den Optionen, da die Mt. Kinabalu Besteigung schon fast ausgebucht ist. Es ist nur noch ein fester Tag für die Besteigung des Berges zur Verfügung, die Berghütten sind gänzlich ausgebucht. Unglücklicherweise liegt der Tag so ungünstig, dass für die anderen Aktionen keine Zeit mehr bleibt. Wir entschließen uns, sofort zum Kinabalu National Park zu fahren und dort unsere Zeit zu verbringen. Wir buchen nur eine Übernachtung in der Mountain Lodge am Mt. Kinabalu und nehmen den Nachtbus dort hin. Nach der 4 stündigen Fahrt werden wir mit einer Taschenlampe im Dunkeln in Empfang genommen. Es ist recht frisch hier oben, kein Vergleich mit den Temperaturen auf Meereshöhe.
In unserem Zimmer angekommen, vernehmen wir penetranten Fischgeruch. Es stellte sich schnell heraus, dass unsere Taschen offensichtlich im Bus in einer Suppe aus auftauendem Fisch standen. Den es werden ständig irgendwelche toten oder lebenden Lebensmittel transportiert. Selbst das Waschen der Taschen mit Duschgel nimmt nicht den penetranten Geruch. Wir verbannen die Taschen ins Bad.
Wir schlafen aus, bis uns gegen 8 Uhr eine freundliche Stimme an das
Frühstück erinnert. Wir wollen heute einen Plan für die nächsten Tage
aufstellen, weshalb wir erstmal nach dem Frühstück Informationen im National
Park sammeln. Wir erfahren nebenbei, dass keine Betten mehr in den Berghütten
mehr frei sind die Besteigung des Berges mindestens ein Monat im voraus gebucht
werden muss. Wir bekommen leicht die Krise. Ein Bergführer hilft uns, trotzdem
noch noch zwei Betten zu bekommen, in einer nicht beheizten Hütte.
Mit unseren Trekkingsandalen durchwandern wir ein paar Treks des National Parks durch Schlamm und Matsch. Wir hatten uns mehr von diese Pfaden erwartet, als Dschungeltrekking kann ich das nicht bewerten. Der anschließende Versuch, ein Taxi für die Fahrt zur Mountain Lodge zu ergattern scheitert an der fehlenden Ortskenntnis des Fahrers. Er kennt die nur 1 km entfernt Lodge nicht, fährt in die falsche Richtung und möchte für diesen Service den vorher vereinbarten Preis von 10 RM. Da wir leider keinen Meter weiter sind, da uns der Taxifahrer wieder am National Park absetzt, geht ein Streit los. Letztendlich geben wir dem fluchenden Taxifahrer die Hälfte und laufen den Weg zur Lodge. Mit der nun gebuchten Bergtour planen wir die restlichen Tage auf Borneo. Morgen geht es zu den Hot Springs nach Poring, dann ist die Bergtour und am darauf folgenden Tag ist Rafting geplant.
Wir lassen uns nochmals zum N.P. bringen, um dort um 15 Uhr eine geführte Tour durch den Botanischen Garten zu machen. Nach dem anschließenden mittelmäßigen Essen im Cafè lassen wir uns zur Lodge zurückbringen. Der Abend wird lang und langweilig und mit Lesen verbracht. Hier auf 1500 m Höhe ist es deutlich frischer und nachts sind die Unterschiede noch gravierender. Unsere getauschten 400 € sind bereits weg, wobei die erste Tauchwoche ja schon von zu Hause bezahlt war. Das wird nicht billig hier.
Die malaiische Küche kommt nach unseren bisherigen Erfahrungen nicht ansatzweise an die Thaiküche heran. Ich muss sogar sagen, das mir bis jetzt noch kein Gericht richtig gut geschmeckt hat. Vielleicht wird es in Westmalaysia besser. Borneo ist jedenfalls eine kulinarische Enttäuschung, zumal das Essen auch nicht so sehr billig ist. Trotzdem gibt es auch positive Bemerkungen, die Leute sind sehr nett und grüßen und es scheint fast jeder ein paar Broken oder sogar gut englisch zu sprechen. Das erleichtert natürlich die Navigation durch ein so fremdes Land.
Nach der langen Nacht halten wir es nur bis halb acht in den Betten aus,
gehen frühstücken und starren danach bis 9 Uhr unsere Zimmerdecke an. Unser Taxi
ist pünktlich
da und bringt uns zu den Hot Springs. Zuvor jedoch machen wir einen kurzen Stopp
in Ranau, um Geld zu tauschen, Postkarten einzuwerfen und eine bereits gebuchte
Nacht in Kota Kinabalu vom Südwind Reiseladen per Email bestätigen zu lassen.
Leider sind wir uns da nicht mehr so sicher, ob wir für diesen Urlaub oder den
nächsten Neuseelandurlaub eine Übernachtung gebucht hatten. Jedenfalls hat Holgi
den Voucher für die Übernachtung vergessen. Es geht weiter zu den Hot Springs.
Zuerst wagen wir den Canopy Walkway über 40m hohe Hängebrücken, um den Dschungel
von oben zu sehen. Eine etwas wackelige Angelegenheit, welche leider auch keine
neuen Erkenntnisse zu Flora und Fauna bringt. Allerdings reicht der Weg dort
hinauf und die warme Luft mit hoher Feuchtigkeit für eine ordentliche
Schweißproduktion. Wir wandern noch etwas weiter zu einem unspektakulären
Wasserfall und einer unspektakulären Fledermaushöhle, die nicht betreten werden
darf und wieder zurück. Die Hot Springs sind als öffentliches Bad aufgemacht. Es
gibt viele kleine Becken, in denen man sich aus 50° warmen und kaltem Wasser
Badewasser mischen kann. Die Muslime baden mit allen Klamotten am Leib, währen
wir in Badehosen rumlaufen. Da das Becken zu füllen vermutlich Stunden gedauert
hätte, zogen wir es vor in den kalten Rock Pool kurz zu springen. Nach einem
abermals nicht nennenswerten Essen fahren wir wieder zurück. Ein weiterer
kleiner Zwischenstopp in Ranau wird für den Provianteinkauf unserer morgigen
Bergtour genutzt.
Angeblich haben wir Glück, da seit dieser Woche die größte
Blume der Welt blüht, die Raflesia. Also besuchen wir auch noch diese
Sehenswürdigkeit. Recht ansehnlich ist sie nicht, aber groß in der Tat.
Gegen Abend wagen wir noch einen Spaziergang in ein benachbartes Ressort, um dort ggf. was essbares vorzufinden. In unserer Mountain Lodge hätte unser Abendessen 30 RM pro Nase gekostet, was normalerweise ein feudales Essen für zwei kostet. Wir laufen um das Ressort herum und finden sogar einen Eingang. Außer Angestellten ist kein Mensch zu sehen, trotzdem wagen wir uns herein. Wir betreten die riesige Fresshalle und werden von einer ständig kichernden Bedienung zu einem Tisch geleitet. Mit der Zeit kommen noch andere Gäste, offenbar Deutsche, gut an dem Paulaner-Muskel der Männer zu erkennen. Holgi pickt zum ersten Mal ein Gericht von der Speisekarte, das es Wert wäre, ein zweites Mal zu bestellen. Mein Nudelmatsch war wie üblich nicht empfehlenswert. Im Laufe des Abends lernen wir noch einen malaiischen Fremdenführen (Homepage) kennen, der fließend deutsch spricht. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt, um den mittlerweile eingetretenen Platzregen zu überbrücken. Als das Restaurant schließt, der Regen aber immer noch nicht aufgehört hat, lässt uns der Chef von seinem Koch und der lustigen Bedienung zurückbringen.
Die Rucksäcke für den Berg sind gepackt, jedoch lässt der unaufhörliche Regen die Vorfreude auf den Berg etwas schwinden.
Nach
dem Frühstück lassen wir uns von Mick, unserem Privat-Taxifahrer, der uns schon
gestern den ganzen Tag rumkutschiert hat, zum Nationalpark, bzw. zum Startpunkt
unserer Wanderung bringen. Luke, unser Bergführer, steigt unterwegs zu und ist
für die nächsten 2 Tage unsere Begleitung. Wir starten gegen halb neun bei 18050
m Höhe und erklimmen die Berghütte auf 3300 m in ca. 4,5 Stunden. Unterwegs
lösen sich Nebel und regen ab, es geht durch den Nebelwald. Die Strecke ist
überwiegend mit befestigten Stufen versehen, welche unregelmäßig und teilweise
bis zu 50cm hoch sind. Uns erschien der Aufstieg schon anstrengend genug, zu dem
die Luft immer dünner wird, aber diese Stufen werden den Abstieg zum Horror
machen.
Auf der Hütte Laban Rata gönnen wir uns erstmal Suppe und Erholung. Eine kleine Dusche ist uns auch gegönnt. Unsere Schlafhütte ist noch ein paar Minuten bergaufwärts und wird bei einer kurzen Regenunterbrechung bezogen. Den Nachmittag und Abend verbringen wir in Laban Rata, während die Hütte sich zunehmend mit Wanderern füllt. Blöd schauen, Karten spielen und Essen vertreiben die Zeit bis zum Schlafen gehen. Es geht bereits um 3 Uhr morgens zum 4096 m hoch gelegenen Gipfel.
Trotz
frühem ins Bett gehen, kommen wir kaum zum Schlafen, da bereits gegen
Mitternacht die ersten schon wieder auf den Beinen sind, um sich noch was zum
Essen zu kochen und noch früher loszumarschieren. Die etwas langsameren Wanderer
brechen schon zwischen 1 und 2 Uhr auf. Um 3 Uhr sind wir an der Reihe. Alle
wandern mit Handschuhen und warmen Klamotten, während wir im Hemd und Regenjacke
losmarschieren. Es wird hoffentlich nicht zu kalt, aber Hardangervidda bei -30°
erprobt, kann uns da eigentlich nicht umhauen ;-) Zu unserem Erstaunen gab es
noch krassere Mitstreiter, kurze Hosen, T-Shirt und Sonntagsschuhe ohne Socken
sind anzutreffen. Im Lichtkegel unserer Stirnlampen überholen wir viele der
Frühstarter und laufen überwiegend auf Granithängen dem Gipfel entgegen. Die
ganze Strecke ist mit einem Sicherungsseil versehen, jedoch benötigt wird es nur
an besonders steilen Passagen. Den Weg zu verlieren ist unmöglich, der
Pflicht-Bergführer also reine Geldschneiderei. Der Mond scheint bei
sternenklarem Himmel, wir haben Glück, der Regen hat aufgehört. Nach zweieinhalb
Stunden erreichen wir den 800 m höher gelegenen Gipfel und erwarten den
Sonnenaufgang. Trotz des späteren Losmarschierens sind
wir immer noch 30 Minuten zu früh dran und warten in der kalten Gipfelluft auf
den Sonnenaufgang. Der Gipfel füllt sich und bald ist kein Platz mehr für
die vielen Gipfelstürmer. Es wird ungemütlich mit all den Leuten und so
entscheiden wir uns während des Sonnenaufganges abzusteigen, bevor die ganze
Masse wieder lostrottet. Mittlerweile bei Tageslicht können wir endliche sehen,
wo wir im Dunkeln hoch gelaufen sind. Eine riesige Granitkuppe haben wir uns
hoch gearbeitet und die müssen wir jetzt wieder runter. Ich fürchte um meine
Gelenke und es dauert nicht lange, da spüre ich mein rechtes Hüftgelenk. Dieser
gigantischen Mondlandschaft folgen wir, bis der Checkpoint, der die
Vollständigkeit der Gruppen überprüft und die Berghütte Laban Rata erreicht ist.
Leider hatte ich unterwegs einen etwas unglücklichen Sturz und stieß mir meinen
rechten Ellbogen, dass er etwas anschwoll und Armbewegungen schmerzen. Ziemlich
geschafft von dem Auf- und Abstieg genehmigen wir uns erst mal ein Süppchen auf
der Hütte und pausieren. Uns graut vor den bevorstehenden 1450 m Abstieg mit
diesen quälend hohen Stufen. Recht sportlich starten wir den Abstieg und
gelangen nach etwa drei Stunden im Schritt alter Männer an unseren
Ausgangspunkt. Sämtliche Muskeln, Gelenke und Glieder schmerzen. Der Abstieg war
noch schlimmer, als ich mir ausgemalt hatte.
Mick kommt wie vereinbart und bringt uns zuerst zur Lodge, wo wir noch duschen dürfen und unser schweres Gepäck einladen. Bequem und völlig entspannt erreichen wir das Hyatt Luxushotel in Kota Kinabalu. In diesem Nobelschuppen kann man gut entspannen, später wackeln wir noch in das benachbarte Einkaufszentrum, um Emails zu checken. Dabei stellt sich heraus, dass Holgi einen Hotelgutschein für Kuala Lumpur verbummelt hat, den wir mit dem Inlandsflug zusammen kaufen mussten. Aber unser heimisches Reisebüro (Südwind Reiseladen) wird uns helfen. In einem Einheimischen-Restaurant essen wir ein Goreng und beschließen den Abend in einer Bar. Wir gehen sehr früh zu Bett, da einerseits die letzte Nacht sehr kurz und der Tag sauanstrengend war und wir morgen bereits um 7:15 zum Rafting abgeholt werden. Mal schauen, ob sich mein Ellbogen bis morgen wieder erholt hat.
Bereits
um 6:30 Uhr verwöhnen wir uns am Frühstücksbuffet des 5-Sterne Hotels. Wie
vereinbart steht G.G. von White Water Rafting im Foyer und erwartet uns. Im
klimatisierten Bus klappern wir einige Hotels ab, um weitere 12 Rafter
abzuholen. Nach 90 Minuten Busfahrt, müssen wir in Beauforth auf den Zug
umsteigen, welcher die restlichen 39 km in weiteren 90 Minuten abfährt. Der Zug
ist natürlich airconditioned, d.h. alle Fenster und Türen sind auf, sofern
vorhanden. Überhaupt scheint das ein Überbleibsel der Kolonialzeit zu sein. Die
Bahnfahrt verläuft zwischen Dschungel und Fluss. Ab und zu tauchen im Nichts
wieder einzelne Hütten auf, an denen Leute zu- oder aussteigen. Mit langsamer
Fahrradgeschwindigkeit bringt uns der Zug den Padas River entlang an unseren
Startpunkt, wo schon längst keine Straßen mehr hinführen. Vorher hält der Zug
noch kurz am Endpunkt der Raftingstrecke, damit wir uns umziehen und unsere
Sachen deponieren können. Nach einer kurzen, aber gründlichen
Sicherheitseinweisung geht es gleich in den Fluss. Der Schwierigkeitsgrad der
Schnellen liegt bei 3-4. Jedenfalls nehmen wir eine Stromschnelle nach der
anderen und G.G. unser Guide lässt eine super Stimmung aufkommen. Auch die
schwierigste Schnelle namens "washing machine" nehmen wir mit Bravur,
während andere Boote teilweise oder die ganze Besatzung verlieren. Wir sammeln
zwei Schwimmer auf und bringen sie zu ihrem Boot zurück. Leider sind die 10 km
viel zu schnell zu Ende, aber zum Abschluss gibt es dafür noch ein leckeres
Buffet und dann die Rüttel- und Klapperbahn und die Busfahrt zurück. Der Rafting
Trip war ein wirklich lustiges und spannendes Erlebnis und auf alle Fälle
empfehlenswert.
Wir lassen den Flug für morgen bestätigen, klären noch ein paar Kleinigkeiten und bekommen sogar noch unseren Hotelgutschein für die nächste Nacht in KL per Email zugeschickt. Danke an Peter vom Südwind Reiseladen.
Nachdem wir gestern früh zu Bett sind, waren wir entsprechend um halb sieben schon wieder fit. Nach dem Frühstück wollen wir uns im Reisebüro für die Westmalaysia-Woche rüsten. Doch leider scheitern wir auch hier wieder an der Unflexibilität dieser Travel Agency. Sie organisieren nur Reisen auf Borneo, wie wir schon von anderen Veranstaltern hören mussten. Arme Malaien, wenn die Ausland reisen wollen, könne sie offensichtlich nicht auf ihre Reisebüros zählen. Wir versuchen unser Glück im Internet, doch auch dort werden uns nur die zwei Ziele Cameron Highlands und Taman Negara National Park empfohlen, mehr scheint es nicht zu geben. Wir schlagen in Kota Kinabalu die Zeit tot, zuerst am Markt, dann im Hotel, dann am Flughafen. Zudem hatte unser Flug noch 50 Minuten Verspätung. Nach zweieinhalb Stunden Flug, darf ich mich noch meine vermisste Tauchtasche ärgern. Sie kommt vermutlich mit einem anderen Flug. Nach diesen Formalitäten deponieren wir noch Holgis Tauchtasche für 40 € am Flughafen. Billig ist das nicht! Mit dem Taxi geht es schließlich zu Melia Hotel, das dank wieder bekommenem Gutschein bereits bezahlt ist. Etwas entnervt von dem erfolglosen Tag erreichen wir gegen 23 Uhr das Hotel, gehen noch einen Absacker trinken und verkriechen uns in die Kojen. Morgen muss unbedingt ein Reisebüro her, welches uns kompetent beraten kann.
Nach dem Frühstück finden wir sofort ein Reisebüro im Hotel, welches auf den ersten Blick genau das umzusetzen versucht, was wir uns wünschen. Ein Mehrtagestrip im Taman Negara Nationalpark mit eigenem Führer abseits der Standardpfade mit Übernachtungen im Dschungel. Auf den zweiten Blick entspricht das Angebot dann doch wieder dem Standardangebot, das jeder Dschungelreisende vorgesetzt bekommt. Zudem ist der Preis mit 790 RM ziemlich hoch. Im benachbarten Office-Tower finden diverse andere Reisebüros. Eines davon bietet uns ein ähnliches Paket für 530 RM an. Unsere Zeitplanung sieht nun zuerst die Cameron Highlands bis zum 11.9. vor und danach gehen wir 4 Tage in den Dschungel. Der Abflugtag wird dann noch zum Shopping, etc. in KL verbracht.
Wir klären Vorort den Busfahrplan in die Cameron Highlands. Das Busterminal ist voll gestopft mit Reisenden und Menschen, die für Ihr Busunternehmen Passagiere werben. Auf den ersten Blick scheint das ein wahlloses Durcheinander zu sein, aber mit entsprechende Unterstützung der Einheimischen kommt man dann doch recht schnell an seine Busfahrkarte. Wir checken aus dem Melia Hotel aus und laufen mit unseren Rucksäcken zu dem Menschen überfüllten Terminal. Wir kaufen unser Busticket für die Abfahrt um 13 Uhr und um 14 Uhr fährt dann der Bus schon ab. Der Bus ist sehr komfortabel als Schlafbus ausgestattet, allerdings läuft die Klimaanlage auf Hochtouren und bringt uns zum Frieren. Leider sind die warmen Klamotten alle im Kofferraum des Busses. Die Fahrt über sieht man immer wieder die riesigen Palmölplantagen, denen der Dschungel immer mehr weichen muss. Draußen schüttet in Strömen und so windet sich der Bus die engen Straßen in Cameron Highlands hoch. 4 Stunden später erreichen wir bei immer strömendem Regen Tanah Rata. Unsere Unterkunft ist im Vergleich zu den bisherigen mehr als bescheiden. Es ist muffig, feucht, kalt und dafür noch relativ teuer. Wir essen Steamboat, eine Art Fondue, in dem Fisch, Gemüse, Ei, Nudeln und Huhn in einer Brühe gekocht und mit der Brühe zusammen gegessen wird. Das Essen ist sehr reichlich, Brühe wird kontinuierlich nachgeschüttet. Später laufen wir noch die sehr übersichtliche, weil kleine Stadt ab und gehen zu Bett. Hier ist wirklich nicht viel los!
Nichts hält uns länger als nötig in unserem feuchten Betten der Jurina Hill Lodge. Nach dem dürftigen Frühstück werden wir für die Country Tour mit dem "BAS Mini" (Minibus) abgeholt. Zuerst geht es zum wenig interessanten "Rosgarden" und dann zur wiederum sehr interessanten "Butterfly Farm". Dort gibt es außer Schmetterlingen noch allerlei Insekten, Frösche und Echsen und zwar zum anfassen. Der Guide drückt uns fast alle seiner Schützlinge in die Hand, darunter ein großer Nashornkäfer, Stabheuschrecke, Blattkäfer und Skorpione. Die für uns unspektakuläre Erdbeerfarm honorieren wir durch Kauf von Erdbeer-Shakes und Erdbeereis. Im Anschluss besuchen wir die "Bee farm" mit angrenzendem Markt. Eine Fahrt über die Boh Teeplantagen mit Führung durch die Teefabrik gibt einen Einblick in die Herstellung des Tees. Angeblich wird malaiischer Tee gar nicht erst exportiert, da er bereits im Land konsumiert wird. Wir beschließen deshalb selbst Tee zu exportieren und kaufen ein paar Packungen als Souvenir für die Daheimgebliebenen. Der chinesische Sam-Poh Tempel bildet den Abschluss unserer gut 4 stündigen Country Tour. Ab jetzt heißt es wieder Zeit totschlagen, da es wieder zu schütten beginnt. 90 Minuten Internet, indisch Essen und Karten schreiben in der Travellers Bar gegenüber dem ziemlich kleinen Abendmarkt. Wir schauen noch im Gemeinschaftsraum der Jurina Lodge TV, um nicht früher als nötig in das modrig riechende und feuchte Zimmer gehen zu müssen. Alles ist latent feucht, das Bettzeug mieft und bleibt fast an den Händen kleben. Ich beschließe kurzerhand in meinen warmen Klamotten inklusive Trekkingstiefel im Bett zu schlafen. Die Nacht wird vom Ekel, Holgis Schnarchen und Mückenstichen fast unerträglich.
Ich habe fast die ganze Nacht kein Auge zugetan und so stehen stehen wir noch im Dunkeln gegen 6 Uhr auf, um das Zimmer verlassen zu können. Lieber tot in Sibirien überm Gartenzaun hängen, als hier noch länger zu bleiben. Wir frühstücken ausgiebig in Downtown und versuchen nach der Tanah Rata Map eine mehrstündige Trekkingtour bis ca. 12 Uhr zu laufen. Um 13:45 geht der Bus zurück nach KL. Zuerst laufen wir Path 4, der zwar nicht beschildert, aber dafür durch den Dschungel gepflastert ist. Wir erklimmen den Watching Tower mit der wenig beeindruckenden Aussicht. Spätestens hier bemerken wir, dass die Karte keinerlei Bezug zu der Wirklichkeit hat. Die Distanzen, die Abzweigungen, selbst der Wegverlauf passt nicht. So sind wir ohne Markierungen auf unsere Intuition und den Kompass angewiesen. Wir wollen nicht den gleichen Weg zurück, also schlagen wir uns weiter durch den Dschungel. Wir beginnen uns die Abzweigungen zu merken, um ggf. doch noch den Rückweg antreten zu können. Es geht morastige Hänge rauf und runter, viele unbeschilderte Wege und Pfade kreuzen unseren Weg. Mit dem ständigen Blick auf die Uhr, um nicht den Bus zu verpassen, erreichen wir schließlich wieder den Watching Tower, den wir ansteuern wollten und es tatsächlich geschafft haben. Durchgeschwitzt duschen wir noch kurz und checken aus. Nach dem Mittagessen beim Inder und Emails checken fahren wir, diesmal mit warmen Klamotten gerüstet, im VIP-Bus wieder zurück nach KL. Es beginnt wieder zu regnen, wie fast jeden Tag, seit dem wir am Mt. Kinabalu waren. Wir beziehen wieder das Melia Hotel und genießen den Komfort des 4 Sterne Hotels.
Morgen geht es in den Taman Negara National Park. Der Trip wird von einer Travel Agency organisiert und kostet uns zusammen 1060 RM. Wir beenden den Abend mit Tee vor der Glotze, morgen früh um 7 Uhr geht es los.
Punkt
7 Uhr werden wir abgeholt und zum Sammelplatz für die Taman Negara Tour
gebracht. Warum alles zeitlich mit so viel Luft versehen wird ist uns unklar.
Wir warten also am Treffpunkt eine Stunden auf den Bus, der uns dann nach
Jerantut bringt, wo wir zwei weitere Stunden auf den Bus warten, der uns
schließlich zum Boot bringt. Der breite, braune Fluss schlängelt sich durch den
Dschungel. Nach kurzem Warten geht es weitere 3 Stunden auf dem Boot zu unserem
Ziel. Auf dem Bootsboden sitzend, mit circa 20 Leuten und deren Gepäck beladen
tuckert unser Logtail-Boot durch den Dschungel. Einzelne Hütten und Fischreusen
lassen darauf schließen, dass auch hier noch Menschen wohnen. Die unbequeme
Fahrt endet in Kuala Tahan, an einem der schwimmenden Restaurants, welche den
Dorfrand am Fluss säumen. Kuala Tahan ist ein verschlafenes Nest, welches
ausschließlich vom Tourismus zu leben scheint. Die drückende, schwüle Hitze
lässt die Klamotten am Körper kleben und jede kleinste Anstrengung treibt den
Schweiß aus den Poren. Nach einer kurzen Begrüßung und Einweisung beziehen wir
unser Luxus-Chalet mit Air Condition. Leider trifft dieses Dorf nicht unsere
Erwartungen, wie schon erwähnt, alles scheint vom Tourismus zu
leben. Außer den kostenpflichtigen Veranstaltungen, bleibt einem hier leider
nichts weiter als zu Essen in einem der schwimmenden Restaurants oder einer
Wanderung auf eigene Faust. Dafür steht allerdings wieder nicht genügend Zeit
zur Verfügung. So haben wir zwei Stunden Zeit bis zum Dinner und wissen nichts
damit anzufangen. Das Dorf ist schnell gesehen. Nach dem Dinner machen wir die
äußerst interessante Nachtwanderung. Wir konzentrieren uns auf Insekten. Unser
Guide hat natürlich einen Blick für alles Interessante und versucht uns im
Schein seiner Taschenlampe etwas zu erzählen und zu zeigen. So sehen wir große
und kleine, gefährliche und ungefährliche Spinnen, Grashüpfer, Stabheuschrecken
und sogar Samba Hirsche. Leider ist die Wanderung etwas kurz und wird durch den
Krach einer Singapore Schulgruppe gestört. Die zwei Schweizer Mädels in unser
vierköpfigen Gruppe hassen Spinnen, was uns wieder köstlich amüsiert. Unser
Guide hat noch einen Blutegel eingesammelt, der gerade zum Saugen ansetzt. Auf
Holgis Shirt hangelt sich auch einer Richtung Bohrstelle. Dabei lernen wir
gleich das Biest los zu werden, ohne es abzureißen und den Kopf in der Wunde
stecken zu lassen. Der Egel lässt sich einfach mit einem Feuerzeug von seinem
Vorhaben abbringen.
Wir setzen wieder mit dem Boot auf die andere Flussseite über und verbringen den Abend bei Wrestling im TV und Cola.
Wir
frühstücken im selben floating Restaurant wie gestern Abend, dem Tahan Corner.
Im Anschluss startet unser Tagesprogramm. Zuerst ist der Canopy Walkway dran,
ähnlich dem des Kinabalu Nationalparks. Danach besteigen wir den Teresk Hill,
wobei uns unterwegs einiges zu den heimischen Pflanzen und Kräutern und der
Verwendung dieser durch die Orang Asli im Dschungel. Nach dem Mittagessen
besuchen wir eine der im Dschungel lebenden Orang Asli Gruppen. Diese
Eingeborenen leben noch zu 100% vom und im Dschungel, obwohl ihre Erscheinung
auf anderes schließen lässt. Bekleidet sind die Menschen bereits mit normalen
Textilien und tragen z. T. Armbanduhren und Schuhe. Trotzdem bekommen wir einige
interessante Sachen erklärt, wie z.B. aus einem Palmstiel, dem Harz eines
bestimmten Baumes und dem weichen Holz eines anderen Baumes vergiftete
Blasrohrpfeile hergestellt werden. Mit einem sandpapierähnlichem Blatt wird der
Pfeil noch final geschliffen, damit er gut in das Blasrohr passt, fertig! Das
dauerte kein
e
2 Minuten. Eine absolut präzise Bambusanfertigung von ca. 2 Metern Länge dient
als Blasrohr. Wir
dürfen uns auch mal an unseren Treffkünsten versuchen und Holgi trifft sogar.
Die nächste Lektion ist Feuer machen. Aus einem Riemen eines Ratanastes und
einem speziellen Holz zaubert der Eingeborene sprichwörtlich in Sekundenschelle
ein Feuer. Mein Versuch scheitert leider, aber bis zur Glut habe ich es
geschafft. Leider hat die Zivilisation, wie schon erwähnt, hier nicht halt
gemacht. Armbanduhren und Feuerzeug sind hier auch nicht unbekanntes mehr.
Dennoch, zur Jagd gehen sie barfuss, um die verursachten Trittgeräusche besser
kontrollieren zu können. Die Kinder gehen zwar nicht zur Schule, aber haben
bereits ab dem 7. Lebensjahr alle Fähigkeiten, die zum Überleben im Dschungel
nötig sind.
Die folgende Activity ist eine reine Fun-Veranstaltung, rapid shooting oder wie wir es nannten, reverse rafting. Mit dem Landboot geht es die Stromschnellen hinauf und wir werden alle klatschnass. Unterwegs sehen wir noch an einem Baum in schwindelnder Höhe ein Bienennest, welches wohl ab und zu von den Orang Asli nachts mit viel Rauch und Geschick geerntet wird. Ein Monitor Lizard (Waran) schlängelt sich neben uns durch das Wasser.
Nach dem Abendessen wechseln wir mit den Schweizer Mädeln noch die Flussseite und trinken einen Cappuccino im dortigen 3 Sterne Hotel. Habe ich schon erwähnt, dass alles touristisch ist?
Noch
vor dem Frühstück gibt es eine kleine Aufregung. Als ich meine Wanderstiefel von
draußen reinhole und rein steigen möchte, geht das rechts nicht ohne Gewalt. Ich
fasse in den Stiefel und fühle etwas weiches kaltes. Vor lauter Schreck lasse
ich den Schuh fallen und eine Kröte lässt sich blicken. Da habe ich selbst den
alten Trappertrick nicht angewandt, 'vor dem Schuhe anziehen, erst reingucken!'.
Ein Skorpion oder eine Schlange hätte sich vermutlich nicht so zurückhalten
verhalten. Nach dem Frühstück buchen wir unsere morgige Bootsfahrt in eine
Busfahrt um, damit wir uns den unkomfortablen Abtransport sparen können. Zuerst
dachten wir, der einzige Weg nach Kuala Tahan wäre der Fluss, aber heute sind
wir schlauer. Wir gehen ohne Guide in den Dschungel. Den Weg zum ca. 8,5 km weit
entfernten Wasserfall haben wir uns am Vorabend noch erklären lassen. Keine 10
Minuten sind wir beide unter der drückenden Schwüle
durchgeschwitzt. Wir hören allerlei Geräusche, darunter ein pferdeähnliches
Schnauben, doch außer fliehenden Schatten gibt es kaum was zu sehen. Tropisches
Vogel-, Zikaden- und Grashüpfergezwitscher und -gezirpe begleitet uns. Die
Geräusche eines Nashornvogels sind unweit zu hören. Trotzdem, zu sehen gibt es
außer einem aufgeregt davon flitzenden Schwarm rot-grüner Hühnervögel nichts zu
sehen. Es gibt fast nichts zu sehen. Ein Blick auf den Boden und anschließend
auf unsere Schuhe alarmiert uns, Blutegelalarm! Einer hat sich bei mir schon
festgesaugt. Die Schuhe sind außen und innen schon voll davon. Alle paar hundert
Meter klettert wieder einer der Kameraden den Schuh hoch, um an unser Blut zu
kommen. Die Wahrnehmung der kleinen Viecher ist derart präzise, dass selbst bei
ständigem Positionswechsel die Egel auch sofort die Richtung ändern und auf uns
zuströmen. Und es sind wahrlich viele! Holgi fühlt sich sicher mit seiner langen
Hose, doch auf dem Rückweg riskiert er einen Blick. Neun Bisswunden, eine davon
ist sogar noch besetzt, das ist seine Bilanz. Da die Blutegel gerinnungshemmende
Stoffe injizieren, läuft das Blut auch noch nachdem der Egel schon längst
abgefallen ist. Holgi sieht aus, als hätte ihm einer ins Bein geschossen.
Unterwegs treffen wir noch auf eine Schlange, die quer über dem Weg lag. Keine
Ahnung wer mehr erschrocken ist, jedenfalls war sie im nächsten Augenblick im
Busch verschwunden. Wir hatten zu wenig Wasser dabei und habe die Tour nach ca.
6 km abgebrochen. Mit den insgesamt 12 km waren wir auch erstmal gut bedient.
Wir essen gegen 3 Uhr zu Mittag und schlafen ein wenig im klimatisierten Chalet. Erst kurz vor 8 Uhr wachen wir wieder auf. Nach dem Dinner wird gepackt, gelesen, geschrieben und wieder geschlafen. Hier ist leider wirklich nichts los, um den Abend sinnvoller zu verbringen.
Wir fahren mit Bus wieder zurück nach Jerantut und nach 3 Stunden warten geht es weiter nach KL. Das Melia Hotel ist wieder und damit zum dritten Mal unser Ziel. Wir wechseln die Straßenseite zum Time Square Building, wo in 10 Stockwerken alles geboten wird, was das westliche Herz so begehrt. Zum Souvenirkauf also denkbar ungeeignet, da es nichts exotisches gibt. Ein Preisvergleich mit Fotohändlern und dem deutschen Angebot zeigt, dass sich Einkaufen von Elektronikartikeln in Malaysia kaum lohnt. Wir gehen ins IMAX, natürlich im gleichen Gebäude, wo gerade "Sharks 3D" läuft. Endlich bekommen wir unseren Whale Shark zu sehen :-) In diesem Gebäude ist außerdem noch ein Vergnügungspark mit Karussell, Achterbahn, etc. Wir staunen nicht schlecht, zumal diese Anlagen nicht auf dem Grund sondern im 3. Stock über mehrere Stockwerke errichtet sind.
In der Hotelbar gönnen wir uns noch den Welcome Drink als Absacker und schlafen vor dem TV ein.
Wegen der vielen Schlaferei der letzten Tage, sind wir relativ früh schon wieder auf den Beinen, so dass wir bereits am frühen Morgen fertig gefrühstückt haben und uns jetzt ein langer Tag des Zeit Totschlagens beginnt. Wir lassen uns in Chinatown absetzen, doch die Enttäuschung ist groß, den Chinatown ist klein. Im Vergleich zu Bangkok ist es hier quasi nichts. Ein chinesischer und buddhistischer Tempel liegt auf unserem kurzen Weg, bis wir bei einem teuren, aber dafür schlechten Saftladen unsere Zeit vergeuden. Schließlich landen wir im Einkaufszentrum der Petronas Tower und schlendern, essen und trinken bis zur Erschöpfung.
Endlich holen wir unser Gepäck am Hotel ab. Das Tauchgepäck ist ja noch am Flughafen deponiert, bzw. meines lagert ja seit einer Woche in der Lost & Found Abteilung. Die Fahrt zum Flughafen wird trotz ursprünglich reichlicher Zeit doch noch spannend. Das Geld reicht gerade noch für das Taxi, als sich rausstellt, dass die Autobahn wegen Überschwemmung völlig dicht ist und unser Fahrer sich weigert, seine teure Zeit im Stau zu verbringen. Er lässt sich auf den Kompromiss ein, uns kostenlos zur 'Sentral Stesen' zu bringen, von wo wir zum Zug hetzen und mit unseren letzten Kröten das Ticket bezahlen.
Wir holen unsere Tauchtaschen ab, checken ein und verbringen noch drei Stunden wartend auf das Boarding. Nach gut 12 h Flug und der Leihautofahrt von Frankfurt nach Erlangen kommen wir am Sonntag gegen 9 Uhr zu Hause an.
Fazit: Das Tauchen ist einsame Klasse! Auch der Dschungel mag einmalig sein, jedoch sind wir durch unser Dschungeltrekking in Thailand etwas verwöhnt. Es gibt wenig Kultur zu sehen und die hiesigen Reisebüros sind absolut unflexibel. Besser alles von zu Hause aus planen, hier wird nur noch mit Standardprogrammen geholfen. Allerdings ist in Malaysia kaum mit Verständigungsproblemen zu rechnen, da an den Touristenzentren und auch außerhalb sehr gutes bis brauchbares Englisch gesprochen wird.
© 2006
Michael Pophal, Letzte Überarbeitung: 18.12.2006