Reisebericht

Mallorca 2006

von Meike

Samstag, 08.04.2006

Nürnberg – Palma de Mallorca – Andratx - Sant Elm

„Trappa-Tour“ zum Trappistenkloster

 

Mit nur vagen Vorstellungen von unserem Urlaubsziel steigen wir am frühen Morgen in den Flieger der Air Berlin, der uns nach Palma de Mallorca bringen soll. Die Idee dieses Urlaubs entstand aus Neugierde auf die „andere“ Seite der Insel Mallorca, von der wir nicht einmal die „eine“ Seite (Ballermann 6 etc.) bisher kennen gelernt hatten. Es wird wohl auch der vorerst letzte Urlaub zu zweit sein, denn ich bin in der 26. Woche mit unserer kleinen Tochter schwanger!

Nach zwei Stunden Flugzeit (€ 280 p.P.) mieten wir uns einen Ford Fiesta (€ 23/d) für die gesamte Reisedauer von neun Tagen, der uns im Vergleich zu unseren beiden heimischen Modellen, die schon mehr als zehn Jahre auf dem Buckel haben, wie ein high-end-Gerät vorkommt.

Vor uns liegt ein ungeplanter Urlaub ohne feste Reiseroute, weshalb wir so richtig in den Tag hinein leben können. Für die beiden letzten Nächte haben uns meine Eltern in ein wohl sehr nettes Hotel in Colònia de Sant Jordi eingeladen, weshalb wir zunächst unsere Route in nordwestlicher Richtung beginnen.

Schon der erste Eindruck von der Insel macht nach der kurzen Nacht munter: südländisches Flair mit den erhofften sommerlichen Temperaturen, Palmen und Olivenhaine entlang der Landstraße und ein insgesamt überraschend aufgeräumtes, also "deutsches" Straßenbild...

Wir kommen gerade noch bis zum ersten gemütlichen Straßencafé, wo wir den ersten Stopp einlegen - wie immer eigentlich. Anschließend geht es mit einer Pause am idyllischen Yachthafen von Port d´Andratx weiter nach Sant Elm, dem südwestlichsten Zipfel Mallorcas. Begierig danach, frische Luft zu schnappen, und das auch noch bei gutem Wetter, machen wir unsere erste Wanderung im Parc Natural Sa Dragonera, benannt nach der vorgelagerten, unbemannten Insel am Fuße der Serra de Tramuntana (Route 3 im Wanderführer "Wandern auf Mallorca" von Susanne Lipps). Der Aufstieg auf ca. 370 Höhenmeter führt auf steinigen Pfaden durch Wälder von Aleppokiefern. Hier und da erheischt man einen traumhaften Blick auf die Dracheninsel sowie die türkisblauen Buchten von Mallorca, deren imposante Wachtürme noch von den einstigen Gefahren durch Piratenangriffe zeugen. Ich schnaufe natürlich wie ein altes Weib, weil die Lunge einfach nicht mehr gegen den Bauch ankommt, aber da Michel unseren Rucksack trägt und jeder sein eigenes Tempo findet, klappt das Wandern insgesamt recht gut. Nur auf einigen Felskletterpartien spüre ich, wie die Kleine mit ihren Po rebellisch entgegenstemmt und der Bauch etwas hart wird. Z.T. ist der Weg eher für Bergziegen geeignet, von denen es unüberhörbar viele gibt.

Wir suchen uns ein kleines Hotel in Sant Elm (Hostal Dragonera, € 50/DZ) und lassen nach einer wohltuenden Siesta den Abend bei Paella in einem Hafenrestaurant ausklingen. Was braucht der Mensch mehr?

 

Sonntag, 09.04.2006

Sant Elm - Banyalbufar - Sant Elm

"Der Tag, an dem der Wurm drin war"

 

Mit einem unerwartet üppigen Frühstücksbuffet mit Meeresblick werden wir für die spartanische Ausstattung unseres Zimmers vielfach entschädigt. Wir probieren uns durch allerlei frisches Obst, lokale Wurstspezialitäten und grüne Marmelade, so lange, bis wir anschließend nochmals bis halb zwölf zum postprandialen Schläfchen in die Betten fallen.

Anschließend geht es entlang verwunschener enger Bergsträßchen mit dem Panorama von Oliven- und Zitronenbäumen auf den terrassierten Hügeln der Tramuntana über Capdellà nach Puigpunynent ins nächste Café. Dank kleinem Fiesta und ABS überleben wir auch die Weiterfahrt über La Granja nach Banyalbufar.

Entlang der felsigen Steilküste trappern wir auf einem ebenen Pfad Richtung Norden auf der zweiten Wandertour (Tour 8 im Wanderführer) in den Fischerort Port des Canonge. Der erste Teil des Weges besticht noch mit seinen Ausblicken auf karibisch anmutende türkise Buchten und besitzt kaum Höhenunterschiede, während die zweite Hälfte auf roten Fahrstraßen durch die Picknickgebiete der Einheimischen nicht viel mehr bietet als ein wenig Bewegung und frische Luft. Wir kehren bei Cán Toni auf ein paar verwurmte Oliven ein und laufen anschließend den selben Weg zurück.

Die Küstenstraße zurück nach Sant Elm ist nun etwas entspannter für Michel, den tapferen Fahrer. Wir klappern schließlich noch sämtliche Miradores und Piratenwachtürme entlang der Strecke ab, um die romantischen Landschaftsszenen aufs Bild zu bannen.

Abends fliehen wir vor einer Technoparty der Nachbarn in ein nettes Restaurant, wo wir wieder einige örtliche Spezialitäten (Pizza mit Paprikawurst und Honig sowie den mallorquinischen Mandelkuchen) probieren.

 

Montag, 10.04.2006

Sant Elm - Valldemossa - Deià - Port de Sóller

"Frusttag"

 

Nach einer weiteren Nacht in Sant Elm fahren wir weiter in Richtung nördliche Tramuntana, zunächst nach Valldemossa. Wenn man es schafft, die Touristenträubchen audiovisuell auszublenden, ist es ein sehr idyllischer und gefälliger Ort, umgeben von sanft ansteigenden Hügelketten. Leider sind die Berge an diesem Tag wolkenverhangen und es weht ein ungewohnt kühles Lüftchen. Wie wohl jeder ordentliche Tourist, sehen auch wir uns das Kloster "Sa Cartoixa" aus dem 18. Jahrhundert an, das im Winter 1838/1839 Frederic Chopin und seiner Lebensabschnittsgefährtin George Sand und ihren Kindern als Kurort für Chopins Tuberkulose diente. Zu bestaunen sind u.a. Chopins Pleyel-Klavier, einige Partituren der Nocturnes sowie das Manuskript von Sands Buch "Ein Winter auf Mallorca", das sich v.a. mit den Negativeneindrücken von der Zeit im Kartäuser-Kloster befasst.

Michel gönnt sich zur Belohnung für sein kulturelles Durchhaltevermögen einen Mandelkuchen. Dann geht´s weiter zum Monestir de Miramar, wo auch schon Sissi weilte, sowie nach Son Marroig - beides stattliche Immobilien des Forschers und Entdeckers Salvator. Von dort aus genießen wir einen wunderbaren Blick auf den so genannten "Lochfelsen", eine der Küste vorgelagerte Insel.

Über Deià fahren wir schließlich nach Port de Sóller, ein recht hässliches Städtchen, aber dafür ein strategisch günstiger Ausgangspunkt für die weitere Tramuntana-Route. Wir checken im Hotel Marina ein, ganz gediegen mit Meeresblick und Pool (€ 67/DZ). Doch hier merkt Michel, dass ihm irgendwann am Tag sein gesamtes Bargeld abhanden gekommen sein muss - gähnende Leere im Geldbeutel, nur die Kreditkarten sind komischerweise noch da. Wir können uns noch immer nicht erklären, wie, wo und wann das passiert sein könnte, aber die Tatsache, dass man für das Geld wohl zwei weitere Mallorca-Flüge bzw. die Hälfte aller Übernachtungen hätte finanzieren können, dämpft die Stimmung enorm. Zur Kompensation fällt dann auch der abendliche Restaurant-Besuch aus und ich fliehe in den Hotelpool.

Die örtliche Attraktion besteht aus einer antiken Straßenbahn, die mit ihren offenen Wagons wie die deutschen Bahnen der Nachkriegszeit imponieren und nach Sóller bzw. nach Palma pendeln. Doch Michel kann sich heute beim besten Willen zu keiner touristischen Unternehmung mehr aufraffen, und ich versage mit meinen Aufmunterungstaktiken.

 

Dienstag, 11.04.2006

Port de Sóller

"Wanderung in den Scottish Highlands"

 

Morgens wird unser Meeresblick vom Hotelzimmer aus durch eine dichte graue Wolkendecke verhängt, die so gar nicht den positiven Aussichten des Wetterberichtes entspricht. Passend zur Stimmung treffen wir im Frühstückssaal auf Otto und Lieschen Müller aus dem Neckermann- bzw. TUI-Bus, die sich raffgierig auf das lieblose Buffet stürzen. Da das Wetter so gar nicht zum Aufbruch einlädt, verkriechen wir uns nochmals in die Betten und vertiefen uns in unser Lieblingsthema Familiengründung... Wenigstens beginnen wir schon einmal mit der verantwortungsvollen Aufgabe der Namenssuche (Leonie Sarah!).

Gegen Mittag brechen wir zu unserer dritten Wandertour (Route 17 des Wanderführers) nördlich von Sóller auf, die uns 3 1/2 Stunden durch die einsame Bergwelt rund um eine in einem Talkessel gelegene Finca führen soll. Die Gegend erinnert an schottisches Hochland, nicht nur, da wir uns auf Ebene der grauen Wolken befinden, sondern auch Dank der karstig-felsigen Landschaft nahe der Baumgrenze (~ 900 m). Ich bin begeistert, dass wir auf keine anderen Wanderer treffen! Durch Steineichenwälder, deren Boden mit hüfthohem Dißgras bewachsen ist, suchen wir zunächst den kaum auszumachenden Abstieg ins Tal. Der Weg führt durch Schaf- und Eselweiden, teilweise mit wunderbarem Blick auf das Meer. Vor einem Esel können wir uns jedoch kaum retten. Zunächst vorsichtig an unseren Taschen schnuppernd auf der Suche nach etwas zu knabbern, macht er schließlich Halt, lässt einen meilenweit hallenden Eselsgruß vom Stapel und kommt schließlich in krassem Galopp auf uns zugestürmt. Nicht nur wegen dieses Schrecks fühle ich mich an den gleichnamigen Kinofilm erinnert! Als wir zufällig auf den Ranger im Jeep treffen, frage ich mich, wie wohl sein tägliches Leben aussehen mag: ein Junggesellendasein, stets mit griffbereiter Flinte unter dem Kopfkissen? Ca. eine Stunde vor Ende unserer Tour reißt plötzlich die Wolkendecke auf, sodass wir schließlich doch noch einen Panoramablick auf die Spitze des Puig Major (1443 m) erheischen und mit der Wahl der Wanderroute hochzufrieden sind. Wie gut, dass wir erst so spät aufgebrochen sind, sonst hätten wir den Wetterumschwung gar verpasst!

Zurück geht es wieder auf der Panorama-Küstenroute C710 im gewohnten Serpentinenstil. Ich bin froh, dass Michel das Steuer übernimmt, denn so kann ich mit etwas Kraftaufwand verhindern, dass mein Bauch aus der Kurve fliegt. Zum Abendessen landen wir aus Versehen in einer deutsch geführten Bar, aber die Spaghetti mit Gambas und Lachs und das Warsteiner hätten nicht besser sein können.

 

Mittwoch, 12.04.2006

Port de Sóller - Palma - Port de Sóller - Cala de Sa Calobra - Port de Pollença

"Nostalgie-Trip nach Palma"

 

Nach dem Neckermann-Frühstück checken wir aus dem Hotel aus, wobei Michel großzügigerweise aus Versehen zunächst die doppelten Zimmerpreise bezahlt... Mit der alten Straßenbahn aus San Francisco (Bj 1912) geht es zunächst nach Sóller und von dort aus mit einem keineswegs jüngeren Zug in die Hauptstadt Palma. Leider haben wir wegen des Zugplans nur ca. drei Stunden Zeit - zu wenig für "Ballermann 6".... Wir schlemmen uns durch die Patisserias, schlendern durch die Großmarkthalle mit frischen Haien im Angebot und genießen das großstädtische sommerliche Flair. Die Stadt erinnert ein wenig an Barcelona, auch wegen der "Modernisme"-Bauten mit der Handschrift Gaudís sowie wegen ihrer berühmten Kathedrale. Unser eigentliches Ziel, einen CD-Laden für spanische Musik zu finden, verfehlen wir leider, obwohl es sogar einen Drogeriemarkt Müller gibt. Durch schwer beladene Zitronenbaumplantagen tuckern wir schließlich in wohltuendem Schneckentempo zurück nach Sóller.

Weiter geht es mit dem Auto auf der Küstenstraße nach Norden, um ein neues Natur- und Wandergebiet kennen zu lernen. Wir machen einen Abstecher zur berühmten Cala de Sa Calobra, einer Bucht, die nur über eine zwölf Kilometer lange wurmartige Serpentinenstraße mit eigenwilligem Verlauf in Form eines Krawattenknotens erreichbar ist. Ich hatte einen spektakulären Sonnenuntergang an der Westküste erhofft, aber leider versperrt und ein Berg die freie Sicht. Zumindest bekommen wir einen Eindruck von der Schlucht Torrent de Pareis, durch die eine der anspruchsvolleren Wanderungen der Insel führt. Diese Tour muss wegen meiner Schwangerschaft zwar verschoben werden, aber ich stelle mir das wunderbare Gefühl vor, wenn sich am Ende der Anstrengungen in der Cala de Sa Calobra der Fels teilt und den Blick auf die türkisfarbene Bucht freigibt. Ein Wunder, dass der Tauchsport hier bisher kaum verbreitet ist - die steil ins Meer abfallenden Felswände und das klare Wasser erscheinen uns paradiesisch.

Wir versuchen am Monestir de Lluc, einem wunderschön gelegenen Kloster, die "Maria- und Josef-Masche" (auf der Suche nach einer Herberge für Josef und die schwangere Frau) aber nicht einmal im Stall ist noch ein Plätzchen frei. So ziehen wir weiter nach Port de Pollença an der Nordküste der Insel und finden gegen 21.00 Uhr ein einfaches, aber sympathisches Hostal (Hostal Paris, € 45/DZ).

Mit der täglichen Ration Oliven und einem Stück Irving-Urlaubslektüre endet der lange Tag.

 

Donnerstag, 13.04.2006 (Gründonnerstag)

Port de Pollença - Cap de Formentor - Port de Pollença

"Ornithologische Exkursion"

 

Der Tag beginnt gemütlich mit einem Lesestündchen am Hafen von Port de Pollença, bei der wir uns von der reichlich kühlen Nacht aufwärmen können. Der gute Irving geht bereits zu Ende, und das nicht einmal so skurril, wie ich es erwartet hatte... Wir flanieren entlang der Promenade, vorbei an professionellen Sandburgenbauern, die sich u.a. in einer detailgetreuen Kruzifix-Darstellung vor der Kulisse der blauen Sonnenschirmchen in der türkisen Bucht verkünsteln.

Nach einer Stärkung mit Paella und Pizza fahren wir in Richtung Cap de Formentor, einer im äußersten Norden von Mallorca gelegenen Halbinsel. Auf den viel befahrenen Serpentinen und am nördlichsten Punkt in der Nähe eines Leuchtturmes bieten sich zwar wunderschöne Ausblicke auf die Steilküste. Diese stehen jedoch den Landschaftsszenen der letzten Tage in nichts nach, sind nur weitaus überlaufener.

Nachmittags brechen wir zu einer weiteren kleinen Wanderung auf (Tour 24 im Wanderführer). Auf einem leicht zu erklimmenden Pfad geht es von Port de Pollença durch ein Vogelschutzgebiet (Bóquertal) zur nördlich gelegenen Bucht Cala Val de Bóquer und auf demselben Weg zurück. In der Bucht, die um diese Zeit bereits wieder einsam ist bis auf eine Reihe angespülter Schlappen, genießen wir die goldenen Strahlen der langsam sinkenden Sonne, die alles in ein goldenes Licht taucht.

Abends gibt es Dinner auf Balkonien, sehr stilvoll, da auf dem Nachbarbalkon jemand wunderbar spanische Gitarre spielt! Außerdem riecht dort nicht alles so nach dem sumpfigen Abfluss des Badezimmers in unserer Absteige. Wir steigen früh zum Lesestündchen in die Betten, was wir jedoch am nächsten Morgen bitter mit Rückenschmerzen bezahlen müssen.

 

Freitag, 14.04.2006 (Karfreitag)

Port de Pollença - Pollença - Sineu - Petra - Cala Ratjada - Porto Cristo

"Der schwarze Freitag"

Die Straßen in diesem katholischen Landstrich erscheinen verlassen Dank Karfreitag und geschlossener Boutiquen. Wir machen zunächst eine Spritztour ins nahe gelegene Städtchen Pollença und enden wie so oft im Café an der örtlichen Kirche. In einer der Gassen ist ein Einheimischer mit seinem Auto stecken geblieben, denn selbst für geübte Autofahrer sind manchen Abzweigungen unmöglich zu passieren. Um einen Eindruck vom dünn besiedelten Landesinneren zu bekommen, das viel weniger touristisch sein soll, fahren wir durch das Flachland Es Plá über Sineu und Petra zu Kloster Ermita de N. S. de Bonany, von wo aus wir eine herrliche Aussicht auf die bebauten Felder der Umgebung genießen. Dies ist eines der vielen Ziele der ambitionierten Radelfahrer, die vor keiner Steigung zurückschrecken. Wir kehren auf einem typischen Friedhof ein, in alter Tradition, den post mortem-Kult verschiedener Länder miteinander zu vergleichen. Die Gräber sind jeweils mit gerahmten Fotos der Verstorbenen geschmückt. Auf der Suche nach Mallorcas Wahrzeichen, den zahlreichen Windmühlen, treffen wir auf obskure Reste lokaler Schmiedekunst. Hier und da ragt noch ein einzelnes verrostetes Rotorblatt in den Himmel, ansonsten ist von der einstigen Schönheit nicht mehr viel zu erkennen.

Von Cala Ratjada, eines der Städtchen im Nordosten der Insel, geht es auf der nächsten Wanderung (Tour 29 des Wanderführers) auf steilem Pfad auf den Gipfel des Jaume II. mit stolzen 271 m und weiter zur benachbarten Bucht Cala Mesquida durch Dünenlandschaft. Um ganz auf seine Kosten zu kommen, nimmt Michel den selben anstrengenden Weg nochmals zurück, während ich durch das Schattenwäldchen in der Ebene gemütlich zum Auto wandere.

Wir suchen uns in einer der kleineren Hafenstädtchen an der Ostküste (Porto Cristo) ein Quartier (Hotel Monteverde, € 50/DZ). Obwohl es wegen der vielen Zimmer und der wenigen Gäste etwas geisterhaft anmutet, sind unsere Nachbarn v.a. nachts kaum zu überhören. Zeitweise habe ich regelrechte Sorge um das Mobiliar.

Doch zunächst stärken wir uns für diese Geduldsprobe mit einer leckeren schwarzen Meeresfrüchte-Paella, die ihre gewöhnungsbedürftige Farbe der beigemischten Tintenfisch-Tinte verdankt. Mit dunklen Lippen und vollen Mägen endet der Abend stilvoll.

 

Samstag, 15.04.2006

Porto Cristo - Manacor - Colònia de St. Jordi

"Beginn der Chillout-Periode"

 

Wir legen uns morgens in unserem Geisterhotel noch ein paar Gramm Fett zu. Die anschließende Evaluation des örtlichen Touristenprogramms (Tropfsteinhöhlen mit kunstvoller Beleuchtung und Live-Musik in der Tiefe) besitzt keinen großen Reiz. Wir machen daher einen Abstecher nach Manacor, natürlich wieder in ein Straßencafé an der Kathedrale, und schlendern durch eine kleine österliche Hühner- und Hasenausstellung. Anschließend lasse ich mich in einem lang ersehnten und wohl sortierten CD-Laden zu größeren Geldausgaben hinreißen. Wir finden auf Empfehlung u.a. CD´s von Alejandro Sanz, Maná und Juanez, sodass die Weiterfahrt im Hifi-Paradies Ford Fiesta zum Vergnügen wird.

Durch grünes Flachland mit hier etwas besser erhaltenen Windmühlen geht es zur südöstlichen Spitze der Insel, nach Colònia de St. Jordi, wo uns genialerweise eine Hotelreservierung meiner Eltern für die letzten beiden Tage erwartet. Zwischen Salzgewinnungsanlagen und dem Meer gelegen, finden wir ein idyllisches Plätzchen im Hotel El Coto vor, mit beheiztem Pool, mediterranem Ambiente, Tennisplatz und einer Reihe gesetzter Gäste, meist gehobenen Alters. Wir verbringen den Nachmittag am Pool. Schließlich entdecke ich auf dem Hausdach einen Paparazzi mit ausgefahrenem Tele-Objektiv, der die genialen Lichtverhältnisse für einen Schnappschuss von uns Promis nutzt.

Die Völlerei, in deren Zeichen die Tage hier zu stehen scheinen, wird mit einem 5-Gänge-Menu fortgesetzt. Kein Wunder, dass mein Bauch langsam Streifen bekommt... In dieser Teutonensiedlung herrscht selbstverständlich bester Empfang für die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender. Daher werden wir vom heute-Journal in den Schlaf gewiegt.

 

Sonntag, 16.04.2006 (Ostersonntag)

Colònia de St. Jordi

"Walking in the rain"

 

Wir verbringen die meiste Zeit des Tages am Pool und lassen uns von befrackten Kellnern auf den Teakholz-Liegen mit leckeren Drinks verwöhnen. Was für ein Luxus! Gegen Nachmittag unternehme ich eine 2 1/2-stündige Wanderung (Tour 33 des Wanderführers) am berühmten 5 km langen Naturstrand Es Trenc durch den warmen Regen. Michel kann sich für diese körperliche Betätigung nicht erwärmen - zu sehr lockt das Faulenzen vor dem Fernseher. Ich genieße diese einsamen Momente sehr - der Strand ist leergefegt -, da man sich ungestört von seinen Gedanken treiben lassen kann, während wie von selbst ein Fuß vor den anderen findet.

Beim Dinner brechen wir mit fünf Gängen in 60 Minuten alle bisherigen Rekorde - leider, denn ein wenig mehr Zeit zum "setzen lassen" hätten uns die Ober schon lassen können. Lachspastete und Kaninchen lassen aber sonst keine kulinarischen Wünsche mehr offen. Danke einer ungebetenen Mücke und meiner nächtlichen Umtriebigkeit wegen Rückenschmerzen tun wir nachts leider kaum ein Auge zu, obwohl das Hotel eigentlich zum Entspannen mehr als einlädt.

 

Montag, 17.04.2006 (Ostermontag)

Colònia de St. Jordi - Palma de Mallorca - Nürnberg

Rückreise

 

Die Rückgabe des Leihwagens am Flughafens, der Rückflug und alles Organisatorische klappt bestens. Wir werden bei Regen und 12°C von meinen Eltern am Flughafen Nürnberg empfangen. Zur Begrüßung gibt´s noch ein letztes österliches Festmahl - quasi die Henkersmahlzeit vor dem morgigen Arbeitsbeginn...

 


© 2005 Michael Pophal, Letzte Überarbeitung: 27.05.2006