Neuseeland 2007

von
Michael Pophal

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Samstag 30. Dezember 2006, Anreisetag

Um 7:30 Uhr bringt uns Christine mit dem Auto nach Frankfurt zum Flughafen. Holger und Christine fällt der der Abschied sichtlich schwer, aber es sind doch nur 4 Wochen. Mit je einem Trekking- und Wanderrucksack bepackt passieren wir die Formalitäten und warten auf unseren 12 Uhr Flug. Der Urlaub kann beginnen.

Nach gut 12 Stunden Flug mit der komfortablen Malaysia Airlines erreichen wir morgens um 6:30 den Kuala Lumpur International Airport (KLIA).

Sonntag 31. Dezember 2006, Zwischenstopp in KL

Es gilt nun knapp 15 Stunden Zeit totzuschlagen, bevor es mit dem Flug nach Auckland weitergeht. Deshalb beginnen wir erst mal in einem ausgiebigen Café am Flughafen, welches uns bei unserem Malaysiaurlaub vor wenigen Monaten schon guten Kaffee servierte. Heute ist Sonntag und auch noch Feiertag und somit ist in KL kaum etwas anzufangen. So entschließen wir uns, mit einem Taxi nach Mellacca zu fahren, um die dortigen Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Die ursprünglich gut geglaubten Englischkenntnisse unseres Taxifahrers entpuppen sich bald in kaum verständliches Malaii-Englisch. Nach der langen Nacht ist uns erstmal nach einem herzhaften Frühstück und so bringt uns unser indischer Fahrer in ein indisches Restaurant, wo wir uns für peinliche 3 € satt essen und trinken und natürlich schmeckt die indische Küche auch noch ausgezeichnet. Ein Abstecher in einen Freizeitpark lassen wir emotional links liegen, die Butterflyfarm ist schon interessanter, allerdings gibt es dort mehr Schlangen als Schmetterlinge. An der Straße wird überall malaiischer Römertopf angeboten, das ist in Bambusrohren gegarter Reis. Natürlich kosten wir davon und es schmeckt nicht schlecht, der Bambus gibt dem Ganzen einen einzigartigen Geschmack, etwas wie Kokos. Unser Taxifahrer führt uns noch nach Little Malaysia, eine Anlage, in der traditionelle Gebäude o. ä. zu besichtigen sind. Leider sind wir mittlerweile so geschlaucht und übernächtigt, dass wir uns nur eine Cola ins Gesicht schütten, um wach zu bleiben und fahren weiter. Der Verkehrstrubel in Mellacca weckt uns wieder auf, offensichtlich sind wir im Auto eingenickt.  Ein kleiner drahtiger Mann fährt uns mit seinem kleinen drahtigen Esel (Fahrrad-Rikscha) durch Mellacca. Allerdings haben wegen des Feiertages heute alle Museen und Sehenswürdigkeiten geschlossen, also nichts mit Sehenswürdigkeiten. Aber unsere Müdigkeit macht uns momentan so gleichgültig, dass wir uns über die Fehlauskunft am Flughafen noch nicht einmal ärgern. Wir sehen uns eine alte holländische Festung an und auch ein altes Handelschiff. Es ist drückend heiß, die Klamotten kleben am Körper. Im klimatisierten Taxi schlafen wir wieder. Am Flughafen sitzen wir die Zeit ab, bis es um halb zehn weiter nach Auckland geht.

Von Sylvesterstimmung keine Spur. Auch der erwartete Looping unserer Maschine am 24 Uhr Schlag bleibt aus, lediglich eine schnöde kurze Ansage des Piloten "blah blah happy new year .." reißt uns aus dem Schlaf.

Montag 1. Januar 2007, Auckland

Irgendwann erreichen wir dann doch noch Neuseeland, die Wetteransage des Piloten "bewölkt bei 17 °C". Das soll Sommer sein sein. Wir mieten uns ein Auto und stellen draußen fest, dass es sehr wohl Sommer ist. Es ist herrlich temperiert und die Sonne scheint. Wir machen uns auf den Weg nach Wangarei, wo wir morgen an den Poor Knight Islands tauchen wollen. Angeblich eines der 10 besten Tauchgebiete der Welt, so was können wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Bei unseren ersten Navigationsversuchen auf der Südhalbkugel stellen wir fest, dass die Sonne auf der falschen Seite steht, sie ist im Norden. Zuerst wollten wir unseren Augen nicht trauen, doch dann haben uns das Weltall mit seinen unendlichen Weiten in unseren Köpfen rekonstruiert, um die passende Logik aufzubauen und auf den Schluss zu kommen, das es stimmt, die Sonne steht auf der Südhalbkugel im Norden. Völlig verunsichert haben wir noch den Kompass gestestet, nicht dass der Erdmagnetismus hier auch auf den Kopf gestellt wurde. Nachdem wir uns mit der neuen Sonnenposition angefreundet haben, konnten wir auch unsere Irrfahrt durch Auckland beenden und endlich dorthin fahren wo wir hinwollen, Richtung Norden. Ein paar kurze Schauer unterbrechen den Sonnenschein und ein Stopp am "Autobahn Cafè" unterbricht unsere Fahrt. Holgi meistert den Verkehr auf der falschen Seite hervorragen, auch das Kuppeln unseres Automatikwagens unterlässt er konsequent. Wir fahren durch eine hügelige Landschaft mit grünen Wiesen und Wäldern, nur die Schafe fehlen, dafür gibt es reichlich Kühe. So stellt man sich Neuseeland vor. Aber erst die exotischen Baumfarne machen es eindeutig, wir sind nicht in England oder Schottland gelandet, wir sind in Neuseeland.

In Wangarei lassen wir uns an der Tourist Info die nächsten zwei Tage mit Tauchen und Übernachtung arrangieren. Wir beziehen unser Motel und versuchen einzukaufen, aber es ist kein offener Laden mehr in Sicht. Naja, es ist spät und Sonntag. Nach einem kleinen Spaziergang am Fluss gönnen wir uns eine Pizza und dann ab ins Bett.

Dienstag 2. Januar 2007, Tauchen bei den Poor Knights Islands

Früh morgens werden wir vom Tauchveranstalter abgeholt und zum Tutukaka Bootshafen gebracht. Wir warten hier auf drei weitere Taucher aus England. Es ist Neujahr, aber absolut nichts davon ist zu merken. Vielleicht ist dieses Fest den Kiwis nicht so wichtig. Wir legen ab und anfänglich bekommet mir die Bootsfahrt nicht schlecht, aber nach dem ersten Tauchgang wird mir übel und Sodbrennen gesellt sich dazu. Ich bin mir sicher, da ist auch das Sandwich daran schuld, welches wir noch auf der Herfahrt verdrückt haben. Aber zuerst mal zum Tauchgang: bei 16° Wassertemperatur ist die erste Freude etwas abgekühlt. Wir Tauchen durch Seegras und sehen bei ziemlich guter Sicht einen Stachelrochen, Carpet Shark, Muränen und diverse andere Fische. Die Strömung spült jede Menge Quallen, u.a. die Rippenqualle (s. Foto) und anderes Gallertgetier an. Teilweise wird dadurch die Sicht deutlich eingeschränkt. Nach etwa einer halben Stunde beginne ich zu frieren und meine Fotografierlust sinkt, denn jede Bewegung fördert wieder kaltes Wasser in den Nassanzug.

Der zweite Tauchgang entfällt, wegen der bereits erwähnten Übelkeit. Ich denke das sind noch die Auswirkungen des Jetlag und des "leckeren" Sandwichs. Ich frage mich, wie sich ganze Nationen von diesem Fraß ernähren können. Ich versuche schlafend auf dem Boot die Zeit verstreichen zu lassen. Schließlich zurück am Motel übermannt uns beide das offensichtlich noch nicht aufgeholte Schlafdefizit der letzten drei Nächte und wir ratzen etwa drei Stunden. Mit lediglich dem einen Sandwich heute morgen begnügen wir uns den ganzen Tag. Etwas lesen und der Schlaf reißt uns endgültig ins Reich der Träume.

Mittwoch 3. Januar 2007, eine Höhlentour in den Waipu Caves

Die Entscheidung steht fest, das Tauchen hat uns beide nicht so sonderlich überzeugt und wir fahren heute wieder weiter. Das früh loskommen scheitert daran, dass weder die Tourist Info noch ein Café offen hat und ohne Frühstück wollen wir den Tag nicht beginnen. Also entschließen wir uns im Supermarkt Lebensmittel für ein Picknick zu besorgen und machen uns nach dem selbigem auf den Weg Richtung Auckland. Unterwegs werden wir schon was zum Wandern finden. Und in der Tat, die Waipu Caves laden gerade dazu ein. Wir folgen den Wegweisern und gelangen schließlich auf Schotterpisten zum Ziel. Wir erkunden die Höhlen mit unseren Stirnlampen bewaffnet. Die Höhle wird von einem Bach durchströmt, den wir mehrmals überqueren müssen. Der lehmige Boden ist ziemlich rutschig und unsere wenig angemessene Kleidung lässt uns nur langsam vorankommen. Tropfsteine hängen von der Decke und als kein weiterer Weg mehr auffindbar war, machten wir unsere Lampen aus, um die Dunkelheit und Stille wirken zu lassen. Aber von wegen Dunkelheit, wir staunten nicht schlecht, als die Höhle wie ein hell erleuchteter Sternehimmel aussah. Wir untersuchten natürlich das Phänomen und tausende kleiner fluoreszierender Leuchtwürmer bedecken die Wände und Decke. Mit dem Licht scheinen sie Beute anzulocken, welche sich an den von der Decke baumelnden klebrigen Fäden verfangen soll. Jedenfalls wirkt dieses Schauspiel, als hätten uns tausende Feen in der Höhle begrüßt. Eine kleine Wanderung zum Abschluss und wir sind wieder auf dem Weiterweg nach Auckland. Wir suchen das Auckland Museum mit seiner Ausstellung zur Maori Kultur und den Pazifik Völkern. Die Suche ist mühsam, aber schließlich erfolgreich. Der spätere Besuch beim Auckland Aquarium scheitert leider an der fortgeschrittenen Zeit. Laut Führer hat das Aquarium bis 21 Uhr geöffnet, tatsächlich schließt es schon um 18 Uhr. Wir begeben uns auf Zimmersuche und unweit vom City Tower finden wir unsere Unterkunft. Allerdings erreichen wir das Hotel 'Central City' nicht ganz unbeschadet. Die letzte Kurve vor dem Hotel nimmt Holgi etwas zu eng, die Radkappe rollt davon und die Luft entweicht mit lautem Zischen, kommen aber noch vor dem Hotel zum Stehen. Wir checken ein und wechseln den Reifen. Eine Fahrt auf den City Tower lassen wir uns natürlich nicht nehmen und genießen den Ausblick über Auckland. Den Abend verbringen wir bei einem arabischen Essen und im Internet Café. Die Leserunde im Bett endet gegen halb eins, allerdings sind wir schon um zehn Uhr im sitzen eingeschlafen. Der Jetlag lässt grüßen.

Donnerstag 4. Januar 2007, Christchurch

Mit unseren zusammen gesammelten Karten und deren Kopien und der schlechten Wegbeschilderung ärgern wir uns zum Domestic Airport durch. Unser lädiertes Auto wird anstandslos abgenommen und so verbringen wir unsere Zeit mit Frühstück, Warten und Lesen am Flughafen, während sich unser Abfluggate von 30 auf 28 und dann auf 32 änderte. Um sicher zugehen, schließlich das richtige Flugzeug zu besteigen, folgen wir unserem Piloten, der ebenfalls die Gates ablief.

Ein Shuttle bringt uns in Christchurch zum Bahnhof, wo wir mit Erstaunen feststellen, dass das Ticket nach Greymouth nicht 85$, sonder 130$ kostet. Kein Wort darüber ist in unserem Führer zu finden. Wer spät bucht, zahlt Spätbucherrabatt. Beim unweit entfernten Campingplatz quartieren wir uns ein und nehmen den Bus nach Christchurch Zentrum. Eine sehr nette Stadt mit viel gepflegten Grünflächen und Cafés. Wir schlendern und lassen das Flair der Stadt wirken. Im Internetcafé versuchen wir unsere Urlaubsplanung zu vervollständigen. Mit vielen Ideen und vielen Hindernissen kommen wir leider nicht zu einer endgültigen Planung.

Freitag 5. Januar 2007, Zugfahrt nach Greymouth

Wir nehmen den gestern gebuchten Zug nach Greymouth, der über den Arthurs Pass führt. Zuerst durchqueren wir Flachland, bis sich am Horizont die Alpen erheben. Um den Arthurs Pass zu erreichen, müssen viele Höhenmeter überwunden werden. Ein Traumhaft schönes Panorama von Bergen und Tälern, Flüssen und Wiesen, Fels und Wald zieht an uns vorbei. Wir hoffen den frechen Bergpapagei, den Kea, zu erblicken, aber es bleibt bei der Hoffnung. Am wenig spektakulären Arthurs Pass ist kurze Pause, dann geht es durch einen langen Tunnel weiter. Nach ca. 4,5 Stunden Fahrt erreichen wir Greymouth, ein verschlafenes 10.000 Seelen Nest, in dem ab 18 Uhr die Bordsteine hochgeklappt werden. Zum Glück haben wir unseren Leihwagen reserviert, alle Verleiher sind "fully booked". Wir planen in der Touristinfo unsere nächsten Tage und müssen auch hier feststellen, es ist Hochsaison. Die Unterkunft in Franz-Joseph ist nur noch teuer zu bekommen. Die Buchungen wollte ich mit meiner Kreditkarte begleichen, doch sie verweigert die Bezahlung, nachdem ich heute erfolgreich den Mietwagen und den Inlandsflug von Christchurch nach Rotorua buchen konnte. Ich hoffe nur, dass das tägliche Limit überschritten ist, Holgi hebt Bargeld ab und begleicht die Rechnung in der Touristinfo. Der heutige Tag ist schon verdammt teuer!

Samstag 6. Januar 2007, Höhlentour

Wir beginnen den Tag mit der geplanten Höhlentour in der Dragon Cave. Das ganze nennt sich Blackwater-Rafting, weil wir durch einen unterirdischen Bach waten und schwimmen. Wir laufen pünktlich beim Veranstalter 'Wild West' ein, werden in Neopren eingekleidet, erledigen die Formalitäten und bald darauf geht es im Unimog Richtung Höhle. Das Englisch des Guides ist dermaßen schlecht zu verstehen, das wir hoffen nicht die gröbsten Fehler zu begehen, um heil wieder aus der Höhle zu kommen. Im Neopren und Gummistiefeln laufen wir durch den Regenwald zum Höhleneingang. Es gibt, wie schon befürchtet, eine nicht verständliche Einführung unseres Guides und wir laufen los. Für diejenigen, die die Herausforderung nicht scheuen, gibt es einen engen Tunnel. Wir scheuen die Herausforderung nicht und der Tunnel ist wirklich eng. Ein etwas stämmigerer Engländer robbt vor uns her und gibt vor Anstrengung Geräusche von sich, bei denen ich mir einen Kommentar nicht verbeißen kann. Ich rufe zu ihm vor, "this must be the love tunnel", welcher tatsächlich erst später kommt. Am Ende des Tunnels treffen wir auf den Rest der Gruppe und es geht weiter. Selbstverständlich sind auch in dieser Höhle Glühwürmchen, die von uns bei gelöschtem Licht bestaunt werden. Wir treiben in aufgepumpten Autoschläuchen den Bach herunter, durch den Love Tunnel. Ein wenig Klettern, Schwimmen und Springen und es geht zurück. Ein weiterer, meiner Meinung noch engerer Tunnel, wir von uns ebenfalls durchschlüpft, während die restliche Gruppe den leichteren Weg nimmt. Für unseren Geschmack leider viel zu früh, ist die Tour zu ende. Eine nicht ungefährliche Rutschpartie auf einer Neoprenmatte ersparen wir uns, da der Urlaub ja noch vor uns steht und Verletzungen mehr als hinderlich wären. Die Tour hat trotzdem sehr Spaß gemacht. Im Anschluss gibt es eine heiße Dusche und Whirlpool mit Muffins und einer Slideshow unserer Höhlentourbilder. Wir holen unseren kostenlosen, von Wild West gesponserten BigMac ab und Holgi lässt die Gelegenheit nicht aus, unsere beiden Erdbeer-Shakes gleichmäßig über den Boden zu verteilen.

Die Fahrt Richtung Gletscher führt durch aufregenden Wälder und an unzähligen Creeks und Rivern vorbei. In Whataroa beziehen wir in einem umfunktionierten Geburtshaus unser Studio. Wir besuchen gleich noch Franz-Josef, um uns den Abend zu vertreiben. Aber sowohl in Whataroa als auch in Franz-Josef ist tote Hose, ab 18 Uhr werden die Bordsteine hochgeklappt.

Sonntag 7. Januar 2007, Gletschertour am Franz Josef Glacier

Mit selbstgebratenem Rührei gestärkt laufen wir bei um 9 Uhr bei unserem Gletscherguide-Unternehmen ein. Wir reihen uns ein und werden mit Steigeisen ausgestattet. Selbst mit Jacke und Hose kann man sich ausstatten lassen. Mit dem Bus geht es zum Gletscher, der sich wie ein mächtiger Schlauch aus Eis in Tal windet. Mit einer Geschwindigkeit von 5 Metern pro Tag driftet er ins Tal. Vom Busparkplatz müssen wir noch eine dreiviertel Stunden dem Gletscher entgegenwandern, bis sich die riesige Eismasse vor uns auftürmt. Durch Druck und Schmelzwasser sammeln sich Unmengen an Wasser im Gletscherinneren und tritt an der tiefsten Stelle des Gletschers durch das sogenannte Gletschermaul ans wieder ans Tageslicht. Das Schmelzwasser fließt Richtung Meer, dass nur wenige Kilometer entfernt liegt. Es gibt weltweit nur sehr wenige Gletscher, die bis auf Meereshöhe herunterkommen. Der Franz-Josef- und Fox-Gletscher sind zwei davon. Wir besteigen das zerklüftete Massiv aus Eis, welches vom zermalenen Feld die graubraune Farbe angenommen hat. Teilweise mit Handseilen gesichert erklimmen wir den Gletscher. Wir haben Glück, der gestrige Dauerregen hat sich heute in Sonnenschein aufgelöst. Die Sonne bringt die Eismassen und Spalten zum Schimmer, Türkisblaue Eiswände türmen sich auf, das Schmelzwasser verschwindet gurgelnd in der Tiefe des Gletschers. Ein Kea, die hier heimischen und ausgesprochen frechen Bergpapageien lässt sich blicken. Trotz der wunderschönen Landschaft geht uns die die extrem langsame Wandergeschwindigkeit mit seinen ständigen Wartepausen langsam auf die Senkel. Die Füße und der Rücken tun bald so weh, wie nach einem stundenlangen Einkaufsbummel in der Stadt. Zurück im Ort Franz-Josef gönnen wir uns noch zum Ausklang einen Burger mit Fries.

Montag 8. Januar 2007, Fahrt nach Glenorchy

Wir verbringen den Tag überwiegend im Auto. Im DOC (Department of Conservation) erfragen wir Details zum Rees-Dart-Track und besorgen uns noch die Tickets für die Übernachtungen in den Hütten. Meine Trekkingsandalen machen die Krätsche und so besorge ich mir neue in Queestown. In Glenorchy, ein kleines Nest, dessen Hauptattraktion die vielen Wanderrouten sind, quartieren wir uns ein und können uns abends dem heißen Stein nicht erwehren, den wir mit einem Bananensplit abschließen.

Dienstag 9. Januar 2007, Rees-Dart-Track Shelter Rock Hut

Wir erfragen und organisieren uns die nötigen Tickets für den Shuttle-Dienst zum Startpunkt des Track. Wir checken noch kurz Email und die Fahrt mit dem Bus geht los. Auf Schotterpisten und durch Bachläufe bahnt sich der Bus zum Startpunkt ins Rees-Valley. Bei strahlendem Sonnenschein laufen wir los und genießen die einmalige neuseeländische Landschaft. Nach wenigen Minuten ist der erste Bachlauf zu durchqueren. Noch versuchen wir mit trockenen Füssen das andere Ufer zu erreichen. Doch nachdem die weitere Route durch Sumpfwiesen führt, in denen wir teilweise knietief waten, sind uns die kommenden Flussquerungen egal. In den Schuhen schwappt es, die Hosen sind bis an die Oberschenkel mit Schlamm verschmiert. Wir verlassen die teilweise nach Faulschlamm riechenden Wiesen und erklimmen durch bemooste Farnwälder Höhe. Die 19 km ziehen sich und der Naturgenuss wandelt sich in eine Unterdrücken der Schmerzen. Die Füße schmerzen, der Rücken und die Schultern verspannen sich unter dem schweren Rucksack. Ziemlich fertige erreichen wir nach ca. 8 Stunden Marsch die Shelter Rock Hut. Ein paar Wanderer waren schneller als wir, die meisten treffen nach uns ein. Die Sandfliegen sind all zugegen und pisacken uns mit ihren Bissen. Zuerst gibt es Tee und Suppe, dann ein Nickerchen. Dann gibt es Nudeln und das große Nickerchen bis zum Morgen.

Mittwoch 10. Januar 2007, Rees-Dart-Track Dart Hut

Nach dem Frühstück geht es gleich los. Es nieselt und nachdem die Nässe langsam die Klamotten drängt, ziehen wir uns regenfest an. Es geht stetig bergauf, bis wir fast senkrecht den Rees-Saddle erklimmen. Von nun an geht es stetig bergab, nicht nur geographisch, sondern auch mit meinen Knien. Es geht teilweise so steil runter, dass meine Knie weich werden und schmerzen. Den Snowy River folgend können wir auch bald den Dart Gletscher sehen, den wir überlegt hatten noch zu erwandern. Der Regen lässt langsam nach, durch das kniehohe Gestrüpp wird die Hose aber trotzdem stets klatschnass gehalten. Tief unter uns rauscht der Snowy Creek, nicht viel Platz zum Stolpern. Irgendwann erblicken wir die Dart Hut, hier trifft der Snowy Creek auf den Dart River. Nach gut vier Stunden haben wir die 9 Kilometer Marsch hinter uns gebracht. Der ganze Nachmittag steht uns noch zur Verfügung, wir kochen und lesen.

Donnerstag 11. Januar 2007, Rees-Dart-Track Daley's Hut

Trotz der gestrigen Schlechtwettervorhersage bricht bald die Sonne durch und bevor wir loslaufen ist schönster Sonnenschein. 15,7 Kilometer stehen heute auf dem Plan, benötigte Zeit 6-8 Stunden. Wir kommen sehr gut voran und machen entsprechend Pausen, um die Landschaft zu würdigen und genießen. Zuerst führt uns der Track einige Kilometer durch den Wald, bis wir auf Grasland neben dem Dart River treffen. Zerfurcht von Side Creeks geht es trotz Flachland immer wieder in das Bachbett des zuströmenden Bachbettes runter und anschließend wieder herauf. Das schöne Wetter hat einen Nachteil, ich merke meinen Heuschnupfen. Unsere feuchten Stiefel sind gerade Im Begriff zu trocknen, als wieder tiefere Bäche zu queren sind. Trotz der ständig durchweichten Füße bekomme ich erfreulicherweise keine Blasen. In einer Waldlichtung kochen wir Tee und ein Nudelgericht, wir wollen nicht wieder den ganzen Nachmittag auf der Hütte verbringen. Nach etwa siebeneinhalb Stunden wandern und pausieren erreichen wir die Hütte. Tausende von Sandflies begrüßen uns. Die Biester lassen uns keine Zeit, außerhalb der Hütte auszuschwitzen, wir fliehen in die Hütte. Die kurze Katzenwäsche in der offenen Toilette wird sofort mit einigen Bissen quittiert. Die Sonne geht erst gegen halb neun unter, so dass uns mal wieder ein langer Hüttennachmittag und -abend bevor steht. Wir verbringen die Zeit wieder mit kochen, essen und lesen.

Freitag 12. Januar 2007, Rees-Dart-Track - Glenorchy

Unser Bus holt uns bereits um 14 Uhr am Chinaman's Bluff ab, so dass wir früh den Track starten müssen. Die 15 Kilometer sollten laut Angabe drei bis fünf Stunden dauern. Es ist strahlender Sonnenschein, Nebel erhebt sich über dem Dart River und darüber leuchten die schneebedeckten Gipfel. Der Weg führt durch Märchenwälder, überall plätschern farnbedeckte Bäche, alles ist dick mit Moos überwuchert. Wir durchqueren morgentaufeuchte Wiesen, die Hosenbeine und Stiefel sind klatschnass davon. Wir folgen dem Dart River, der sich an hohen Felswänden entlang windet und immer breiter wird. Entspringen tut er aus dem Dart Gletscher und wird durch unzählige Seitenbäche zusätzlich gespeist. Die Sandfliegen sind unsere ständigen Begleiter und bei jeder Pause gönnen sie sich einen Schluck Blut. Obwohl die Route relativ flach mit nur wenig steilen Anstiegen verläuft, schlauchen die fünfzehn Kilometer und wir erreichen unser Ziel erst nach fünf Stunden. Mit dem Bus geht es wieder über Schotter und Bäche zurück nach Glenorchy. Wir kaufen Zutaten für Pfannkuchen, checken im Glenorchy Hotel wieder ein und gehen zum Campingplatz, um dort unsere *stinkende* Wanderwäsche zu waschen und die Pfannkuchen zu backen. Die Pfannkuchen gelingen vorzüglich auf dem Spirituskocher, wobei wir die Menge gewaltig unterschätzt hatten. Ein Stapel Pfannkuchen lagert nun im Auto. Es gilt immer, noch die Zeit nach dem Milford Sound zu planen. Eine Kajaktour auf dem Doubtful Sound ist der Favorit.

Gerade sitze ich bei einem milden Sommerabend auf der Terrasse des Glenorchy Hotels und genieße meine kühle Apfelschorle bei cooler Musik von U2. Die Apfelschorle ist hier natürlich unbekannt, das Rezept aber einfach genug, um es zu vermitteln.

Samstag 13. Januar 2007, Te Anau

Wir verabschieden uns von Glenorchy und fahren Richtung Milford Sound. Es ist schönstes Wetter und richtig heiß. In Queenstown decken wir uns noch mal richtig mit Futter ein und meine Allergie versuche ich mit Augentropfen in den Griff zu bekommen. Unsere übrig gebliebenen Pfannkuchen gibt es zum Frühstück und es bleiben immer noch welche übrig. Wir fahren über relativ ödes Flachland an gelb blühenden Ginsterhängen vorbei nach Te Anau. Da es im Fjordland kaum Einkaufsmöglichkeiten und schon gar nicht Sprit gibt, decken wir auch unser Auto noch mit Futter ein. Es geht wieder ans Entscheidungen fällen, was machen wir die nächsten Tage? Schließlich setzen wir folgenden kostspieligen Plan um: morgen Milford Sound mit einer Übernachtung in der Milford Sound Lodge, übermorgen Tauchen im Milford Sound. Das soll besonders interessant sein, da das Wasser durch die auf dem Salzwasser ruhende tanninhaltige Süßwasserschicht, so abgedunkelt ist, dass sich dort Spezies angesiedelt haben, die es sonst erst ab 100 Meter Tiefe, eben in absoluter Dunkelheit gibt. Der darauffolgende Tag soll in Te Anau verbracht werden, um die darauf folgenden zwei Tage mit dem Kajak den Doubtful Sound zu erkunden. Den Schreck über über die Kosten verschönen wir uns mit einem selbstgebratenem Steak am Lake Te Anau und einem kurzen Bad darin.

Den Abendverbringen wir im Café und lesend im Bett. Holgi musste sein Einzelzimmer, oder besser sein Bett mit Käfern teilen. Er hat sie kurzerhand samt Bett ausquartiert.

Sonntag 14. Januar 2007, Milford Sound

Um 15 Uhr ist heute an der Milford Sound Bridge unser Tauchbriefing, d.h. um genügend Zeit für die angeblich wunderschöne Anfahrt zum Milford Sound zu haben, starten wir entsprechend früh. Um 8 Uhr fahren wir bei bewölktem Himmel los. Ein kurzer Frühstücksstopp am See und es beginnt zu regnen. Der Milford Sound zeigt sich authentisch, denn angeblich regnet es dort fast das ganze Jahr. Eine jährliche Niederschlagsmenge von 7 Metern ist der Durchschnitt. Diesem Umstand verdankt der Fjord auch seine aufliegende Süßwasserschicht. Es schüttet und die Wolken hängen so tief, dass sich die angeblich schönste Landschaft der Welt im Nebel versteckt. Die Mirror Lakes spiegeln nichts, da die Regentropfen die Spiegelfläche stören. Wir machen einen Abstecher am Hollyford River und laufen im Regen zu den Humboldt Falls. Der Himmel reißt auf und lässt uns Hoffnung schöpfen. Wir kommen an den Homer Tunnel, wo angeblich die frechen Keas auf Touristen lauern und Autos traktieren. Und in der Tat es sitzen drei Keas auf einem parkenden Auto und knabbern am Blech, Aufklebern und Gummi. Die Vögel zeigen absolut keine scheu, im Gegenteil, sie attackieren einen wenn was nicht passt. Die Vögel sind so dreist, dass sie sogar auf den fahrenden Autos sitzen bleiben und erst dann von ihrem Vorhaben ablassen, wenn der Fahrtwind zu heftig wird. Das sind echt witzige Zeitgenossen. Die Ampel am Tunnel wird grün und nach 1,2 km Tunnel fahren wir wieder in den strömenden Regen und Nebel hinein. Bevor wir den Sound erreichen, halten wir noch kurz am Chasm Waterfall. Der Sound ist absolut Wolken verhangen und die steil abfallenden Felswände sind bestenfalls schemenhaft zu erkennen. Was tun mit dem angebrochen Nachmittag bei diesem Regen? Wir entschließen uns für den 4 stündigen Track auf den Gertrude Saddle und ziehen uns unsere mittlerweile wieder trocknen Trekkingstiefel und gewaschenen Trekkingklamotten an. Es geht circa eine Stunde im Tal durch kniehohes Gras, welches sich an unseren Hosen und Stiefeln trocken streift, der Regen sorgt für Feuchtigkeit von oben. Wir beginnen den Sattel zu erklimmen, scheitern aber weiter oben an einem reißenden Bach, der sich unweit tosend in Tiefe stürzt. Mittlerweile bis auf die Haut durchnässt treten wir den Rückzug an, in den Stiefeln schwappt das Wasser hin und her, die Jacke tropft, alles ist nass. Im Tal durchwaten wir übermütig einen knietiefen, kristallklaren Tümpel, nasser können wir eh nicht mehr werden. Lange bleiben wir dennoch nicht drin, das Wasser ist eiskalt. In unserer Lodge wird alles zum Trocknen aufgehängt und in der großen Gemeinschaftsküche bereiten wir unser Trapper-Bohnengericht.

Montag 15. Januar 2007, Tauchen am Milford Sound

Bereits um kurz nach 7 Uhr werden wir von der Tawaki Dive Company abgeholt und mit Equipment ausgestattet. Mit er "Sea Dragon", einem kleinen Motorboot, fahren wir zu siebt, inklusive dem Tauchguide und Skipper in den Fjord. Beide erzählen sehr humorvoll Interessantes über den Fjord und dessen Unterwasserwelt. Die zwei verstehen es eine recht lockere und lustige Veranstaltung daraus zu machen und es macht richtig Spaß. So erfahren wir z.B., dass die weit über 1000 Meter hohen und steil abfallenden Fjordwände zuerst mit Moos besiedelt werden und wenn genügend zum Verwurzeln für Bäume vorhanden ist, wachsen Bäume auf dem fast blanken Fels. Wird dieser Moos-Baum-Teppich zu schwer rutscht er ab und landet im Fjord. Schließlich landen wir auch im Fjord, um in dessen dunklen Tiefen abzutauchen. Die tanninhaltige Süßwasserschicht soll das Meer dort so abdunkeln, dass sich bereits ab wenigen Metern Tiefe eine Tiefseeflora und -fauna

angesiedelt hat. Tatsächlich ist es erstaunlich hell, nicht viel dunkler als in einem Bergsee in Deutschland und es ist ebenso kalt. 14-16°C haben wir zu ertragen. Bei etwa 7-8 Metern Sicht finden wir eine schwarze Koralle, Schnecken, Flundern, Röhrenwürmer und Schlangensterne. Der Tauchgang war nicht überwältigend, aber mit dem Wissen, Tiefseeflora und -fauna gesehen zu haben, doch einmalig. An Bord der "Sea Dragon" werde wir mit dem bestmöglichen Service versorgt. Jeder bekommt eine Tasse heißes Wasser in seinen Neopenanzug geschüttet - Taucher-Spa . Dazu gibt es Nudelsuppe in der Tasse. Wir machen einen kleinen Landausflug zu einem Wasserfall und genießen das Wetter in vollen Zügen. Es ist einmalig schön, der Fjord zeigt in seiner ganzen Pracht. Kein Wölkchen am Himmel, ein einmaliges Erlebnis. Die Gischt des Wasserfalls bildet einen Regenbogen. Der Fjord ist ein Spektakel der Superlative. Wasserfälle, 3mal so hoch wie der Niagarafall, weit über 1000 Meter steil abfallende Wände und Wassertiefen um die 500 Meter. Wir kommen an einer Seelöwenkolonie vorbei, die sich in der Sonne aalt. Wir lernen, dass sie bis zu 450 Meter tief tauchen können. Der zweite Tauchgang bringt außer einer großen Garnele nichts weiteres dazu. Nach 30 Minuten ist jedenfalls genug Kälte durchgedrungen, um das Wasser wieder zu verlassen. Da wir heute noch den Homer Tunnel und damit 530 m Höhe erreichen, wurde beide Tauchgänge als Höhentauchgänge geplant, d.h. maximale Tauchtiefe war 18 Meter. Wir werden wieder mit Warmwasser versorgt und die "Sea Dragon" macht mit uns die Fjordrundfahrt, die die anderen Touristen mit den großen Ausflugsschiffen machen. Zurück in der Lodge, werden uns noch ausführlich die unter Wasser gesehenen Spezies erläutert und anhand von Bildbänden nochmals gezeigt. Danach geht wieder über die Mirror Lakes, die immer noch nicht spiegeln, wieder zurück nach Te Anau. Abends sehen wir uns noch in dem eigens für den Film errichteten Kino eine eindrucksvolle Dokumentation über Fjordland an.

Dienstag 16. Januar 2007, Te Anau

Heute steht nichts auf dem Programm, so beschließen wir das Endstück des Kepler Tracks zu laufen, welcher in Te Anau endet. Wir kommen am Wild Reserver vorbei, wo es einheimische Vogelarten zu sehen gibt, darunter den ausgestorben geglaubten Takahe. Es geht weiter am See entlang über die Schleusen zum Lake Manapouri in den Wald auf den Kepler Track. Nach etwa drei Stunden wind wir zurück und unterziehen uns der Kajakeinweisung für die morgen bevorstehende Kajaktour am Doubtful Sound. Zufällig treffen wir Andrew auch dort, ihn haben schon auf dem Rees-Dart-Track kennen gelernt. Wir beschließen den Tag mit selbstgemachtem Kaiserschmarren, aber ehrlich, es ist auch nicht zu erwarten, dass wir in Neuseeland einen im Restaurant bekommen würden.

Mittwoch 17. Januar 2007, Doubtful Sound

Bereits um kurz nach sechs Uhr werden wir von Fjordland Wilderness Experiences abgeholt. Ein aufwändiges Transfer zum Doubtful Sound steht bevor. Zunächst geht per Van nach Manapouri/Pearl Habor, dann mit dem Boot über den See. Die Weiterfahrt mit dem Van führt über den Wilmot Pass zum Sound. Dort angekommen, werden wir eingekleidet und erneut unterwiesen. Ein prachtvoller Sonnentag steht uns bevor, den uns hoffentlich auch nicht allgegenwärtigen Sandfliegen verderben können. Wir stechen in See und außer uns sieben Paddlern ist weit und breit keiner zu sehen. Wir gleiten auf der glatten Wasseroberfläche dahin und sind mit dem Gesang fremder Vogelstimmer ganz allein in abgeschiedener Wildnis. Eine weitere Gruppe und ein Ausflugsboot mit Tagesausflüglern teilen sich mit uns den 44 Kilometer langen Fjord. Wir können es kaum fassen, dass wir bereits den zweiten schönen Tag in einer der regenreichsten Gegenden der Welt erleben. Hat sich der Milford Sound schon von seiner schönsten Seite gezeigt, der Doubtful Sound steht ihm in nichts nach. Die Natur und die unberührte Landschaft ist ein Hochgenuss. Nach diversen Pausen landen wir an unserer Campsite, wo uns tausende von Sandfliegen uns bereits sehnsüchtig erwarten. Das Landen, Auspacken, Zelt aufbauen und Umziehen kommt einem wilden Tanz gleich. Jeder hüpft mit seinem persönlichen Fliegenschwarm umher, unsere amerikanische Mitreisende ist dem Heulkrampf nahe. Zum Glück gibt es einen Fly-Shelter Vorort, der baldmöglichst zum Kochen und Tagesausklang bezogen wird. Exotische Vogelrufe wiegen uns später in den Schlaf.

Donnerstag 18. Januar 2007, Doubtful Sound - Te Anau

Wir wachen auf und denken es regnet. Tatsächlich ist das aber das Prasseln der Sandfliegen gegen das Zelt. Jeder flitzt wieder mit seiner persönlichen Fliegenwolke umher, bis wieder alles eingepackt und gefrühstückt wurde. Selbst auf dem Fjord hat jeder noch treue Fliegengarde dabei, bis endlich eine Brise Wind sie davon trägt. Heute ist es windiger und im Handumdrehen haben wir einen Wellengang von einem Meter Höhe. Der Ritt in den Kajaks wird anstrengender, aber auch abenteuerlicher. Die Wellen schlagen über den Bug, während wir gegen den Wind kämpfen. Eve, unser Guide, beschließt eine andere Route zu fahren, da wir so kaum vom Fleck kommen und so reiten wir mit dem Wind und den Wellen, anstatt gegen sie. Wir 'raften up', d.h. wir halten unsere Kajaks zu einem Raft zusammen und spannen mit zwei Paddeln ein Segel auf. Der Wind treibt uns schließlich nach fünf Stunden Fahrt wieder zurück in unseren Hafen, von wo aus wir wieder unsere aufwändige Rückreise nach Te Anau antreten.

Unsere Wäsche landet in der Waschmaschine, während eine Pizza in unseren Mägen landet. Andrew, der uns nun schon auf dem Rees-Dart-Track und im Doubtful Sound begleitet hat, läuft uns zufällig wieder über den Weg und leistet uns Gesellschaft bei der Pizza.

Freitag 19. Januar 2007, Queenstown

Eve empfahl uns gestern noch die Clifden Caves südlich von Te Anau zu besuchen. Da heute nichts weiter auf dem Programm steht, nehmen wir die Stunde Fahrt zu der Höhle in kauf. Wir ziehen uns um, da es in der Höhle angeblich nass wird und man stellenweise nur kriechend voran kommt. Wir stellen uns auf 300 Meter Höhle und eine Stunde Aufenthalt ein. Wir besteigen die Höhle, es wird schnell dunkel, aber auch schnell wieder hell. Innerhalb von 5 Minuten waren wir durch, von wegen nass und kriechen. Wir fühlten uns etwas verarscht und fahren weiter nach Invercargill Richtung Norden. Es regnet. In Arrowtown suchen wir den "Herr der Ringe" Drehort, wo Arwen auf der Flucht vor den schwarzen Reitern den Fluss überquert. Der Platz ist völlig unscheinbar und wegen der digitalen Nachbearbeitung im Film ist hier nichts zu erkennen. Arrowtown entstand aus einer kleinen Goldgräbersiedlung. Ein Teil der Siedlung, die 'chinese settlement' wurde konserviert und restauriert und steht zur Besichtigung offen. Mittlerweile ist richtig heiß geworden, wir suchen uns eine Kneipe und löschen den Durst.

Wie soll es anders sein, am Abend in Queenstown treffen wir zum vierten Mal auf Andrew. Zusammen mit unseren Kajakabenteurern Kareen und Rafael aus der Schweiz verbringen wir den Abend.

Samstag 20. Januar 2007, Rotorua

Heute geht es per Inlandsflug nach Rotorua. Wir geben unseren Toyota ab und bekommen in Rotorua einen Mitsubishi. Der so gewöhnungsbedürftige Gestank in Rotorua, der von den vielen Schwefelquellen und den geothermischen Aktivitäten herrührt, lässt sich gerade mal erahnen. Ich hatte mit wesentlich schlimmerem gerechnet. Ab und zu strömt eine Schwade schwefelwasserstoffhaltiger Luft an uns vorbei, ist aber durchaus noch erträglich. Wir essen etwas und lassen uns von einem Maori bedienen. Wenn man bedenkt, wie deren Vorfahren gelebt haben und z. T. noch leben, stellt sich die Frage - ist das Leben so besser? In der Tourist Info lassen wir uns beraten und stellen unser Programm zusammen. Zuerst besuchen wir das Rotorua Museum, in dem die Geschichte des Rotorua Heilbades erzählt wird. Am Abend verbringen wir unsere Zeit bei einer Maori Veranstaltung der Mitai Familie. Maoris mit ihrer fiesen Kriegsbemalung paddeln in Ihrem Kriegskanu einen Bach rauf und runter, führen Zeremonien und Tänze auf. Das Schauspiel ist in höchstem Maße touristisch. aber trotzdem ganz sehenswert. Zum Ende gibt es Hangi, ein traditionelles Maori Essen, welches in einem Erdloch auf heißen Steinen zubereitet wird. Es schmeckt köstlich, ist aber auch nichts wirklich ungewöhnliches. Es gibt Hühnchen, Lamm und Süßkartoffeln und Soße.

Sonntag 21. Januar 2007, Tongariro Nationalpark

Noch unentschlossen über den Tagesverlauf frühstücken wir erst mal gemütlich und kaufen Brot ein. Wir besuchen den geothermischen Schauort Te Puia, wo Geysire um die Wette spritzen, Schlammlöcher blubbern und übelriechende Nebelschwaden umherziehen. Außerdem gibt es hier auch Maori Vorführungen, ähnlich der gestrigen. Im dortigen Kiwi-Haus bekommen wir die vom Ausstreben bedrohten Wahrzeichen Neuseelands zu Gesicht.

Wir entschließen uns zum Tongariro Nationalpark zu fahren, dort wollen wir morgen eine der schönsten Wanderungen der Nordinsel machen, den Tongariro Crossing. Als wir dort ankommen verbirgt sich der Nationalpark hinter dichtem Nebel und Regen. Wir können keinen der gigantischen Vulkane sehen, noch erahnen. Im DOC erfahren wir, dass sich das Wetter die nächsten Tage nicht ändern soll. Wir versuchen einen Plan B auszuarbeiten. Als Optionen stehen an: Kajak fahren auf einem Fluss, Schwimmen mit Delfinen oder Mt. Egmont. Wir warten den morgigen Wetterbericht ab und beenden den Abend mit zwei deutschen Mädels in der Sauna. Im Übrigen scheint das ganze Hotel von Deutschen besetzt zu sein.

Montag 22. Januar 2007, Tongariro Crossing

Der Wetterbericht vom DOC verheißt nichts Gutes, trotzdem beschließen wir die Tour zu machen, da es sonnig ist. Auf den letzten Drücker organisieren wir Proviant, packen und erwischen den letzten Shuttlebus um 9 Uhr. Die Tour dauert 6-8 Stunden und der letzte Shuttlebus holt uns um 17:30 ab. Die Zeitangeben verunsichern uns etwas, denn die Zeitangaben am Rees-Dart-Track konnten wir nur mit Mühe erreichen. Wir laufen also schneller und sind der veranschlagten Zeit schnell voraus. Das Wetter spielt mit und zeigt sich von seiner besten Seite. Wir laufen durch Mordor, das ist das Gebiet aus Herr der Ringe, wo Frodo seinen Ring hinbringen sollte. Die Landschaft ist einmalig schön. Wir erklimmen die 800 Höhenmeter zum Roten Krater und sehen von dort in glasklare und blaue Kraterseen. Die Wolken zeihen hier mit hoher Geschwindigkeit durch, so dass von einer Minute die Landschaft im Nebel verschwindet, um in einer weiteren Minute wieder unter strahlend blauem Himmel zu erstrahlen. Das gibt dem Ganzen eine gewisse mystische Note. In fünf Stunden Wanderzeit erreichen wir das Ende des Tracks und wir sind wirklich froh, den Track gewandert zu sein. Es war ein einmaliges Erlebnis.

Dienstag 23. Januar 2007, Rotorua

Das Wetter verjagt uns aus dem Tongariro Nationalpark zurück nach Rotorua. In Taupo machen legen wir einen Zwischenstopp ein, um die Übernachtungen und das Schwimmen mit den Delfinen klar zu machen. In Rotorua entspannen wir im Polynesian Spa. Es sind sehr schön angelegte Natursteinbecken mit Blick auf den Lake Rotorua, gespeist von heißen Quellen. Die heißen Schwefelquellen riechen zwar etwas, sind aber als langsamer Ausklang eines ereignisreichen Aktivurlaubes sehr willkommen. Wir quartieren uns wieder im "Treks Backpackers" ein, eine gepflegte und günstige Unterkunft.

Mittwoch 24. Januar 2007, Whakatane

Vom Straßenlärm genervt, stehen wir schon früh auf und machen uns auf den Weg nach Whakatane. Dort wollen wir morgen mit dem Veranstalter "Whales and Dolfins" zu wilden Delfinen raus fahren, um dort mit ihnen zu schwimmen. Einen längeren Zwischenstopp machen wir in Tauranga und gehen dort am Sandstrand sogar in Wasser und kämpfen gegen die hereinbrechenden Wellen. Der Ort ist sehr touristisch und hat damit reichlich Cafés und Restaurants zu bieten. Der Weiterweg an der Bay of Plenty führt uns am kilometerlange Sandstrände am Pazifik. Wir machen unterwegs noch mal Stopp und beobachten das Spiel des Wassers mit dem Sand. In unserer Unterkunft in Whakatane braten wir uns zwei T-Bone Steaks mit reichlich Gemüse und Zwiebelringen, lecker!

Donnerstag 25. Januar 2007, Thames

Wie verabredet treffen wir morgens bei "Whales and Dolfins" ein, um uns unterweisen und einkleiden zu lassen. Es geht mit dem Boot raus und nach etwas Suchen, tauchen die ersten Delfine auf. Sie schwimmen sehr schnell, folgen teilweise dem Boot unter dem Bug oder kreuzen unseren Weg. Immer nur vier Personen dürfen aus dem Boot. Da die Delfine auf Wanderschaft sind, vermutlich Futtersuche, nehmen sie nicht viel Notiz von uns und so bekommt nur Holgi einen Augenblick einen Delfin zu sehen, der unter ihn durchzog. So wurden alle Teilnehmer mal zu Wasser gelassen, um ihre "livetime experience" zu machen. Etwas später waren wir noch mal dran und dann gab es auch für mich einen Schnappschuss lang einen Delfinkontakt. Mein damaliger Kontakt mit Delfinen in Ägypten hat mich deutlich mehr beeindruckt, da waren die Delfine an uns Tauchern interessiert. Dafür erweist sich unser Abstecher auf die Whales Island als Highlight. Dort liegen Seelöwen auf einem Felsen, zu dem wir natürlich hin schnorcheln. Einer der Kameraden findet Interesse an uns und taucht um uns herum. Mit seinen großen Augen beobachtet er genau, was wir machen, ebenso wie wir. Trotzdem war er sehr scheu und schreckhaft, unsere Annäherungsversuche ließ er nicht zu und achtete auf ausreichend Distanz. Plump im Wasser treibend versuchten wir wenigstens den wendigen Burschen optisch zu folgen. Auf dem Rückweg entdecke ich noch eine Rochen auf dem Sandboden liegend. Nach dem Mittagessen sehen wir uns noch ein kurzes Video bei "Whales und Dolfins" an, welches vor wenigen Tagen aufgenommen wurde. Wir sehen, wie ein Orka einen ausgewachsenen Delfin tötet und frisst. Der Filmer meint, dass sich vermutlich die Mutter für Ihr Kind geopfert hat, denn anfangs wurde ein Delfinbaby gejagt.

Wir fahren nach Thames und quartieren uns dort ein. Den letzten Abend wollen wir mit einem guten Steak beenden und verlassen uns auf die Empfehlung des Loose-Reiseführers. "The Goldmine" serviert uns völlig unakzeptable Steaks, trocken und zäh wie Schuhsohle und lassen diese wieder zurückgehen. Das Fleisch ließ sich nicht zerkauen. Die zweite Fuhre war ähnlich schlecht. Hungrig und verärgert verlassen wir das Lokal.

Freitag 26. Januar 2007, Heimflug

Etwas Aufregung bescherte uns Holgis Rucksack am Flughafen, als ich ausgerufen werde. Das Gepäckstück wurde von der Security nicht freigegeben, da die Spritflasche für den Trangia Kocher auffiel. Das Problem können wir mit der Security klären, aber offensichtlich konnte das Gepäckstück nicht mehr mitfliegen. Jedenfalls bekommt Holgi seinen Rucksack in Kuala Lumpur nicht. Wir machen eine Verlustanzeige und lassen uns in unser wohlbekanntes Melia Hotel fahren. Morgen um 22 Uhr ist der Weiterflug.

Samstag 27. Januar 2007, Kuala Lumpur

Wir verbringen die Zeit zum Abflug im Hotel und anschließend in den kleinen Gassen hinter dem Melia Hotel. Dort spielt sich das Leben ab, welches wir in KL immer gesucht hatten. Straßenstände, Imbissrestaurants, Läden und viele Menschen. Trotzdem könne wir uns nicht mehr zu großen Unternehmungen aufraffen. Wir sitzen die Zeit ab und warten auf den Weiterflug am Flughafen.

Sonntag 28. Januar 2007, Ankunft in good cold germany

Christine holt uns vom Flughafen ab, die Wiedersehensfreude ist groß. Zu Hause bekomme ich mein kleines Töchterchen endlich wieder zu sehen, hab sie ziemlich vermisst.

Fazit:

Neusseland ist ein Muss für Naturliebhaber. Ich habe den Urlaub in vollen Zügen genossen, obwohl in Summe viel Geld geflossen ist. Aber man will halt nichts auslassen . Eine atemberaubende Natur, freundliche Kiwis, hervorragende Touristen-Infrastruktur und jede Menge Aktionen machen den Aufenthalt einmalig.


© 2007 Michael Pophal, Letzte Überarbeitung: 02.11.2007