von

Michael Pophal und Uwe Mechtold

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Anno Juli 1991 beschlossen drei ordentliche Chemieingenieurwesen den hohen Norden zu erkunden und das folgende haben sie erlebt ...

Mittwoch 31.07.91
Abfahrt gegen 9.30 Uhr. Das Gepäck besteht aus einem zweier Faltboot, einem
Wildwasserkajak, Angelausrüstung, Fressalien für DM 300,-, Camping-, Koch-
und Wanderausrüstung. Es erwartet uns eine Treckerfahrt von ca.1500km bis Lennardsfors. Wir nehmen die Fähre von Puttgarden nach Rotby und von Helsingor nach Helsingborg (Hin- und Rückfahrt DM 180,-). Auf dem Schiff decken wir uns noch mit Wodka ein. Nach anstrengender Fahrt legen wir uns in die Dünen von Angelholm zum Schlafen.

Donnerstag 01.08.91
Wir frühstücken Suppe an einer Raststätte. Nach den letzten 20km Schotterpiste kommen wir endlich um 16.00 Uhr in Lennardsfors an. Jan baut das Faltboot zusammen, während Uwe und ich einen Abstellplatz für unser Auto (Golf Diesel) suchen und letztendlich bei einer Gastwirtschaft auch finden. Die Boote werden beladen, jeder Stauraum wird genutzt. Am Abend stechen wir noch in See und fahren ca.2km im Le Long zu unserem ersten Campingplatz, wo wir vergeblich erste Angelversuche starten. Als Abendessen gibt es Spaghetti Napoli.

Freitag 02.08.91
Es ist windig, was das Paddeln anstrengender macht. Uwe gibt alles im Einerkajak. Unterwegs versuchen wir uns immer wieder im Angeln und Uwe hat Glück, er fängt ein Bärschli. Es gibt Milchreis. Etwas später machen wir Halt auf einer kleinen Insel und nutzen die Zeit natürlich sofort wieder zum Fischen. Abgesehen davon, dass wir ständig am Blinkerraustauchen waren und ich mir dabei auch noch den Fuß aufgeschnitten habe, konnten wir mit der Angel an dem Tage nicht mehr erreichen. 11km Bootsfahrt.

Samstag 03.08.91
Zum Frühstück gab's Chili bis zum Erbrechen, jeder hatte einen Topf voll. Das Wetter ist super. Heute hat Michel sich beim Blinkertauchen den Knöchel aufgeschlitzt. Sieht übel aus, tut aber fast nicht weh. Auf der Suche nach einem Flusslauf, bei dem wir uns mehr Angelglück erhoffen, irren wir ziemlich lange zwischen Schilf und Seerosen umher, bis wir schließlich feststellen, dass der Flusslauf völlig versumpft ist. Wir schleusen in den Vestra Silen. 16km Bootsfahrt. Gegen Abend müssen wir hangbraten, da die umliegende Ebene knochentrocken ist und ein Waldbrand uns recht ungelegen käme. Es gibt Hangbratkartoffeln. Etwas später hat Michel einen Hecht an der Angel. Zwar kein Riese, aber dafür sehr schmackhaft. In unserem Trinkwasser schwimmen Wasserflöhe, die aber vertragen das Apfelsinenkonzentrat nicht und treiben auf dem Rücken. Umso besser vertragen wir den Wodka.

Sonntag 04.08.91
2km vor Varvik haben wir einen guten Platz zum Campen gefunden. Es gibt viele Waldameisen, wenig Angelglück und Kartoffelsuppe.

Montag 05.08.91
Heute haben wir eine Wildente erlegt, gerupft, ausgenommen und daraus Chinapfanne gekocht. Jan weigerte sich Hand anzulegen. Die ganze Kochprozedur dauerte immer sehr lange, da wir zuerst Feuer machen, die Glut unter einen Topf schaufeln und Wasser zum Kochen bringen müssen. Die Ente ist in ca.4 Std. zubereitet und schmeckt vorzüglich. Wir paddeln nach Varvik um einzukaufen, doch alles was Varvik zu bieten hat, ist eine Schleuse und ein kleiner Kiosk. Die Hinfahrt ist sehr stürmisch, die Rückfahrt zum Glück auch. Michels Knöchel verheilt nur sehr langsam. Abends beginnt es zu nieseln. Wir zocken noch ein wenig und hauen uns gegenseitig aufs Ohr. Ohne Uhr geht einem jegliches Zeitgefühl verloren. Der Sonnenuntergang ist sehr spät (ca.23.00 Uhr).

Dienstag 06.08.91
Es regnet immer noch. Wir kochen im strömenden Regen. Gegen 14.00 ziehen wir zu Fuß los nach Gustafsfors zum Lebensmittel einkaufen. Wir stapfen durch nasses kniehohes Gras, Wald, Farnenfelder und auf einer Eisenbahnschiene entlang. Die Trekkings von Jan und Uwe haben sich voll bewährt, ihre Füße wurden immer schön feucht gehalten, während ich stets trockenen Fußes marschieren muss. Kartoffeln, Brot, Zwiebeln, Schokolade, Bier und ein kleiner Faltgrill für nur DM 150,-. Nach insgesamt ca. 12km Fußmarsch kommen wir triefend naß am Zelt an und nutzen die Gelegenheit zum Baden. Im strömenden Regen stehen wir splitternackt im See und seifen uns ein, während Kajakfahrer kopfschüttelnd an uns vorüberziehen. Das Holz ist nass und es dauert ziemlich lange, bis das Feuer brennt. Für das getrocknete Holz bauen wir extra aus Michels BW-Poncho eine Dackelgarage. Wir pennen bis Sonnenuntergang (23.00 Uhr) und kochen im Dunklen (Nachtbraten). Nach 4 Std. ist das Pasta Asciutta fertig und wir auch.

Mittwoch 07.08.91
Es schifft in strömen. Wir essen hartgekochte Eier und watten anschließend. Gegen Nachmittag wird das Wetter wieder etwas freundlicher. Wir nutzen die Gelegenheit zum Wäschetrocknen. Nach mehreren Versuchen gelingt es uns ein Feuer zu machen, mit dessen Hilfe wir an einer Bretterwand unsere Klamotten trockenräuchern. Zwischendurch regnet es immer wieder, weshalb wir uns gezwungen sehen eine wetterfeste Küche zu bauen. Aus Bretterwand, Poncho, Stöcken und Schnüren konstruierten wir eine Räucherkammer mit Temperaturen wie in einer Sauna. Die Kapuze ist der Rauchabzug ("'Regenbraten"'). Uwe verbrennt sich zwischendurch die Griffel an einem heißem Stein. Es gibt Kartoffelsuppe. Die Fische beißen auf unser Beißwunder nicht.

Donnerstag 08.08.91
Nach Rührei mit Spinat brechen wir unser Lager ab und fahren ca. 8km weiter. Wir müssen 2mal schleusen (40 Kr) um in den Östra Silen zu gelangen. Unterwegs habe ich es mir nicht verkneifen können noch von einer Klippe zu springen. Wir campen an einem Sandstrand. Es beginnt wieder zu regnen, d.h. im Zelt kochen ist angesagt und zwar Kartoffelpü mit Cornedbeaf. Abends hat Michel noch einen Köderfisch gefangen, der über Nacht im Wasser zappeln darf. Wir sitzen noch lange am nächtlichen Lagerfeuer und unterhalten uns über Gott und die Welt.

Freitag 09.08.91
Statt einen Hecht anzulocken, hat das Fischli seinen Teelöffel abgegeben, den ich auch sofort am Strand finde. Vormittags sieht das Wetter noch vielversprechend aus, doch gegen Mittag ziehen wieder Wolken auf. Wir machen einen Waldspaziergang und schneiden nach langem hin und her doch die Pilze (Steinpilz und Pfifferling) ab und gönnen uns mit der Chinapfanne eine kleine Dosis Cäsium. Es gibt auch jede Menge Blau-, Erd- und Himbeeren. Heute hab ich mir mal die Griffel verbrannt. Außer Köderfischen beißt nichts. Wir philosophieren mal wieder am Lagerfeuer.

Samstag 10.08.91
Uwes Köderfisch vom Vortag hängt noch gagerlfidel an der Angel und freut sich seines Lebens, der Haken im Maul scheint ihn gar nicht zu stören. Ab Mittag ist die Sonne draußen, wir bräunen uns. Anschließend fahren wir auf die gegenüberliegende Insel zum Klippenspringen und Sonnen. Später gibt es Spaghetti Napoli. Wir spielen Wasserfrisbie und waschen uns. Am Lagerfeuer zocken wir bis spät in die Nacht.

Sonntag 11.08.91
Das Wetter ist sehr wechselhaft, starker Wind zieht auf. Uwes Fisch bekommt seine Freiheit wieder. Wir paddeln los. Die Wellen sind teilweise so hoch, dass sie über das Boot schlagen. Hände und Arme werden vom ständigen rudern immer schwerer. Der Schleusenwart von Varvik ist nicht da, wir müssen die Boote umtragen. Wir kaufen noch Brot, Margarine (Bregot), Schoko, Batterien und Bier für 200 Kr. Insgesamt sind wir ca.20km bis zu unserm nächsten Schlafplatz gerudert und das bei starken Gegenwind. Wir sind so fertig, dass wir uns ernsthaft überlegen das Essen ausfallen zu lassen und das heißt was! Doch die selbstgemachte Kartoffelsuppe mit Bohnen, Mais, Zwiebeln und Pfifferlingen päppelt uns wieder auf.

Montag 12.08.91
Wir frühstücken, baden im kalten See und brechen nach Arjeng auf. Das Wetter ist mal wieder wechselhaft (Sonne, Sturm und Regen). Während der Bootsfahrt werden wir von einem heftigen Unwetter überrascht; die Natur zeigt ein Schauspiel, dass einem das fürchten lehrt. Es ist kalt und alles na. Nach ca.15km erreichen wir die Insel vor Arjeng. Hungrig und völlig fertig beginnen wir mit der üblichen Prozedur, Boote an Land und ausleeren, Zelt aufbauen und einräumen, anschließend kochen (Spaghetti Napoli). Währenddessen beginnt es wieder zu regnen. Wir pennen, später werden noch bis in die Dunkelheit Schafe geköpft.

Dienstag 13.08.91
Heute haben Michels Eltern Silberhochzeit, aber er kann nur seine Oma erreichen. Wir kaufen in Arjeng Fressalien für DM 100,-. Uwe trampt nach Lennartsfors, um das Auto zu holen. Jan paddelt zurück zur Insel und holt unser Gepäck und ich penne auf einem Bootssteg. Wir fahren nach Oslo, es kostet 10 NOK um nach Oslo rein fahren zu dürfen (jedoch, eine Umgehung gibt es nicht). Der Campingplatz ist schweineteuer, deshalb zahlen wir nur eine Person und ein Zelt. Bei Milchreis mit Apfelmus genießen wir die Aussicht auf Oslo bei Nacht.

Mittwoch 14.08.91
Nach dem Frühstücksei ist Kultur angesagt, Wikingermuseum, Kon-Tiki-Museum (Eintritt geprellt, indem wir zum Ausgang rein sind), Hafen, Schloss, Stadt, Fußgängerzone und Hafenpromenade. überall laufen die typisch schwedischen Frauen rum. Nach Lapskaus, Schafkopfen und Korn saufen sind wir noch mal an den Hafen. Wir hatten ein spitzen Wetter.

Donnerstag 15.08.91
Wir haben uns auf die schnelle noch Eier gekocht und haben uns vom Campingplatz gestohlen, um nicht die zweite Übernachtung noch zahlen zu müssen. Wir besichtigen die Sprungschanze vom Holmenkollen. Oben auf der Schanze nutzte Uwe noch die Gelegenheit und machte im Auftrag von englischen Touristen ein Portrait, allerdings ohne Köpfe; ein Versehen oder?
Wir verlassen Oslo und fahren in das Naturschutzgebiet Hardangervidda (ca.250km nordwestlich von Oslo). Unterwegs ließen wir noch unsere Kackschaufel kaputtschweißen. Wir genießen die norwegische Landschaft mit seinen Gebirgen, Flüssen und Seen, und die Bauernhöfe mit ihrem eigenartigen Baustilen. Auf einer Schotterpiste kommen wir an unser Ziel. Von dort aus werden wir eine 5-tägige Wandertour starten. Wir befinden uns auf ca. 1100m ü.N. (oberhalb der Baumgrenze). Es regnet und ist kalt. Hier ist es wie in den Alpen, Kuhglocken, Berghütte und Bauern, die ihre Herde zusammenrufen. Wir kochen Kartoffelsuppe und leeren dazu den Korn.

Freitag 16.08.91
Das Wetter ist zu schlecht, wir unterbrechen unsere Wandertour, bevor sie beginnt. Der Campingplatz war mal wieder umsonst. Wir fahren zurück über Oslo nach Öland. 40km vor Uddevalla reißt der Auspuff ab. Das Auto hat jetzt einen Sound wie eine Panzer, deshalb fahre ich mit Oropax. Bei Dunkelheit klauten Uwe und ich noch zwei Elchschilder, was allerdings in eine Schweinearbeit ausartete, da wir nur eine Zange hatten und ständig Autos vorbeifuhren. Die Stange raufklettern, in den Straßengraben schmeißen, die Stange raufklettern, ... usw., dann noch die sperrigen Schilder verstauen. Wir campen an einer Straße vor Alingsas.

Samstag 17.08.91
Es ist bewölkt. Der zweite Korn ist in Arbeit. Wir fahren weiter über Boras nach Växjö. Die Elchschilder müssen noch verstaut werden, sie sind ganz schön groß. Das schwedische Geld reicht gerade noch bis Öland, doch dort am Campingplatz in Stenasa können wir wechseln. Kaum steht das Zelt, schifft es wieder in strömen. Wir verstecken die Schilder im Kofferraum unter dem ganzen Gerümpel. Anschließend zocken wir und machen den zweiten Korn leer. Öland ist das Gebiet in Schweden mit den statistisch meisten Sonnentagen im Jahr, das ich nicht lache. Anfangs wollten wir ohne Zelt nach Schweden fahren; ich glaube wir wären ziemlich eingegangen! Wir gönnen uns Chinapfanne und heiße Schokolade. Der Campingplatz ist nicht sehr komfortabel (ein Stern), kalte Duschen. Die Ostsee ist dreckig und stinkt nach Kläranlage, viele Quallen.

Sonntag 18.08.91
Heute können wir uns endlich mal wieder waschen. Nach Linseneintopf und heißer Schokolade, lädt das regnerische Wetter zu einem kleinen Kulturprogramm ein, Windmühlen, Slotts-Ruine, Borgholm und einmalige Steppenlandschaft. In einem Park in Borgholm wollten Uwe und ich mit einer Angelschnur noch eine Ente fangen, doch die vielen Passanten störten ständig. Nachdem wir Kartoffeln und Zwiebeln geerntet haben, machten wir eine Sumpfwanderung zur Zeltplatzsuche. Als ich dabei hinter einer Mauer einen Pflock unter die Grasnarbe rammen wollte hat mich Jan dabei ganz schamlos fotografiert. Abends kochten wir noch Spaghettis.

Montag 19.08.91
Beschissenes Wetter und ein Haufen Touristen begrüßen uns am Morgen. Wir zocken bis Mittag, bis wir uns endlich aufraffen können, das Zelt abzubrechen. Da der Auspuff mittlerweile auf der Straße schleift, müssen wir in abmontieren. Doch mit nur einer Zange als Bordwerkzeug stehen wir vor einem Problem. Glücklicherweise ist ein Deutscher vorbeigefahren und hat uns sein Werkzeug freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Nachdem wir die größte Mühle von Öland fotografierten, haben wir in Borgholm mit einem Rohr vom Schrott und Draht den alten Golf-Topf wieder anmontiert, weil der Lärm unerträglich wurde. Trotz neuerworbener Blinker konnten wir am Hafen nichts fangen. Eine spärlich belegte und überteuerte Pizza war unser Abendbrot. Es zieht wieder ein Unwetter auf, vom Hafen aus konnte man den Horizont nicht mehr erkennen, da das Meer so schwarz war wie der Himmel. Wir fahren zum größten Binnensee der Insel und campen dort.

Dienstag 20.08.91
Wir hatten eine sehr windige Nacht; das Wetter sieht vielversprechend aus. Es ist Schaum auf dem See. Nach dem Frühstück ist wasserzocken angesagt. Die Sonne scheint. Etwas später laufen einige Schulkinder im Wasser rum und sammeln Muscheln. Wir zocken weiter und beschließen auch Muscheln zu sammeln, um unsere Chinapfanne zu verbessern. Beim Muscheln sammeln schneide ich mir mal wieder den Fuß auf. Die gekochten Muscheln schmecken wie Kaugummi mit Faulschlamm-Aroma. Es gibt also Chinapfanne pur. Wir beobachten einen Seeadler beim Fischfang. Wir essen im Wasser und schafkopfen wieder. Wir genießen bei einer Tasse heißen Tee den Sonnenuntergang. Der Vollmond spiegelt sich in dem See.

Mittwoch 21.08.91
In der Frühe werden wir von den im Wasser rumlaufenden Kindern geweckt. Die Sonne begrüßt uns. Es gibt Kartoffelsuppe. Wir laufen zur Ostsee und baden und sonnen dort. Der Sandstrand ist wesentlich schöner als der in Stenasa. Gegen Abend kaufen wir am Hafen von einem Fischer 3 Schollen für 10 SKr (DM 3,-). Die gebratenen Schollen mit selbstgemachtem Kartoffelpüree schmecken vorzüglich. Der dritte Korn ist leer. Der Sonnenuntergang geht von orange bis violett, der See ist spiegelglatt. Wir unterhalten uns bis spät in die Nacht. Unsere Spielkarten sind weg, wahrscheinlich haben sie die Schulkinder gefunden.

Donnerstag 22.08.91
Wir haben wieder ein super Wetter. Die Kinder stören uns auch nicht mehr. Es gibt zur Abwechslung mal wieder Kartoffelsuppe. Meine Wunde heilt langsam ab, wassert aber noch. Wir fahren nach Borgholm zum Einkaufen (44 km). Auf der Strecke zu Strand 17 (schöne Strandpartie) geht der Auspufftopf wieder ab. Strand 17 ist ein Flop. Wir fahren wieder an den gestrigen Strand und zocken mit gekauften Skatkarten am Strand. Am Hotel Hornsjön ist Elterntreffen der Schüler. Wir kochen Pfannbretter mit Vollkornmehl und Apfelmus. Es ist Wind aufgezogen und es wird frisch; wir zocken im Kerzenlicht.

Freitag 23.08.91
Heute ist Wäsche-Waschtag. Meine ganze Seife geht dabei drauf. Die Kinder sind weg, endlich haben wir unsere Ruhe. Am Strand sonnen und karteln wir, bis der Fischer wieder in den Hafen einläuft, doch der Fischer bleibt aus; es gibt also keine Schollen, aber Chili mit Kartoffeln. Hier hat es eine rege Tierwelt, Reiher, Seeadler, Kröten, Frösche und eine Ringelnatter haben wir schon gesehen.

Samstag 24.08.91
Es regnet etwas. Wir fahren nach Byxelkrok und angeln am Hafen. Wir fingen nur die kleinen, blöden Fischlis, von denen die größten in die Spaghetti Bolognese kamen. Die Nudeln waren so hervorragend schlecht, dass nach dem Kochen eigentlich nur noch ein Nudelbrikett übrig blieb. Einzelne Nudeln waren nur noch schemenhaft zu erkennen. Das Mal war schauderhaft.

Sonntag 25.08.91
Wechselhaftes Wetter. Nach der mittlerweile fast obligatorisch gewordenen Kartoffelsuppe brechen wir das Lager ab und begeben uns nach Kalmar. Unterwegs mussten wir unseren Zwiebelvorrat etwas auffüllen, was uns zu einer kleinen Ernte veranlasste. Offensichtlich stießen wir auf Missgunst, da einige Autofahrer mit Hupkonzerten an uns vorüber fuhren. Ein paar stein- und bronzezeitliche Dreckhaufen, auch Hügelgräber genannt, stillten unseren Durst nach Kultur. Auf den Weg zum Wandergebiet Langasjö/Emmaboda schifft es in strömen. Wir campen neben einem Fußballplatz und unter einer mehrere Meter hohen Säule hungriger Mücken. Der Milchreis, jedoch mit normalem parboiled Reis gekocht, krönt den Abend.
Essensinventur, es reicht.

Montag 26.08.1991
Zum Frühstück gibt was ganz seltenes: Kartoffelpü, Knödel und Blaukraut. Das Wetter ist optimal zum Wandern. Die 20kg schweren Rucksäcke auf dem Rücken machen sich beim Laufen doch etwas bemerkbar. Nach ca.3 Std.bzw.12km und 5 verlaufenen km machen wir 15 min Rast. Meine Füße sind jetzt schon am Ende, dass kann ja Eiter werden. Unterwegs sammeln wir Eindrücke (Märchenwald, Seen, Schmetterlinge und sogar eine Kreuzotter) und jede Menge Steinpilze. Gegen 17.30 beginne wir mit der 2 stündigen Kochprozedur. 2kg Pilze (Steinpilze, Rotkappen, Pfifferlinge, Maronen, Ziegenbart), 7 Zwiebeln, 5 Tomaten, 2 Dosen Chilibohnen und ein halber Topf Kartoffeln werden zum Eintopf. Das Essen mundete ausgezeichnet. Anschließend gibt es noch etwas Kohle, sicher ist sicher. Wir sind auf dem Auswanderweg ca.25km inklusive Umweg in etwa 5 Std. gelaufen. Der Rundweg ist 96km lang, dauert 5 Tage und wir haben Proviant für vier Tage dabei. Abends wollten wir uns Trinkvanille machen, haben sie aber vergessen. Milch war leider schon mit Wasser gestreckt, als wir bemerkten das die Vanille nicht mit uns gekommen ist. Wir campen an einer Hütte mit Feuerstelle und Sitzplätzen. Wir sind ziemlich fertig und gehen recht früh in Zelt, auch wegen der vielen Mücken. Der Rundweg läuft im Gedenken an Vilhelm Moberg. überall stehen irgendwelche Gedenkstätten von ihm rum.

Dienstag 27.08.1991
Wie jeden Morgen werden wir schon beim öffnen vom Zelt von Hunderten von Fliegen begrüßt. Jan hat bereits die Suppe gekocht. Gegen 11.30 starten wir zur nächsten Etappe. Hier könnte man sich allein von Pilzen ernähren (Durchmesser bis zu 30 cm). Das Wetter ist spitze. Nach 4,5 Std.(18km) kommen wir an einem Badesee bei Skruv an. Uwe und Jan gehen einkaufen. Ich bereite Spaghettis vor. Joghurt und Kefir halten mich am Leben. Die Lauferei zieht sich ziemlich hin. Heute hab ich noch einen Felsen erklommen und wäre fast nicht mehr runter gekommen. Nach dem Essen (23.00) haben Uwe und ich noch einen Sack Äpfel geerntet. Wir campen heute ziemlich nobel in einer Umkleidekabine des Sees. Wir zocken bei Kakao.

Mittwoch 28.08.1991
Nachts hat es geregnet. In der Früh wollte offensichtlich einer sein Geschäft verrichten, hat es sich aber wieder verdrückt, als er uns rum liegen sah. Nach dem Frühstück mit Kakao und Marmeladenbrot sind wir etwa gegen 10.00 Uhr aufgebrochen. Es ist ziemlich bewölkt und stürmisch mit etwas Regen. Unterwegs stellten wir uns noch bei einem Bauern unter und kauften dort einen Liter frische Milch. Auf dem Wanderweg fanden wir zufällig eine Wanderkarte auf der wir mit Entsetzen feststellen mussten, dass wir erst circa die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht hatten. Es sind noch 55km vor uns. Nach 21km (5 Std.) kommen wir in Korrö an und kaufen was für den kleinen Appetit. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, wurden wir von einem "'Naturschützer"' verjagt. Höchstwahrscheinlich sollte die Natur auf diesem Kinderspielplatz nicht gestört werden. Mit dem fertig aufgebauten Zelt wanderten wir etwa 150m über 2 Straßen weiter und waren außerhalb des Reservats. Nachdem wir uns mit mehrere Stunden mit Kartoffelpuffern stärkten und Uwe meine Isomatte mit Bier und Kakao versorgt hatte beschlossen wir morgen noch 18km zu laufen und dann das Auto holen.

Donnerstag 29.08.1991
Die Wanderweg in diesem Reservat sind ziemlich anstrengend. Jan und ich sind ca. 15 min vorausgelaufen, da Uwe noch etwas ansehen wollte. Nach 6km über Stock und Stein, balancieren über einen schmalen Damm, steinigen Felshängen, durch Gestrüpp und Büsche trafen wir Uwe wieder. Er hat seinen Studentenausweis unterwegs irgendwo hingelegt um uns ein Zeichen zu geben, da er vor uns ist, in Wirklichkeit war er hinter uns. In den Wäldern wird vor Bären gewarnt (Akter! Barn!). An den Rucksack habe ich mich mittlerweile gewöhnt, nur an die schmerzenden Füße nicht. Unterwegs sah ich vielleicht Elche, es war jedenfalls Wild auf der Flucht. Nach insgesamt 20 km kommen wir am Zeltplatz an (Sandsjö/Dangebo). Uwe ist gleich weiter zum Auto getrampt. Jan und ich waren beim Duschen, wobei uns im voll eingeseiften Zustand das Wasser abgedreht wurde, wir liefen im Adamskostüm, vor Publikum versteht sich, zum See und sprangen dort hinein. Das Wasser ist kalt, die Situation etwas peinlich und unsere Wäsche bei der Dusche. Uwe ist nach einer Stunde schon wieder da. Es gibt nur ein Kilo Reis, was sich als zuviel erweist. Der Campingplatz ist recht billig, man kann zahlen was man will, natürlich nichts!

Freitag 30.08.1991
Am Morgen verleibten wir einem Forchheimer Kind unsere Essensreste ein und begaben uns auf den Weg zur Fähre. Unterwegs ließt man am Straßenrand oft "'Granskog?"'. Auf dem Zeltplatz 10km vor Kopenhagen schlagen wir unser Zelt auf. Nach der Suppe machten wir Kopenhagen unsicher. Mit meiner dreckigen BW-Hose muss ich ziemlich asozial ausgesehen haben, doch meine andere Hose, eine zerrissene Jeans, hatte ich auf Öland schon gekürzt und zwar so, dass fast nichts mehr übrig blieb. Die Stadt ist ganz lässig, in der Fußgängerzone ist einiges los (Konzerte, Artisten etc.), alte Häuser und Kanäle. Uwe und ich pennten in einer Campinghütte der Matratzen wegen, natürlich ohne zu zahlen. Jan blieb im Zelt. Das Ein- und Aussteigen aus der Hütte war einigermaßen schwierig, da das Fenster viel zu klein war. Das nicht Vorhandensein einer Toilette in diesem Häuschen wurde mir beinahe zu Verhängnis. Aus dem Fenster kam ich nicht mehr rechtzeitig, deshalb musste ich einmal in einen Putzkübel und einmal aus dem Fenster rauspinkeln.

Samstag 31.08.1991
Am Morgen nutzten wir die günstige Kochgelegenheit in der Hütte und machten uns zum Frühstück 2l Vanillemilch und Brot mit Leberpastete. Gegen Mittag sind wir noch mal nach Kopenhagen, konnten uns mangels Geld jedoch keinen Eintritt mehr leisten. Ins Holographie-Museum durften wir nach etwas betteln umsonst rein, Louis-Tussand's-Museum hätte 40 DK gekostet, das Planetarium 100 DK, eine Aussicht von der Erlöserkirche 10 DK, der Runde Turm 12 DK, das Experimentarium 50 DK und der Botanische Garten 0 Dk. Kurz, wir sind durch ganz Kopenhagen gelaufen, mir reicht's! Die Stadtaussicht vom Turm der Erlöserkirche is nich, wir hätten zu lange warten müssen. Abends gibt es zur Abwechslung mal Leberpastete mit Brot. Mit der Fähre setzten wir nach Femarn über. Am Strand von Bojendorf pennen wir, es wird ziemlich feucht.

Sonntag 01.09.1991
Die Feuchtigkeit kommt durch den Schlafsack. Im Meer sind jede Menge Pfähle, und auf jedem sitzt ein Kormoran. Wir fahren nach Burg und kaufen dort Fressalien. Am Hafen frühstückten wir erst mal, dann beschlossen wir morgen einen Hochseeangel-Törn machen. Bei dem spitzen Wetter verbrachen wir einige Stunden am Strand in der Nähe von knatternden Lenkdrachen, die sich manchmal bedenklich nah neben uns in den Sand bohrten. Abend zocken wir noch in einer Kneipe mit einem lustigen Papagei als Maskottchen. Wir knacken neben einem Campingplatz bei Wulfen, der Wind ist recht lästig. Nach fast sechs Wochen Wildcampen hat mir dieser Campingplatz gerade gefehlt. An jedem Wasserhahn steht ein Schild mit einer Bemerkung, für was diese Wasser verwendet, bzw. nicht verwendet werden darf. Trotzdem wird nicht auf dem Campingplatz übernachteten, genossen wir sämtliche Vorzüge, wie z.B. schmutzige Toiletten, kalte Duschen und natürlich spießige Camper.

Montag 02.09.1991
Wir mussten bereits um 5.30 Uhr aufstehen, um einen guten Platz auf dem Kutter zu bekommen. Die Fahrt mit Leihangel kosten DM 30,-. Nach ca.2 Stunden Fahrt durften wir unsere Angeln das erste Mal in Wasser hängen, bist die Hupe wieder ertönte und wir uns wieder in andere Fischgründe weitermachten. Der Fischer neben mir war angeblich der König der Fischer, seine Gefriertruhe ist voll mit Fischen und die ganze Nachbarschaft wird von ihm mit Fischen versorgt. Nun gut, ich fing vier Dorsche akzeptabler Größe und er letztlich einen halb verhungerten. Der Kutter fuhr bereits wieder, als Uwe im Begriff war seinen zweiten Blinker der See zu schenken. Doch langsam löste sich der Widerstand und Uwe stellte fest, dass ein ca. 7 Pfund schwerer Dorsch an seiner Angel Wasserski fuhr. Mit insgesamt sechs Fischen hat sich die Fahrt für uns gelohnt. Gegen 15.30 Uhr kamen wir wieder am Hafen an, wo Jan und ich erst mal die Fische filetierten, während Uwe einen Eimer besorgte. Nachdem wir Eis aus der Fischhalle organisiert hatten, machten wir uns auf den Weg nach Hamburg. Es war nirgendwo mehr ein Eis aufzutreiben, wir konnten unsere Filets in einer Hafenkneipe im Kühlschrank unterbringen. Als Hamburgbesucher muss man natürlich auch auf die Reeperbahn. In Wedel auf einem Parkplatz nächtigen wir.

Dienstag 03.09.1991
Es gibt süßen Kakao mit noch süßerem Gebäck. Wir gehen in das nebenan liegende Freibad und braten dort bis Mittag. In der Affenhitze versuchten wir erst mal unsere Filets kühl zu lagern. Bei einem Fischhändler bekamen wir eine Styroporbox gefüllt mit Eis. Wir latschen noch ein bisschen durch Hamburg, machen eine Hafenrundfahrt und schauen uns ein wenig um. Gegen 19.00 Uhr traten wir die Heimreise an und um 1.00 Uhr war der Urlaub zu Ende.

© 1991 M. Pophal

 Letzte Überarbeitung:  13.07.07